Der Sonntagsreport vom 14.01.2018: Viele Baustellen

Hallo zusammen,

es ist mal wieder Sonntag und damit Zeit, zumindest ein wenig ein Streiflicht auf das zu werfen, was im Augenblick so ansteht. Und irgendwie habe ich das Gefühl, von Baustellen umgeben zu sein. Was ich nicht nur in Hinblick auf die ganz realen Baustellen hier in unserem Haus meine.

Aber fangen wir mit denen ruhig mal an, denn wir haben eine ziemlich bewegte Woche hinter uns, in der nicht nur das Zimmer meiner Frau quasi in den Urzustand zurückversetzt wurde, sondern obendrein auch noch unser Badezimmer eine, wenn auch geplante, Baustelle war. Die Duschkabine wurde entfernt, die Wand neu gekachelt und jetzt warten wir „nur“ noch darauf, dass irgendwann die zur neuen Duschtasse passenden Wände geliefert und montiert werden.

Also jede Menge Schutt und Asche, auf die man diese Woche seinen Blick werfen konnte. Leider geht mir, ganz im Gegensatz zu meiner Frau, die Ruhe und die Gelassenheit im Umgang mit solchen Dingen völlig ab. Man stelle sich mal vor: Sie fand es sogar ganz entspannend, den Fensterausschnitt großflächig neu zu verputzen! Da verkrieche ich mich lieber unter den Schreibtisch und schaue mal nach, wie der von da unten betrachtet aussieht.

Aber gut, was gemacht werden muss, muss gemacht werden. Und wenn ich jetzt schon anfangen würde, am Rad zu drehen, dann will ich besser nicht wissen, wie es mir ergeht, wenn dann anschließend irgendwann mein Zimmer an der Reihe ist.

Apropos „mein Zimmer“. Zwischendurch stand auch mal zur Debatte, mein Zimmer und das meiner Frau gegeneinander zu tauschen. Eine Entscheidung, mit der ich mich nicht leicht getan habe. Zwei Tage habe ich hin und her überlegt und als ich gerade so weit war, dem ganzen zuzustimmen, zog meine Frau eine neue Variante aus dem Ärmel, die den Umzug unnötig macht.

Solche Dinge können mich durchaus stressen. Aber auf diese Weise muss ich wenigstens nie lange nach neuen Belastungserprobungen suchen, von denen ich hinterher meinem Therapeuten erzählen kann 😉 .

Lassen wir jetzt die Steine und die Farbe hinter uns und kommen zu dem, um was es hier ja eigentlich geht: das Schreiben. Leider ist die letzte Woche, die so verheißungsvoll gestartet war, dann doch mit einer ziemlich schwachen Bilanz zu Ende gegangen. Ich bekomme im Moment einfach keine Kontinuität in meine Arbeit hinein und ich überlege krampfhaft, woran das liegt.

Ist es vielleicht das falsche Projekt, an dem ich arbeite? Oder gehe ich falsch an die Sache heran? Setze ich mir vielleicht gar zu wenige konkrete Ziele?

Im Moment sieht es so aus, dass ich, eigentlich gerne jeden Tag wenigstens eine Seite in PapyrusAutor schreiben würde. Das sind „nur“ 500 Wörter und damit wirklich nicht viel. Aber man hört ja immer und immer wieder, dass es besser ist, jeden Tag ein wenig und das kontinuierlich zu schaffen, anstatt einmal alle paar Tage richtig ranzuklotzen.

Es klappt nur leider weder das eine noch das andere richtig. Gut, heute habe ich 1.500 Wörter geschrieben, was ganz okay ist. Aber für die ganze Woche stehen damit eben auch nur knapp 2.000 Wörter auf dem Tableau. Wenn ich jeden Tag die 500 Wörter schriebe, wären es 3.500 Wörter. Der Zeitaufwand pro Tag würde sich auch gerade mal auf etwa zwanzig Minuten belaufen. Nicht viel mehr.

Eigentlich doch nun wirklich nichts, was sich nicht auch noch nach der Arbeit und sogar parallel zu allen möglichen Renovierungsfragen erledigen ließe. Aber im Moment anscheinend doch zu viel.

Es ist einfach frustrierend, dass solche Phasen immer und immer wieder auftreten. Da könnte doch langsam mal jemand eine Pille gegen erfinden, oder? Das müsste doch möglich sein. Und wäre ein solcher Verkaufsschlager, dass sich alle Entwicklungskosten rechnen würden.

In meinem nächsten Leben werde ich vielleicht Pharmazeut in einem großen Konzern. Dann besorge ich mir ein Patent auf so eine Pille und werde schweinereich. Das Geld nutze ich dann – um ganz viel Zeit zum Schreiben zu haben *g.

Problematisch ist halt, dass Zeit, Motivation, Inspiration und Geschick sich zur selben Zeit an einem Punkt des Raumes treffen müssen. Der Mensch, der sich in diesem Augenblick dort befindet, hat dann im wahrsten Sinne eine Erleuchtung und kann alles erreichen, was er sich im Moment vornimmt.

Aber ich will nicht jammern. Erfahrungsgemäß kommen irgendwann auch wieder bessere Zeiten. Für unser Haus wie für mein Schreiben. Wie für alles andere.

Okay, kommen wir zum Ende. Um den ganzen Staub, der bei so einer Renovierung nicht ausbleibt, aus dem Kopf zu pusten, sende ich euch noch ein wenig Musik hinten drein. Bitte laut stellen!

