Offline sein hat auch seine Vorteile

Wie ihr wisst, habe ich ja in dieser Woche Urlaub. Eine Menge Zeit, um Dinge zu machen, zu denen man sonst nicht kommt um Zeit zu verplempern. Insbesondere in Bezug auf das Schreiben habe ich in dieser Woche mal wieder so gut wie nichts auf die Reihe bekommen. Wenn ich dafür einen Grund benennen müsste, dann wäre es vielleicht der fehlende Fokus, den ich zurzeit auf ein Projekt lenken kann. Soll ich mich erst weiter an meinem aktuellen Roman versuchen? Die Agenturbewerbungen für „Der Beobachter und der Turm“ vorantreiben? Und wie steht das überhaupt mit dem Lektorat von „Der Morgen danach“?

Hierfür hatte ich mir ja einige Notizen gemacht, die ich gestern alle mit meinem Lektor, soweit es uns möglich war, durchgegangen bin, so dass feststand, dass ich ab sofort keine Ausrede mehr hatte loslegen konnte.

Mit ein wenig gemischten Gefühlen habe ich mich also heute Mittag an meinen Rechner gesetzt, eine neue Fassung des Dokuments erstellt und angefangen, die gewünschten Änderungen zu sichten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, falls ihr schon einmal in ähnlicher Lage wart, aber mir kommt es beim ersten Durchblättern immer so vor, als ob ich Stunden über Stunden mit Umschreiben, Abändern und neu verfassen verbringen müsste.

Und das ist nicht gerade eben motivierend.

Trotzdem habe ich mich also an die Arbeit gemacht, weil ich mir hinterher nicht selber nachsagen wollte, ich hätte in meinem Urlaub überhaupt nichts sinnvolles angestellt.

Der Anfang gestaltete sich ein wenig zäh, weil gerade auf den ersten paar Seiten viel Arbeit auf mich wartete. Wir setzen alles mit vereinten Kräften daran, diesen Einstieg so packend (und plausibel) für den Leser hinzukriegen, wie es nur irgendwie geht. Entsprechend umfangreich sind die Eingriffe, die ich vorzunehmen hatte und auch der Zeitaufwand war erheblich.

Irgendwann, so ungefähr um 14 Uhr, hatte ich dann die ersten 10, 12 Seiten soweit im Kasten. Und eigentlich hatte ich an der Stelle vor, es für den Moment heute gut sein zu lassen. Ganz nach dem Motto: Da ist Zeit, die sinnlos verplempert werden will!

Dann allerdings fiel mein Blick auf ein blinkendes Licht im Regal zu meiner Linken. Und wenn es da blinkt, dann meint das für unsere Internetverbindung nichts Gutes, denn dann meldet der Router eine Störung. Und so war es dann auch. Ein Anruf bei der Telekom brachte heraus, dass es eine großangelegte Störung im Duisburger Raum gab, von der auch wir betroffen waren.

Nun, es hätte ja auch noch genügend andere Möglichkeiten gegeben, Zeit totzuschlagen. Aber ich hatte mich gedanklich eben aufs Internet versteift. Zielloses Surfen und abarbeiten von Feeds und Mails voraus! Ging jetzt nicht.

Also bin ich an meinem Text dran geblieben. Und als circa drei Stunden später das Internet wieder funktionierte, hatte ich, alles in allem, dreißig Seiten des lektorierten Texts abgearbeitet. Damit fehlen mir nur noch sechzehn weitere Seiten, bis ich die ersten fünf Kapitel wieder an den Verlag zurückschicken kann. Sechzehn Seiten in drei Tagen – klingt doch soweit erst einmal machbar, findet ihr nicht auch?

Ich kann also nur bestätigen und unterschreiben, was sowieso schon als Binsenweisheit die Runde macht: Wenn man zwischendurch mal die Verbindung zum Internet kappt, dann kann man gleich viel produktiver arbeiten. Gut, mit Ausnahme des einen Moments, wo ich dringend etwas nachschlagen wollte und mich erst nach etwa einer Minute daran erinnerte, dass ja immer noch das Lämpchen blinkte 😉 .

