Wenn ich weiter lesen will, dann will ich auch weiter schreiben

Heute mal nur ein kurzer Beitrag von mir (ja, wirklich!).

Ich habe beschlossen, es noch einmal auf andere Weise anzugehen, meine Probleme mit meinem aktuellen Roman. Nachdem es nicht gefruchtet hat, mich mit bis jetzt eigentlich bewährten Hausmitteln wieder zum Schreiben zu bringen – ich habe mit „Ed Wood“ von Rudolph Grey mal wieder eines meiner Bücher, die zum Schreiben motivieren, gelesen – wage ich nun einen anderen Ansatz.

Im Augenblick lese ich sehr viel und, für meine Verhältnisse, auch recht schnell. Manchmal habe ich so einen Lauf, dass am Ende des Monats zehn Romane auf meiner Liste stehen, die ich hinter mich gebracht habe. Ich dachte, das mache ich mir zunutze und lese jetzt, als nächstes, meinen eigenen Roman.

Mal ehrlich, wenn ich am Ende des bisher existierenden Textes von etwa 300 Normseiten feststelle, dass ich die Geschichte gerne weiter lesen würde, dann sollte das doch Motivation genug sein, sie auch weiter zu schreiben, oder?

Ich gebe mir Mühe, das Romanfragment nicht mit der kritischen Überarbeitungs- oder „da hast du einen Fehler gemacht“-Brille zu lesen. Ist nicht ganz einfach, klappte auf den ersten 34% aber erstaunlich gut. Natürlich fallen mir kleine Schnitzer auf, wie sie gar nicht ausbleiben, wenn man über ein Jahr hinweg an einem Text herumdoktort. Aber ich führe weder Buch darüber, noch markiere ich sie mir im Text. Ich lese einfach.

Und das, was ich da lese, macht einen durchaus guten Eindruck, finde ich. Ich bin gespannt, ob dieser kleine psychologische Trick ausreichen wird, um mich nachher hinreichend hungrig darauf zu machen, das Ding weiter zu schreiben.

Drückt mir die Daumen! Es wird definitiv mal wieder Zeit, einen Roman auch fertig zu schreiben …

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Ein schönes Bild

Manchmal finde ich es hochbedauerlich, dass man nicht einfach wild in der Gegend herumknipsen und Fotos von anderen Leuten machen kann. Denn das hätte heute ein sooo schönes Bild abgegeben!

Jetzt kann ich euch leider die Situation nur beschreiben und hoffen, dass ihr euch die Szene vor eurem geistigen Auge ausmalen könnt.

Ich war heute Nachmittag, wie immer, in der völlig überfüllten Regionalbahn von Duisburg Hbf nach Duisburg Rheinhausen unterwegs. Drei Haltestellen, die in dem überfüllten Zug aber lang genug werden können.

Wie immer hielt ich mich in direkter Nähe der Ausgänge, weil ich keine Lust hatte, den Zug nicht passend verlassen zu können. Ich war froh, dass ich ausreichend Platz hatte, mein aktuelles Buch aufgeschlagen vor mir zu halten und mich dennoch festhalten zu können. Ich habe heute angefangen, den ersten Teil der Tagebücher von Victor Klemperer zu lesen, die dieser zwischen 1933 und 1945 geführt hat. Irgendwie ist das Thema für mich einfach mal wieder verstärkt „dran“. Ich weiß auch nicht, wieso.

Umgeben war ich von lauter Smartphones. Mal wurde darin (darauf?) gelesen, mal telefoniert. Ein Mädchen zu meiner Linken stieß mich fortwährend mit dem Kopf an, weil sie nicht in der Lage war, gleichzeitig zu sprechen und still zu stehen.

Irgendwann, kurz vor der Einfahrt in den heimatlichen Bahnhof, ließ ich dann meinen Blick noch einmal schweifen. Und so sah ich auf dem nächstgelegenen Vier-Personen-Sitz, das Bild, das ich gerne als Foto festgehalten hätte:

Ein Mann und eine Frau, beide vielleicht in ihren Zwanzigern, beide vielleicht oder vielleicht auch nicht ein Paar, lasen in einem Buch. Gemeinsam im selben. Er hielt das Buch so, dass auch sie hineinschauen konnte. Leider hatte ich keine Chance, zu erkennen, um was für ein Buch es sich handelte. Aber es war, am Schriftsatz erkennbar, ein Roman.