Habt noch einen schönen Sonntag!

Euer Michael

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Fakt und Fiktion (21) 2018 hat was gegen mich

2018 hat was gegen mich.

Na ja, streng genommen gehöre ich ja zu den Menschen, die der Ansicht sind, dass grundsätzlich erst einmal jedes Jahr etwas gegen sie hat – bis sie vom Gegenteil überzeugt werden. Ihr wisst schon, das ist die Geschichte, dass man nicht von schlimmen Dingen überrascht werden kann, wenn man immer von den schlimmsten Dingen ausgeht.

Aber da mache ich einmal, ein einziges Mal, den Fehler, nicht sofort das Schlimmste anzunehmen und diese Gelegenheit nutzt 2018 hinterrücks, um mir einmal mit Anlauf in den Hintern zu treten.

So, nachdem wir jetzt alle zusammen eine Schweigeminute eingelegt haben, um diesen schlimmen Umständen würdig zu begegnen, kommen wir zu den Fakten.

Ich hatte es ja schon auf Twitter und in Auszügen auch gestern erzählt: Alles startete damit, dass meine Frau in ihrem Hobbyraum einen neuen Fußboden verlegen wollte/musste. Der Teppichboden war an einigen Stellen einfach durch, wie es nicht ausbleibt, wenn man viel mit einem Bürostuhl unterwegs ist und dabei immer wieder mal zwischen dem Schreibtisch, dem Tisch mit der Strickmaschine und diversen anderen Plätzen hin und her wandert.

Also haben wir uns bestmöglich vorbereitet, Materialien für einen neuen Boden gekauft und dann, an Silvester, wieso auch nicht, angefangen, das Zimmer leer zu räumen.

Ich hatte frühzeitig angekündigt, dass ich eigentlich keine große Lust hätte, die Sachen alle irgendwo nach oben im Haus zu schleppen und zu verteilen. Da ich von nur einer kurzen Renovierungszeit ausging, lautete mein Vorschlag, alles in mein Zimmer zu räumen, soweit der Platz denn eben reicht. Wie ihr den gestrigen Bildern entnehmen konntet, reicht der Platz ziemlich weit.

Gut, also streng genommen lag die erste unangenehme Überraschung noch in 2017, aber ich bin bereit, auch diese schon 2018 auf die Fahne zu schreiben. Die Schränke, die wir von der Wand rückten, zeigten im unteren Bereich leichte Verfärbungen. So, als ob dort Stockflecken dabei wären, sich aufs Ausbreiten und Blühen vorzubereiten.

Jeder, der schon mal mit den Themen Feuchtigkeit und Wachstum in den eigenen vier Wänden konfrontiert wurde, kann sich sicher vorstellen, wie groß unsere Begeisterung war. Zumal wir uns nicht so recht erklären konnten wie das passieren konnte.

Aber gut, erst einmal war ja Silvester und auch wenn wir keine große Feierlichkeit hatten, wollten wir uns doch einen netten Abend mit den Kindern machen.

Und dann, an Neujahr, schlug 2018 zum ersten Mal so richtig zu!

Ich saß an meinem PC, als die Tür aufging und meine Frau mit einem triumphierenden (ja, wirklich!) Gesichtsausdruck im Türrahmen stehen blieb. Mehr blieb ihr ja auch nicht übrig, denn zu zweit passen wir nicht mehr in mein Zimmer hinein 😉 .

Sie habe jetzt gefunden, woher die Verfärbungen kämen. Und zwar sei ihr aufgefallen, dass es an den Füßen ein wenig kalt ziehen würde. Daraufhin habe sie einmal eine der Fußleisten von der Wand gerissen (die sollten ja ohnehin mit dem Teppich verschwinden) und dahinter einen breiten Streifen „gar nichts“ vorgefunden.

Mit anderen Worten: Da hatte jemand zwar anscheinend eine Isolation an die Wand gebracht, aber die reichte nicht bis ganz zum Boden. Und damit konnte sich hinter der Fußleiste kalte Luft sammeln, die dann die Schränke erreichte und anfing, Schaden anzurichten.

Zu dem Zeitpunkt war ich schon bedient, denn wenn die Fußleisten bei meiner Frau nicht ganz dicht waren, dann sind sie das auch in meinem Zimmer nicht, wo der Teppich auf dieselbe Weise verlegt wurde. Und dabei hatte ich noch zwei Tage vorher gesagt, dass ich meinen Teppich auf jeden Fall behalten wolle …

Nun gut, oder auch, nun schlecht. Meine Frau meinte, wenn es sich wirklich nur um dieses kleine Stück fehlender Isolation handele, dann könne man mit ein wenig Bauschaum oder dergleichen daran gehen, die Lücke zu schließen und alles sei gut.

Aber dann: 2018, ihr wisst schon.

Am nächsten Tag, ich saß wieder auf der Arbeit, klingelte das Telefon. Meine Frau. Und ich hatte irgendwie vorher schon das Gefühl, dass da keine guten Nachrichten kommen würden. Es kamen auch keine. Sie hatte sich das Ganze noch einmal angesehen und auch mal dahinter gegriffen. Sie konnte dort die Platte ertasten, die zur Isolation verwendet worden war. Sie konnte sie ertasten und … nach oben schieben!

