Fieberträume

Puh, liebe Leute, was für Nächte, was für Träume …

Ihr wisst ja sicher, dass es für einen Autor eigentlich angeraten ist, sich ganz besonders intensiv mit seinen Träumen auseinander zu setzen. Denn die geben sehr oft Anreize für neue Geschichten oder können sogar dabei helfen, handfeste Schreibprobleme zu lösen.

Dass Träume nicht nur für Autoren eine wichtige Funktion erfüllen, ist ebenfalls nicht neu. Eine landläufig als korrekt angesehene Theorie besagt, dass Träume für den Menschen die Funktion erfüllen, dem Gehirn Gelegenheit zu geben, gewisse Dinge zu verarbeiten, und es ein Stück weit förmlich zu „resetten“.

Wenn das so ist, dann frage ich mich, was für einen kranken Scheiß mein Gehirn meinte, da verarbeiten zu müssen!

Ich habe in den letzten Tagen immer schon Probleme mit dem Kreislauf und allem Drumherum gehabt. Der Hintergrund war zunächst eine Medikamentenumstellung im laufenden Betrieb, bei der ein auf den Kreislauf wirkendes Medikament durch ein anderes ausgetauscht wurde. Das machte mir schon zu schaffen, als wir draußen noch Temperaturen so um die zwanzig Grad hatten.

Als dann aber in dieser Woche die Temperaturen immer mehr in die Höhe schnellten, nahmen auch die Probleme immer mehr zu. Denn jetzt kamen ja zu meinen sowieso schon vorhandenen Beschwerden noch die, welche auch alle anderen bei Höchsttemperaturen über 30 Grad plagten. Und in Kombination hat mich das Ganze dann gestern und heute richtig aus den Latschen gehauen. Wobei es heute über Tag langsam besser wurde, so dass ich den Arbeitsversuch am PC angehen und u.a. euch schreiben konnte. Gestern war an den PC nicht einmal zu denken.

Den gestrigen Tag habe ich zu 90% in meinem Bett verbracht und mehr oder weniger vor mich hin vegetiert. Aber ich will euch nicht mit den Einzelheiten langweilen. Nur mit dem, was ich in der Überschrift als Fieberträume bezeichnet habe.

Ich gehöre zu den Menschen, die hin und wieder wirklich Träume haben, die sie „nur noch“ aufzuschreiben bräuchten, um eine kleine Kurzgeschichte zu haben. Die Träume, die ich gestern hatte, bewegten sich jedoch alle am Rand des Irrsinns.

Ich träumte von einer Population Mäuse, die sich ein eigenes Königreich aufgebaut hatten. Keine Ahnung, ob es Menschen gab oder nicht. Aber es gab auf jeden Fall eine Spezies Vampire, welche die Mäuse angriffen und dezimierten. Das passierte in Folge 8.

Ja, richtig gelesen, in Folge 8, denn ich träumte das Ganze in Etappen. Eben in den Etappen, in denen ich zwischendurch weg sank. Das Doofe war nur, dass mir ausgerechnet Folge 7 fehlte, in der mit dem Bürgermeister irgendwas passiert sein muss, denn der lag am Anfang von Folge 8 ausgesaugt am Grenzstein des Königreichs. Der König selbst trat nie in Erscheinung.

Dann träumte ich noch von einer LKW-Spedition, die irgendwie die Hälfte der Zeit damit zubrachte, Rennen zu fahren. Rennen von der Sorte, bei der der LKW immer wieder in die Luft sprang, als ob er entweder ein Luftkissen unter dem Hintern hätte, oder der Untergrund so hügelig war, dass es unmöglich war, das Ding auf der Straße zu halten.

Dazu kamen jede Menge Klein- und Kleinstträume, die teilweise richtig quälend waren, weil sie sich immer wieder aufdrängten. Ein Gutes hatte das, ich wurde heute Vormittag irgendwann aus dem Bett getrieben, um langsam wieder auf die Beine zu kommen.