Während er las, warf er zwischendurch immer wieder kurze Seitenblicke zu ihr hinüber, vielleicht um festzustellen, wie weit sie schon gekommen war. Da lachte sie auf einmal kurz auf und wies dann mit dem Finger auf eine Stelle im Buch. Die beiden steckten die Köpfe zusammen – und ich bin mir im Nachgang eigentlich sehr sicher, dass sie eben doch ein Paar waren – und sie erklärte ihm, was sie an der bezeichneten Stelle so toll fand. Dann lachten beide und lasen weiter.

An dieser Stelle musste ich, leider, aussteigen. Mich hätte wirklich interessiert, um welches Buch es sich hier gehandelt hat. Aber alleine die Szene als solche, im großen Kontrast zu den ganzen Bildschirmen um mich herum, hat für mich ein Stück die Sonne aufgehen lassen. Solange das Lesen noch diese Wirkung auf Menschen haben kann und solange Menschen dieses Erlebnis noch in dieser Form miteinander teilen, so lange ist das gedruckte Buch noch nicht verloren 🙂 .

Leipziger Allerlei 2018 (3) #9lesen – so war es

Nun denn: Die Lesung am Freitag. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich das schreibe, ist die Veranstaltung schon beinahe zwei Tage her (und zu dem, wo ich es veröffentliche, noch ein wenig länger). Zwei Tage sind auf der Buchmesse beinahe so lang und intensiv wie zwei Monate im normalen Leben. Aber dennoch versuche ich, die Stimmung dieses Abends so gut wie möglich noch einmal für euch aufleben zu lassen.

#9lesen also. Es hatte etwas surreales, auf der Messe auf einmal vor einem der Plakate zu stehen, die für diese Veranstaltung warben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der eigene Name damit auf einmal in einer Reihe mit vielen anderen, viel etablierteren Autoren steht, für die an gleicher Stelle, nämlich an einer der langen Seitenwände der Hallen, geworben wird. Dienstbare Geister, namentlich Kia Kahawa mit Unterstützung, hatten dafür gesorgt, dass in so ziemlich jeder Halle eines der Plakate zu finden war.

Dennoch war ich erstaunlich ruhig, als ich am Freitag über die Messe lief. Das hatte mit Sicherheit damit zu tun, dass ich vorher noch Sorgen wegen meiner Anschlüsse und meiner Unterkunft hatte.

Auf der Messe habe ich mich dann erst eine Weile treiben lassen, zwischendurch einen Blumenstrauß gefangen (dazu schreibe ich einen eigenen Beitrag) und dann, bei der Gelegenheit, Jana Tomy und ihren Freund Chris aufgegabelt, mit denen ich mich kurz darauf auf den Weg in die Leipziger Innenstadt machte.

Als wir im Morrison’s eintrafen, waren die meisten anderen Autoren und Autorinnen schon da. Vorne, an der Bühne, war die Technik aufgebaut, um die sich Kia, Babsi Weiß, Julia von Rein-Hrubesch und Hannes Niederhausen gekümmert hatten. Bei einigen war die Spannung beinahe greifbar, andere, ganz vorneweg unsere Chef-Organisatorin Andrea Schrader, wirkten sehr ruhig – und das, obwohl Andrea ja mit Baby vor Ort war. Magret Kindermann und Florian Eckardt vervollständigten unser Vorleser-Team.

Ich muss gestehen, dass ich in dem Moment, wo ich das Mikro sah, zum ersten Mal so wirklich realisierte, dass ich mich später dahin setzen würde und dass ich wirklich das, was ich mir herausgesucht hatte, vor Publikum lesen würde!

Überhaupt: Publikum! Von dort, wo ich gesessen und auf meinen Einsatz gewartet habe, war es schwer, einen Überblick über den Raum zu bekommen, der ohnehin eine nicht wirklich übersichtliche Grundfläche hatte. Aber ich habe mir sagen lassen, dass wir den „Saal“ gut gefüllt haben.

Ob ich das nicht selbst gesehen habe, als ich mich als Siebter von uns Neun auf die Bühne bewegt habe? Liebe Leute, ich war froh, dass ich das nicht zu genau gesehen habe! Das hätte mich schlimmstenfalls nämlich vollends aus dem Konzept gebracht.

Die Kolleginnen und Kollegen vor und nach mir haben wirklich sehr gut gelesen. Ich war ja glücklich, dass ich nicht zu früh dran war. Da war das Publikum nämlich schon „warm gelesen“. Und es sparte auch nicht mit Applaus für uns Autoren, von denen einige ja immerhin zum ersten Mal auf einer Bühne standen und das dann auch noch mit unveröffentlichten Texten.

Die Moderation für den Abend hat Jana übernommen, der man angemerkt hat, dass sie vom Theater kommt. Nachdem sie sich einmal eingegroovt hatte, war sie witzig, sie war charmant und sie brachte die Infos, die sie sich vorher von uns eingeholt hatte, sehr gut rüber.

Ich hatte ihr in den Block diktiert, dass ich mein ganzes Leben lang etwas mit Wörtern machen wollte und nun beruflich im Reich der Zahlen festhänge, dass ich 30 Jahre gebraucht habe, um zu begreifen, dass „Autor sein“ auch bedeutet, dass man mal was veröffentlicht – und dass ich eben aus diesem Grund dieses Jahr mein Debüt bei Scylla veröffentliche.

Und dann saß ich da, vor diesem Mikro, den Blick in den Raum gerichtet, einige mich zuversichtlich anlächelnde Gesichter vor mir. Schräg von mir hatte Babsi ihre Kamera aufgebaut, die das Ganze aufgezeichnet hat (wer es noch nicht mitbekommen hat: Ja, es wird einen Mitschnitt der meisten Lesenden geben!). Mein Beitragsbild hat im Übrigen Kia geschossen und über Twitter veröffentlicht.

Mir wurde ein wenig meine Größe zum Verhängnis, was dazu beitrug, dass ich den Blick ins Publikum nicht so suchen konnte, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich musste nämlich den Kopf ziemlich senken, um nicht über das Mikro hinweg zu reden. Hinterher habe ich gehört, dass ich dadurch fast schon zu laut war. Aber mir fehlte halt die Erfahrung.

Es war schon schlimm genug, meine eigene Stimme aus der Box neben mir zu hören. Ich empfinde meine Stimme, so wie wohl alle Menschen, ganz anders, als sie tatsächlich klingt. Es war überraschend, dass ich dann doch eine relativ dunkle Stimme hatte. Und das dann in laut und deutlich.

Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ich recht schnell durch meinen Text gehuscht bin. In den Probedurchläufen hatte ich runde acht Minuten gebraucht, natürlich ohne vorher noch was zur Grundstory zu erzählen. Jetzt waren es mit der Einführung etwas über acht Minuten.

Die Nervosität hielt sich alles in allem dann doch in Grenzen: Ich bin weder vorher, noch hinterher in Ohnmacht gefallen. Und ich konnte den Applaus, den ich bekommen habe, auch annehmen, ohne mich veralbert zu fühlen.

Klingt das jetzt über die Maßen gemein? So ist es nicht gemeint. Aber, ihr kennt mich, ich bin ein sehr selbstkritischer Zeitgenosse und da liegt es mir natürlich nahe, dass ich nicht wirklich glauben kann, dass die positiven Reaktionen ernst gemeint sind. Aber das war nicht der Fall! Nein, ich fand den Applaus gut, er fühlte sich gut an.

Umso „tragischer“ ist, dass diese Stimmung nicht so lange anhielt. Das Lob, das ich anschließend von einigen Mitlesern und Zuhörern bekommen habe, konnte ich nur schwer annehmen. Es schien nichts mit mir zu tun zu haben. Ob das nur mir so gegangen ist? Oder ob andere auch, vielleicht heimlich, mit solchen Gedanken zu tun haben?

Jedenfalls habe ich Reaktionen bekommen, die mich gefreut und auch ermuntert haben. Sowohl für meine Art zu lesen, als auch für die Geschichte selbst. Auch wenn ich im ersten Moment sicherlich viel zu sehr „wie, ich?“ gewesen bin. Aber es passiert mir nicht alle Tage, dass ein Textausschnitt von mir mit H.P. Lovecraft verglichen wird …

Was ich an der ganzen Aktion ein wenig schade fand war, dass die Autoren viel zu sehr auseinander saßen. Aber das hatte halt auch was mit der räumlichen Situation zu tun. Wir haben das aber schon als einen der Punkte festgestellt, an denen wir bei der nächsten Lesung drehen wollen.

