Neues aus dem Lektorat (3) Schön eindeutig bleiben

Ich muss ja sagen, ich weiß eindeutige Kommentare im Lektorat sehr zu schätzen! Ansonsten hätte ich hier sicherlich länger herum gerätselt, was Jeannette mir da eigentlich zu sagen versucht 😉 🙂 .

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Neues aus dem Lektorat (2) Abschied vom Dienst nach Vorschrift

Wie versprochen möchte ich versuchen, den Prozess des Lektorats für meinen Roman „Der Morgen danach“ möglichst dicht zu begleiten. Dabei kann es, das ist die Natur der Sache, dazu kommen, dass Dinge, die ich heute in Bezug auf die Angelegenheit fühle, morgen schon wieder ganz anders sind. Vieles ist Tagesform, da unterscheidet sich die Arbeit an einem Roman nicht von der Arbeit an ganz anderen Dingen.

Heute habe ich also damit begonnen, mir die Anmerkungen meiner Lektorin anzusehen und sie umzusetzen. Dabei bin ich auf eine Tatsache gestoßen, die mir zwar im Vorfeld bewusst war, von der ich aber nun feststellen muss, dass sie mich auf eine ganz andere Weise tangiert, als ich es dachte.

Ihr wisst ja, dass ich der „Man to go“ bin, wenn es bei mir auf der Arbeit darum geht, bestimmte Texte zu verfassen, zu überarbeiten oder zu korrigieren. Man kann halt nur eine gewisse Zeit lang Textarbeit verrichten und erzählen, dass man jetzt den nebenberuflichen Autor gibt, bis sich solche Abläufe von praktisch alleine etablieren.

Nun habe ich eine Vorgesetzte, die sehr akribisch (um das Mindeste zu sagen) an die verfassten Texte herangeht. Da kann es schon mal passieren, dass man auch noch eine zweite und dritte Fassung erstellen muss.

Die hierfür notwendigen Änderungen erreichen mich entweder in einem direkten Gespräch oder auch schon mal in Gestalt von Anmerkungen, die an den Rand des Schriftstücks geschrieben sind. Und dann ist es meine Aufgabe, diese Anmerkungen einzuarbeiten. In den allermeisten Fällen mache ich das auch stoisch, weil Chefs eben Chefs sind und damit das verbriefte Recht zur Endabnahme haben.

Und nun sehe ich mich Seiten aus dem Lektorat gegenüber, die dem, was ich auf der Arbeit habe, gar nicht mal so unähnlich sind. Es gibt Streichungen, es gibt Anmerkungen, es gibt Umstellungen und Ergänzungen.

Der erste Reflex, durch die Arbeit herausgebildet, lautet nun wie folgt: Einfach alles abarbeiten und 1:1 so übernehmen, wie die Lektorin es möchte. Sie ist der Boss, sie weiß am besten, was man für den Text machen muss, damit es ihm gut tut.

In der Tat habe ich auch so zu arbeiten angefangen, aber dann kamen im Laufe der ersten paar Seiten ganz seltsame Gefühle auf, die ich mir zuerst nicht erklären konnte. Es war eine Form von Unwohlsein, nicht direkt ein Unwille, aber auf jeden Fall unangenehm.

Die Antwort lag dabei auf der Hand. Ich arbeite hier nicht irgendein dienstliches Schreiben ab, an das ich null Herzblut investiere, sondern nicht mehr oder weniger den Text meines Romanerstlings. Das, was hinterher in diesem Manuskript steht, wird das sein, was in die Öffentlichkeit geht und was die Leser zu sehen bekommen werden, wenn sie ihn sich kaufen.

Plötzlich war jede Umstellung und Anmerkung mit einem Fragezeichen versehen. Jede Streichung fühlte sich wie eine Amputation an und jede Ergänzung wie das Wirken eines Chirurgen, der meinem Text ein zusätzliches Körperteil annähen will.

Was tat ich also?

Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück und versuchte, ganz in Ruhe durchzuatmen und mich selber wieder einzunorden. Denn die Sicht, die ich dabei war, zu entwickeln, war nicht weniger als selbstzerstörerisch. Denn bei Licht betrachtet macht eine gute Lektorin nichts anderes, als noch einmal den Meißel anzusetzen und aus dem Rohdiamanten eines Manuskripts das Beste heraus zu holen.