Aber mir war halt auch klar, dass es nach meinem letzten Traum nur noch schlimmer werden konnte: In dem war mein Vater von der evangelischen zur katholischen Kirche konvertiert, weil sein Töpferkurs nicht mehr angeboten wurde. Mein Vater ist seit gefühlten hundert Jahren Presbyter in seiner Gemeinde und eher konvertiert der Papst, als dass er es tut …

Fieberträume – ganz ohne Fieber. Nur ohne Sinn und Verstand. Also besser doch kein Traumtagebuch führen.

Also, nur mal angenommen …

Ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, aber hier ist es

WARM!

Da kann bitte keiner von mir erwarten, dass ich vollwertige Blogbeiträge schreibe.

Bis jetzt reicht es nur, hin und wieder die Eindrücke des Hitze-Tages bei Twitter zu hinterlassen. Und weil Twitter ja so ein flüchtiges Medium ist, sammle ich die hier einfach. Es kann also durchaus sein, dass der Beitrag noch größer wird, oder ihr schaut einfach auf meinem Twitter-Account rein.

Vorweg gibt es einen ganz für euch als treue Blogleser exklusiv:

Falls es wirklich warm sein sollte, dann muss mich wohl nicht wundern, dass der Drucker vor dem Drucken erst einmal abkühlt, statt aufzuheizen, oder?

Und dann waren da noch diese Kleinigkeiten:

Ich will ja nicht behaupten, dass es im Büro warm wäre, aber das Grillgut wäre jetzt soweit, auf der Tischplatte gewendet zu werden.

Ich will ja nicht sagen, dass den Kollegen und mir heiß ist, aber auf den zusammenfließenden Schweißströmen haben Schiffe zu fahren begonnen.

Es ist ja nicht so, dass es hier im Büro irgendwie warm wäre, aber die Blumen auf den Bildern an der Wand sehen schon ganz vertrocknet aus.

Nur mal angenommen, es wäre warm hier… Das würde den Eiswagen erklären, der gerade den Büroflur entlang gefahren kam. Bin weg, ihr wisst wo.

Manche sagen ja, dass das bisschen Wärme aggressiv macht, aber …

SCHAU MICH GEFÄLLIGST NICHT SO AN, SONST KOMM ICH DIR DA RÜBER!

Hmtja.

Also ich will ja nicht sagen, dass es warm draußen ist, aber wenn statt der Straßenbahn eine Karawane kommt, dann weiß ich auch nicht mehr.

Hier scheint noch jemand zu glauben, es sei warm. Ich habe den Kater gerade beim FKK erwischt. Er konnte gerade noch sein Fell drüberziehen.

Der Druck hinter den Augen

Kennt ihr auch dieses Gefühl von Druck hinter den Augen?
Den Kopfschmerz, der kein Kopfschmerz ist?
Das Bohren in den Schädelknochen hinein?

Manchmal überfallen mich diese und andere Schmerzen, die ich darauf zurückführe, dass meine Schreibseele nicht ausgeglichen ist. Im Moment hänge ich irgendwie zwischen den Seilen, schiebe es auf Medikamente, die umgestellt werden, schiebe es auf mich selbst. Can’t blame it on the weather.

Ausgeglichenheit könnte ich erreichen, indem ich das, was ich tue, und das, was ich nicht tue, neu gewichte und gegeneinander verschiebe. Es ist, wie immer, nicht so, dass mir die Ideen fehlen würden. Da sind zu viele. Da ist ein zu viel an Möglichkeiten, ein Übermaß an Energie. Soviel Energie, dass sie sich nicht nach außen richten kann, sondern dass sie nach innen implodiert.

Die Implosion fühlt sich an wie der Ausbruch einer Supernova. Ein Stern, der explodiert, um dann in sich zusammen zu fallen und als Schwarzes Loch alles aufzusaugen, was um ihn herum existiert.

