Der Sonntagsreport vom 17.12.2017: Hat doch gar nicht weh getan

Hallo liebe Blogbesucher!

Na, wie habt ihr den dritten Advent verbracht? Habt ihr euch auch, wie wahrscheinlich so viele, in den Trubel gestürzt, weil ja vielerorts ein verkaufsoffener Sonntag war? Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was in den großen Einkaufszentren der Gegend, wie dem CentrO in Oberhausen oder auch dem Zentrum am Limbecker Platz in Essen los gewesen ist. Aber ja: In einer Woche ist Heiligabend und man kann das Parfüm und die Krawatte ja nicht immer auf den letzten Drücker kaufen.

Ich selbst habe alle Weihnachtsgeschenke inzwischen zusammen und bin ziemlich glücklich darüber. Ich werde nämlich schon so langsam nervös, wenn das zur Dezembermitte nicht der Fall ist. Auch wenn in der schönen neuen Internetwelt der Versandhändler mit dem großen „A“ gegen einen entsprechenden Obolus auch Lieferungen am Tag der Bestellungen durchführt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden die Verkaufsfahrer des im Aufbau befindlichen eigenen Lieferdienstes wahrscheinlich dazu verdonnert werden, sich in Weihnachtsmann- oder Christkind-Kostüme zu quetschen, und an Heiligabend bis unter den Baum zu liefern.

Nun, das ist Zukunftsmusik.

Vergangenheit ist dagegen, dass ich an der zweiten Etappe des Lektorats von „Der Morgen danach“ gearbeitet habe. Ich hatte ja in den letzten Beiträgen zum Thema so ein wenig anklingen lassen, dass ich Probleme damit hätte. Aber wie so oft im Leben ist es so gewesen, dass ich mich nur mal, aufraffen musste.

Und das hat gestern und heute gut geklappt. Ich bin in einen kleinen Flow geraten, was die Überarbeitung angeht, und habe deswegen mit den Anmerkungen meiner Lektorin irgendwann auch gar keine Schwierigkeiten mehr gehabt. Die resultierten nämlich größtenteils daraus, dass ich gar nicht den passenden Blick auf den Text hatte. Und ich habe wieder die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist, konzentrierte und zielgerichtete Textarbeit zu betreiben, wenn man im Kopf blockiert ist.

Es war eine gute Entscheidung, mir selber ins Stammbuch zu schreiben, dass spätestens jeden zweiten Tag irgendwas Schriftstellermäßiges zu geschehen hat. Dass das vorher nicht so gewesen ist, mögen mir die Hardliner und Unverständigen als Nachlässigkeit und mangelnde Professionalität auslegen. Sei es drum. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und es kann sehr gut sein, dass ich meinen jetzt gefunden habe.

Jedenfalls kann ich morgen die entsprechenden Passagen in die Post geben und habe damit den Kopf vorläufig wieder für andere Dinge frei. Am Ende hat es auch gar nicht weh getan.

Ich möchte auf jeden Fall noch in diesem Jahr die erste Agenturbewerbung für „Der Beobachter und der Turm“ auf die Reise schicken. Ja, ich habe mich dazu entschlossen, es zuerst mit einer einzelnen Agentur und der geforderten Exklusivität zu versuchen. Wenn so die Spielregeln sind, dann muss ich mich eben daran halten.

Und was macht das Schreiben? Da sind mein Kurzroman und meine Kurzgeschichte. Und beides kommt im Moment nicht wirklich aus den Puschen. Ich glaube, es war ein Irrglaube von mir, zwei so unterschiedliche Projekte gleichzeitig stemmen zu können. Oder sie gleichzeitig zu allem anderen stemmen zu können, was da sonst noch anliegt und angelegen hat.

Welchen der beiden Texte ich nun vorziehe, habe ich noch nicht abschließend entschieden. Es gibt eine Tendenz, aber davor steht auf jeden Fall die Bewerbung. Nicht wieder alles gleichzeitig. Also brauche ich mich auch jetzt noch nicht festzulegen.

Festlegen musste ich mich im Laufe der letzten Wochen auf die eine oder andere Personalentscheidung in dem Autorenverein, in dem ich Mitglied bin. Es stehen Vorstandswahlen an und es zeigte sich sehr deutlich, dass Autoren auch nur Kaninchenzüchter oder Kleingärtner sind. Soll sagen: So sehr unterscheiden sich die Vereine, die Strukturen und auch der Umgang miteinander gar nicht.