Wieder mit anderen Worten: Die „Isolation“, die da jemand an die Wand gebracht hatte, war alles andere als sicher, vollständig, oder auch nur wirklich isolierend. Denn sonst hätte sie sich nie im Leben bewegen dürfen.

Das war der Moment, in dem wir uns entschlossen, dass wir doch lieber mal jemanden einen Blick drauf werfen lassen sollten, der richtig Ahnung von der Materie hat. Wir sind aus insgesamt drei Wohnungen ausgezogen, weil es dort Probleme mit Feuchtigkeit gab. Da verliert man irgendwann jegliches Gefühl von „Spaß“, wenn es um solche Dinge geht – zumal, wenn auf einmal das eigene Haus gefährdet zu sein scheint.

Zum Glück hatten wir so einen Fachmann direkt an der Hand, weil der ab kommender Woche ohnehin bei uns einrücken und unsere Dusche neu verfliesen wird. Er kam, sah, traute seinen Augen nicht und sagte uns, dass das, was da verlegt worden war, alles war, nur keine Isolation. Da waren offensichtlich irgendwelche Gipsplatten an die Wand gebracht worden, zusammen mit Styropor (!). Ein perfekter Nährboden für Kälte, für Feuchtigkeit, wenn man lange genug wartet, auch für Schimmel.

Sein Rat daher: Alles rausreißen. Sowohl die Wandverkleidungen als auch die Holzdecke. Alles weg, um erst gar keinen potenziellen Nährboden zu bieten. Um ganz auf Nummer sicher gehen zu können, die glatten Flächen mit Silikatfarbe streichen. Klar, es gäbe auch schönere Methoden, aber die gingen dann richtig, richtig ins Geld. Gut, jetzt muss man dazu sagen, dass weder bei meiner Frau, noch bei mir, viel freie Wandfläche zu sehen ist. Also die Farbe.

Der Handwerker machte uns ein Angebot für die Arbeiten und die Entsorgung, die wegen der blöden Gipsplatten richtig teuer ist. Roundabout 1.200 Euro für jedes der beiden Zimmer.

Und 2018 so: Ha, ha, ha, ha, ha!

Okay, irgendwie schluckt man ja jede Kröte, die einem das Leben so hinwirft. Sogar die, dass das Ganze dann wesentlich länger dauern wird, als wir eigentlich gedacht hatten und insbesondere meine Frau jetzt mehr oder weniger beschäftigungslos in der Gegend herum sitzt.

Am vergangenen Mittwoch kam ich dann auf die Idee, ich könne ja mal ein Foto von dem Chaos in meinem Zimmer machen. So für den Blog, als nette kleine Kuriosität am Rande. Ihr ahnt schon, was passiert ist, oder? Könnt ihr es lachen hören?

Ich kam von der Arbeit nach Hause und hängte mein Smartphone an den Strom, weil der Akku nur noch zu 22% geladen war. Nach dem Abendessen nahm ich es vom Kabel und – alles blieb dunkel. Und blieb dunkel. Und wurde auch nicht wieder hell. Egal, was ich mit dem Gerät anstellte, nichts regte sich mehr. Nachdem es schon länger die eine oder andere Macke zeigte, war jetzt endgültig Schicht im Schacht.

Halten wir fest: Am 01.01. zeigte sich, dass wir im Keller meiner Frau ein Problem haben. Am 02.01. stand fest, dass es nicht ausreichen würde, einen neuen Fußboden und ein bisschen Bauschaum zu verlegen. Der 03.01. brachte die Gewissheit, dass wir sogar ein gewaltiges Problem in den beiden zu Wohnraum ausgebauten Kellern haben. Am selben Tag gab mein Smartphone seinen Geist auf. Das Angebot des Akustikbauers flatterte uns am 04.01. ins Haus und löst durchaus ein Seufzen aufgrund der zu erwartenden Kosten aus.

Der 05.01. und der 06.01. waren bis jetzt okay. Aber man weiß ja nie, was sich dieses Jahr noch so alles einfallen lässt.

Also wenn ihr in den Nachrichten hören solltet, dass aus heiterem Himmel ein Haus in Duisburg explodiert ist, und falls ich mich daraufhin hier nicht mehr zu Wort melden sollte, dann seid ihr jetzt in der Lage, die richtigen Schlüsse zu ziehen …

Arbeit oder Vergnügen – oder doch beides?

Im Moment befinde ich mich in den letzten Zügen, was den momentanen Zwischenstand des Lektorats von „Der Morgen danach“ angeht. Ich hatte ja schon einmal berichtet, dass ich da step by step die aktuellen Änderungsvorschläge und -wünsche meiner Lektorin bekomme und die dann, so gut es mir eben möglich ist, abarbeite.

Jetzt gehe ich ja, wie ich ebenfalls berichtet habe, gerade durch eine etwas schwierige Phase, was das Schreiben in all seinen Facetten anbelangt. Es fällt mir wesentlich leichter, mich ablenken zu lassen und daher nicht darum zu kümmern, als es wirklich einfach mal zu tun.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Moment sehr gerne vor meinem Fernseher versumpfe. Vor langer, langer Zeit erzählte ich euch hier auf dem Blog, dass ich das Konzept „Serie schauen“, das für viele Menschen so eine enorme Bedeutung zu haben scheint, nie ganz zu packen bekommen habe. Ich bin immer mehr ein Filmfreak gewesen, der es durchaus zu schätzen weiß, wenn eine Handlung nach knackigen 120 Minuten abgeschlossen ist. Ausnahmen wie etwa die Star-Trek-Serien bis einschließlich „Voyager“ oder auch „Heroes“ bildeten die Regel.