So viel, bis es nicht mehr existiert.
Nichts mehr existiert.
Schwärze sich im Kopf ausbreitet.
Eine Schwärze, die wohl tut, ebenso, wie sie Angst macht.

Doch die Hauptsache ist, dass der Druck nachlässt.
Dass die Schmerzen aufhören.
Nichts mehr bohrt und nichts mehr schmerzt.
Weil nichts mehr wichtig ist. Und doch alles gleichzeitig.

Kennt ihr auch dieses Gefühl?

Reblog: Der Social-Media-Knigge (und ein paar Gedanken dazu)

Heute möchte ich euch einen sehr lesenswerten Artikel meiner geschätzten Autorenkollegin und BartSis Babsi a.k.a. TheBlueSiren ans Herz legen. Dies tue ich aber, trotz der Überschrift, nicht als ganz normalen Reblog, wie ich ihn über WordPress auf Knopfdruck haben könnte, sondern in Form eines ergänzenden Artikels. Weil ich denke, dass Ergänzungen nötig sind.

Also: Ein Social-Media-Knigge. Wieso das?

Nun, wer oder was ein Knigge ist, das dürften wir alle wissen, auch wenn die meisten von uns (ich eingeschlossen) niemals einen Blick hineingeworfen haben. Es geht darum, die Verhaltensweisen zwischen Menschen auf ein für alle Beteiligten angenehmen Niveau zu bringen. Und ja, wenn ich mir, zum Beispiel, bei Tisch in der Nase popel, dann kann ich davon ausgehen, dass 99% meiner Tischnachbarn das eher eklig finden.

Das Problem ist, dass wir einander sehr selten sehen, wenn wir in den sozialen Medien unterwegs sind. Da haben wir Facebook, wir haben Twitter, wir haben Pinterest, Snapchat, Instagram, YouTube, vielleicht noch XING oder LinkedIn. Die Älteren unter uns haben vielleicht noch MySpace oder StudiVZ. Und die ganz besonders aufgeschlossenen treiben sich auf Plattformen wie Tinder herum.

Ganz egal, wo wir uns im Netz bewegen, wir bewegen uns in unserem eigenen Kosmos. Andere lassen wir über unsere Äußerungen und unsere Informationen, die wir von uns preisgeben, daran teilhaben. Manchmal sogar gegen deren Willen, ganz einfach, weil sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten.

Okay, bevor ich mich noch ganz ins Unkonkrete rede, komme ich zu Babsis Artikel zurück.

Babsi hatte einen konkreten Anlass, aus dem sie diesen Artikel geschrieben hat. Ich werde diesen hier nicht benennen, weil ich zum einen nicht involviert war, und weil ich zum anderen auch keine Lust habe, mich involvieren zu lassen.

Aber das, was sie da schreibt, das sind Phänomene und Antworten darauf, die ich schon kenne, seit ich mich Anno 1996 oder ’97 das erste Mal in eine Mailingliste gewagt habe. Damals gab es nämlich schon dieselben Verhaltensweisen und auch dieselben – teilweise – Missverständnisse. Ja, ich behaupte, dass auch Missverständnisse dabei sind. Denn nur die wenigsten Menschen gehen bewusst hin und verstoßen gegen die Regeln des einträchtigen Miteinanders. Und die, die es tun, die sollte man nicht füttern. Das berühmte „Don’t feed the Trolls“ halt.

Als Kernsatz möchte ich den auch bei Babsi fett gedruckten Satz Für ein liebevolleres Miteinander! aufgreifen.

Denn was oft vergessen wird: Gleiches mit Gleichem zu vergelten macht denjenigen, der reagiert, nicht unbedingt besser als den, auf den er reagiert.

Wieder auf mein Beispiel bezogen wäre es etwa keine geeignete Reaktion, dem Nasenpopler das eigene Wasserglas ins Gesicht zu schütten – und es ihm danach auf dem Kopf zu zertrümmern.