Dabei werden keine Änderungen gemacht, nur um auf dieser Manuskriptseite möglichst viel angestrichen zu haben. Alles hat einen Sinn, alles hat einen Grund.

Und vor allem: Jeder dieser Punkte ist mehr oder weniger verhandelbar, steht zur Diskussion offen. Wenn meine Vorgesetzte auf der Arbeit will, dass ich einen dicken Smiley über einen Text male, dann soll sie ihren Smiley haben. Denn sie ist der Boss.

Wenn meine Lektorin eine Änderung möchte, dann prüfe ich sie und entscheide, ob ich sie auch gut finde, oder nicht.

Ich bin also im Ergebnis noch einmal die Seiten zurückgegangen, die ich schon abgearbeitet hatte und habe mir die einzelnen Änderungen noch einmal angesehen. Und mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen hat jede diese Änderungen den Text entweder nach vorne gebracht oder sie war zumindest so, dass ich aus der Überzeugung heraus sagen konnte, dass sie ihn weder verfälschte, noch verwässerte. Auch als Autor muss und sollte man nicht an jedem einzelnen Wort kleben.

Und so komme ich nun, hoffe ich, vom Dienst nach Vorschrift zum gemeinsamen Dienst an der Sache. Dienst ist Dienst und das hier ist etwas ganz anderes.

Muss ich auch erst lernen und verarbeiten.

Neues aus dem Lektorat (1) Zwischen Hoffen und Bangen

So eine Sommerpause kann sich verdammt lange hinziehen. Bis jetzt war mir gar nicht bewusst, wie viel Zeit so Sommerferien in Anspruch nehmen und wie lange es danach dauert, bis alles wieder ins Rollen kommt.

Ich hatte ja vor geraumer Zeit berichtet, dass meine Lektorin sich mit dem von mir geänderten Anfang von „Der Morgen danach“ noch einmal gesondert auseinandersetzen wollte. Das ist in der Zwischenzeit auch geschehen und ich konnte ihr die Anpassungen zukommen lassen … bevor wir in die Sommerpause hinein liefen.

Machen wir uns nichts vor: Wenn zwei Menschen aufeinander treffen, die sich neben dem kreativen Output auch noch um die Bespaße von Kindern zu kümmern haben, dann steht ziemlich schnell fest, wer oder vielmehr was da den Kürzeren zieht.

Aus diesem Grund passierte über die Sommerferien (NRW) nicht wirklich viel, denn meine Lektorin und ich waren, wie es in solchen Fällen ja immer ist, auch noch abwechselnd in Urlaub bzw. nicht eben gut ansprechbar.

Nun sind die Sommerferien schon eine Weile vorbei gewesen und Jeannette hatte mir mit einer E-Mail angekündigt, dass sie sich jetzt noch einmal verstärkt in das Manuskript reinknien würde und ich dann – in absehbarer Zeit – einen Packen Papier von ihr bekommen würde.

Und ihr wisst ja, wie „gut“ ich manchmal warten kann …

Nein, ich kann eigentlich durchaus warten, aber wenn ich solche Anwandlungen habe, wie ich sie in den letzten Wochen hatte, dann kann das Warten zu einem zusätzlichen Stressor werden, der ein Grübeln auslöst, das manchmal einfach nur lächerlich ist, wenn man das Licht der Objektivität darauf richtet.

Ganz ehrlich, ich war zwischendurch nicht nur davon überzeugt, dass ich einen Packen Papier bekommen würde, der in roter Tinte ersäuft (und das, wo Jeannette eigentlich nur mit dem Bleistift arbeitet), sondern ich war schon drauf und dran mir einzubilden, dass man heimlich still und leise zu dem Entschluss gekommen sein könnte, meinen Roman besser doch nicht zu verlegen, weil … ja, weil keine Ahnung.

Zum Glück wusste ich aber, dass es sich dabei um irrationale Einflüsterungen handelt, ansonsten hätte ich wahrscheinlich am laufenden Band irgendwelche nervösen E-Mails an den Verlag geschickt und den Eindruck erweckt (bzw. verstärkt), ein übernervöses und kopfloses Huhn zu sein.

Dabei kann ich nicht einmal überzeugend gackern!