In mir rumort es, offen gestanden, ein wenig. Ich hätte da was zu sagen, bevor in dieser Woche ein neuer Vorstand gewählt wird, aber ich weiß nicht, ob es jemand hören will. Schließlich bin ich nur ein ganz normales Mitglied, habe weder das schönste Kaninchen gezüchtet, noch die größten Kartoffeln im Beet.

Nun, wir werden sehen. Ich wollte es aber auf jeden Fall hier hinschreiben, weil es mich halt beschäftigt. Und der Sonntagsreport dient vor allem ja auch dem, mir Dinge aus dem Kopf zu schreiben, die mich beschäftigen. Damit ich entweder damit abschließen kann, oder halt um einen Schritt in meiner Entscheidungsfindung weiter zu kommen.

Damit wollen wir es für heute dann auch wieder bewenden lassen. Ich wünsche euch, dass ihr die letzte Woche vor Weihnachten genießen könnt. Die Besinnlichkeit fängt für die meisten von uns ja erst am 24.12. kurz vor dem Gänsebraten an. Aber vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit einer Veränderung dieses Umstands.

Lasst euch nicht stressen!

Euer Michael

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Neues aus dem Lektorat (5) Ein paar Gedanken zu Papier gebracht

Wenn man im Lektorat seines Romans drin steckt, dann erlebt man schon mal interessante Sachen. Eigentlich sogar die ganze Zeit über. Aber was definitiv interessant ist, ist der Umstand, dass man sich auf einmal in gewisser Hinsicht genötigt sieht, sich für manche Dinge, die man so geschrieben hat, zu rechtfertigen.

Nein, Rechtfertigung ist eigentlich nicht der richtige Begriff. Es ist mehr eine Art Erklärung, die man abgibt für Dinge und Handlungsabläufe, die man sich irgendwann ja einmal genau so ausgedacht hat, weil man sie für richtig hielt, wie sie sich darstellten.

Die Aufgabe einer Lektorin ist es aber nun einmal, diese Steine alle anzuheben und, je nachdem, auch auf den Kopf zu drehen. Das ist für mich als Autor allerdings nicht immer ganz einfach und so kommt es, dass ich an der Stelle, an der ich gerade bin, vom konkreten Text abgeschweift bin und anfing, mir ein paar Gedanken zu machen.

Es ist nicht leicht, das spoilerfrei zu erzählen, deswegen muss ich leider etwas vage bleiben. Es geht um eine Haltung der Hauptperson, die meiner Meinung nach durch die angedachten Änderungen ein wenig zu früh gefestigt wird. In „meiner“ Fassung bleibt dies etwas länger offen, was den Effekt haben sollte, den Leser eine Weile länger im Unklaren zu lassen.

Ich weiß, dass man darüber streiten kann, aber ich hoffe doch, dass es ohne Streit ausgeht und meine Lektorin und ich uns einfach ein paar Gedanken dazu machen.

Der kleine Drecksack in mir, der sofort immer vom Worst Case ausgeht, nämlich davon, dass mir einfach „befohlen“ wird, das jetzt so zu machen, meint natürlich direkt wieder, er müsse sich schon in Widerstandsposition bringen. Aber wir sind aus meiner rationalen Sicht nicht dabei, irgendwelche Positionen zu beziehen, sondern gemeinsam das Beste aus diesem Roman zu kitzeln.

Dabei ist es nur normal, dass Autor und Lektorin sich schon mal über einzelne Punkte ein wenig uneins sein können. Dann ist es eine Frage der Argumentation.

Ich habe jedenfalls gerade eine E-Mail geschrieben, in der ich meine paar Gedanken kurz zum Ausdruck gebracht habe, bevor ich sie wieder vergesse. Damit komme ich zwar, wieder einmal, nicht wirklich im Lektorat weiter, was die Anzahl der bearbeiteten Seiten angeht. Aber für den Gesamtprozess gehört es, denke ich, absolut dazu.

Und falls nicht: Ich lerne das mit dem Lektorat ja schließlich gerade erst 😉 .

Der Sonntagsreport vom 26.11.2017: Irgendwie doch immer dasselbe

Hallo ihr Lieben!