Leider musste ich gerade in den letzten Wochen und Tagen feststellen, dass sich diese Einsicht nicht bei allen Beteiligten an den Vorkommnissen, die es gegeben hat, und auf die sich auch Babsi bezieht, durchgesetzt hat. Und das finde ich, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder mir nicht zustehender Moralkeule, sehr, sehr schade.

Ich gehe nämlich davon aus, dass wir, die Autorinnen und Autoren im Netz, vom Grundsatz her erst einmal alle das Gleiche wollen. Wir wollen schreiben, Wege zum Erfolg ausloten, gemeinsam mit anderen diese Wege erkunden und dann irgendwann den Erfolg erringen. Ich gehöre zu denen, die glauben, dass man das wirklich besser gemeinsam tun kann. Jedes Gegeneinander schadet uns. Und wenn man ganz, ganz schwarz sieht, dann nicht nur den direkt Beteiligten, sondern auch allen anderen.

Wieder mein Beispiel: Links und rechts der Tafel sitzen Autoren, vor Kopf Vertreter von Verlagen, des Feuilletons, Literaturagenten. Und die sehen nun mit an, wie sich die Autoren gegenseitig nicht zu benehmen wissen, wie sie sich an die Gurgel gehen und wie sie einander das Geschirr um die Ohren hauen. Soll es uns da verwundern, dass manch einer vor Kopf aufsteht und sich sagt, dass er mit „so welchen“ eigentlich nichts zu tun haben will und dass „die“ gerne wiederkommen können, wenn sie gelernt haben, sich zu benehmen?

Mag sein, dass ich das zu global sehe, mag auch sein, dass ich es zu schwarz sehe. Aber genau deswegen schreibe ich es hier separat und nicht als klassischen Reblog, weil ich es nicht so aussehen lassen möchte, als ob Babsi die gleichen Gedankengänge hat, wie sie sich mir nun aufdrängen.

Ich finde den Knigge fürs Social-Media gut. Und ich kann nur jeden bitten, ihn sich durchzulesen und dann genau zu überlegen, inwiefern er oder sie sich daran halten mag. Oder sich zu überlegen, wieso es für ihn oder sie nicht infrage kommt.

Ob es schade ist, dass so ein Knigge geschrieben werden musste? Keine Ahnung. Vielleicht leben wir einfach in einer Zeit, in der man es gewohnt ist, sich schnell die Frequently Asked Questions durchzulesen und dann alles zu wissen, was man wissen muss. Auch in dieser Hinsicht funktioniert Babsis Knigge sehr gut.

Auf jeden Fall kann ich jeden ihrer Punkte nur unterschreiben, packe mir da, wo es nötig ist, auch an die eigene Nase und gehe dann frisch und mutig wieder an mein Werk. Denn auch dieser Blog ist in in seinen Kommentaren ein Soziales Medium. Und ich glaube nicht, dass einer von euch mich beim Popeln erwischen möchte.

Ih-Bäh!

Kurz und schmerzlos (26) Eigenlob stinkt!

Man soll sich ja nicht selber loben. Deswegen tue ich das auch nicht (na ja, selten 😉 ). Aber heute habe ich von meinem Leser Sebastian ein ganz, ganz tolles Lob bekommen, das ich nicht einsam und alleine bei den Kommentaren zu diesem Beitrag stehen lassen wollte, sondern das ich jetzt ans Tageslicht zerre:

Dein Blog motiviert mich, an meinem eigenen Projekt weiterzuarbeiten.

Wenn das, was ich mir hier zusammen kritzle, diese Wirkung auf Menschen, auf kreative Menschen ausüben kann, dann habe ich mehr damit erreicht, als ich mir jemals zu wünschen gewagt hätte!

Vielen Dank für dieses tolle Kompliment, das mich wiederum motiviert, weiter zu machen.