Nach einigen Wochen des Hoffens und Bangens sind nun die versprochenen Seiten gestern bei mir angekommen und bei einem kurzen Überblättern hatte ich nicht den Eindruck, an irgendeiner Stelle in totale Ungnade bei meiner Lektorin gefallen zu sein. Das ist schon mal eine ganze Menge wert und lässt einen kleinen Kieselstein vom Herzen plumpsen.

Ich werde mich jetzt am kommenden langen Wochenende an den Text setzen und schauen, was genau für Anmerkungen darin sind, was sich davon umsetzen lässt, was ich umsetzen möchte und worüber vielleicht noch einmal zu sprechen ist.

Auf jeden Fall bin ich froh, dass es jetzt wieder weiter geht. Sieht so aus, als ob irgendwo eine Instanz des Schicksals beschlossen hat, dass ich jetzt genug schriftstellerisches Trübsal geblasen habe und es an der Zeit ist, wieder an die Arbeit zu gehen.

„Der Morgen danach“: Und immer wieder ein neuer Anfang

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, jede Sinfonie mit dem ersten Ton und jeder Roman mit dem ersten Wort. Oder alternativ auch mit den ersten Seiten. So weit, so gut.

Was den Roman von den beiden anderen Beispielen ein wenig unterscheidet ist, dass er mit diesen ersten Seiten bereits die Leser einfangen muss, die zu begeistern er sich vorgenommen hat. Bei einer Reise habe ich ein genaues Bild von dem Ort im Kopf, zu dem es mich zieht. Und eine Sinfonie ist einfach wesentlich schnelllebiger als ein Buch. Da sind schon die ersten fünf wegweisenden Minuten gespielt, bevor ich zweimal umgeblättert habe.

Wie ihr wisst, befindet sich mein Roman „Der Morgen danach“ im Lektorat. Und ich kann nur noch einmal sagen, dass ich an eine sehr engagierte und auch – ich benutze das Wort jetzt positiv konnotiert – penible Lektorin geraten bin.

Eigentlich hatten wir die ersten Seiten ja schon fertig. Eigentlich. Denn irgendwie stellte sich irgendein neues Störgefühl ein, dem Jeannette, meine Lektorin, dann nachgehen wollte und quasi in Erfüllung ihres Jobs auch musste.

Sie hatte mich bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass insbesondere der Anfang, also vor allem die ersten beiden Seiten, noch einmal der Überarbeitung bedurften. Was sie sich darunter vorstellte, wurde mir bereits vor anderthalb Wochen zugeschickt, so dass ich eine gewisse Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen, bis unser nächster direkter Kontakt zustande kam. Urlaubszeit und so …

Ich wollte über diesen neuen Anfang nichts schreiben, bis wir nicht miteinander gesprochen hatten. Denn, wenn ich mal wieder schonungslos ehrlich bin, die Änderungen hatten mich schon ein wenig geplättet.

Da waren Bruchstücke meines Textes in meiner Sprache eingebettet in einen neu strukturierten und auch teilweise neu formulierten Text. Stilistisch war das eine Melange aus Versatzstücken meiner Art zu schreiben und ihrer Art zu schreiben. Es las sich nicht schlecht, aber der Gedanke, dass das nun der Weg sein war, den das gesamte Manuskript gehen sollte, hinterließ bei mir ein gewisses Magengrummeln.

Entsprechend aufgeregt war ich vor unserem heutigen Telefonat. In dem sich, wie eigentlich ja immer, alles eine Nummer kleiner darstellte, als ich es mir schon wieder ausgemalt hatte.

Jeannette beruhigte mich dahingehend, dass es ihr nie darum gegangen wäre, meinen Stil komplett zu ändern. Es handle sich auch nicht um ein generelles „Problem“, sondern um eine Schwäche, die vor allem auf diesen beiden Seiten bestanden habe.

Der Hintergrund hierzu ist, dass viele Änderungen in den zahlreichen Fassungen von „Der Morgen danach“ sich gerade in diesen Passagen widerspiegeln und es dadurch dazu gekommen ist, dass da zwar der richtige Text steht, aber nicht die richtigen Gefühle geweckt werden.