Ich muss gestehen, dass ich inzwischen nahe an der Selbstzensur bin. Denn ich kann es ja selber nicht mehr lesen, wenn hier wieder steht, dass eine Woche lang kaum etwas nennenswertes passiert ist, weil da entweder die Zeit oder die Kraft oder beides nicht für gereicht hat. Ist doch irgendwie immer dasselbe. Will doch keiner mehr lesen – am wenigsten ich.

Aber!

Aber dann fällt mir wieder ein, dass es einen ganz basalen Grund dafür gibt, dass es diesen Blog gibt. Und der ist, dass ich mich mit seiner Hilfe (und natürlich vor allem auch EURER Hilfe) neu motiviere, wenn die Motivation gelitten hat und immer noch leidet. Wenn die Kraft fehlt.

Heute war ein gutes Beispiel dafür. Ohne, dass es einen besonderen Grund gegeben hätte, habe ich heute Vormittag ziemlich lange geschlafen. Gut, ein Grund war natürlich, dass der Rest der Familie dieses lange Ausschlafen ermöglicht hat 😉 .

Aber nach dem Frühstück habe ich mich dann erst einmal wieder eine Stunde aufs Ohr gelegt. Richtig geschlafen habe ich nicht, aber ich war irgendwie nicht auf dem Damm. Dann Aufstehen zur Mittagsstunde, um die Frau zur Arbeit zu verabschieden und drei Stunden lang versuchen, ein wenig geregelt zu bekommen.

Um drei Uhr ein Treffen mit der großen Tochter, um Vokabeln abzuhören. Im Anschluss einmal über die Unterlagen des Lektorats schauen, die mir inzwischen zugegangen sind und bei denen ich noch nicht weiß, wie ich auf einige Änderungsvorschläge/-wünsche reagiere, weswegen ich mir hier noch Gedanken machen muss.

Einfach mal auf der Couch sitzen bleiben für die kommenden zwei Stunden, die meiste Zeit mit geschlossenen Augen. Nicht schlafen, sondern einfach sitzen und versuchen, irgendwie wieder bei zu kommen.

Ich habe keine Ahnung, was da wieder los ist. Vielleicht ist das Jahr gefühlt einfach schon zu lang. Vielleicht setzt die Jahresendzeitstimmung langsam ein. Herüber gerettet aus einer Zeit, in der man noch glaubte, dass der erste Januar wirklich ein neuer Beginn wäre und nicht nur der gleiche Mist mit einer anderen Jahreszahl am Ende.

Vielleicht ist es einfach deswegen auch immer dasselbe und damit langsam langweilig, weil sich diese Erkenntnisse langsam durchsetzen. Langsam durchsetzen müssen. Schließlich bin ich ja kein Fantast – auch wenn ich manchmal fantastische Geschichten schreibe.

Wo, wenn nicht hier, kann ich einfach mal so drauflos schreiben. In welchen, wenn nicht in den Artikeln zum Sonntagsreport.

Nun sprach ich davon, dass ich Motivation und Kraft wiedergewinnen will. Und dafür muss ich dran bleiben! Darf nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Wenn ihr mich heute Nachmittag gefragt hättet, dann hätte ich gesagt, dass ich vielleicht einfach mal ein „vorübergehend geschlossen“-Schild an den Blog hängen sollte. Ein Teil von mir denkt das immer noch. Dass das Ding mir vielleicht nicht ganz so sehr hilft, wie ich es glaube, sondern eine zusätzliche Belastung darstellt.

Aber wie dem auch immer sei: Die Entscheidung fällt nicht jetzt und sie fällt nicht hier. Hier und jetzt schreibe ich gleich den letzten Satz für diesen Tag, bevor ich mich auf eine neue Woche da draußen vorbereite. Eine Woche, in der ich mich mit meiner Lektorin kurzschließen möchte. Eine Woche, die mehr als dieses Gejammer im Blog sehen soll. Eine Woche, die mich wieder ein wenig mehr ich selbst sein lässt.

Ohne zu wissen, woran es diesmal eigentlich wieder gelegen hat oder noch liegt. Was aber auch egal ist, denn irgendwie geht es immer weiter. Egal, ob es das Jahresende ist, der Jahresanfang oder irgendwas dazwischen.

Es wird immer weitergehen. Und irgendwann ist es auch nicht mehr nur dasselbe.