Und selbst in Bezug auf diese Serien war ich eher ein untypischer Zuschauer. Denn viele sehen ihre Serien ja heute in einem Rutsch und inhalieren eine komplette Staffel an einem einzigen Wochenende. Für mich unvorstellbar.

Um zu illustrieren, wie unvorstellbar das ist, kann ich euch erzählen, wie ich die erste Staffel von „Arrow“, der Serie um den DC-Superhelden, gesehen habe. Ich habe damit im August angefangen und, man höre und staune, auch im August wieder aufgehört. Nur, dass das eine Datum im Jahr 2016 und das andere im Jahr 2017 lag 😉 .

In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa eine andere Serie eingeschoben, sondern ich habe ausschließlich Filme gesehen. Wenn ich denn die Zeit dafür hatte, oder sie mir nahm.

Jetzt könnt ihr euch bestimmt besser vorstellen, wie ungewöhnlich das ist, was gerade passiert: Zu meinem Geburtstag im Juli habe ich die erste Staffel von „The Walking Dead“ geschenkt bekommen. Eine Serie, bei der ich immer irgendwie das Gefühl hatte, sie könne mir gefallen, bei der ich aber gleichzeitig größte Bedenken hatte. Lebende Tote im Fernsehen? Auf welchem Niveau sollte sich das schon bewegen. So etwas funktioniert nur, wenn man bereit ist, auch Härten und Gewalt zu zeigen.

Nun gut, ich gab der Serie eine Chance. Das muss so im frühen Oktober gewesen sein. Noch während der sehr kurzen ersten Staffel orderte ich mir Staffel zwei und drei bei reBuy. Immer noch mit dem Gedanken, dass ich damit, bei meinem Sehverhalten (und jeder Menge anderer ungesehener Serien im Regal), eine lange Zeit auskommen würde.

Tja, dann kam der Halloween-Tag mit meinem Filmmarathon und am nächsten Abend, also dem 01.11., begann ich mit der zweiten Staffel von „The Walking Dead“. Jetzt haben wir den 14.12. und ich fange wahrscheinlich heute Abend mit Staffel sechs an.

Gemessen an dem, was Hardcore-Seriengucker ableisten, ist das immer noch ein gemütliches Tempo. Aber für mich ist es absoluter Wahnsinn. Und es ist ein ziemlicher Faktor, der mir auch Zeit für das Schreiben bzw. das Überarbeiten wegnimmt – das muss ich ganz klar einräumen.

An manchen Abenden, wenn ich schon einen langen Arbeitstag in den Knochen habe (*), fehlt mir schlicht und ergreifend die Energie, um mich noch an den Schreibtisch zu setzen und mich mit meiner Geschichte zu befassen. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie andere das wohl hinbekommen. Oder auch, wie ich selbst das früher hinbekommen habe. An diesen Tagen ist es nur zu leicht, einfach abzuschalten, sich ein wenig berieseln zu lassen und dann irgendwann halbwegs entspannt ins Bett zu gehen.

Ja, ich weiß, dass es auch dazu gehört, mit seinen Kräften haus zu halten. Wenn ich permanent versuchen würde, meine Grenzen auszuloten, dann wäre die Gefahr real, dass ich irgendwann über diese Grenzen hinaus gehe. Und das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Nicht bei einer kreativen Tätigkeit wie dem Schreiben und dem Überarbeiten.

Aber ich habe immer, ihr kennt mich, ein latent schlechtes Gewissen verspürt, wenn es dann der zweite Tag war, an dem ich nichts getan habe. Oder vielleicht auch schon der dritte. Manchmal wünsche ich mir dann beinahe so etwas wie eine „Deadline“, der ich mich zu unterwerfen habe, weil der Druck mir vielleicht dabei helfen würde, mich aufzuraffen. Nur würde das auch nichts daran ändern, dass der Kräfteverschleiß ja da ist.

Nein, ich muss schauen, dass ich selbst, ganz für mich, einen Rhythmus hinkriege, der beides zulässt: Entspannung und Erfüllung der anstehenden Arbeiten. Deswegen möchte ich es jetzt auf folgende Weise versuchen:

Ich habe im Normalfall an den Werktagen jeden Abend so ab 20 Uhr verlässlich Zeit, mich um meinen Kram zu kümmern. Dann beginnt bei uns die sogenannte „Elternzeit“, in der Mama und Papa nur dann gestört werden sollen, wenn gerade das Haus abbrennt oder eines der Kinder unter einen Schrank geraten ist, oder sonstige Dinge dieser Art 😉 .

Ich werde nun versuchen, einen abwechselnden Rhythmus einzuführen. An einem Abend kümmere ich mich mindestens eine Stunde um meinen Roman oder was sonst so ansteht, dafür kann ich am nächsten Abend zum Beispiel eine Folge meiner Serie schauen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Zeit, die danach noch bis zum Schlafengehen ist, steht zur freien Verfügung. Irgendwann muss ich ja z.B. auch eure Blogs lesen und manchmal schalte ich den PC sogar aus 😉 .

Bis jetzt klappt das eigentlich ganz gut – vor allem auf der psychologischen Ebene. Denn den meisten Druck mache ich mir in der gegenwärtigen Konstellation ja halt selbst.

Dazu kommt noch eine weitere Komponente, wie ich festgestellt habe: Auch die Arbeit an meinen Projekten macht auf einmal wieder wesentlich mehr Spaß, weil sie einen festen Rahmen und eine feste Taktung in meinem Zeitplan haben, bei dem ich mir keine Gedanken machen muss, ob nicht gerade etwas anderes eher dran wäre. Und ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich gerade etwas andere vernachlässige. Weil alles zu seinem Recht kommt.

Somit hoffe ich, am Ende drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

  1. Ich komme endlich mit meiner Schreiberei wieder auf einen grünen Zweig
  2. Ich kann mir problemlos erlauben, auch mal einen Abend wirklich frei zu machen
  3. Ich habe dadurch wesentlich mehr Spaß an dem, was ich da gerade mache

Wie gesagt, noch läuft gewissermaßen die Erprobungsphase. Aber bis jetzt stehen die Sterne günstig. Ein leichtes Däumchendrücken kann dennoch nicht schaden 🙂 . Damit am Ende Arbeit und Vergnügen vielleicht sogar wieder zwei Seiten derselben Medaille darstellen.


(*) Hier bitte einen Beamtenwitz eurer Wahl einfügen. Oder gerne in die Kommentare damit! Es würde mich allerdings wundern, wenn ihr einen findet, den ich noch nicht kannte 😀 .

Der Sonntagsreport vom 26.11.2017: Irgendwie doch immer dasselbe

Hallo ihr Lieben!

Ich muss gestehen, dass ich inzwischen nahe an der Selbstzensur bin. Denn ich kann es ja selber nicht mehr lesen, wenn hier wieder steht, dass eine Woche lang kaum etwas nennenswertes passiert ist, weil da entweder die Zeit oder die Kraft oder beides nicht für gereicht hat. Ist doch irgendwie immer dasselbe. Will doch keiner mehr lesen – am wenigsten ich.

Aber!

Aber dann fällt mir wieder ein, dass es einen ganz basalen Grund dafür gibt, dass es diesen Blog gibt. Und der ist, dass ich mich mit seiner Hilfe (und natürlich vor allem auch EURER Hilfe) neu motiviere, wenn die Motivation gelitten hat und immer noch leidet. Wenn die Kraft fehlt.

Heute war ein gutes Beispiel dafür. Ohne, dass es einen besonderen Grund gegeben hätte, habe ich heute Vormittag ziemlich lange geschlafen. Gut, ein Grund war natürlich, dass der Rest der Familie dieses lange Ausschlafen ermöglicht hat 😉 .

Aber nach dem Frühstück habe ich mich dann erst einmal wieder eine Stunde aufs Ohr gelegt. Richtig geschlafen habe ich nicht, aber ich war irgendwie nicht auf dem Damm. Dann Aufstehen zur Mittagsstunde, um die Frau zur Arbeit zu verabschieden und drei Stunden lang versuchen, ein wenig geregelt zu bekommen.

Um drei Uhr ein Treffen mit der großen Tochter, um Vokabeln abzuhören. Im Anschluss einmal über die Unterlagen des Lektorats schauen, die mir inzwischen zugegangen sind und bei denen ich noch nicht weiß, wie ich auf einige Änderungsvorschläge/-wünsche reagiere, weswegen ich mir hier noch Gedanken machen muss.

Einfach mal auf der Couch sitzen bleiben für die kommenden zwei Stunden, die meiste Zeit mit geschlossenen Augen. Nicht schlafen, sondern einfach sitzen und versuchen, irgendwie wieder bei zu kommen.

Ich habe keine Ahnung, was da wieder los ist. Vielleicht ist das Jahr gefühlt einfach schon zu lang. Vielleicht setzt die Jahresendzeitstimmung langsam ein. Herüber gerettet aus einer Zeit, in der man noch glaubte, dass der erste Januar wirklich ein neuer Beginn wäre und nicht nur der gleiche Mist mit einer anderen Jahreszahl am Ende.

Vielleicht ist es einfach deswegen auch immer dasselbe und damit langsam langweilig, weil sich diese Erkenntnisse langsam durchsetzen. Langsam durchsetzen müssen. Schließlich bin ich ja kein Fantast – auch wenn ich manchmal fantastische Geschichten schreibe.

Wo, wenn nicht hier, kann ich einfach mal so drauflos schreiben. In welchen, wenn nicht in den Artikeln zum Sonntagsreport.

Nun sprach ich davon, dass ich Motivation und Kraft wiedergewinnen will. Und dafür muss ich dran bleiben! Darf nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Wenn ihr mich heute Nachmittag gefragt hättet, dann hätte ich gesagt, dass ich vielleicht einfach mal ein „vorübergehend geschlossen“-Schild an den Blog hängen sollte. Ein Teil von mir denkt das immer noch. Dass das Ding mir vielleicht nicht ganz so sehr hilft, wie ich es glaube, sondern eine zusätzliche Belastung darstellt.

Aber wie dem auch immer sei: Die Entscheidung fällt nicht jetzt und sie fällt nicht hier. Hier und jetzt schreibe ich gleich den letzten Satz für diesen Tag, bevor ich mich auf eine neue Woche da draußen vorbereite. Eine Woche, in der ich mich mit meiner Lektorin kurzschließen möchte. Eine Woche, die mehr als dieses Gejammer im Blog sehen soll. Eine Woche, die mich wieder ein wenig mehr ich selbst sein lässt.

Ohne zu wissen, woran es diesmal eigentlich wieder gelegen hat oder noch liegt. Was aber auch egal ist, denn irgendwie geht es immer weiter. Egal, ob es das Jahresende ist, der Jahresanfang oder irgendwas dazwischen.

Es wird immer weitergehen. Und irgendwann ist es auch nicht mehr nur dasselbe.

Es tut gut, euch dabei zu haben!

Euer Michael

Warum „husch-husch“ manchmal besser als „Eile mit Weile“ ist

Klären wir zu Beginn die Fakten: Ich habe mir ein Aschekreuz auf die Stirn gemalt, den Rest des Drecks auf mein Büßergewand gekippt und mir auch ein nettes kleines Reisigbündel zur Selbstkasteiung gebastelt. Ich bin also in voller Montur angetreten um zu bezeugen, dass ich einen Fehler gemacht habe.

Gut, es ist ein Fehler, der nur mich selbst trifft, weswegen ich auch auf das Tragen eines Dornengürtels verzichte, aber ärgerlich genug ist er trotzdem. Aber weil ein Fehler, den einer macht, ja doch für viele eine Warnung oder ein Fingerzeig sein kann, tue ich ihn hiermit kund:

Ich habe zu viel Zeit auf „Eile mit Weile“ verwendet, wo ein wenig beherztes „husch-husch“ wohl besser angebracht gewesen wäre.

Es geht um meine Agenturbewerbungen mit „Der Beobachter und der Turm“. Die Alteingesessenen unter meinen Lesern erinnern sich, dass ich dieses Manuskript im NaNoWriMo 2015 geschrieben, bzw. beendet habe. Danach lag es erst einmal eine Weile in der Gegend herum, weil ich direkt an „Die Welt der stillen Schiffe“ weiter schrieb. Ist ja auch okay so, man liest ja überall, dass man seine frisch gepressten Werke erst einmal ein wenig ruhen lassen soll, bevor man sie sich wieder zur Brust nimmt.

Deswegen war es auch vollkommen okay, dass ich erst im Sommer 2016 wieder zu meinem Manuskript zurückkehrte und es an eine Riege von Testlesern verschickte. Diese nahmen sich teils viel Zeit und machten hervorragende Vorschläge zur Verbesserung des Manuskripts, die ich auch gerne umsetzte, soweit ich mit ihnen übereinstimmte.

Und dann passierte … irgendwie gar nichts und doch unglaublich viel

Ich begann damit, einen neuen Roman zu schreiben, der bis jetzt unvollendet geblieben ist. Ich schrieb diverse Kurzgeschichten, von denen zwei für Anthologien angenommen wurden. Nebenbei schrieb ich meinen Roman „Der Morgen danach“ für eine geplante Verlagsveröffentlichung um. Irgendwie war immer irgendwas zu tun was auf irgendeine Art der Beschäftigung mit „Der Beobachter und der Turm“ im Weg stand.

Das fällt mir jetzt, wo ich mich wieder mit diesem Roman zu beschäftigen begonnen habe, richtig vor die Füße. Es war ein Fehler, nicht dran zu bleiben und, wie ich ja schon schrieb, die administrativen Arbeiten so einer Bewerbung frühzeitig in Angriff zu nehmen. Denn inzwischen hat sich mein Blick auf den Roman wieder verändert, ist gleichsam kritischer, aber auch unsicherer geworden.

Das habe ich gemerkt, als ich jetzt die verschiedenen Leseproben zurechtgeschnitten habe. Es fing schon damit an, dass ich in meinem Wust von verschiedenen Versionen Schwierigkeiten hatte, die zu finden, mit der ich mich nun tatsächlich seinerzeit bei be beworben hatte (es hat definitiv nicht geholfen, dass ich teilweise mit Word und teilweise mit Papyrus gearbeitet habe). Aber als ich diese dann gefunden hatte, fing das Drama erst an:

Ich las die ersten paar Seiten noch einmal und wurde auf einmal unsicher, ob die sich wirklich in dieser Form für eine Veröffentlichung eignen. Nein, es ging nicht darum, dass ich auf einmal glänzende neue Ideen, einen ganz neuen Blick auf meine Orthografie oder etwas ähnlich konstruktives gehabt hätte. Es war ein rein destruktives „das taugt nicht viel“.

Nun, ich habe das Glück, dass ich mit diesem Manuskript den Weg gegangen bin, andere Menschen mit ins Boot zu holen, denen ich in ihrem Urteil vertraue. Denn so konnte ich mir noch einmal die von dort stammenden Anmerkungen durchlesen und zu dem (halbwegs) gesicherten Schluss kommen, dass das, was da steht, doch nicht so schlecht ist. Und ich erinnerte mich auch noch einmal an den Kommentar des Lektors von be, der meine Schreibe prinzipiell gut fand, auch wenn der Romanbeginn ihm etwas zu bedeutungsschwanger daher kam (was ich durch einen neuen Prolog ein wenig ausgeglichen zu haben glaube).

Somit konnte die ganz große und existenzielle Krise (erst einmal) im Keim erstickt werden. Aber es wäre nie dazu gekommen, wenn ich nicht seinerzeit diesen dummen Fehler gemacht hätte.

Deswegen formuliere ich einen ganz einfachen Merksatz, den ich mir hinter die Ohren schreiben werde:

Bleibt an euren Geschichten dran, gebt ihnen etwas Zeit, aber dann kümmert euch um sie, treibt sie weiter und macht etwas daraus.

Sonst geht es euch vielleicht so wie mir und ihr bekommt diese dummen Zweifel. Und Zweifel haben wir kreativen Menschen ja ohnehin meistens schon mehr, als sie von der Krankenkasse übernommen werden.

Also: dran bleiben! Ich werde es jetzt auch tun. Nachdem ich mich wieder umgezogen und den ganzen Dreck abgewaschen habe …

…und um das zu kämpfen, was man liebt

Die letzten Tage ging es mir nicht besonders gut. Nein, das ist sogar noch geschönt. In den letzten Tagen gab es einige Momente, in denen es mir gar nicht gut ging. Das hat man, denke ich, auch gemerkt. Irgendwie war alles zu viel, zu wenig, zu laut, zu leise, zu anstrengend, zu fordernd, zu egal, zu uninteressant, zu unnötig, zu bla.

Das erste, was bei mir immer unter diesen Zuständen leidet, ist das Schreiben. Wenn ich mich nicht gut fühle, dann kann ich einfach nicht „einfach“ meine Gedanken in Kreativität umsetzen.

Es soll ja eine Legion von Schriftstellern geben, die besonders dann produktiv waren, wenn sie gerade eine Phase tiefen Weltschmerzes oder ausgewachsene Depressionen hatten. Menschen, die sich in diesen Zuständen suhlten und getrieben von ihren eigenen Dämonen die beste Prosa fabrizierten, zu der sie fähig waren.

Ich bin nicht so.

Wenn es mir auf diese bestimme Weise nicht gut geht, dann hat das Schreiben für mich nicht nur jeden Sinn verloren, dann scheint es auch niemals wieder einen Sinn zu bekommen. Wer interessiert sich schon dafür, ob ich irgendwelche mittelmäßigen Geschichten erzähle? Es interessiert ja mich selbst schon nicht, also, bitte.

Mit solchen Problemen habe ich immer mal wieder zu kämpfen gehabt. Teilweise hielten sie über Jahre hinweg an. Das waren die Jahre, in denen ich mir vielleicht ein, zwei Mal im Jahr eins meiner Manuskripte auf den Bildschirm geladen habe, ein wenig darin herum scrollte und schließlich seufzend feststellte, dass ich früher mal schreiben konnte, aber jetzt nicht mehr.

Im Laufe der Zeit habe ich mir Strategien dagegen erarbeitet. Oder habe es zumindest versucht. Ich habe gelernt, dass auch eine einzige Seite, im Zweifel sogar eine einzige Zeile, ein Faustpfand sein kann um mich und den kleinen Dämon in mir davon zu überzeugen, dass ich doch noch schreiben kann.

Doch auch das klappt nicht, wenn ich mich so gar nicht gut fühle. Und das Schlimmste ist, dass es mir vollauf bewusst ist, was ich eigentlich zu tun hätte – und es eben nicht auf die Reihe bringe. Kenne ich, gehört zum Krankheitsbild.

Ja, es ist ein Dilemma, denn einerseits weiß ich, dass mir das Schreiben unendlich gut tut und andererseits ist es das, zu dem ich mich am wenigsten in der Lage sehe. Es ist einfach schwer, den ersten Schritt zu tun.

Und im Kopf werden aus Tagen wieder Wochen und aus Wochen wieder Monate und aus Monaten werden Jahre. Dabei sind in der Realität wirklich gerade ein paar Tage vergangen.

Heute, auf der Arbeit, als ich gerade in irgendeiner anderen, erschütternd unkreativen Arbeit steckte, bekam ich auf einmal ein Signal von irgendwo her. Vielleicht aus meinem Herzen, vielleicht aus dem, was man die Seele nennt. Ich weiß es nicht. Dieses Signal sagte: Heute – versuch‘ es!

Also habe ich mich mit klopfendem Herzen zum Beginn der Mittagspause an meinen Text „Die Behüter des Wahren“ gesetzt. Ich wusste nicht, ob ich es schaffen würde, den Anschluss zu finden. Meine letzten Zeilen an dieser Geschichte lagen über drei Wochen zurück.

Dann fing ich an zu schreiben. Und hörte erst nach über 2.500 Worten wieder damit auf.

Ich habe zu viel erlebt, um daraus zu schließen, dass jetzt alles wieder gut ist oder wird. So naiv bin ich nicht mehr. Aber ich habe (wieder) festgestellt, dass ich es kann! Und auch wenn es da diese Stimme in mir gibt, die mir das Gegenteil einreden will, es ist für mich möglich, zu schreiben.

Denn Schreiben ist das, was mir gut tut. Auch dann, wenn es wirklich niemanden außer mir interessieren sollte, was dabei heraus kommt. Schreiben ist auch gut für die Seele!

Und darum ist es gut, für das zu kämpfen, was man liebt.

Der Sonntagsreport vom 17.09.2017 – Noch ein wenig Prokrastination

Hallo zusammen!

Na, habt ihr ein schönes Wochenende gehabt? Das würde mich freuen, denn mit meinem eigenen bin ich nur so halbwegs zufrieden. Nein, streng genommen bin ich mit den vergangenen zwei Wochen nur so halbwegs zufrieden. Wobei – eigentlich ist es totaler Bullshit (entschuldigt mein Französisch), so zu empfinden. Aber was man auch immer mit Empfindungen anfangen kann: Steuern oder gar abschalten kann man sie nur sehr schlecht.