Ein Romantext muss mitreißen, muss direkt zu Beginn dem Leser das Gefühl geben, dass er unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Und das ist etwas, was meiner Version des Anfangs von „Der Morgen danach“ nach den verschiedenen Versionen nicht mehr so richtig gelang. Es waren noch alle Informationen da, aber irgendwie passten sie nicht mehr zueinander.

Nun ist genau das Erkennen von solchen Problemen die Aufgabe, die einem Lektorat zukommt. Denn ich selbst war nicht mehr in der Lage, dieses Manko zu erkennen. Zu sehr bin ich mit meinem Text verwachsen, könnte ich gerade diese Anfangssituation auch mitten in der Nacht erzählen, wenn mich jemand aus dem Tiefschlaf reißt.

Insofern habe ich eine weitere spannende Erfahrung gemacht, was die Zusammenarbeit mit einer Lektorin angeht. Ein kleines wenig Restzweifel bleibt bei mir noch, ob nicht die Änderungen zu Beginn, die ich jetzt stilistisch noch einmal ein wenig glätten und angleichen „darf“ und „muss“, zu weiteren Anpassungen im Textverlauf führen müssen. Aber das werden wir in Ruhe beurteilen, wenn dieser Anfang gemacht ist.

Und bei meinem nächsten Besuch im Verlag zeigt mir Jeannette dann mal die beiden Seiten mit all ihren Originalanmerkungen, die sie dazu bewogen haben, es der Einfachheit halber lieber mit einem eigenen und sauberen Entwurf zu probieren, weil ansonsten da kaum ein Durchkommen gewesen wäre. Da freue ich mich schon drauf.

Also: Auch wenn es sich manchmal anfühlt, als ob mit dem Manuskript gar nichts passiert – die Mühlen mahlen weiter. Langsam, aber sie mahlen.

„Der Morgen danach“: Die Tücken des Lektorats

Es ist schon wieder eine Weile her, dass ich euch etwas davon berichtet habe, wie es mit dem Lektorat von „Der Morgen danach“ aussieht. Das hat aber auch seine Gründe, denn wir sind effektiv noch nicht wirklich weitergekommen. Wobei das Wort „Effektivität“ hier nur die reine Seitenzahl meint, nicht aber das Ergebnis der Bemühungen.

Ich hatte ja vor geraumer Zeit meine Überarbeitung des ersten Abschnitts zurück an meine Lektorin geschickt und dann darauf gewartet, dass ich Nachschub bekomme. Ich hatte davon erzählt. Tatsächlich bekam ich aber eine E-Mail, in der sie mir schreibt, dass sie sich insbesondere mit dem Anfang noch einmal auseinandersetzen will, da dieser, besonders bei Geschichten in der Ich-Perspektive, immer ein Knackpunkt ist.

Und was soll ich sagen: Ich finde es gut, dass sie sich diese Zeit nimmt! Denn das zeigt mir, dass sie sich wirklich für das Projekt einbringt. Natürlich hat das auch etwas damit zu tun, dass sie als Geschäftsführerin des Verlags darauf schauen muss, dass sie sich möglichst keine Gurke ins Verlagsprogramm holt. Aber dennoch gibt es noch einen Unterschied zwischen Engagement und Engagement.

Mir fehlen umfassende Erfahrungen mit einem privat vereinbarten und bezahlten Lektorat. Deswegen kann ich hier nur auf der Basis von Probelektoraten, Leistungsbeschreibungen auf Anbieterseite und Erfahrungsberichten Dritter argumentieren. Aber ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht, ob jemand einen Text so lange im Lektorat in die Mangel nimmt, bis alle Beteiligten davon überzeugt sind, oder ob eine Dienstleistung erbracht wird und dem Autor dann ganz alleine benommen ist, was er davon umsetzt und was nicht.

Der von mir schon im letzten Bericht aus dem Lektorat angesprochene Aspekt des miteinander Ringens, Brainstormens und Überlegens ist wahrscheinlich ein anderer, weil man nicht zuletzt auch mit den eigenen Ressourcen (Geld, Arbeit, Zeit) für dieses Projekt einstehen muss.