Es tut gut, euch dabei zu haben!

Euer Michael

Neues aus dem Lektorat (4) Von Geduld und Ungeduld

Ich hatte so etwas ja schon beinahe geahnt. Ist ja irgendwie immer so. Kennt ihr sicher auch! Der Moment, in dem man sich endlich dazu durchringt, jemandem (erst einmal egal, wem) eine Anfrage zu schicken, irgendwas anzutragen oder auch nur ganz allgemein zu fragen, wie es denn so aussieht, ist der Moment, in dem man dem Anderen gerade eben zuvor gekommen ist.

So ist es mir jetzt mit meiner Lektorin gegangen. Ganz prima, jetzt stehe ich wieder als der ungeduldige Autor da … 😉

Nein, ich denke nicht, dass Jeannette das so schlimm nimmt und ich nehme es auch nicht schlimm. Aber seltsam ist es schon, dass es immer so auskommt.

Ich hatte eine Weile lang nichts aus dem Lektorat gehört und weil ich ja ein vollkommen ruhiger und von sich überzeugter Mensch bin, wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, dass das irgendwas mit meinem Text zu tun haben könnte. Wer die Ironie in diesem Absatz findet, darf sie in einer eigenen Geschichte verwenden.

In Wahrheit war ich, mit zunehmender Dauer der Zeit, immer mehr davon überzeugt, dass es irgendein großes Problem geben müsse. Ein so großes Problem, dass meine Lektorin sich gar nicht daran wagte, es mir mitzuteilen. Oder immerhin so groß, dass sie verzweifelt vor dem Stapel Papier sitzt, einen Kinderriegel nach dem anderen isst und nicht weiß, wo sie da jetzt ansetzen soll.

Gestern habe ich mich dann endlich dazu aufraffen können, trotz aller Scheu davor, ungeduldig sein zu wollen, eine Mail zu schicken, in der ich Jeannette fragte, wie denn so der Zwischenstand ist, ob ich irgendwas tun könne, etc.

Und dann kommt die heutige Antwort, die nicht nur beinhaltet, dass gerade heute der nächste Teil des lektorierten Textes in die Post gegangen ist, sondern auch, dass im Moment viele Projekte in der Pipeline sind, so dass die schon mal irgendwo „verstopft“. Tja, also doch ungeduldiger Autor.

Sie hat mir schon einige Punkte genannt, die sie im kommenden Textteil bearbeitet und vor allem auch gekürzt sehen möchte. Das muss ich mir ganz genau ansehen, denn – ich will es nicht beschreien – es könnte durchaus sein, dass hier einen Punkt berührt wird, über den es eine kleine Kontroverse geben könnte. Seht es mir nach, dass ich da nicht ins Detail gehe, denn ich denke, das gehört erst einmal ins Vier-Augen-Gespräch. Aber ich versuche, all das zu sammeln und vielleicht irgendwann, nach der Veröffentlichung, etwas darüber zu schreiben, wie der Roman mal war und wie er dann sein wird. Könnte ja sein, dass das jemanden interessiert und ansonsten ist es eine nette Erinnerung für mich selbst.

Also, halten wir fest: Geduld habe ich eigentlich lange aufgebracht, nur um dann im letzten Moment doch ungeduldig zu erscheinen. Aber so ist das mit diesen Dingen nun einmal.

Aber ein Zitat aus Jeannettes Antwortmail an mich sei mir gestattet, weil es zu der Sorte gehört, die man als hoffnungsvoller Nachwuchsautor gar nicht oft genug hören kann:

An dieser Stelle ist es mir nochmals wichtig zu sagen, dass die Geschichte Stoff für ein wirklich gutes Buch ist.

Als ob ich da jemals dran gezweifelt hätte! hust, hust

Ihr wisst schon – Ironie und so.

Neues aus dem Lektorat (2) Abschied vom Dienst nach Vorschrift

Wie versprochen möchte ich versuchen, den Prozess des Lektorats für meinen Roman „Der Morgen danach“ möglichst dicht zu begleiten. Dabei kann es, das ist die Natur der Sache, dazu kommen, dass Dinge, die ich heute in Bezug auf die Angelegenheit fühle, morgen schon wieder ganz anders sind. Vieles ist Tagesform, da unterscheidet sich die Arbeit an einem Roman nicht von der Arbeit an ganz anderen Dingen.