Ja, richtig gelesen: Wir planen bereits die nächste Lesung im Format #9lesen. Ob daran dieselben Autoren teilnehmen, oder ob wir im Laufe der Zeit so eine Art „Autorenpool“ bilden, aus dem sich zu den verschiedenen Events neun finden (lassen), das steht alles noch ein wenig in den Sternen. Aber Andrea und Jana haben sich schon fest vorgenommen und vor Publikum verkündet, dass anlässlich der Frankfurter Buchmesse wieder eine Lesung stattfindet.

Ob ich mir vorstellen kann, dann wieder dabei zu sein? Aber sicher! Wenn ich es denn hinkriege, nach Frankfurt zu fahren, wenn das irgendwie in meinen Terminplan und die Urlaubsplanung passt, dann kann ich mir das sogar sehr gut vorstellen. Ich weiß zwar noch nicht, was ich dann lesen würde, muss ich aber ja auch nicht. Ein Traum wäre es natürlich, wenn ich dann schon etwas aus „Der Morgen danach“ lesen könnte. Aber das ist eine andere Baustelle.

Jetzt freue ich mich erst einmal, dass das alles so gut geklappt hat. Und in den nächsten Tagen wird sicherlich das eine oder andere noch weiter durchsacken. Es dürfte spannend werden, wie sich das dann anfühlt.

An euch geht mein Dank, dass ihr mich im Vorfeld so ermutigt habt! Das hat mir wirklich geholfen. Und wenn es Neuigkeiten gibt, dann erfahrt ihr es natürlich. Zum Beispiel, wenn die Videos der Lesung online gehen 🙂 .

Und falls ihr Interesse haben solltet, kann ich natürlich auch gerne meinen Leseabschnitt als Leseprobe in den Blog stellen.

Leipziger Allerlei 2018 (1) #9lesen kann kommen!

Auch in diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, zumindest ein wenig von meinem Messeerlebnis auf der Leipziger Buchmesse zu berichten. Und ich dachte mir, ich könnte genauso gut jetzt schon damit anfangen.

Heute habe ich mir eine große Liste mit Dingen geschrieben, die ich auf keinen Fall vergessen darf, mitzunehmen. Und ganz oben stand, wie nicht anders zu erwarten, der Leseausschnitt, den ich für #9lesen ausgesucht habe.

Für die Lesung habe ich den Zeilenabstand vergrößert und die Schriftgröße heraufgesetzt. Damit verteilen sich die rund 1.300 Wörter jetzt auf ganze fünf Seiten. Muss ich halt zwischendurch ein wenig blättern. Aber das ist mir lieber, als dass ich hinterher das Papier genau vor mein Gesicht halten muss, weil ich sonst nichts erkennen kann.

Wobei … vielleicht wäre das ja die bessere Alternative? 😉

Wir werden es sehen, wenn hinterher der Videomitschnitt verfügbar ist. Falls ich den überhaupt freigebe. Ich mag meine Stimme nicht, wenn sie aufgenommen wird, ich stehe Fotos von mir eher skeptisch gegenüber, aber ein Video. Ja, nee, ist klar.

Aber gut, die Vorbereitungen sind soweit durch, die Kolleginnen und Kollegen, die sich um die Technik kümmern, sind für alle Eventualitäten gerüstet und jetzt kann die Lesung eigentlich kommen.

Nein, das negiert nicht meinen Beitrag von vorgestern. Aber so langsam komme ich an den Punkt, wo ich akzeptiere, dass es nun einmal bald soweit ist und dass es jetzt auch „sein muss“. Das ist ein geringfügiger Unterschied.

Die Erleichterung und hoffentlich auch der Stolz, es durchgezogen zu haben, kommt dann hoffentlich hinterher. In ungefähr 48 bis 49 Stunden wissen wir alle mehr.

Wollt ihr einen Blick auf meinen Lesungstext werfen? Dann hier, bitteschön, der Anfang davon:

Mehr gibt es erst am Freitag im Irish Pub – oder halt danach 🙂 . Und falls ihr noch einmal die Infos zur Lesung haben wollt, die findet ihr hier.

Der Kampf gegen die Stoppuhr

Ich war nie jemand, der mit der Stoppuhr gut ausgekommen ist. Bei allen sportlichen Wettkämpfen war sie partout gegen mich. Es war geradezu so, dass mich das Ding schon verhöhnte, noch bevor ich überhaupt in Startposition gegangen war. Ich habe sie bis heute in Verdacht, dass sie mal eben fünf bis zehn Sekunden auf das Ergebnis addiert hat, bevor sie zu laufen begann. Nein, wirklich, gefühlt müsste ich mindestens Landesmeister sein. In der Realität war ich das höchstens im direkten Wettstreit mit Schnecken und Schildkröten.

Jetzt habe ich, viele Jahre nach diesen traumatischen Erlebnissen, wieder mit der Stoppuhr zu kämpfen. Es geht um #9lesen, das große Lesungsevent am kommenden (Schluck) Freitag.

Ich hatte ja schon erzählt, dass jeder von uns neun Autoren circa zehn Minuten Zeit hat, um aus seinem oder ihrem jeweiligen Werk zu lesen. Und wenn ich circa sage, dann meine ich, dass die Zeit bitte nicht überschritten werden sollte.

Deswegen blieb mir nichts anderes übrig, als mich erneut in die Hand der Uhr zu begeben und zu versuchen, einen guten Wert zu erreichen. Eine Zeit, die weit genug unter der magischen Grenze ist, damit ich noch genügend Zeit habe, um kurz was über mich (nicht so wichtig) und meinen Roman (sehr wichtig) zu erzählen.

Dabei wiegt einen das komische Ding ja erst einmal in Sicherheit, wenn man versucht, unbelastet an die Sache heran zu gehen. Die ersten Sekunden scheinen geradezu aufreizend langsam zu vergehen. Aber dann, wenn erst einmal zwei oder drei Minuten vergangen sind, fängt die Uhr auf einmal an, zu rasen und ich ertappe mich immer öfter dabei, wie der Blick auf die schnell wechselnden Zahlen schweift und den Text aus den Augen verliert.

Wie gut, dass das heute alles mit nebeneinander liegenden Fenstern auf dem PC-Bildschirm geht, ansonsten würde ich mich da echt verheddern.

Ich habe mich praktisch gezwungen, mir den Kampf mit der Stoppuhr nicht zu häufig anzutun. Weil ich weiß, dass es mich ansonsten nur nervös machen würde. Dabei habe ich gleichsam versucht, jeden weiteren Probelauf so zu gestalten, wie ich auch die Lesung gestalten möchte. Nämlich mit den passenden Betonungen und vor allem den nötigen Pausen an den richtigen Stellen. Und auch wenn die Uhr diese Sekunden in doppelter Geschwindigkeit zählt, darf ich mich davon nicht beherrschen lassen.

Heute habe ich der Uhr dann endlich das entscheidende Schnippchen geschlagen. Ich bin jetzt unter acht Minuten angekommen. Und das, obwohl ich laut und deutlich und akzentuiert gelesen habe. Ein wenig beherztes Schnibbeln am eigenen Text im Verein mit einer gewissen stoischen Haltung gegenüber dem tickenden Monstrum, hat den Trick erledigt.

Ich werde, so denke ich, höchstens noch ein- oder zweimal die Übung durchziehen. Aber vielleicht verzichte ich auch darauf, um mich nicht wieder zu verunsichern. Denn heute habe ich das Gefühl, die Uhr besiegt zu haben. Das wird ihr mehr weh tun, als es mir weh getan hat, hierhin zu kommen. Ich kenne das missgünstige Ding und weiß, dass es auf seine Chance lauern wird, es mir heimzuzahlen.

Am Freitag werde ich auch eine Stoppuhr brauchen. Ganz ohne geht es nicht. Ich will ja meine Zeit nicht überziehen. Deswegen war es wichtig, heute klar zu stellen, dass ich derjenige bin, der die Grenze zieht. Derjenige, der die Regeln macht.

Unter acht Minuten – darauf warst du nicht vorbereitet, Stoppuhr, nicht wahr? Denk darüber nach, ob du dich nicht mit dem Falschen angelegt hast. Denn eines steht fest: Vorlesen kann ich entschieden besser als davon rennen. Und nur eines von beiden wird am Freitag gebraucht werden.

#9lesen – Was ich lese und warum ich es lese

Kinder, wie die Zeit vergeht. Inzwischen sind es nur noch neun Tage, bis für mich nicht nur die Leipziger Buchmesse losgeht, sondern bis ich am Abend des 16.03. auf einer Bühne stehen werde, um aus einem meiner Texte vorzulesen.

Wie ich ja schon in dem kleinen Interview, das ich mit mir selber geführt habe, verraten habe, werde ich aus meinem Roman „Der Beobachter und der Turm“ vorlesen. Es war die logische Wahl. Wenn wir, mein Verlag und ich, im Reifeprozess für „Der Morgen danach“ schon weiter gediehen wären, dann wäre ich vielleicht auf diesen Roman umgeschwenkt, aber da ist im Moment noch zu viel im Fluss. Dasselbe gilt für das Projekt, an dem ich gerade schreibe, der ehemaligen Kurzgeschichte „Das Kind“ – die noch einen neuen Namen erhalten wird.

Ich habe einfach beschlossen, dass der „Beobachter“ an der Reihe ist. Nicht zuletzt ja auch, weil ich nun versuche, für ihn eine Veröffentlichungsmöglichkeit aufzutun. Das hat zwar keinen direkten Bezug zur Lesung, aber irgendwie hat es doch etwas davon, seinen Marktwert ein wenig zu testen.

Dabei kann ich nur noch einmal sagen, dass ich selbst von diesem Roman überzeugt bin. Muss ich wohl sein, wenn mir das Ding auch anderthalb Jahre nach seiner Fertigstellung und über siebzehn Jahren seit seiner rudimentären Erstfassung nicht aus dem Kopf geht.

Woraus ich lesen würde, stand also relativ schnell fest. Ein wenig schwerer habe ich mich mit der Wahl getan, was genau ich denn vorlesen möchte. Die Textstelle sollte einigermaßen prägnant sein, sie sollte Lust auf Mehr machen und sie durfte vor allen Dingen nicht zu lang sein. Da wir bei #9lesen mit, Überraschung, neun Autoren auf der Bühne sein werden, hat jeder von uns runde zehn Minuten Zeit für sich. Ansonsten würde der Abend eine unendliche Geschichte werden und kein Publikum der Welt hat unendliche Geduld.

Nun gehöre ich zu den Autoren, die schon mal ein wenig länger brauchen, bis sie in einer Szene auf den Punkt kommen. Eine weitere Schwierigkeit, die zu umschiffen war. Dazu kommt die Struktur des „Beobachters“. Auch wenn ich ihn nominell in die Sparte Horror einsortieren würde, nimmt er sich eine relativ lange Anlaufzeit, bis er endgültig in diese Richtung schwenkt. Nicht umsonst nenne ich ihn auch manchmal spaßeshalber meinen eigenen „Stephen-King-Roman“.

Allerdings gibt es in diesem Roman, ebenfalls der Struktur geschuldet, den einen Moment, in dem die Stimmung endgültig kippt. Nachdem es vorher leise Andeutungen gegeben hat, dass im Leben meines Protagonisten Richard Lenhard nicht alles mit rechten Dingen zugeht, ist ab dieser Szene klar, woher der Wind weht. Und zwar immer schön in Richards Gesicht. Das macht diese Szene zu einer sehr guten Stelle, um sie vorzulesen. Es wird sozusagen alles geboten, was der Titel verspricht.

Aber dadurch, dass ich mir dann doch ziemlich schnell einig mit mir selbst war, dass ich diese Szene lesen wollte, hatte ich andererseits noch viel Gelegenheit, mir die Frage zu stellen, ob das denn wirklich eine gute Wahl ist.

Sicher, es gibt horriblere Stellen im Manuskript. Stellen, die vielleicht auch repräsentativer für den Roman wären. Aber trotz aller Zweifel komme ich immer wieder zu dem Punkt, dass ich glaube, eine passende Passage gefunden zu haben: Eine Passage, die zeigt, was im Manuskript steckt, die gleichzeitig einen Entwicklungspunkt markiert und, nicht ganz unwichtig, recht gut für ein Publikum einzuordnen ist, das vorerst nicht mehr von dieser Geschichte zu hören und zu sehen bekommen wird als das, was ich in neun Tagen vorlesen werde.

Jetzt muss ich das Ganze noch zwei- oder dreimal üben und schauen, ob ich noch einige Sätze kürzen muss, um auf eine passende Zeit zu kommen. Mein letzter Lesedurchgang tickte bei etwas mehr als acht Minuten ein, was mir zwei Minuten für Intro und Outro lässt. Ob das reichen wird, das muss ich sehen. Ich werde jedenfalls meine Einleitung nicht vom Blatt ablesen, das habe ich mir fest vorgenommen.

Und ansonsten vertraue ich darauf, dass mich jemand rechtzeitig von der Bühne zerrt 😉 .

Merkt man eigentlich, dass ich langsam aufgeregt bin? Nur noch neun Tage – Kinder, wie die Zeit vergeht!

3 von #9lesen – 3 Fragen an Magret Kindermann, Barbara Weiß … und mich

Jetzt wird es so langsam ernst mit den Vorbereitungen für #9lesen. Jeder fängt schon mal an, die nötigen Dinge zusammen zu packen: Manuskript, Baldrian und Kreide, um die Stimme geschmeidig zu halten. Aber vielleicht hilft es uns ja auch, wenn wir vor der Lesung miteinander anstoßen. So ein Irish Pub als Lesungsort hat in dieser Hinsicht ja unbestreitbare Vorteile.

Heute möchte ich euch die letzten drei Autorinnen und Autoren vorstellen, auf die ihr euch freuen dürft, wenn ihr uns hoffentlich am 16.03. die Ehre erweist. Auch dieses Mal finde ich die Antworten auf meine Fragen wieder sehr gelungen und im besten Sinne „appetitanregend“.

Ich bitte euch um Aufmerksamkeit für Magret Kindermann, Barbara Weiß und … mich!?


Hallo Magret, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich wurde mal „natürlich high“ genannt und ich finde, das trifft es ganz gut.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Viele meiner Kollegen, die dort mit mir lesen werden, sind unglaublich talentiert. Dazu kommen einige, von denen ich noch nie etwas las. Außerdem gefällt mir die Vielfalt an Genres. Ich mag die Trennung von diesen nicht, von daher ist diese Mischung innerhalb einer Lesung toll.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Mein Manuskript „Killing Zombies and kissing you“ war eigentlich eine Kurzgeschichte, die ich dann zu einem Roman weitergesponnen habe. Er ist noch nicht beendet und spinnt mir im Kopf mit seiner rotzigen Sprache herum.

Magret Kindermann auf der Website zu #9lesen


Hallo Babsi, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Hallo, ich bin Babsi, 24 Jahre alt, liebe flauschige Tiere und Blobfische, lese, schreibe, blogge, vlogge und verliere mich gerne in gefährlichen fantastischen Abenteuern.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Dafür gibt es 9 gute Gründe. 8 Gründe lernt ihr am #9lesen Abend selbst kennen und der 9. Grund ist: Es wird meine allererste Lesung! Ich war schon oft auf Lesungen, habe mir meine Texte auch schon selbst vorgelesen, aber ich habe noch nie vor Publikum aus meinen eigenen Werken auf einer Bühne vorgetragen. Ich bin schon sehr aufgeregt.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Auf eine gruselige oder witzige Stelle aus meinem Urban Fantasy Projekt „Save Our Souls“, die hoffentlich Lust auf mehr macht. Und auf mein Blobfisch-Gesicht live und in Farbe.

Barbara Weiß auf der Website zu #9lesen


Hallo Michael, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich bin der Michael, mir gehört dieser Blog und wenn du nicht zum ersten Mal hier bist, weißt du, dass ich mit dem Konstrukt „in einem Satz“ nur sehr schwer klar komme.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
#9lesen ist anders, ist groß. Wir haben eine stürmische Anfangsphase überstanden, weil sich alle Beteiligten voll reingekniet und eingebracht haben. Wirklich jede/r hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir diese Lesung nun tatsächlich stemmen. Natürlich freue ich mich darauf, vor Publikum zu lesen, auch wenn ich nervös bin. Aber diesen Erfolg, #9lesen in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft zu haben, den kann uns schon jetzt niemand mehr nehmen!

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Ich habe mich dazu entschieden, eine Passage aus meinem Roman „Der Beobachter und der Turm“ zu lesen, mit dem ich mich zurzeit auf der Suche nach einer Literaturagentur befinde.

Michael Behr auf der Website zu #9lesen


Den ersten Teil der Interviews mit Andrea Schrader, Florian Eckardt und Kia Kahawa gibt es hier.
Der zweite Teil mit Hannes Niederhausen, Jana Tomy und Julia von Rein-Hrubesch befindet sich hier.

Viele weitere Infos zur Lesung und den beteiligten Autoren findet ihr auf der Website zum Event!