Damit möchte ich nicht sagen, dass freie Lektoren schlecht wären. Dass mir das bitte niemand in den falschen Hals bekommt! Das, was ich nun bei meinem Verlag bekomme, können diese auch leisten. Und die allermeisten bestimmt auch sehr gut. Es ist am Ende wohl nur eine Frage des Preises, den ich bereit bin, zu bezahlen. Denn in der Regel ist ein, höchstens noch ein zweiter Lektoratsdurchgang in den Preistabellen der freien Lektoren vorgesehen. Alles danach kostet neu zu verhandelnde Extrazahlungen.

Es kann natürlich auch sein, dass die meisten Autoren so eine Betreuung nicht brauchen, weil ihnen zwei Durchgänge locker ausreichen. Vielleicht habe ich auch nur ein besonders schwer zu verdauendes Stück Textanfang geliefert. Ich weiß es nicht. Da muss ich die Rückmeldung abwarten, wie sie konkret ausfallen wird.

Übrigens könnte ich mir gut vorstellen, dass es in großen Verlagen noch einmal anders ist. Ich stelle mir Lektoren vor, die von ihren Autoren schnelle und auf den Punkt gebrachte Änderungen verlangen. Zeit ist Geld, es sind noch zwanzig andere Novitäten für dieses Quartal von der Lektorin zu betreuen und so wird das alles nix. Also keine Widerrede!

Vorurteile?

Nun, irgendwann werde ich es, vielleicht, wissen. Und es euch erzählen. Aber jetzt warte ich erst einmal auf die Dinge, die „Der Morgen danach“ noch so passieren werden, bis irgendwann alle Beteiligten um den reellen oder virtuellen Tisch sitzen und glücklich nicken.

„Der Morgen danach“: Ein kleiner Einblick in die Lektoratsarbeit

So, jetzt aber. Ich hatte es euch gestern angekündigt und dann schreibe ich jetzt auch etwas dazu, wie die Lektoratsarbeit sich bei mir und meinem Roman „Der Morgen danach“ bis auf Weiteres gestalten wird.

Zuerst noch einmal die grundlegenden Fakten: Ich habe das große Glück, dass der Roman in einem Verlag erscheinen wird, dessen Kreativzentrale gerade einmal runde 80 Kilometer von meinem Zuhause entfernt liegt. Das bedeutet, dass ich mich in den Wagen setzen und in ungefähr anderthalb Stunden (Das Stichwort lautet „Autobahn A3“) dort sein kann.

Deswegen hatten wir ja auch am Montag ein persönliches Meeting, meine Lektorin und ich. Ich hatte meine aktuelle Version des Manuskripts mitgebracht, sie die ihrige. Zuerst befassten wir uns mit dem, was ich so angestellt hatte. Ich hatte euch ja erzählt, dass ich mich an einer Art Selbstlektorat versucht habe, bei dem es in der Hauptsache darum ging, Fragen zu formulieren, die ich an den Text, an mich, aber auch an das Lektorat hatte.

Das, was die Lektorin gemacht hat, ging natürlich schon wesentlich mehr ins Eingemachte. Sie hatte die ersten zehn Manuskriptseiten einem Volllektorat unterzogen, das auf den ersten Blick sehr beeindruckend aussah, so viel, wie da mit Bleistift auf die Seiten geschrieben war.

Ja, die Arbeitsweise ist in der Tat analog, was dem einen oder anderen vielleicht ein wenig rückständig anmuten mag, aber auch in Zeiten von Kommentar- und Verfolgungsfunktionen seinen Zweck erfüllt, wie ich festgestellt habe. Doch dazu gleich noch mehr.

Wir gingen die zehn Seiten systematisch durch und sie (Einschub: Ich weiß immer nicht, was ich schreiben soll. Der Name im Impressum lautet Frau Graf, ich nenne sie Jeannette und sie ist die Lektorin. Aber das wird auf Dauer eintönig, oder?) erläuterte mir anhand der Notizen, was sie damit meinte, worauf sie mich hinweisen wolle und was ihre Ideen dazu sind.

Da kamen einige sehr interessante Einblicke in die Lektoratsarbeit bei zustande! Ich hatte ja im vergangenen Jahr das große Glück, für „Der Beobachter und der Turm“ eine Testleserin zu haben, die mich mit beinahe schon lektoratswürdigem Feedback bedacht hat. Aber sich direkt und so im klein-klein mit dem eigenen Text und der Sicht, die jemand anderes darauf hat, auseinanderzusetzen, das war eine neue Erfahrung.