Heute habe ich also damit begonnen, mir die Anmerkungen meiner Lektorin anzusehen und sie umzusetzen. Dabei bin ich auf eine Tatsache gestoßen, die mir zwar im Vorfeld bewusst war, von der ich aber nun feststellen muss, dass sie mich auf eine ganz andere Weise tangiert, als ich es dachte.

Ihr wisst ja, dass ich der „Man to go“ bin, wenn es bei mir auf der Arbeit darum geht, bestimmte Texte zu verfassen, zu überarbeiten oder zu korrigieren. Man kann halt nur eine gewisse Zeit lang Textarbeit verrichten und erzählen, dass man jetzt den nebenberuflichen Autor gibt, bis sich solche Abläufe von praktisch alleine etablieren.

Nun habe ich eine Vorgesetzte, die sehr akribisch (um das Mindeste zu sagen) an die verfassten Texte herangeht. Da kann es schon mal passieren, dass man auch noch eine zweite und dritte Fassung erstellen muss.

Die hierfür notwendigen Änderungen erreichen mich entweder in einem direkten Gespräch oder auch schon mal in Gestalt von Anmerkungen, die an den Rand des Schriftstücks geschrieben sind. Und dann ist es meine Aufgabe, diese Anmerkungen einzuarbeiten. In den allermeisten Fällen mache ich das auch stoisch, weil Chefs eben Chefs sind und damit das verbriefte Recht zur Endabnahme haben.

Und nun sehe ich mich Seiten aus dem Lektorat gegenüber, die dem, was ich auf der Arbeit habe, gar nicht mal so unähnlich sind. Es gibt Streichungen, es gibt Anmerkungen, es gibt Umstellungen und Ergänzungen.

Der erste Reflex, durch die Arbeit herausgebildet, lautet nun wie folgt: Einfach alles abarbeiten und 1:1 so übernehmen, wie die Lektorin es möchte. Sie ist der Boss, sie weiß am besten, was man für den Text machen muss, damit es ihm gut tut.

In der Tat habe ich auch so zu arbeiten angefangen, aber dann kamen im Laufe der ersten paar Seiten ganz seltsame Gefühle auf, die ich mir zuerst nicht erklären konnte. Es war eine Form von Unwohlsein, nicht direkt ein Unwille, aber auf jeden Fall unangenehm.

Die Antwort lag dabei auf der Hand. Ich arbeite hier nicht irgendein dienstliches Schreiben ab, an das ich null Herzblut investiere, sondern nicht mehr oder weniger den Text meines Romanerstlings. Das, was hinterher in diesem Manuskript steht, wird das sein, was in die Öffentlichkeit geht und was die Leser zu sehen bekommen werden, wenn sie ihn sich kaufen.

Plötzlich war jede Umstellung und Anmerkung mit einem Fragezeichen versehen. Jede Streichung fühlte sich wie eine Amputation an und jede Ergänzung wie das Wirken eines Chirurgen, der meinem Text ein zusätzliches Körperteil annähen will.

Was tat ich also?

Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück und versuchte, ganz in Ruhe durchzuatmen und mich selber wieder einzunorden. Denn die Sicht, die ich dabei war, zu entwickeln, war nicht weniger als selbstzerstörerisch. Denn bei Licht betrachtet macht eine gute Lektorin nichts anderes, als noch einmal den Meißel anzusetzen und aus dem Rohdiamanten eines Manuskripts das Beste heraus zu holen.

Dabei werden keine Änderungen gemacht, nur um auf dieser Manuskriptseite möglichst viel angestrichen zu haben. Alles hat einen Sinn, alles hat einen Grund.

Und vor allem: Jeder dieser Punkte ist mehr oder weniger verhandelbar, steht zur Diskussion offen. Wenn meine Vorgesetzte auf der Arbeit will, dass ich einen dicken Smiley über einen Text male, dann soll sie ihren Smiley haben. Denn sie ist der Boss.

Wenn meine Lektorin eine Änderung möchte, dann prüfe ich sie und entscheide, ob ich sie auch gut finde, oder nicht.

Ich bin also im Ergebnis noch einmal die Seiten zurückgegangen, die ich schon abgearbeitet hatte und habe mir die einzelnen Änderungen noch einmal angesehen. Und mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen hat jede diese Änderungen den Text entweder nach vorne gebracht oder sie war zumindest so, dass ich aus der Überzeugung heraus sagen konnte, dass sie ihn weder verfälschte, noch verwässerte. Auch als Autor muss und sollte man nicht an jedem einzelnen Wort kleben.

Und so komme ich nun, hoffe ich, vom Dienst nach Vorschrift zum gemeinsamen Dienst an der Sache. Dienst ist Dienst und das hier ist etwas ganz anderes.

Muss ich auch erst lernen und verarbeiten.

Neues aus dem Lektorat (1) Zwischen Hoffen und Bangen

So eine Sommerpause kann sich verdammt lange hinziehen. Bis jetzt war mir gar nicht bewusst, wie viel Zeit so Sommerferien in Anspruch nehmen und wie lange es danach dauert, bis alles wieder ins Rollen kommt.

Ich hatte ja vor geraumer Zeit berichtet, dass meine Lektorin sich mit dem von mir geänderten Anfang von „Der Morgen danach“ noch einmal gesondert auseinandersetzen wollte. Das ist in der Zwischenzeit auch geschehen und ich konnte ihr die Anpassungen zukommen lassen … bevor wir in die Sommerpause hinein liefen.

Machen wir uns nichts vor: Wenn zwei Menschen aufeinander treffen, die sich neben dem kreativen Output auch noch um die Bespaße von Kindern zu kümmern haben, dann steht ziemlich schnell fest, wer oder vielmehr was da den Kürzeren zieht.

Aus diesem Grund passierte über die Sommerferien (NRW) nicht wirklich viel, denn meine Lektorin und ich waren, wie es in solchen Fällen ja immer ist, auch noch abwechselnd in Urlaub bzw. nicht eben gut ansprechbar.

Nun sind die Sommerferien schon eine Weile vorbei gewesen und Jeannette hatte mir mit einer E-Mail angekündigt, dass sie sich jetzt noch einmal verstärkt in das Manuskript reinknien würde und ich dann – in absehbarer Zeit – einen Packen Papier von ihr bekommen würde.

Und ihr wisst ja, wie „gut“ ich manchmal warten kann …

Nein, ich kann eigentlich durchaus warten, aber wenn ich solche Anwandlungen habe, wie ich sie in den letzten Wochen hatte, dann kann das Warten zu einem zusätzlichen Stressor werden, der ein Grübeln auslöst, das manchmal einfach nur lächerlich ist, wenn man das Licht der Objektivität darauf richtet.

Ganz ehrlich, ich war zwischendurch nicht nur davon überzeugt, dass ich einen Packen Papier bekommen würde, der in roter Tinte ersäuft (und das, wo Jeannette eigentlich nur mit dem Bleistift arbeitet), sondern ich war schon drauf und dran mir einzubilden, dass man heimlich still und leise zu dem Entschluss gekommen sein könnte, meinen Roman besser doch nicht zu verlegen, weil … ja, weil keine Ahnung.

Zum Glück wusste ich aber, dass es sich dabei um irrationale Einflüsterungen handelt, ansonsten hätte ich wahrscheinlich am laufenden Band irgendwelche nervösen E-Mails an den Verlag geschickt und den Eindruck erweckt (bzw. verstärkt), ein übernervöses und kopfloses Huhn zu sein.

Dabei kann ich nicht einmal überzeugend gackern!

Nach einigen Wochen des Hoffens und Bangens sind nun die versprochenen Seiten gestern bei mir angekommen und bei einem kurzen Überblättern hatte ich nicht den Eindruck, an irgendeiner Stelle in totale Ungnade bei meiner Lektorin gefallen zu sein. Das ist schon mal eine ganze Menge wert und lässt einen kleinen Kieselstein vom Herzen plumpsen.

Ich werde mich jetzt am kommenden langen Wochenende an den Text setzen und schauen, was genau für Anmerkungen darin sind, was sich davon umsetzen lässt, was ich umsetzen möchte und worüber vielleicht noch einmal zu sprechen ist.

Auf jeden Fall bin ich froh, dass es jetzt wieder weiter geht. Sieht so aus, als ob irgendwo eine Instanz des Schicksals beschlossen hat, dass ich jetzt genug schriftstellerisches Trübsal geblasen habe und es an der Zeit ist, wieder an die Arbeit zu gehen.