Was also ist passiert?

Eine sehr profane Sache und noch dazu eine, in die ich sehenden Auges und mit bestem Wissen, was geschehen würde, hinein getappt bin.

In der Autorenblase bei Twitter kursiert in den letzten zwei Tagen ein Selbsttest zum Thema Prokrastination, der von einer wissenschaftlichen Ambulanz der Uni Münster entwickelt wurde. Dieser Test soll es ermöglichen, einen Aufschluss darüber zu geben, wie sehr man von verschiedenen, zumeist psychisch bedingten, Charakteristika betroffen ist. Dabei geht es neben der klassischen Prokrastination, von der ich ja hier schon einmal berichtet hatte, auch um Werte wie Depressivität oder Aufmerksamkeitsdefizit.

Also alles Themen, die dazu geeignet sind, einem so richtig den Tag zu vermiesen, wenn die falschen Ergebnisse bei diesem Test herauskommen.

Aber was bin ich auch so bescheuert und mache diesen Test! Ich meine, ich wusste doch im Vorfeld selbst, wie ich wahrscheinlich aus der Auswertung herauskommen würde. Ich kenne mich selbst gut genug und bin es inzwischen seit Jahren gewohnt, mich selbst zu reflektieren und im Rahmen meiner vorhandenen Probleme an mir zu arbeiten. Oder eben auch zu erkennen, wenn es mal nicht ganz so gut läuft.

Und in den letzten zwei Wochen ist es nicht so gut gelaufen. Wobei es dafür einen handfesten Grund gab: Die körperliche Erschöpfung im Zuge meiner Viruserkrankung hat dazu geführt, dass ich generell nicht unbedingt immer für irgendwas zu gebrauchen war. Wie das eben so ist, wenn man sich krank fühlt. Eben aus diesem Grund wurde ich ja schließlich auch arbeitsunfähig geschrieben.

Aber diese körperliche Krankheit bekommt immer schnell eine zweite, nichtkörperliche Ebene, bei der es sich in der einfachsten Manifestation um eine Art gesteigertes schlechtes Gewissen handelt. Nach oben hin sind dann keine Grenzen gesetzt.

Und in einer solchen Situation fülle ich also einen Selbsttest aus, dessen Ergebnis mich in etwa so überrascht hat, wie es einen frisch von seiner Freundin Verlassenen überraschen dürfte, wenn er in einem Selbsttest über Liebeskummer die volle Punktzahl erreicht.

Ich will nicht in die Details gehen, aber mir sind alle meine „Sünden“ wieder eingefallen. Dass ich in den letzten zwei Wochen so gut wie gar nichts geschrieben habe, zum Beispiel. Dass ich wieder einmal nur mit großer Verspätung auf E-Mails reagiert habe, die mich erreichten, zum zweiten Beispiel. Und dass ich Aufgaben, die ich mir selbst gestellt habe, mit allen möglichen Ausflüchten vor mir her schiebe, zum dritten Beispiel.

Die Ergebnisse sind am Ende so, dass ich mir auf jeden Fall Gedanken darüber machen muss. Ich habe in den vergangenen zwei Wochen gemerkt, wie schnell es geht, in alte Verhaltensmuster zu fallen. Ja, sie sind durch die körperliche Schwäche teils gerechtfertigt. Aber teils ist es einfach auch eine Null-Bock-Stimmung, die aus einer ganz anderen Ecke kommt. Eine Ecke, die ich im Auge behalten und gegen die ich aktiv angehen muss.

Ich habe den Test gestern Abend gemacht und ich denke, es überrascht niemanden, dass ich heute in blanken Aktionismus ausgebrochen bin. Ich habe eine große Runde an „Das Kind“ geschrieben, ich habe auf meiner Festplattenpartition, wo ich alles und nichts speichere, Ordnung geschaffen, ich habe an dem Roman weiter gelesen, für den ich zugesagt habe, den Testleser zu machen.

Das alles sind Übersprungshandlungen, die jetzt in die Normalität zurück sickern müssen. Ich hoffe, dass sie das ab morgen tun werden, wenn ich wieder arbeiten gehe. Unnötig zu erwähnen, dass sich auch diese Tatsache anfühlt wie eine ganz, ganz schwer zu bewältigende Aufgabe. Ich sag’s ja: alte Verhaltensmuster.

Letztlich hat der Test mir nichts Neues offenbart. Das ist gut. Er hat mir allerdings viel vor den Latz geknallt, was, wenn auch aus Gründen, aktuell ist. Das ist schlecht.

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Panik und Gelassenheit, zwischen Aktionismus und geplantem Vorgehen.

Ich glaube, das könnte eine spannende Woche werden.

Euch jedenfalls wünsche ich, dass ihr eine entspannte Woche haben werdet. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich den erwähnten Test verlinken soll, aber letztendlich bekommt ihr ihn mit einer Minute Suchmaschinenarbeit ohnehin zu sehen. Deswegen gibt es hier den Link.

Aber denkt daran: Was bei so einem Test herauskommt, ist nicht das Amen in der Kirche. Es muss im Zweifel abgeklärt werden. Geht also verantwortungsbewusst damit um.

Habt eine gute Zeit!

Euer Michael