Was für mich am eindrucksvollsten war und für einen echten Aha-Moment gesorgt hat war die Tatsache, wie viele Bilder ich zwar in meinem Kopf habe, die aber beim Leser vollkommen anders ankommen, als gedacht. Ich habe euch ja am Montag die Zeichnungen mit dem Mann in der Röhre gezeigt. Die Überlegungen, die Jeannette dort angestellt hat, waren für mich, den Autor, überflüssig, weil ich ja genau wusste, wie das Ganze nun aussieht.

Aber durch diesen Input von ihr wurde mir erst klar, dass auch mein eigenes Bild längst nicht so ausgefeilt war, wie ich geglaubt hatte. Beim Überarbeiten der Passage bin ich zum Beispiel auf einen kleinen Widerspruch gestoßen, der für sich genommen keinen großen Ärger bedeutet, aber den Leser wieder auf eine falsche Richtung gestoßen hätte.

Dieses klein-klein ist wirklich spannend.

Schade ist nur, dass es nicht möglich sein wird, das jetzt immer und für den kompletten Text so zu machen. Denn auch wenn Refrath praktisch bei mir um die Ecke liegt, kann ich nicht während des Lektorats andauernd Urlaub nehmen. Deswegen sind meine Lektorin und ich so verblieben, dass sie mir in kleinen Päckchen weitere Seiten per Post zuschicken wird, die ich dann bearbeite und ihr in Dateiform zurückschicke.

Deswegen war es ihr so wichtig, dass ich verstehe, wie sie „tickt“, wie sie sich ausdrückt. Was mir an der Stelle außerdem zugute kommt ist, dass ich durch meinen Brotjob durchaus an redaktionelles Arbeiten und auch das Überarbeiten anhand von Anmerkungen gewöhnt bin. Ein entscheidender Unterschied ist, dass mir das Überarbeiten in diesem Fall sogar Spaß macht 😉 .

So ganz nebenbei haben wir beide dann noch ein Problem gelöst, an dem ich praktisch geknabbert habe, seitdem ich die entsprechende Szene schrieb. So wird die gesamte Sache wesentlich plausibler und damit stimmiger.

Und, ach ja, ich wollte euch ja noch sagen, warum ich es praktischer finde, dass sie auf Papier und ich in einer Datei arbeite. Zum einen, weil damit das fehleranfällige hin und her mit verschiedenen Dateien per Mail weg fällt. Und zum anderen, weil ich noch mehr Kommentare in solch einer Seite nicht gebrauchen könnte:

Und ja, das alles sind Änderungen an einem Text, den ich ursprünglich mal als – in meinen Augen – „fertig“ deklariert hatte.

Tja, so sieht es also aus mit dem Lektorat und der Arbeit am Text. Einige Änderungen sind Kleinigkeiten, die man im Vorbeigehen erledigt. Andere, wie die gerade genannte Problemlösung, müssen auch später im Text immer wieder einmal aufgegriffen werden. Mal schauen, wie gut mir das gelingt, da an alles zu denken.

Aber vielleicht ist das auch erst ein Thema für den folgenden Lektoratsdurchlauf.

Soweit für heute mein kleiner Einblick in die gerade stattfindenden Arbeiten. Es tut sich was. Toll, nicht wahr? 🙂

„Der Morgen danach“: Meine Lektorin ist eine Künstlerin!

Ich weiß, ich hatte euch einen Bericht über das heutige Lektorat versprochen, aber ich bin nach dem Tag einfach groggy. Nachdem ich vom Verlag zurück nach Hause kam, musste ich leider feststellen, dass das Fahrlicht am Wagen defekt war. Also ab in die Werkstatt, wo ich dann den Rest des Nachmittags verbrachte.

Aber eines möchte ich euch, sozusagen als Appetizer, dann doch gerne zeigen. Nämlich dass meine Lektorin eine richtige Künstlerin ist!

Liebe Jeannette, ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich dein Kunstwerk hier veröffentliche. Ich finde es toll, wie du dir zu der entsprechenden Szene Gedanken gemacht hast!

Wir hatten auf jeden Fall ein paar von Kreativität und fruchtbarer Stunden geprägte gemeinsame Stunden heute. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit!