Leipziger Allerlei 2018 (5) Mein Text bei #9lesen zum nachlesen

Da der Wunsch geäußert wurde und weil die Bereitstellung des Mitschnitts noch ein wenig auf sich warten lassen wird (ganz ehrlich: Ich möchte den Job nicht haben!), veröffentliche ich den Text, den ich bei #9lesen gelesen habe, hier auf dem Blog.

Darüber, wie die Stelle zustande gekommen ist, habe ich ja hier schon ein wenig erzählt. Deswegen will ich euch gar nicht lange mit weiterer Exposition nerven, sondern komme direkt auf den Punkt.

Ich wünsche euch viel Spaß mit der Leseprobe aus „Der Beobachter und der Turm“ und freue mich natürlich über Feedback 🙂 !

Richard begann zu laufen. Er sah nicht mehr zurück und achtete auch nicht auf die Personen, die ihm entgegenkamen. Er wurde erst langsamer, als er wieder auf der Promenade stand. Er rannte nach links, ungeachtet der tief stehenden Wolken und des Regens, der sich aus ihnen ergoss. Etwas in ihm löste sich, der Knoten platzte und der Regen vermischte sich mit dem aus seinen Augen fließenden Wasser.

Jetzt wurde er langsamer, blieb endlich stehen. Er beugte sich nach vorne und war für einen Moment überzeugt, sich übergeben zu müssen. Alles an Demütigung und Scham, an zerstörter Hoffnung und erstmals auch Verzweiflung kam hervor.

»Ja«, sagte eine Stimme ton- und emotionslos neben ihm. Richard sah auf. Er sah in das starre und ausdruckslose Gesicht des Beobachters. Der Mann sah ihn an und doch war es, als würde er ihn gar nicht zur Kenntnis nehmen. Ein Blitz zerfaserte die Wolkendecke und in dem kurzen Lichtschein konnte Richard einen genaueren Blick in die Augen des Mannes werfen. Sie waren starr wie die von Reptilien.

»Verschwinden Sie«, sagte Richard leise, aber der Mann machte keine Anstalten. Stattdessen wandte er sich dem Meer zu und sah auf die sturmgepeitschte See hinaus. Richard ließ ihn gewähren. Es war ihm egal. Sollte der Kerl doch machen, was er wollte. Im Augenblick wollte er niemanden sehen. Er wollte gar nichts sehen.

»Da!« Es war ein kehliger Laut, wie von einem nichtmenschlichen Wesen, das mühsam versucht, die menschliche Sprache zu imitieren. Richard musste gegen seinen Willen aufsehen. Der Beobachter stand an der Promenade und starrte wieder auf die See.

Ein Verrückter. Er war überhaupt nur noch von Verrückten umgeben. Seine Frau war verrückt, weil sie auf einmal wieder versuchte, sich an ihn heranzuschmeißen. Die Hure war nymphoman und damit per Definition verrückt. Und daran, dass er selbst verrückt war, konnte es keinen Zweifel geben.

Und dieser Kerl hier? Der setzte den Verrücktheiten des Tages die Krone auf.

»Da!«, wiederholte die Gestalt.

»Halt den Mund!« Richard fuhr den Mann an und die Wut bekam ihm ausgesprochen gut. Er atmete, immer noch auf die Knie gestützt, zweimal tief durch.

Kurz wandte sich der Beobachter zu ihm und zum ersten Mal überhaupt wirkte es so, als würden sie sich gleichzeitig zur selben Zeit am selben Ort aufhalten. Richard fröstelte, als er die Augen sah. Nicht nur, dass sie starr waren, sie funkelten.

»Der Turm!«

Die Stimme wurde sicherer, ging Richard aber nach wie vor durch Mark und Bein. Doch dann reichte es ihm.

»So, jetzt pass mal auf. Ich habe dir im Guten gesagt, dass du verschwinden sollst. Du wolltest nicht hören. Eigentlich bin ich ein umgänglicher Mensch, aber …«

Er erzielte keinen Effekt. Richard stieß den Mann an, der nur ein wenig zur Seite wich. Und dann endlich sah Richard, was den Beobachter so in seinen Bann schlug.