„Schmerzlos“: Meine Geschichte als Hörbuch

Es war ja angekündigt, dass meine Geschichte „Aus Eiseskälte aufgewacht“ für die Anthologie „Schmerzlos“ vertont werden würde. Nachdem die entsprechenden Beiträge nicht sofort verfügbar waren, muss ich gestehen, ist mir die Sache beinahe schon wieder ein wenig durchgegangen, weil so viel anderes anstand in der Zwischenzeit.

Aber gestern fiel es mir dann wieder ein und ich habe mir die zur Anthologie gehörenden Hörbuchdateien auf den Rechner geladen. Dazu muss ich sagen, dass diese, natürlich, nur für die ehrlichen Käufer der Anthologie verfügbar gemacht werden sollen und ich euch damit leider nicht mit einem Link oder Ähnlichem versorgen kann. Aber ich denke, dass ihr da Verständnis für haben werdet.

Aber wie war es denn nun, das Erlebnis, zum ersten Mal jemandem dabei zuzuhören, wie er eine von mir geschriebene Geschichte vorträgt?

Das erste, was mir dazu einfiel und was bei mir auftrat, habe ich spontan bei Twitter gepostet: Gänsehaut!

Meine Geschichte beginnt damit, dass der Protagonist sprichwörtlich aus Eiseskälte, nämlich Cryostasis, aufgeweckt wird. Und direkt von Anfang an wurde durch den hervorragenden Sprecher Clemens Weichard der richtige Ton für das sich anschließende Szenario getroffen.

Ich hatte die Wahl zwischen einigen Sprechern für die Hörgeschichte und musste zuletzt zwischen zweien auswählen, die ich mir beide für den Job vorstellen konnte. Die Wahl ist deswegen auf Clemens gefallen, weil seine ruhige Art zu sprechen, die aber dennoch in den entscheidenden Momenten die richtigen Akzente durch Betonung, Sprachtempo und auch Lautstärke setzt, einen Ticken besser gefallen hat als die seines „Konkurrenten“.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Ganz und gar nicht.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte war, dass durch die geschickte Bearbeitung von Cluwriterin Rahel die Geschichte durch das Hinzufügen von Klangteppichen und Geräuschen eine Atmosphäre bekommen würde, die neben den Personen auch den Handlungsort spürbar macht.

Ich kenne meine Geschichte und man sollte meinen, dass es nicht so einfach ist, mich mit ihr zu überraschen. Aber genau das ist mir gestern passiert: Ich wurde durch meine eigene Geschichte und die Wirkung, die sie auslösen konnte, nicht nur überrascht, ich wurde vielmehr schon geflasht.

Du gut zwanzig Minuten, die das Schauspiel mit An- und Absage dauert, vergehen nicht nur wie im Flug, sie wecken auch den Wunsch nach „mehr“. Seit gestern weiß ich: Hörbücher zu meinen Geschichten, das wär’s. Inszenierte Lesungen. Darüber nachgedacht hatte ich früher schon, bin ich doch ein Hörspiel- und Hörbuchfreak. Aber seit gestern weiß ich, dass das wirklich die Schau in Tüten wäre.

Für diesen Moment aber bleibt mir nur, Danke zu sagen! Ich bedanke mich bei Clemens Weichard für den wirklich hervorragenden und auf den Punkt gebrachten Vortrag meiner Geschichte. Und ich bedanke mich bei der grandiotastischen Rahel für die Arbeit am Mischpult.

Wenn wir hier in einer plumpen Dauerwerbesendung wären, würde ich sagen: Kauft es euch, hört es euch an! Sind wir aber nicht 😉 .

Entspannst du noch, oder prokrastinierst du schon?

Ich bekomme immer mal wieder die Rückmeldung, dass ich durch meine Erzählungen hier im Blog als jemand wahrgenommen werde, der unheimlich viel und hart an seinen Dingen arbeitet, die er erreichen möchte. Mir ist das immer unheimlich unangenehm, denn so sehe ich mich – leider – überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil nehme ich mich selbst als einen Menschen wahr, der unheimlich viel seiner Zeit mehr oder weniger nutzlos vertrödelt, in der er doch so viele wichtige Dinge erledigen könnte.