Jetzt schwanke ich, ob ich morgen einfach mal bewusst den Stecker ziehen sollte. Aber dann bekomme ich wahrscheinlich Ärger mit meiner Frau, die auf ihre ganz eigene Weise Zeit verplempern im Internet verbringen wollte.

Das Autorenleben ist schon eines der Härtesten, findet ihr nicht?

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Der Sonntagsreport vom 17.12.2017: Hat doch gar nicht weh getan

Hallo liebe Blogbesucher!

Na, wie habt ihr den dritten Advent verbracht? Habt ihr euch auch, wie wahrscheinlich so viele, in den Trubel gestürzt, weil ja vielerorts ein verkaufsoffener Sonntag war? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den großen Einkaufszentren der Gegend, wie dem CentrO in Oberhausen oder auch dem Zentrum am Limbecker Platz in Essen los gewesen ist. Aber ja: In einer Woche ist Heiligabend und man kann das Parfüm und die Krawatte ja nicht immer auf den letzten Drücker kaufen.

Ich selbst habe alle Weihnachtsgeschenke inzwischen zusammen und bin ziemlich glücklich darüber. Ich werde nämlich schon so langsam nervös, wenn das zur Dezembermitte nicht der Fall ist. Auch wenn in der schönen neuen Internetwelt der Versandhändler mit dem großen „A“ gegen einen entsprechenden Obolus auch Lieferungen am Tag der Bestellungen durchführt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden die Verkaufsfahrer des im Aufbau befindlichen eigenen Lieferdienstes wahrscheinlich dazu verdonnert werden, sich in Weihnachtsmann- oder Christkind-Kostüme zu quetschen, und an Heiligabend bis unter den Baum zu liefern.

Nun, das ist Zukunftsmusik.

Vergangenheit ist dagegen, dass ich an der zweiten Etappe des Lektorats von „Der Morgen danach“ gearbeitet habe. Ich hatte ja in den letzten Beiträgen zum Thema so ein wenig anklingen lassen, dass ich Probleme damit hätte. Aber wie so oft im Leben ist es so gewesen, dass ich mich nur mal, aufraffen musste.

Und das hat gestern und heute gut geklappt. Ich bin in einen kleinen Flow geraten, was die Überarbeitung angeht, und habe deswegen mit den Anmerkungen meiner Lektorin irgendwann auch gar keine Schwierigkeiten mehr gehabt. Die resultierten nämlich größtenteils daraus, dass ich gar nicht den passenden Blick auf den Text hatte. Und ich habe wieder die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, konzentrierte und zielgerichtete Textarbeit zu betreiben, wenn man im Kopf blockiert ist.

Es war eine gute Entscheidung, mir selber ins Stammbuch zu schreiben, dass spätestens jeden zweiten Tag irgendwas Schriftstellermäßiges zu geschehen hat. Dass das vorher nicht so gewesen ist, mögen mir die Hardliner und Unverständigen als Nachlässigkeit und mangelnde Professionalität auslegen. Sei es drum. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und es kann sehr gut sein, dass ich meinen jetzt gefunden habe.

Jedenfalls kann ich morgen die entsprechenden Passagen in die Post geben und habe damit den Kopf vorläufig wieder für andere Dinge frei. Am Ende hat es auch gar nicht weh getan.

Ich möchte auf jeden Fall noch in diesem Jahr die erste Agenturbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ auf die Reise schicken. Ja, ich habe mich dazu entschlossen, es zuerst mit einer einzelnen Agentur und der geforderten Exklusivität zu versuchen. Wenn so die Spielregeln sind, dann muss ich mich eben daran halten.

Und was macht das Schreiben? Da sind mein Kurzroman und meine Kurzgeschichte. Und beides kommt im Moment nicht wirklich aus den Puschen. Ich glaube, es war ein Irrglaube von mir, zwei so unterschiedliche Projekte gleichzeitig stemmen zu können. Oder sie gleichzeitig zu allem anderen stemmen zu können, was da sonst noch anliegt und angelegen hat.

Welchen der beiden Texte ich nun vorziehe, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Es gibt eine Tendenz, aber davor steht auf jeden Fall die Bewerbung. Nicht wieder alles gleichzeitig. Also brauche ich mich auch jetzt noch nicht festzulegen.

Festlegen musste ich mich im Laufe der letzten Wochen auf die eine oder andere Personalentscheidung in dem Autorenverein, in dem ich Mitglied bin. Es stehen Vorstandswahlen an und es zeigte sich sehr deutlich, dass Autoren auch nur Kaninchenzüchter oder Kleingärtner sind. Soll sagen: So sehr unterscheiden sich die Vereine, die Strukturen und auch der Umgang miteinander gar nicht.

In mir rumort es, offen gestanden, ein wenig. Ich hätte da was zu sagen, bevor in dieser Woche ein neuer Vorstand gewählt wird, aber ich weiß nicht, ob es jemand hören will. Schließlich bin ich nur ein ganz normales Mitglied, habe weder das schönste Kaninchen gezüchtet, noch die größten Kartoffeln im Beet.

Nun, wir werden sehen. Ich wollte es aber auf jeden Fall hier hinschreiben, weil es mich halt beschäftigt. Und der Sonntagsreport dient vor allem ja auch dem, mir Dinge aus dem Kopf zu schreiben, die mich beschäftigen. Damit ich entweder damit abschließen kann, oder halt um einen Schritt in meiner Entscheidungsfindung weiter zu kommen.

Damit wollen wir es für heute dann auch wieder bewenden lassen. Ich wünsche euch, dass ihr die letzte Woche vor Weihnachten genießen könnt. Die Besinnlichkeit fängt für die meisten von uns ja erst am 24.12. kurz vor dem Gänsebraten an. Aber vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit einer Veränderung dieses Umstands.

Lasst euch nicht stressen!

Euer Michael

Der Sonntagsreport vom 26.11.2017: Irgendwie doch immer dasselbe

Hallo ihr Lieben!

Ich muss gestehen, dass ich inzwischen nahe an der Selbstzensur bin. Denn ich kann es ja selber nicht mehr lesen, wenn hier wieder steht, dass eine Woche lang kaum etwas nennenswertes passiert ist, weil da entweder die Zeit oder die Kraft oder beides nicht für gereicht hat. Ist doch irgendwie immer dasselbe. Will doch keiner mehr lesen – am wenigsten ich.

Aber!

Aber dann fällt mir wieder ein, dass es einen ganz basalen Grund dafür gibt, dass es diesen Blog gibt. Und der ist, dass ich mich mit seiner Hilfe (und natürlich vor allem auch EURER Hilfe) neu motiviere, wenn die Motivation gelitten hat und immer noch leidet. Wenn die Kraft fehlt.

Heute war ein gutes Beispiel dafür. Ohne, dass es einen besonderen Grund gegeben hätte, habe ich heute Vormittag ziemlich lange geschlafen. Gut, ein Grund war natürlich, dass der Rest der Familie dieses lange Ausschlafen ermöglicht hat 😉 .

Aber nach dem Frühstück habe ich mich dann erst einmal wieder eine Stunde aufs Ohr gelegt. Richtig geschlafen habe ich nicht, aber ich war irgendwie nicht auf dem Damm. Dann Aufstehen zur Mittagsstunde, um die Frau zur Arbeit zu verabschieden und drei Stunden lang versuchen, ein wenig geregelt zu bekommen.

Um drei Uhr ein Treffen mit der großen Tochter, um Vokabeln abzuhören. Im Anschluss einmal über die Unterlagen des Lektorats schauen, die mir inzwischen zugegangen sind und bei denen ich noch nicht weiß, wie ich auf einige Änderungsvorschläge/-wünsche reagiere, weswegen ich mir hier noch Gedanken machen muss.

Einfach mal auf der Couch sitzen bleiben für die kommenden zwei Stunden, die meiste Zeit mit geschlossenen Augen. Nicht schlafen, sondern einfach sitzen und versuchen, irgendwie wieder bei zu kommen.

Ich habe keine Ahnung, was da wieder los ist. Vielleicht ist das Jahr gefühlt einfach schon zu lang. Vielleicht setzt die Jahresendzeitstimmung langsam ein. Herüber gerettet aus einer Zeit, in der man noch glaubte, dass der erste Januar wirklich ein neuer Beginn wäre und nicht nur der gleiche Mist mit einer anderen Jahreszahl am Ende.

Vielleicht ist es einfach deswegen auch immer dasselbe und damit langsam langweilig, weil sich diese Erkenntnisse langsam durchsetzen. Langsam durchsetzen müssen. Schließlich bin ich ja kein Fantast – auch wenn ich manchmal fantastische Geschichten schreibe.

Wo, wenn nicht hier, kann ich einfach mal so drauflos schreiben. In welchen, wenn nicht in den Artikeln zum Sonntagsreport.

Nun sprach ich davon, dass ich Motivation und Kraft wiedergewinnen will. Und dafür muss ich dran bleiben! Darf nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Wenn ihr mich heute Nachmittag gefragt hättet, dann hätte ich gesagt, dass ich vielleicht einfach mal ein „vorübergehend geschlossen“-Schild an den Blog hängen sollte. Ein Teil von mir denkt das immer noch. Dass das Ding mir vielleicht nicht ganz so sehr hilft, wie ich es glaube, sondern eine zusätzliche Belastung darstellt.

Aber wie dem auch immer sei: Die Entscheidung fällt nicht jetzt und sie fällt nicht hier. Hier und jetzt schreibe ich gleich den letzten Satz für diesen Tag, bevor ich mich auf eine neue Woche da draußen vorbereite. Eine Woche, in der ich mich mit meiner Lektorin kurzschließen möchte. Eine Woche, die mehr als dieses Gejammer im Blog sehen soll. Eine Woche, die mich wieder ein wenig mehr ich selbst sein lässt.

Ohne zu wissen, woran es diesmal eigentlich wieder gelegen hat oder noch liegt. Was aber auch egal ist, denn irgendwie geht es immer weiter. Egal, ob es das Jahresende ist, der Jahresanfang oder irgendwas dazwischen.

Es wird immer weitergehen. Und irgendwann ist es auch nicht mehr nur dasselbe.

Es tut gut, euch dabei zu haben!

Euer Michael

„Der Morgen danach“: Und immer wieder ein neuer Anfang

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, jede Sinfonie mit dem ersten Ton und jeder Roman mit dem ersten Wort. Oder alternativ auch mit den ersten Seiten. So weit, so gut.

Was den Roman von den beiden anderen Beispielen ein wenig unterscheidet ist, dass er mit diesen ersten Seiten bereits die Leser einfangen muss, die zu begeistern er sich vorgenommen hat. Bei einer Reise habe ich ein genaues Bild von dem Ort im Kopf, zu dem es mich zieht. Und eine Sinfonie ist einfach wesentlich schnelllebiger als ein Buch. Da sind schon die ersten fünf wegweisenden Minuten gespielt, bevor ich zweimal umgeblättert habe.

Wie ihr wisst, befindet sich mein Roman „Der Morgen danach“ im Lektorat. Und ich kann nur noch einmal sagen, dass ich an eine sehr engagierte und auch – ich benutze das Wort jetzt positiv konnotiert – penible Lektorin geraten bin.

Eigentlich hatten wir die ersten Seiten ja schon fertig. Eigentlich. Denn irgendwie stellte sich irgendein neues Störgefühl ein, dem Jeannette, meine Lektorin, dann nachgehen wollte und quasi in Erfüllung ihres Jobs auch musste.

Sie hatte mich bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass insbesondere der Anfang, also vor allem die ersten beiden Seiten, noch einmal der Überarbeitung bedurften. Was sie sich darunter vorstellte, wurde mir bereits vor anderthalb Wochen zugeschickt, so dass ich eine gewisse Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen, bis unser nächster direkter Kontakt zustande kam. Urlaubszeit und so …

Ich wollte über diesen neuen Anfang nichts schreiben, bis wir nicht miteinander gesprochen hatten. Denn die Änderungen waren schon recht umfangreich.

Entsprechend aufgeregt war ich vor unserem heutigen Telefonat. In dem sich, wie eigentlich ja immer, alles eine Nummer kleiner darstellte, als ich es mir schon wieder ausgemalt hatte.

Jeannette beruhigte mich dahingehend, dass es ihr nicht etwa darum ginge, grundlegend etwas an meiner Schreibe zu ändern. Es handle sich auch nicht um ein generelles „Problem“, sondern um eine Schwäche, die vor allem auf diesen beiden Seiten bestanden habe.

Der Hintergrund hierzu ist, dass viele Änderungen in den zahlreichen Fassungen von „Der Morgen danach“ sich gerade in diesen Passagen widerspiegeln und es dadurch dazu gekommen ist, dass da zwar der richtige Text steht, aber nicht die richtigen Gefühle geweckt werden.

Ein Romantext muss mitreißen, muss direkt zu Beginn dem Leser das Gefühl geben, dass er unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Und das ist etwas, was meiner Version des Anfangs von „Der Morgen danach“ nach den verschiedenen Versionen nicht mehr so richtig gelang. Es waren noch alle Informationen da, aber irgendwie passten sie nicht mehr zueinander.

Nun ist genau das Erkennen von solchen Problemen die Aufgabe, die einem Lektorat zukommt. Denn ich selbst war nicht mehr in der Lage, dieses Manko zu erkennen. Zu sehr bin ich mit meinem Text verwachsen, könnte ich gerade diese Anfangssituation auch mitten in der Nacht erzählen, wenn mich jemand aus dem Tiefschlaf reißt.

Insofern habe ich eine weitere spannende Erfahrung gemacht, was die Zusammenarbeit mit einer Lektorin angeht.

Also: Auch wenn es sich manchmal anfühlt, als ob mit dem Manuskript gar nichts passiert – die Mühlen mahlen weiter. Langsam, aber sie mahlen.

„Der Morgen danach“: Ein kleiner Einblick in die Lektoratsarbeit

So, jetzt aber. Ich hatte es euch gestern angekündigt und dann schreibe ich jetzt auch etwas dazu, wie die Lektoratsarbeit sich bei mir und meinem Roman „Der Morgen danach“ bis auf Weiteres gestalten wird.

Zuerst noch einmal die grundlegenden Fakten: Ich habe das große Glück, dass der Roman in einem Verlag erscheinen wird, dessen Kreativzentrale gerade einmal runde 80 Kilometer von meinem Zuhause entfernt liegt. Das bedeutet, dass ich mich in den Wagen setzen und in ungefähr anderthalb Stunden (Das Stichwort lautet „Autobahn A3“) dort sein kann.

Deswegen hatten wir ja auch am Montag ein persönliches Meeting, meine Lektorin und ich. Ich hatte meine aktuelle Version des Manuskripts mitgebracht, sie die ihrige. Zuerst befassten wir uns mit dem, was ich so angestellt hatte. Ich hatte euch ja erzählt, dass ich mich an einer Art Selbstlektorat versucht habe, bei dem es in der Hauptsache darum ging, Fragen zu formulieren, die ich an den Text, an mich, aber auch an das Lektorat hatte.

Das, was die Lektorin gemacht hat, ging natürlich schon wesentlich mehr ins Eingemachte. Sie hatte die ersten zehn Manuskriptseiten einem Volllektorat unterzogen, das auf den ersten Blick sehr beeindruckend aussah, so viel, wie da mit Bleistift auf die Seiten geschrieben war.

Ja, die Arbeitsweise ist in der Tat analog, was dem einen oder anderen vielleicht ein wenig rückständig anmuten mag, aber auch in Zeiten von Kommentar- und Verfolgungsfunktionen seinen Zweck erfüllt, wie ich festgestellt habe. Doch dazu gleich noch mehr.

Wir gingen die zehn Seiten systematisch durch und sie (Einschub: Ich weiß immer nicht, was ich schreiben soll. Der Name im Impressum lautet Frau Graf, ich nenne sie Jeannette und sie ist die Lektorin. Aber das wird auf Dauer eintönig, oder?) erläuterte mir anhand der Notizen, was sie damit meinte, worauf sie mich hinweisen wolle und was ihre Ideen dazu sind.

Da kamen einige sehr interessante Einblicke in die Lektoratsarbeit bei zustande! Ich hatte ja im vergangenen Jahr das große Glück, für „Der Beobachter und der Turm“ eine Testleserin zu haben, die mich mit beinahe schon lektoratswürdigem Feedback bedacht hat. Aber sich direkt und so im klein-klein mit dem eigenen Text und der Sicht, die jemand anderes darauf hat, auseinanderzusetzen, das war eine neue Erfahrung.

Was für mich am eindrucksvollsten war und für einen echten Aha-Moment gesorgt hat war die Tatsache, wie viele Bilder ich zwar in meinem Kopf habe, die aber beim Leser vollkommen anders ankommen, als gedacht. Ich habe euch ja am Montag die Zeichnungen mit dem Mann in der Röhre gezeigt. Die Überlegungen, die Jeannette dort angestellt hat, waren für mich, den Autor, überflüssig, weil ich ja genau wusste, wie das Ganze nun aussieht.

Aber durch diesen Input von ihr wurde mir erst klar, dass auch mein eigenes Bild längst nicht so ausgefeilt war, wie ich geglaubt hatte. Beim Überarbeiten der Passage bin ich zum Beispiel auf einen kleinen Widerspruch gestoßen, der für sich genommen keinen großen Ärger bedeutet, aber den Leser wieder auf eine falsche Richtung gestoßen hätte.

Dieses klein-klein ist wirklich spannend.

Schade ist nur, dass es nicht möglich sein wird, das jetzt immer und für den kompletten Text so zu machen. Denn auch wenn Refrath praktisch bei mir um die Ecke liegt, kann ich nicht während des Lektorats andauernd Urlaub nehmen. Deswegen sind meine Lektorin und ich so verblieben, dass sie mir in kleinen Päckchen weitere Seiten per Post zuschicken wird, die ich dann bearbeite und ihr in Dateiform zurückschicke.

Deswegen war es ihr so wichtig, dass ich verstehe, wie sie „tickt“, wie sie sich ausdrückt. Was mir an der Stelle außerdem zugute kommt ist, dass ich durch meinen Brotjob durchaus an redaktionelles Arbeiten und auch das Überarbeiten anhand von Anmerkungen gewöhnt bin. Ein entscheidender Unterschied ist, dass mir das Überarbeiten in diesem Fall sogar Spaß macht 😉 .

So ganz nebenbei haben wir beide dann noch ein Problem gelöst, an dem ich praktisch geknabbert habe, seitdem ich die entsprechende Szene schrieb. So wird die gesamte Sache wesentlich plausibler und damit stimmiger.

Und, ach ja, ich wollte euch ja noch sagen, warum ich es praktischer finde, dass sie auf Papier und ich in einer Datei arbeite. Zum einen, weil damit das fehleranfällige hin und her mit verschiedenen Dateien per Mail weg fällt. Und zum anderen, weil ich noch mehr Kommentare in solch einer Seite nicht gebrauchen könnte:

Und ja, das alles sind Änderungen an einem Text, den ich ursprünglich mal als – in meinen Augen – „fertig“ deklariert hatte.

Tja, so sieht es also aus mit dem Lektorat und der Arbeit am Text. Einige Änderungen sind Kleinigkeiten, die man im Vorbeigehen erledigt. Andere, wie die gerade genannte Problemlösung, müssen auch später im Text immer wieder einmal aufgegriffen werden. Mal schauen, wie gut mir das gelingt, da an alles zu denken.

Aber vielleicht ist das auch erst ein Thema für den folgenden Lektoratsdurchlauf.

Soweit für heute mein kleiner Einblick in die gerade stattfindenden Arbeiten. Es tut sich was. Toll, nicht wahr? 🙂

„Der Morgen danach“: Meine Lektorin ist eine Künstlerin!

Ich weiß, ich hatte euch einen Bericht über das heutige Lektorat versprochen, aber ich bin nach dem Tag einfach groggy. Nachdem ich vom Verlag zurück nach Hause kam, musste ich leider feststellen, dass das Fahrlicht am Wagen defekt war. Also ab in die Werkstatt, wo ich dann den Rest des Nachmittags verbrachte.

Aber eines möchte ich euch, sozusagen als Appetizer, dann doch gerne zeigen. Nämlich dass meine Lektorin eine richtige Künstlerin ist!

Liebe Jeannette, ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich dein Kunstwerk hier veröffentliche. Ich finde es toll, wie du dir zu der entsprechenden Szene Gedanken gemacht hast!

Wir hatten auf jeden Fall ein paar von Kreativität und fruchtbarer Stunden geprägte gemeinsame Stunden heute. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit!

Der Sonntagsreport vom 28.05.2017 – Ozon liegt in der Luft

Hallo zusammen!

Na, sind das nicht herrliche Sommertage, die wir im Moment haben? Na gut, wem erzähle ich das. Mir ist es auch zu heiß. Außerdem sind ja die Ozonwerte, glaube ich, wieder besonders hoch. Oder ist das nur bei mir in meinem Keller so? Vielleicht liegt es ja daran, dass der Laserdrucker den halben Tag gelaufen ist. Ja, doch, das könnte der Grund sein.

Morgen habe ich den Nachholtermin für die erste Lektoratsbesprechung im Verlag und ich freue mich schon sehr darauf. Dafür musste ich natürlich jetzt ausdrucken, was ich mir an Kommentaren und dergleichen notiert habe. Mal davon abgesehen, dass das Manuskript nun einmal die Diskussionsgrundlage der ganzen Veranstaltung ist.

Ich kann nur noch einmal betonen, dass die Gefühle, die ich habe, sehr widersprüchlich sind. Das liegt, denke ich, daran, dass ein Teil von mir immer noch der Ansicht ist, dass dieser Roman es irgendwie gar nicht verdient hat, veröffentlicht zu werden. Ist natürlich vollkommener Käse und ich weiß das auch. Aber es ist dann einfach sehr, sehr seltsam, wenn man mit „fremden Menschen“ am Tisch sitzt und sich eben über diesen Roman unterhält.

Jedenfalls muss ich mich wohl langsam darum kümmern, meine Vorräte an Druckerpapier wieder ein wenig aufzufüllen, denn ich gehe davon aus, dass ich das Manuskript noch ein paar Mal werde ausdrucken müssen, bevor es dann irgendwann „fertig“ ist.

Drückt mir mal die Daumen, dass es entweder morgen nicht so heiß ist, oder dass zumindest die Autobahnen nicht verstopft sind. Da ich in Stoßrichtung Köln fahre, ist allerdings gerade dieser zweite Wunsch schon einer von der sehr frommen Sorte. Bis jetzt habe ich immer entweder auf der Hinfahrt oder auf der Rückfahrt im Stau gestanden. Bei allen beiden Verlagsbesuchen 😉 .

Was gibt es sonst noch berichtenswertes?

Da ich ja gestern vom Prokrastinieren schrieb, habe ich beschlossen, zumindest zwei Dinge noch in Angriff zu nehmen. Das ist zum einen „Darkride“ und zum anderen die Kurzgeschichte, in der es sich um die Zahl 30 dreht. Wie, die habt ihr schon wieder vergessen? Ja, das hatte ich auch fast, weil ich ja dachte, dass ich die Kriterien für die Ausschreibung nicht erfülle. Aber da die einem steten Wandel zu unterliegen scheinen, kann ich es ja doch vielleicht noch versuchen. Abgabetermin ist inzwischen der 31.05., aber da schreibe ich noch einmal gesondert einen Beitrag.

Und für „Darkride“ werde ich versuchen, mir noch ein oder zwei Meinungen einzuholen, die mir vielleicht dabei helfen, den Problemen mit der Erzählperspektive auf die Schliche zu kommen, die be mir ins Stammbuch geschrieben hat. Man selbst ist da ja doch manchmal betriebsblind. Ach ja, falls jemand unter meinen Lesern sich berufen fühlt, da lässt sich sicherlich was machen 🙂 .

So, und da jetzt gleich das Abendessen auf dem Tisch steht, soll es das an dieser Stelle auch schon wieder gewesen sein mit dem eher knapp gefassten Sonntagsreport. Ich lüfte jetzt den Keller noch einmal ordentlich durch, dann in irgendeiner Form meinen Kopf und morgen geht es frisch und fröhlich ins Lektorat. Ich werde euch berichten!

Habt einen guten Start in die Woche.

Euer Michael