Links, rechts, egal!? Die Buchmesse und die Radikalen

Eigentlich …

Die Straße der guten Vorsätze ist mit Backsteinen aus „eigentlich“ gepflastert. Denn eigentlich wollte ich mich aus der Betrachtung der Geschehnisse auf der Frankfurter Buchmesse heraus halten. Ich bin nicht dabei gewesen und aus der Ferne ist es immer schwer, einen wirklich differenzierten Kommentar abzugeben. Die eigene Meinung wird zwangsläufig durch das was man liest und wo man es liest beeinflusst.

Also, obwohl ich eigentlich meinen Mund dazu halten wollte, nehme ich ein heute erschienenes Interview des „Neuen Deutschland“ mit Kathrin Grün von der Kommunikationsabteilung der Frankfurter Buchmesse zum Anlass, doch ein paar Worte dazu zu schreiben. Ganz einfach, weil ich das Interview für größtenteils sehr offen und fair geführt halte (mal abgesehen von der sehr reißerischen Überschrift), auch wenn natürlich zu jeder Zeit deutlich ist, dass der Fragesteller eher links verortet ist.

Aber zunächst noch einmal in Kurzform zu dem, was passiert ist: Auf der Frankfurter Buchmesse kam es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der rechten Szene und Gegendemonstranten bei verschiedenen Veranstaltungen der Neuen Rechten. Diese wurden teils durch massiven Polizeieinsatz begleitet, bis schließlich eine dieser Veranstaltungen abgebrochen werden musste. Des Weiteren kam es zu einem tätlichen Übergriff auf einen Verleger. An den Vortagen waren Messestände rechtsgerichteter Verlage beschmiert oder schlicht „leer geräumt“ worden.

Und am Ende haben wir eine Situation, in der alle auf alle zeigen und jeder jeden für verantwortlich befindet. Dabei hat es der Buchmesse sicherlich nicht geholfen, dass man sich in den ersten Statements zumindest unglücklich ausgedrückt hat.

Ich habe ja bereits vor der Buchmesse darauf hingewiesen, dass ich grundsätzlich die Meinungsfreiheit als ein hohes Gut ansehe und diese – bei allen Magenschmerzen, die ich persönlich deswegen habe – zunächst auch für rechts gerichtete Verlage oder Autoren gilt. Wer möchte, kann die Diskussion dazu gerne hier nachlesen.

Mit dieser Ansicht liege ich, wenig überraschend, auf der offiziellen Linie der Buchmesse selbst. Was man sich vielleicht im Hinterstübchen für Gedanken macht, kann von meiner Seite aus nicht beurteilt werden.

Was mir aber zu denken gegeben hat, ist in der Tat der Fakt, dass für einen neutralen Beobachter (so es diese denn überhaupt gibt, aber ich denke da zum Beispiel auch an ausländische Medienvertreter) manchmal nicht recht zu erkennen war, wer bei diesem Konflikt nun eigentlich die „Guten“ oder die „Bösen“ gewesen sind.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Körperliche Gewaltanwendung ist der Punkt, ab dem es keine Diskussion mehr darüber geben kann, ob hier nun jemand auch oder genauso provokant aufgetreten ist, wie die Gegenseite. Wenn ein Mensch verletzt wird, nur weil er von eben dieser freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat, um die es in dieser Debatte hauptsächlich geht, dann ist die Grenze überschritten und ich hoffe, dass der dafür Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Aber ich kann auch die Aussagen der Buchmesse verstehen, die sehr deutlich darauf hinweist, dass die Provokationen gegenseitig waren. Und hier haben sich, leider, vor allem die Gegner der rechten Verlage nicht mit Ruhm bekleckert.

Denn jetzt mal ehrlich. Welchem Kindergarten ist denn die Idee entsprungen, die Stände eines Verlages und einer Zeitschrift leer zu räumen? Und welchem Rowdy fiel ein, die Stände mit Parolen zu beschmieren?

Ich kann es ja verstehen und in gewissem Sinne auch nachfühlen. Aber ich sehe eben auch, dass man sich mit solchen Aktionen nicht wirklich auf die moralisch sichere Seite eines Konfliktes stellt, bei dem es, meiner Meinung nach, sehr wohl auch um ein moralisches Bild geht, das man abgeben sollte. Denn die Sprecherin der Buchmesse hat Recht, wenn sie sagt, dass man den Auftritt eines Björn Höcke nicht unterbinden kann, weil er eben der Landesvorsitzender einer dort auf demokratischen Weg gewählten Partei ist. Man kann höchstens hinterfragen, ob es moralisch zu verantworten ist, wenn man Leuten wie Höcke, aber auch Autoren wie Akif Pirinçci, die sich beide bereits mehr als einmal deutlich gegen eine weltoffene Kultur positioniert haben, ein Forum gibt.

Das Problem bleibt bestehen, wie bereits früher angesprochen. Mit jeder nicht durch die Verfassung gedeckten Aktion, die man gegen die Rechte fährt, drängt man sie mehr in eine Märtyrer-Position. Und wenn es etwas gibt, worauf die Anhänger dieses Gedankenguts besonders abfahren, dann sind es Märtyrer. Das war schon immer so und das wird wohl auch immer so sein. Leider.

Heißt das jetzt, dass man nichts gegen die Rechten auf der Buchmesse unternehmen kann? Jein. Man kann ihnen, dazu stehe ich, nicht mit Ausschluss und Verboten begegnen. Denn dann müsste man sich als Messe in jedweder Beziehung politisch neutralisieren. Was meinem Verständnis von Literatur vollkommen zuwider läuft.

Was wir, und damit meine ich alle im weitesten Sinne Kulturschaffenden, vielmehr brauchen, ist eine gesteigerte Rechtssicherheit. Also eine Aussage dazu, was geht und was eben nicht mehr geht. Wie die Messe selber sagt: Solange ein Werk nicht verboten ist, darf eine Zensur nicht stattfinden. Wenn ein Werk nun aber zu verbieten wäre, dann müssen die entsprechenden Instanzen, die es ja gibt, auch entsprechend schnell tätig werden.

Jeder von uns kann und sollte seinen eigenen kleinen Beitrag leisten. Dazu zähle ich aktive Gegenwehr gegen rechtspopulistische Strömungen in unserer Gesellschaft. Auch zähle ich dazu die Solidarisierung mit allen, die durch die Anhänger dieser Strömungen diffamiert, diskriminiert oder ausgegrenzt werden.

Wir müssen nur scharf aufpassen, dass wir die Trennlinie nicht überschreiten zwischen dem, was moralisch richtig ist und dem, was uns selber in unserer Haltung angreifbar macht. In Frankfurt wurde diese Linie, nach allem, was ich weiß, leider stellenweise überschritten. Und am Ende sitzen die Populisten auf der Bühne und freuen sich einen Keks, dass sie die weltweite Aufmerksamkeit auf ihrer Seite haben und irgendwo, an irgendeinem Stammtisch, ein weiterer Mensch beschließt, ab sofort die AfD zu wählen.

Darin sehe ich die wahre Gefahr.

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Frankfurter Buchmesse: Nicht dabei, aber irgendwie doch

Wie ihr wisst, habe ich für mich recht frühzeitig die Entscheidung getroffen, nicht zur Buchmesse nach Frankfurt zu fahren. Die Gründe dafür könnt ihr hier noch einmal nachlesen, wenn ihr mögt.

Nun tobt die Messe seit ein paar Tagen und wenn man irgendwo im Internet in den Bereich „Buch“ geht, dann kommt man nicht drumherum, sich mit Menschen konfrontiert zu sehen, die da sind, die dahin wollen, die schon da waren, oder die sich grämen, dass sie nicht da sind.

Gut, könnte man sagen, dann mach halt ein paar Tage Abstinenz von diesem ganzen Internetzeug. Tut dir vielleicht gar nicht mal so schlecht, wenn man ins Kalkül zieht, dass du uns von einer generellen Überlastung erzählt hast.

Ja, wäre vielleicht eine Idee gewesen. Aber, ihr kennt mich inzwischen, ich torpediere mich ja gerne mal so ein bisschen selbst.

Ich bin ja Mitglied bei den BartBroAuthors, dem lustig-bärtigen Autorenverein, zu dem ich euch, auch nach fast einem Jahr, immer noch gefühlt einen eigenen Beitrag „schulde“. In diesem Verein gibt es, wie auch bei den Kollegen von den Kleingartenanlagen und den Kaninchenzüchtern, verschiedene Aufgaben zu erledigen, Posten zu besetzen und sonstwie Leute einzuspannen. Da beißt die Maus keinen Faden ab und es ist schwer, sich dem zu entziehen. Besonders, wenn man ein von Natur aus hilfsbereiter Mensch ist.

Als also seinerzeit vor dem Start der verschiedenen Social-Media-Kanäle des Vereins Leute gesucht wurden, die sich an der redaktionellen Arbeit beteiligen, habe ich mich für den Twitter-Kanal gemeldet. Ihr könnt im Normalfall einmal in der Woche, Samstags, live dabei sein, wie ich mir Mühe gebe, ein halbwegs brauchbares Aushängeschild für den Verein abzugeben.

Während der Messe ist die Situation ein wenig dadurch verschärft, dass die meisten Autoren, jedenfalls die meisten, die ich kenne, irgendwie dann doch den Weg nach Frankfurt gefunden haben. Dadurch ergab sich für den Twitter-Kanal die Situation, dass das ganze Wochenende abzudecken ist. Und wer eignet sich da besser als jemand wie ich, der sowieso zu Hause sitzt?

(Hinweis: Dabei war ich selber drei Stunden auf einer Messe. Halt einer, bei der es um Infos für Häuslebauer und -besitzer ging. Aber eine Messe 😉 )

Und so kommt es, dass ich jetzt regelmäßig durch ein Heer von Tweets schaue um zu prüfen, ob die sich nicht für den BartBro-Kanal als Retweet eignen würden. Und so bin ich dann auf gewisse Weise doch live dabei, sehe eine Unmenge von Fotos mit lachenden und glücklichen Menschen und …

… und frage mich, ob ich nicht vielleicht doch auch hätte hinfahren sollen.

Die Frage ist eigentlich bescheuert, denn ich wusste im Vorfeld, dass sie kommen würde. Selbst dann, wenn ich es doch irgendwie geschafft hätte, mir die virtuelle Bettdecke über den Kopf zu ziehen und einfach toter Blogger zu spielen. Dass ich nicht nach Frankfurt gefahren bin, hat ja nicht den Grund gehabt, dass ich Sorge hatte, es könne mir da nicht gefallen.

Dennoch ist da natürlich ein bisschen Wehmut mit im Spiel, was aber auch okay ist. Es wäre wahrscheinlich ein ganz schlechtes Zeichen, wenn es nicht so wäre. Denn dann wäre es wahrscheinlich so, als ob ich mit dem ganzen Business, das da zelebriert wird, innerlich ein Stück weit abgeschlossen hätte. Wenigstens für diesen einen Moment.

Habe ich aber nicht. Ich fühle mich jetzt, genau jetzt und genau hier, wo ich bin, nicht weniger als Autor, nicht weniger als Buchmensch und nicht weniger ambitioniert, nur weil ich eben hier und nicht dort bin. Trotz Träne im Knopfloch, aber mit stark bestätigender Ratio.

Also: Alles wird gut – wenn es das nicht schon ist.

Ach ja, wer sich ein Bild davon machen will, was ich da alles so für ein Zeugs twittere, der schaue doch mal auf den (auch an anderen Tagen sehr lohnenswerten) Twitter-Kanal:

Deutschland – Immer noch das Land der (politischen) Denker!?

Ja, ich weiß, jeder, alle und deren kleine Brüder schreiben irgendwelche schlauen Kommentare zur Bundestagswahl. Und ich bin sicher nicht die „Instanz“, von der es einen weiteren langen Sermon hierzu braucht. Deswegen möchte ich mich auch gar nicht dahingehend ausbreiten, sondern nur ein kurzes Statement aus der Sicht eines ganz kleinen und unbedeutenden Autoren abgeben.

Dass es in Deutschland immer noch eine Menge Dichter gibt, ist ein ebenso unumstößliches wie glückliches Faktum. Das beweisen viele Profi-, Nachwuchs- und Amateurschriftsteller jeden Tag aufs Neue. Und selbst den Strategen der verschiedenen Parteien kann man nicht abstreiten, dass sie in der Lage sind, Wahlprogramme, Wahlkampfslogans und Wahlkampfreden mit dichterischer Eleganz aufs Papier zu bringen.

Nein, um die Dichter dieses Landes mache ich mir keine Sorgen.

Aber um die Denker steht es, glaube ich, nicht zum Besten. Und damit meine ich, wohlgemerkt, nicht die Wählerinnen und Wähler. Selbst dann nicht, wenn sie eine Partei gewählt haben, mit der ich politisch (so überhaupt) nicht klar komme. Denn ich achte den Willen des Wählers als Souverän des Volkes.

Nur wenn ich mir die Damen und Herren Politiker anschaue, dann frage ich mich, ob die Sache mit dem Denken nicht noch einmal ein wenig nachgeschärft werden sollte.

Die Demokratie Deutschlands steht aus mehreren Gründen vor ihrer größten Bewährungsprobe:

  • Es zeichnen sich schwache Mehrheiten ab, von denen sich allerdings keine wirklich aufdrängt, zumal
  • führende Parteimitglieder bereits angefangen haben, sich gegeneinander in Stellung zu bringen.
  • Die sogenannten Volksparteien sind, teils deutlich, durch den Wähler abgestraft worden.
  • Mit der AfD ist eine zumindest in Teilen rechts-(hier kann man, je nach Sichtweise, die Fortsetzung -populistische, -nationale, -extreme, -liberale einsetzen) Partei drittstärkste Kraft geworden.

Und wenn man sich die führenden Politiker der Parteien ansieht, könnte man glauben, dass es am Ende doch und immer noch nur darum geht, wer eigentlich gerade die Deutungshoheit über den Sandkasten Deutschland hat. Da wird in der sogenannten Elefantenrunde auf einem Niveau „diskutiert“, dass einem Angst und bange werden kann. Vor allem die Noch-Partner der Großen Koalition geben ein Bild ab, bei dem man sich fragt, ob die auch in den letzten vier Jahren so miteinander und übereinander gesprochen haben.

Bei „Anne Will“ üben sich verschiedene Parteivertreter wahlweise in gegenseitigem Zynismus oder darin, sich gegenseitig an Lautstärke zu überbieten.

Und dann gibt es noch die, die „den Knall“ immer noch nicht gehört haben. Oder wenigstens glaubhaft so tun. Ich nenne aus Höflichkeit keine Namen.

Es gibt die genannten Herausforderungen an die Demokratie und man wird sie nur dadurch bewältigen können, dass man gründlich darüber nachdenkt, was der Wähler eigentlich will, was er nicht mehr will und wie man auf einen tragfähigen Konsens kommen kann, um ihn nicht mehr in die Arme von Konstrukten wie der AfD zu schicken.

Und den Umgang mit dieser Partei wird man nicht darauf beschränken können, ihre Vertreter wahlweise in Talkrunden durch Lautstärke mundtot machen zu wollen (das können die im Zweifel nämlich besser) oder sie einfach zu ignorieren.

Frau Wagenknecht von den Linken wurde gestern gefragt, wie sie in der Opposition mit Vorschlägen von der AfD umgehen wolle. Sie hat geantwortet, dass sich nun erst einmal zeigen müsse, ob die überhaupt in der Lage sei, vernünftige Vorschläge einzubringen. Ich halte das für einen guten Standpunkt und einen guten Umgang. Es bringt nichts, die AfD pauschal zu dämonisieren. Das ist nur Wasser auf die Mühlen ihrer Politiker und Anhänger. Es braucht eine Auseinandersetzung die zeigt, dass die demokratischen Parteien in der Lage sind, den Thesen und Ansichten dieser Gruppe Paroli zu bieten und konstruktive, bessere Wege zu finden.

Aber das wird man nur durch nachdenken erreichen!

Es wäre gut, wenn die Politik gleich heute damit anfangen würde.

Die Sümpfe der Traurigkeit

Denjenigen, denen beim Lesen der Überschrift sofort ein Kerzenlicht aufgegangen ist, muss ich nicht lange erzählen, worum es heute geht. Allen anderen muss ich wohl zumindest ein ganz klein wenig auf die Sprünge helfen – wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass sich viele Leser auf meinen Blog verirren, die noch nie von Michael Endes vielleicht schönstem Buch (was man allerdings über fast jedes seiner Bücher sagen kann) „Die unendliche Geschichte“ gehört haben.

„Die unendliche Geschichte“ berichtet von zwei Jungen von etwa zehn Jahren, die viele Gefahren auf sich nehmen, sich selbst und einander gegenübertreten müssen, um am Ende über sich selbst hinauszuwachsen. Einer von ihnen ist eine Figur aus einer Geschichte, der andere ein ganz normaler Junge aus der Menschenwelt.

Eben dieser Junge, der dicke, unsportliche und unbeliebte Bastian Balthasar Bux, raubt einem Antiquar das Buch „Die unendliche Geschichte“, weil er genau auf so eine Geschichte immer schon gewartet hat – eine Geschichte, die niemals zu Ende geht. In ihr liest er von dem gewaltigen Reich Phantásien, das von einem unheimlichen Nichts bedroht wird und sich in Auflösung befindet. Die Herrscherin dieses Reiches, die Kindliche Kaiserin, ist krank und es scheint, dass diese Krankheit der Grund für das Verderben ist, das sich über Phantásien ausbreitet.

Als alle ärztliche Heilkunde versagt hat, wird der weiseste aller Ärzte, der alte Cairon, ausgeschickt, um Atréju aufzusuchen und ihn auf die Große Suche nach einem Heilmittel zu schicken. Atréju ist der andere der beiden Jungen.

Im Laufe der Geschichte erlebt Atréju viele Abenteuer, an denen Bastian immer mehr Anteil nimmt, bis schließlich die Grenzen zwischen der Realität und dem Buch aufbrechen und Bastian selbst nach Phantásien reist, wo er gleichfalls viel erlebt um am Ende doch festzustellen, dass er die ganze Zeit über auf einer Reise zu sich selbst gewesen ist.

Ich kann nicht sagen, wie oft ich diesen Roman gelesen habe. Mit Sicherheit öfter als zehn Mal. Und noch viel häufiger habe ich das gleichnamige Hörspiel gehört, das in den 80ern vom Label Karussell auf drei Kassetten vertrieben wurde. Auch den Film habe ich gesehen, wenn der auch mit dem Buch nicht ganz so viel zu tun hat.

„Die unendliche Geschichte“ hat also immer schon einen gewissen Eindruck auf mich gemacht, kann man sagen. Es ist eines von wenigen Büchern, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene funktionieren – auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Das habe ich gestern Abend wieder einmal festgestellt.

Im Augenblick lese ich nämlich „Die unendliche Geschichte“ meiner jüngeren Tochter vor. Das kam eher zufällig, weil sie eigentlich bislang kein großes Interesse daran hatte, dass man ihr vorliest. Und so lange Bücher schon gar nicht. Aber gut, jetzt sind wir seit vier Tagen dabei und sie freut sich jeden Abend auf die halbe Stunde, die wir uns so vor dem Schlafengehen abknapsen können.

Gestern nun erreichten wir in der Geschichte zusammen mit Atréju die Sümpfe der Traurigkeit, die diesem Beitrag ihren Namen gaben. Atréju sucht diese Sümpfe auf, weil in ihnen das älteste Geschöpf Phantásiens leben soll, die Uralte Morla. Zusammen mit seinem treuen Pferdchen Artax betritt er die Sümpfe, doch Artax wird bald immer langsamer und bewegt sich irgendwann gar nicht mehr.

Das Pferd bleibt einfach stehen und lässt geschehen, dass es immer weiter in den Morast einsinkt. Atréju, der durch ein Kleinod der Kindlichen Kaiserin geschützt wird, versucht, Artax zu helfen, aber das Pferd sagt ihm, dass es die Traurigkeit einfach nicht mehr aushalten kann und dass es die Traurigkeit ist, die es so schwer gemacht hat, dass es untergeht. Es ist so traurig, dass es nur noch sterben möchte.

Während ich die Szene las, bildete sich in meinem Hals ein Kloß. Denn ich stieß hier, vollkommen unerwartet, auf die vielleicht beste literarische Darstellung des Zustands einer schweren Depression, die ich je gelesen habe. Auf jeden Fall ist es die beste kindgerechte Darstellung dieses Zustands.

Jetzt kann man fragen, wieso es wichtig sein könnte, dass Kinder sich mit solchen Dingen auseinander setzen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum einen gibt es Kinder, die mittelbar betroffen sind, weil ihnen nahe stehende Bezugspersonen an Depressionen erkranken. Für diese ist es manchmal sehr schwer zu begreifen, was da gerade passiert und wieso Mama, Papa oder sonst jemand auf einmal ganz anders ist als noch zuvor.

Aber es gibt auch genügend Kinder, die, leider, unmittelbar betroffen sind. Denn Depression ist keine Erkrankung, die nur Erwachsene betrifft. Bei manchen Kindern fängt sie leider schon im Grundschulalter an. Sie wird oft nur nicht erkannt, weil sie sich hinter Begleiterkrankungen wie ADHS oder ähnlichem versteckt.

Ich habe mir ein wenig Zeit genommen, um zu recherchieren und bin dabei darauf gestoßen, dass ich vermutlich der Letzte bin, dem diese Zusammenhänge noch nicht klar geworden waren. Aber auch das kann ich erklären. Als ich „Die unendliche Geschichte“ das letzte Mal las, muss das so 2009 gewesen sein. Ich las das Buch damals nämlich meiner älteren Tochter vor.

Und 2009 war das Thema Depression für mich noch keins. Damals lagen diese ganzen Schübe von Traurigkeit, von Selbstzweifeln und allem anderen (ersparen wir uns die Details) wahlweise in einer lange weg geschobenen und vergessenen Vergangenheit, oder in einer viel zu nahen Zukunft.

Mir ist es schlicht und ergreifend nicht aufgefallen. Die Szene in den Sümpfen war für mich eine traurige Szene in einem Kinderbuch, wie es auch anderswo traurige Szenen gab. Sie gehörte eben dazu. Einen tieferen Sinn dahinter habe ich nicht gesucht und entsprechend auch nicht gefunden.

Gestern dann also der Kloß und die plötzliche Erkenntnis. Mir muss niemand sagen, dass gerade die Romane von Michael Ende immer nur so von mehreren Ebenen der Handlungsdeutung wimmeln. Auch nicht, dass es immer einen Subtext gibt. Dass er diese mit einer mitreißenden Handlung verknüpfen konnte, die eben auch „nur“ als Abenteuergeschichte funktioniert, das ist die große Kunst seiner Erzählweise.

Wisst ihr, was meiner Meinung nach dennoch die große Kunst von uns als denen sein muss, die solche Bücher lesen? Wir müssen uns davon frei machen, jetzt nur noch nach Bedeutung zu forschen. Es darf nicht sein, dass wir kollektiv in das Verhalten von Deutsch-LK-Schülern verfallen, die hinter einer großartigen Erzählung immer auf der Suche nach dem sind, was der Autor uns eigentlich sagen wollte.

Michael Ende war jemand, der stets Abstand davon genommen hat, einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Das hat er gesagt und das kaufe ich ihm ab. Dass wir dennoch in seinen Romanen eine Moral, eine Bedeutung, einen Subtext, eine zweite und dritte Handlungsebene finden können, das zeigt die Größe seiner Erzählkunst und es zeigt, dass es sich manchmal lohnt, die Sichtweise für einen Moment von den gedruckten Worten aufzuziehen – um dann schnell wieder den Fokus umzuswitchen und einfach ein gutes Buch zu lesen.

So wie meine Tochter gestern im einen Moment traurig war über Artax‘ Tod, um im nächsten Moment über die Redeweise der Uralten Morla zu lachen und dann ein ganz klein wenig Angst zu haben, weil Gmork, der Werwolf, sich auf Atréjus Spur gesetzt hat.

Aber wer weiß, was sie eines Tages in diesem Roman finden wird, wenn sie ihn vielleicht ihren eigenen Kindern vorliest?

Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden 🙂 .


PS: Wer ganz viel Langeweile Zeit hat und sich richtig in die Deutungsvielfalt der „Unendlichen Geschichte“ eingraben will, dem empfehle ich als Startpunkt diesen Wikipedia-Eintrag.

Meldung und Meinung: Neonazis kommen zur Buchmesse

Die Meldung geht gerade in den einschlägigen Newsportalen und der Presse rund: Die Stiftung „Europa Terra Nostra“ plant, auf der kommenden Buchmesse in Frankfurt zwei Bücher zu präsentieren, die sowohl der Urheberschaft als auch des Inhalts nach in die neonazistische Ecke einzuordnen sind. An einem von ihnen hat unter anderem der NPD-Politiker Udo Voigt mitgewirkt.

Die Meinungen auf den Webseiten, auf denen ich mich im Allgemeinen herumtreibe, sind relativ einhellig:

  • Können die das einfach so machen?
  • Muss die Messeleitung da nicht einschreiten?
  • Wie wäre es mit einem Boykott der anderen Verlage?
  • Kann man diese Gesinnung nicht einfach ausschließen?

Lasst mich beim letzten Punkt einhaken, denn „einfach“ finde ich das ganz und gar nicht. So leid es mir persönlich auch tut.

Ich habe eine recht eindeutige Meinung zu rechtem Gedankengut, wie ich an dieser Stelle schon mehr als einmal dokumentiert habe. Als mir kürzlich ein „Infozettel“ der NPD ins Haus geflattert kam, war der schneller ein Puzzle, als ich mir die einzelnen Begriffe darauf merken konnte. Aber eine Meinung ist eine Meinung – und eine Meinung darf, so lange wir uns im Rahmen der reinen Meinungsäußerung befinden, nun einmal jeder haben.

Denn neben der eindeutigen Meinung zu rechtem Gedankengut habe ich auch eine eindeutige Meinung zur Meinungsfreiheit. Über diese ist abgesichert, dass Dinge, die nicht offen rassistisch, verfassungswidrig oder kriminell sind, geäußert werden dürfen. Wenn gegen diese Regeln verstoßen wird, dann ist es Aufgabe des Staates und seiner Instanzen, entsprechende Verstöße zu ahnden.

Wohlgemerkt: Das ändert gar nichts daran, dass mir persönlich die Aussagen der Damen und Herren Neonazis gewaltig gegen die Hutschnur gehen. Und bei Licht betrachtet die der Funktionäre noch viel mehr als die des Brüllvolks, das tumb irgendwelche Aufmärsche abhält.

Aber eine Buchmesse steht wie kaum etwas anderes eben auch für die Meinungsfreiheit. Wir leben in Zeiten, in denen in der Türkei Autoren, Journalisten und andere Intellektuelle verfolgt und inhaftiert werden, nur weil sie eine Meinung vertreten, die der dortigen Regierung (eigentlich wollte ich ein anderes Wort schreiben, aber dann darf meine Familie bis in die vierte Generation nicht in die Türkei reisen) nicht in den Kram passt. Aus Sicht der Regierungspartei sind diese Leute die Extremisten!

Und wir leben in Zeiten, in denen es in Asien durch den Staat gelenkte Buchmärkte gibt, auf denen publiziert wird, was genehm ist. Mal restriktiver, mal offener. Aber trotzdem vom Staat gelenkt.

Wahrscheinlich habt ihr alle schon einmal das wundervolle Zitat gehört, dass regelmäßig Voltaire in den Mund gelegt wird, aber eigentlich von seiner Biographin Evelyn Beatrice Hall stammt:

Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.

(Die verschiedenen Übersetzungen variieren ein wenig.)

Dieser Satz bringt gut auf den Punkt, wie ich in Bezug auf die Teilnahme von Neonazis auf der Frankfurter Buchmesse eingestellt bin. Wenn die Bücher, die dort zur Ausstellung kommen sollen, nicht offen und nachweislich verfassungsfeindlich sind – und davon muss ich ausgehen -, dann haben sie ein Recht, dort zu sein. Jedenfalls dasselbe Recht, das auch jeder links-, oben- oder untenradikale auch hat.

Was gebraucht wird, ist eine Auseinandersetzung mit diesen Büchern. Und die darf durchaus so aussehen, dass niemand Notiz von ihnen nimmt. Lasst sie auf der Buchmesse links liegen, schenkt ihnen keine Aufmerksamkeit! Denn mit dem ganzen Tamtam, das jetzt schon gemacht wird, stärkt ihr nur die Position der Urheber. Sie sind im Gespräch. Und wo das Gespräch ist, wird Aufmerksamkeit erzeugt. Wo Aufmerksamkeit ist, kommen Neugierige. Und wo Neugierige sind, werden neue Sympathisanten abgefischt.

Ich bin der Meinung, dass eine Messe, die sich selbst als überparteilich, als freiheitlich, als weltoffen sieht, mit dieser Bedrohung von Außen umgehen können muss. Lasst uns als Besucher ihr dabei helfen.

Und bevor die Frage kommt: Wenn es sich um eine Buchhandlung handeln würde, sähe ich die Sache anders, denn eine Buchhandlung bewegt sich auf dem Markt und kann im Markt agieren, wie sie, beziehungsweise der/die Buchhändler/in, es für richtig hält. Buchhandlungen vertreten und formen Meinungen. Eine Messe gibt Meinungen Raum.

Wir als Individuen können genau so handeln: individuell. Und das gibt mir das Recht, die Meinung von Herrn Voigt und Konsorten aufs Schärfste zu kritisieren und zu verachten. Und es gibt mir das Recht, Wahlflyer, die in meinem Briefkasten landen, auf Schnipselgröße zu stutzen.

Aber im großen und ganzen gilt das angebliche Zitat von Voltaire. Sollen sie ihre Meinung sagen dürfen. Aber zuhören, das muss und sollte nun wirklich keiner.


Einen Bericht über die Thematik hat unter anderem die Frankfurter Rundschau.

Die Klassiker liest doch sowieso niemand mehr

Die Klassiker liest doch sowieso niemand mehr. So denken zumindest manche Verlage, wenn meine, zugegeben, etwas steile These richtig ist. Jedenfalls habe ich diesen Eindruck gewonnen und möchte ihn mit einem Beispiel untermauern.

Ich habe gerade, Asche auf mein Haupt, zum ersten Mal in meinem Leben die wundervolle Novelle „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm gelesen. Dass ich sie zum ersten Mal gelesen habe sagt eine Menge über den Schulstoff vor fünfundzwanzig Jahren aus – immerhin war ich Schüler im Deutsch-Leistungskurs!

Auch jetzt hätte mich wahrscheinlich nichts an diese Novelle getrieben, wenn ich nicht über ein anderes Medium herangeführt worden wäre. In der Hörspielreihe „Das Gruselkabinett“ von Titania Medien (die ich generell nur empfehlen kann) ist als Folge 98 eine sehr hörenswerte Vertonung der Geschichte um den jungen Deichgrafen Hauke Haien erschienen, die sich wirklich bis in einige Dialoge sehr eng an das Original hält. Und als ich dann die Gelegenheit hatte, eine Ausgabe der Novelle für kleines Geld gebraucht zu erwerben, habe ich zugeschlagen.

Als ich das kleine Büchlein dann aufschlug, fiel mir schlagartig wieder ein, wieso ich vor vielen Klassikern (nicht nur) der deutschen Literatur beinahe schon instinktiv zurückschrecke. Ich finde nämlich das Schriftbild, in dem diese gesetzt sind, oft einfach nur augenunfreundlich klein und anstrengend.

Hier eine Beispielseite aus dem gezeigten Band:Auf diese Weise geht es runde einhundert Seiten weiter. Und „Der Schimmelreiter“ ist beileibe keine Ausnahme, wie mir dann auch wieder einfiel. Ich hatte mal eine Ausgabe des „Moby Dick“, bei dem gefühlt eine Lupe notwendig gewesen wäre, um den Text auf einigen Seiten zu entziffern – so eng war er aneinander gepresst. Als ob die Typen der Druckmaschine in eine Müllpresse geraten wären. Ich will jetzt nicht sagen, dass dieser Umstand Schuld daran hat, dass ich „Moby Dick“ abgebrochen habe, aber es hat sicherlich nicht zu meiner Motivation beigetragen.

Wenn man sich mal ein wenig umschaut, dann sieht man bei den klassischen Stoffen so etwas häufiger. Ein wenig aus der Generalkritik ausnehmen möchte ich dabei den Reclam-Verlag, mit dessen Reihen ja ein ganz eigenes Konzept gefahren wird, das auf Preis/Leistung hin angelegt ist.

Wieso aber bei einem „richtigen“ (nicht falsch verstehen, liebe Leute bei Reclam) Buch nicht auch ein richtiges und augenfreundliches Schriftbild gewählt wird, ist mir nicht verständlich.

Und so komme ich halt zu meiner These: Man scheint zu glauben, dass die Klassiker sowieso von niemandem mehr gelesen werden. Oder zumindest nur von einer verschwindend kleinen Gruppe von Menschen. Unter Zugrundlegung dieser Theorie wird es dann wirtschaftlich. Wenn ich als Verlag davon ausgehen muss, dass ich eine Publikation nur in kleinen und kleinsten Stückzahlen verkaufen werde, dann muss ich sparen, woran ich sparen kann. Und die Veröffentlichung eines Buches mit wenigen Seiten ist nun einmal immer günstiger als eines mit derer vielen.

Jedenfalls gefällt mir dieser Gedanke fast noch mehr als der, dass man die Leserschaft als so klein einschätzt, weil die dargebotenen Inhalte so „elitär“ sind. Das ist der Eindruck, den man oft bei Fachliteratur bekommt. Denn da stecken finanziell hochkarätige Verlage hinter, die ihre Waren finanziell hochkarätig verkaufen – und dennoch so ein Winzlayout verwenden.

Ich kann mir natürlich nicht anmaßen, eine tatsächliche Aussage bezüglich des Entstehens dieses Trends abzugeben. Vielleicht ist es auch eine Frage ähnlich wie die nach Henne und Ei. Also: Was war zuerst da – der kleine Leserkreis oder die kleine Schrift? Die Absicht oder die Anerkennung der Tatsachen?

Jedenfalls hat es schon seine Gründe, dass das Lesen von Klassikern bei vielen Menschen gleichgesetzt wird mit Schule, mit Lernen, mit Klausuren und so gar nicht mit Spaß. Und das ist schade, denke ich. Gerade dann, wenn man von anderen Medien darauf aufmerksam gemacht wird, was für tolle Geschichten einem vielleicht bislang entgangen sind, wäre es schön, wenn man diese lesen könnte, ohne sich seine Augen zu verderben.

Eine Lösung hierfür gibt es, auch wenn es zunächst etwas „uncool“ wirkt: Einige, nicht alle, Klassiker gibt es auch als spezielle Großdruckausgaben. Unter anderem auch den „Schimmelreiter“. Aber auch hiermit ist wieder eine neue Nische geschaffen worden, der es, nach allem was man hört, eher schlecht denn recht geht.

Wahrscheinlich gibt es am Ende keine Lösung, die allen Beteiligten gerecht wird, weil es immer an einem oder mehreren fehlt: Geld, Leser, Auflage. Doch mit meinem kleinen Artikelchen wollte ich dann wenigstens zu Protokoll gegeben haben, dass es hier noch jemanden gibt, der die Klassiker liest. Und sich vorgenommen hat, dies in naher Zukunft vielleicht öfter mal zu tun. So lange die Augen irgendwie mitspielen, jedenfalls 😉 .

Der Sonntagsreport vom 10.09.2017 – Da ist man mal nicht da …

… und schon brechen die Besuche auf dem Blog ein. Man könnte meinen, es ist nur meine Geschwätzigkeit, die dafür sorgt, nicht in Vergessenheit zu geraten.

So – alle mal durchatmen, denn das war ein Scherz!

Ich habe es vorher schon einmal in Kommentaren angesprochen, dass ich wirklich genau verfolgen kann, wie die Besuchszahlen auf meinem Blog für Tage zurückgehen, wenn ich mal einen oder zwei Tage keinen neuen Artikel veröffentlicht habe. Ich bin mir sicher, dass man da jetzt richtig gewichtige Rückschlüsse in Bezug auf Marketingstrategien, Wirkungsanalysen und Zeitfenster ziehen könnte.

Nur, das alles mache ich nicht. Ich nehme zur Kenntnis, bin inzwischen aber älter und weiser geworden und mache mich deswegen nicht mehr verrückt, wenn ich mal weniger Besucher habe. Und wisst ihr auch, wieso das so ist?

Ganz einfach: Ich weiß, dass ich euch mit meiner Postingfrequenz ganz schön was zumute. Ich meine, wer hat schon jeden Tag Zeit und Lust, den Beitrag des Tages auf einem bestimmten Blog zu lesen, selbst wenn er wirklich gut sein sollte? Was meine, selbstkritisch betrachtet, ja nun auch nicht immer sind.

Dafür kann und möchte ich mich nicht beschweren. Ich habe viele Besucher, die immer gerne wiederkehren. Es könnte sein, dass ich, mit einer ausgefeilten Strategie, zu ganz anderen Zugriffszahlen käme. Ich verteile meine Zugriffe auf einem nicht so hohen Niveau auf die ganze Woche. Andere Blogs haben vielleicht bei einem neuen Artikel in der Woche wesentlich höhere Spitzenwerte. Weiß ich alles nicht.

Aber da bei mir halt die tägliche Dosis das gewohnte Maß aller Dinge ist, fällt es in der Kurve schon auf, wenn mal ein Tag deutlich unter allen anderen bleibt.

Wieso schreibe ich euch das eigentlich heute? Weil ich in den letzten Tagen wieder viel über Marketing gehört und gelesen habe. Über Strategien bei Social Media und Blogs. Darüber, was man wann, wie und wo schreiben soll. Drüben bei Twitter bin ich, im „Auftrag“ der BartBroAuthors, selber Teil solcher Überlegungen. An manchen Stellen macht es auch Sinn, sich hierüber den Kopf zu zerbrechen. Schließlich will man möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich richten und auf das, was man tut.

Meine Güte, irgendwann einmal in naher Zukunft werde ich hier auf diesem Blog „stehen“ und einen Roman in der Hand halten, den ich verkaufen will!

Es mag also sein, dass ich ab diesem Zeitpunkt auch zum strategischen Denken übergehen werde. Weil ich es ein Stück weit muss. Aber ich kann euch jetzt schon sagen, dass es mir sicherlich weniger Spaß machen wird als das freie vor mich hin schreiben, wie ich es euch im Moment zumute.

Und was, um wieder zum Anfang zu kommen, die meisten von euch ja auch in schöner Regelmäßigkeit hierher führt.

Wofür ich dankbar bin! Denn für mich seid ihr Teil dieses Projekts, Teil der Umsetzung meines Traums vom eigenen Buch. Und daher freue ich mich über jeden der mich auf meiner virtuellen Veranda besucht, sich einen Stuhl nimmt und für einen Moment mir und meinen Gedanken zuhört. Und wenn ihr dann auch noch ein paar Worte mit mir wechseln mögt, dann ist das der Gipfel der Zufriedenheit, den man als Blogger erfahren kann.

Auf die Gefahr hin, dass es pathetisch klingt: Für mich werdet ihr, liebe Freunde, niemals nur reines „Klickvieh“ auf dem Weg zum Erfolg sein. Keine Statistik kann wichtiger sein als die offene und ehrliche Interaktion. Natürlich freue ich mich, wenn ihr hinterher alle fleißig mein(e)n Roman(e) kauft. Alles andere wäre gelogen oder unaufrichtig.

Aber wir sind hier nicht im Shoppingkanal und es gibt keine Lockvogelangebote. Und so soll es bleiben.

Daran dürft ihr mich gerne erinnern, wenn es irgendwann doch dazu kommen sollte, dass ich nur noch die virtuellen Verkaufsschilder hochhalte und immer rufe „Sonderpreis!“, als wären wir beim Glücksrad-gott-hab-es-selig.

Lasst uns alle authentisch sein – und bleiben. Und authentisch in die neue Woche gehen.

Passt auf euch auf!

Euer Michael