Nehmen wir nur die Aktivitäten rund um „Darkride“ und „Der Beobachter und der Turm“. Zu beiden habe ich fertige Exposés und Leseproben. Beide könnte ich längst in der Weltgeschichte herumreichen und darauf hoffen, dass sie irgendwo Anklang finden. Alleine, ich tue es nicht. Weil ich irgendwie das Gefühl habe, nie den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.

Der Punkt ist, dass ich, wenn ich von der Arbeit komme, oftmals einfach nicht mehr so viel geregelt bekomme. Ich sitze dann häufig zwar an meinem Rechner, aber ich vertreibe mir die Zeit im Netz, lese sehr viel und speichere viel an Informationen ab. Es ist also durchaus sogar irgendwie sinnvoll, was ich mache.

Nun kam für mich aber die Frage auf, ob das, was ich da tue, eigentlich noch Entspannung nach getanem Tageswerk ist, oder ob ich schon ernsthaft prokrastiniere.

Entspannung

Gemäß Wiktionary ist Entspannung die „Befreiung bzw. Beendigung von Anspannung“. Ich müsste mir also die Frage stellen, ob ich denn Anspannungen ausgesetzt bin, die mich davon abhalten, produktiver zu sein, als ich mich wahrnehme.

Mein Arbeitsplatz ist für mich nicht ganz frei von, sagen wir mal, inneren Konflikten. Das mag den einen oder anderen Kollegen überraschen, falls er das hier lesen sollte, aber es gibt Gründe dafür. Gründe, die ich nicht weiter ausbreiten möchte, weil sie an dieser Stelle auch nichts zur Sache tun.

Körperlich habe ich natürlich, als Schreibtischtäter und Bürohengst, keinerlei Anspannung, die längere Entspannungsphasen rechtfertigen würde. Aber, wie ich irgendwann schon einmal irgendwo bemerkte, es ist auch nicht immer leicht, vom einen Schreibtisch aufzustehen und sich nahtlos an einen anderen zu setzen. Und dabei dann auch noch produktiv sein zu wollen.

Es würde also einiges dafür sprechen, dass ich einfach, zumindest im Moment, ausgedehnte Entspannungsphasen brauche.

Prokrastination

Ich muss gestehen, dass mir bis gerade, als ich den Eintrag bei Wikipedia gelesen habe, nicht wirklich bewusst darüber war, dass Prokrastination als eine ernsthafte und durchaus komplexe Arbeitsstörung angesehen wird, die ganz kurz davor ist, sogar als eigene Erkrankung in den ICD-Code aufgenommen zu werden.

Prokrastination ist, kurz gesagt, das extreme Aufschieben von Arbeiten und kommt häufig bei selbstgesteuerten oder auch bei besonders arbeitsintensiv empfundenen Aufgaben vor. Eigentlich immer geht damit auch ein enormer Leidensdruck einher, weil die Betroffenen selber merken, wie sie Gelegenheit um Gelegenheit verstreichen lassen, eine Aufgabe zu erledigen und diese einfach nicht, oder erst nach einem eventuell gesetzten Termin, fertig wird.

Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, wie ähnlich sich Symptome der Prokrastination und der Depression sind. Ein Bereich, von dem ich ja auch ein Liedchen zwitschern kann.

Nun, sagen wir es so: Ich kenne von mir durchaus, dass ich Aufgaben, die für mich schwierig sind, „gerne“ so lange liegen lasse, bis es gar nicht anders geht. Ich möchte dafür ein Beispiel bringen:

Aufgrund gewisser Vorkommnisse war und ist es für mich schwierig, Telefonate zu führen, um Menschen und insbesondere Angehörige zu meinem Geburtstag einzuladen. Ganz ehrlich, ich bin froh gewesen, als so gut wie jeder irgendwann eine E-Mail-Adresse hatte. Wenn ich diese Anrufe tätigen musste, wurde ich schon Tage vorher nervös. Ich habe Ende Juli Geburtstag und fing an, nervös zu werden, wenn die Tour de France gestartet wird. Das ist immer so Anfang Juli. Ihr könnt also den Zeitraum ungefähr abschätzen.

Wenn dann die Woche gekommen war, in der ich definitiv anrufen musste, dauerte es meistens noch so zwei bis drei Tage, bis ich mich wirklich durchringen konnte. Ich schlich den ganzen Tag lang um das Telefon herum und fand immer wieder Gründe, genau jetzt nicht den Hörer zu nehmen und meinen Job zu machen. Mal saßen die Leute bestimmt beim Abendbrot, dann wollte ich nicht ins abendliche Fernsehprogramm fallen. Und früher waren sie bestimmt noch nicht zu Hause.

Und die ganze Zeit über ging es mir dreckig damit, bis ich irgendwann meine paar Anrufe zusammen hatte.

Beim Schreiben ist es nicht ganz so extrem. Wäre ja auch schlimm, wenn es so wäre, nicht wahr? Aber in Grundzügen ist es ähnlich: Ich weiß, dass ich Aufgaben habe, die ich erledigen möchte (so wie ich ja auch Menschen zu meinem Geburtstag einladen wollte). Es gibt Zeitfenster, in denen ich diese Aufgaben erledigen könnte. Ich lasse die Zeitfenster verstreichen und fühle mich hinterher faul und unproduktiv. Und ja, da entsteht ein gewisser Leidensdruck. Kein besonders großer, aber ein kleiner.

Prokrastination ist außerdem noch davon geprägt, dass man rationelle Gründe dafür sucht, dass man dieses Verhalten an den Tag legt, also Dinge nicht erledigt, die eigentlich anstehen. In meinem Fall wäre ein solcher Grund, dass ich mir, zusätzlich zu der Arbeit, die ich ab kommenden Montag (Lektorat) wieder mit „Der Morgen danach“ haben werde, nicht noch mehr Baustellen aufmachen möchte.

Das ist sogar ein einleuchtender Grund – oder könnte es sein, wenn vorher nicht die eine oder andere unproduktive Woche verstrichen wäre, in der ich dennoch etwas hätte erledigen können.

Und dann ist da noch der Punkt, dass man statt der Aufgabe, die eigentlich ansteht, etwas anderes macht, das als angenehmer empfunden wird. Bei mir ist das unter anderem, fürchte ich, das Schreiben von Blog-Artikeln …

Also – entspanne ich noch, oder prokrastiniere ich schon?

Ich glaube, ich muss für mich scharf aufpassen, wie ich die kommenden Arbeiten erledige. Auch wenn es sicher keinen Sinn macht, mich jetzt selbst gewaltig unter Druck zu setzen, sind doch Ansätze erkennbar, dass ich ein kleines bisschen zur Prokrastination neige.

Die Fachwelt weiß noch nicht genau, wie man dem am sinnvollsten begegnen soll. Das liegt vor allem daran, dass die Prokrastination als etwas angesehen wird, das häufig huckepack mit anderen Schwierigkeiten oder Problematiken in das System Mensch hineingetragen wird. So wird es wohl auch bei mir sein.

Mit diesem Artikel ging es mir nicht darum, mich zu outen. Eigentlich wollte ich auch gar keine große Selbstdiagnose machen. Das passierte eher so nebenbei. Es ging mir darum, die Unterschiede aufzuzeigen aber auch zu erläutern, wie nahe Entspannung und Prokrastination beieinander liegen können.

Entscheidend dürfte am Ende die eine Frage sein: Fühle ich mich gut damit, am Ende eines Tages nichts getan zu haben, oder könnte ich mir selber in den Hintern beißen, weil wieder ein Tag verplempert wurde.

Im Moment beiße ich mich häufiger, als mir selber lieb ist.

Ich hoffe, dass es bei euch anders ist oder habt ihr auch schon Zahnabdrücke am Gesäß?