»Was zum …«

Zwei Blitze folgten direkt aufeinander. Der Donner rollte über die See. Das Gewitter musste sich jetzt fast direkt über der Stadt befinden. Aber das alles störte in diesem Moment weder den Beobachter noch Richard. Der Anblick, der sich ihm bot, war viel zu unglaublich, als dass ein wenig Wetter noch eine Bedeutung hätte haben können.
Aus dem Meer, inmitten des alten Hafenbeckens, auf dem Fundament eines schroffen Felsen stehend, erhob sich ein Turm. Das Gebäude grenzte sich kaum gegen den fast schwarzen Himmel ab. Es war nur ein Schatten zwischen den heranrollenden Wellen und wenn die sich nicht an dem Felsen gebrochen hätten, dann hätte er an seiner Existenz gezweifelt.

»Der Turm!«

Richard schüttelte den Kopf, schloss krampfhaft die Augen, nur um sie wieder aufzureißen. Der Turm war immer noch da. Richard konnte nicht anders, als sich selbst eine Ohrfeige zu geben. Fest! Aber nichts änderte sich.

Weitere Blitze ließen keinen Zweifel daran zu, dass das Gebäude existierte.
Im Augenblick war es nur ein Schemen. Fast nicht zu sehen, aber doch zu sichtbar, als dass es einen Zweifel hätte geben können.

Dunkel, unheimlich und absolut unerklärlich. Und der Beobachter war in eine Art religiöse Verzückung geraten. Er stierte den Turm an und war nicht in der Lage, den Blick abzuwenden.

Richard zitterte. Die Kälte griff von innen und außen gleichzeitig nach ihm. Alle Gedanken froren ein und versperrten sich gegenseitig den Weg. Was er sah, ergab keinen Sinn.

Aber alles war Realität. Der verdammte Beobachter und der schreckenerregende Turm!

Der Beobachter hatte seine Lethargie abgeworfen und machte jetzt Anstalten, vor Begeisterung auf und ab zu hüpfen. Wenn es Antwort auf die Frage gab, was das hier war, dann gab es sie bei diesem Mann.

Richard hielt sich nicht mit Höflichkeit auf, er packte die Schulter des Mannes, drückte fest zu und musste doch erleben, wie er trotz aller Kraftanstrengung fast mit in die Luft gehoben und um die eigene Achse gedreht wurde bei jedem Satz, den die Gestalt machte. Wo holte diese skelettartige Figur nur ihre erstaunliche Kraft her?

»Was ist das da?«

»Der Turm!«

Möwen kreischten im Wind, irgendwo über ihm und zogen sich dann ins Landesinnere zurück. Richard wusste, dass das genau das war, was auch er tun sollte.
Aber noch konnte er sich nicht losreißen, war wie festgefroren. Das hier war unmöglich, einfach nicht real!

Der Beobachter hatte sich längst gelöst und drehte sich jetzt zu Richard um. Eine Sekunde später lag dieser auf seinem Rücken auf der kalten und regenüberfluteten Promenade. Der Beobachter hatte ihn einfach über den Haufen gerannt.

Der Regen schlug Richard ins Gesicht. Am liebsten wäre er einfach so liegen geblieben und hätte gewartet, bis dieser Wahnsinn ein Ende nahm. Irgendwann musste die Sonne wieder aufgehen und dann würde sich alles in Wohlgefallen auflösen. Es musste einfach alles wieder normal werden.

Aber etwas sagte ihm, dass er in Gefahr war, wenn er einfach hierblieb. Mühsam rappelte er sich wieder auf und der erste Blick ging zu dem schwarzen Turm, der alt und verfallen aussah, gleichzeitig aber wie ein Fanal der Bedrohung.

Der Beobachter rannte in einem irrsinnigen Tempo über die alte Mole. Wieselflink erreichte der schattenhafte Umriss, den Richard immer nur dann sehen konnte, wenn ein weiterer Blitz den Himmel erhellte, ihr Ende.

Richard sah noch einmal auf das Gebäude. Es bereitete ihm eine Form von mentalem Schmerz. Er konnte es immer noch nicht akzeptieren.

Als er wieder nach dem Beobachter schaute, stellte er fest, dass der Mann nicht mehr zu sehen war. Er musste ins Wasser gesprungen sein, um zu seinem Turm zu schwimmen, oder …

»Oder er ist einfach verschwunden«, sagte Richard und der Wind riss die Worte von seinen Lippen. »Genauso, wie er es bei jeder anderen Begegnung getan hat.«

Das war zu viel für ihn. Wenn er auch nur noch einen Moment länger hierblieb, dann würde er wahnsinnig werden. Oder er sprang selbst ins Wasser und brachte sich um. Irgendwas, nur um dem hier nicht mehr ausgesetzt zu sein.

Er zwang sich, wozu es großer Kraft- und Willensanstrengung benötigte, sich umzudrehen und mit von der See abgewandtem Kopf direkt auf einen der Durchgänge zur Innenstadt zuzuhalten. Über ihm kreischten wieder die Möwen, aber er ignorierte sie. Er durfte nicht zurücksehen. Er musste vergessen, was er gesehen hatte!

Richard ging schneller, verfiel in einen leichten Trab. Und als er in seine Straße abbog, war er schon lange am Rennen.

Aus dem Schatten der Häuserwand aber löste sich eine dunkle, in der Finsternis nicht näher auszumachende Gestalt. Auch die Blitze erhellten weder sie noch ihre Gesichtszüge. Deswegen hätte Richard sie wahrscheinlich nicht einmal dann gesehen, wenn er zufällig in ihre Richtung geblickt hätte. Mit unmenschlich schnellen Schritten bewegte sie sich auf den Eingang des Bordells zu, gab ein zischendes Geräusch von sich, richtete sich auf und verschwand dann um die nächste Häuserecke.

„Die Behüter des Wahren“: Ein kleiner Appetizer

Weil ich heute irgendwie nur auf kurzer Stippvisite am PC bin und es so gerade geschafft habe, meine geplante Seite zu schreiben, möchte ich euch zumindest einen kleinen Appetizer hier lassen. Viele Worte möchte ich dazu auch gar nicht verlieren. Nur so viel: Der Ort, zu dem meine Protagonisten reisen, ist nicht ganz das, was er zu sein scheint.

Aber was für Geheimnisse können schon in einer futuristischen Bibliothek lauern? Und sei sie auch noch so grotesk vom Anschein, wenn man sich ihr nähert? 😉

Das, was Cohen gerade als die große Bibliothek bezeichnet hatte, stach aus dem ganzen Konglomerat aus Beton, Stein und Stahl hervor. Im wahrsten Sinne des Wortes.
In der Mitte der Steinwüste ragte ein Turm in die Höhe. Tatsächlich befand sich seine Spitze so nahe an der Position des Gleiters, dass Orion beinahe instinktiv die Nase des Schiffes wieder nach oben gezogen hätte. Er schätzte, dass der Turm mindestens vierhundert Meter hoch war. Eher mehr.
Dabei war er keine glatte, quadratische Struktur wie die meisten Wolkenkratzer, die er aus den Kolonien kannte. Diese Konstruktion hier war so aberwitzig und schien allen Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen, so dass Orion keine Idee hatte, wie sie überhaupt stehen konnte.
An allen möglichen Ecken und Kanten stachen lange Stege hervor, die teilweise wiederum eigene Türme trugen. Das ganze Gebäude wirkte daher wie ein immer mehr in sich verschachtelter Kerzenhalter ohne Kerzen.
Der Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, dass die oberen gut zweihundert Meter keinerlei Öffnungen aufwiesen. Weiter darunter schien es Fenster zu geben oder teilweise auch Türöffnungen. Wahrscheinlich, um auf den Plattformen, die sich aus der Bauweise ergaben, zu den kleineren Türmen gehen zu können.
Orion fragte sich, wie es Menschen hatte geben können, die freiwillig in einer Stadt, in einem Moloch wie diesem lebten, immer unter dem Schatten des Turms. Er zumindest hätte Angst gehabt, dass ihm das Ding einfach irgendwann auf den Kopf fallen würde.
Orion ging ein wenig tiefer und je näher er dem Rest der Stadt kam, desto mehr wusste er, woran ihn das alles hier erinnerte: An einen Friedhof. Einen Totenacker mit lauter Grabplatten, aus denen eine einzige Gruft herausragte.

Bedenkt bitte, dass das der erste Entwurf ist, gekauft wie gesehen. Quasi live aus dem Manuskript. Die Text- und Stilanalyse können wir also gerne irgendwann mal machen, in Ordnung?

Einen schönen Start ins Wochenende wünsche ich euch!

Leseprobe zu „Wenn rauskommt, was im See drin ist“

Ich hatte es ja schon einmal angekündigt, dass ich euch, in momentaner Ermangelung einer exklusiv für diesen Blog geschriebenen Kurzgeschichte, mit einer kleinen Leseprobe aus den Geschichten versorgen möchte, die ich für den Wettbewerb des Schreiblust-Verlags geschrieben habe.

Ich wünsche euch also, ohne lange Worte zu verlieren, viel Spaß mit einem kleinen Einblick in die Geschichte „Wenn rauskommt, was im See drin ist“! 🙂

»Wenn das rauskommt, haben wir ziemlich große Probleme!«

Ich hasste das Zittern meiner Stimme. Cool und lässig wollte ich sein! Lang genug hatte es gedauert, Jenny zu einem Date zu überreden. Und jetzt flatterten mir die Nerven.

»Ist doch nichts dabei!« Jenny lehnte sich auf der Bank unseres Ruderbootes weit zurück. Sie trug unter ihrem Top keinen BH!

Vielleicht war echt nichts dabei. Gut, der See war für Besucher gesperrt. Aber das Warnschild hätte nicht mal meine Oma abgehalten.

Und außerdem wollte Jenny eine Bootspartie machen. Sie hatte mir eine Belohnung dafür versprochen! Alleine ihr Anblick, wie das Mondlicht auf ihrem Haar und den Augen reflektierte, war schon eine. Aber da war ich unbescheiden: Ich wollte mehr!

»Ist das nicht schön?« Sie sah sich um. »Wie weit sind wir vom Ufer weg?«

»Vielleicht hundert Meter.«

»Weißt du eigentlich, wieso der See gesperrt ist?«

Ja, wusste ich, aber ich wollte es Jenny nicht erzählen.

»Kai?«

 »Du versprichst mir aber, dass du nicht lachst, ja?«

»Meinen Ritter auslachen?« Ich bemerkte den spöttelnden Unterton. »Natürlich nicht!«

Gerne hätte ich einen Rückzieher gemacht, aber das ging jetzt nicht mehr. Sonst würde sie mich wohl nicht ranlassen.

Wie zur Bestätigung setzte Jenny sich auf. Der Spott war jetzt deutlich. »Also, erzählst du jetzt die Geschichte, oder soll ich jemand anderes fragen?«

»Ich erzähl sie ja schon! Mach mal halblang!«

»Ich soll halblang machen? Seit wir auf dem Wasser sind, benimmst du dich wie ein Kind!«

Ich holte die Ruder ein und legte sie neben meine Bank. Stille umgab uns.

»Kai!«

»Ja! Ich erzähle ja schon.«

»Wird auch Zeit!«

Ich kannte die Geschichte auch nur aus Erzählungen. Schließlich war der See schon gesperrt, seit … ziemlich lange.

»Also, früher, weißt du, da war der See ein Naherholungsgebiet.«

»So mit Würstchenbude, Spielplatz und so?«

Ich nickte. »So ungefähr.«

»Klingt nach Kinderkram!«

»Kann sein.« Ich wollte diese Unterhaltung nicht! Ich wollte nur endlich zum Stich kommen! »Aber damals war das eben beliebt.«

»Und dann?«

»Dann verschwanden zwei Kinder im See.«

»Uh, wie gruselig!« Jenny lachte und auch wenn ich es nicht komisch fand, stimmte ich ein. »Sind bestimmt zu weit rausgeschwommen und untergegangen, stimmt’s?«

»Nein, denn dann hätte man sie gefunden. Sie sind einfach verschwunden!«

Jenny sah mich aufmerksam an. »Kai, versuchst du, mir Angst zu machen?«

»Wieso sollte ich?«

»Weil du glaubst, dass ich dich dann an mich ranlasse?«

Das hoffte ich zwar, aber eher hätte ich meine Zunge verschluckt, als es zuzugeben.

»Also, was war mit den Kindern?«

»Polizei und Feuerwehr haben alles abgesucht, mit Tauchern und so. Aber gefunden hat man nichts.«

»Irgendwas müssen sie doch gefunden haben.« Jenny beugte sich interessiert auf ihrer Bank vor und gönnte mir einen Blick in ihren Ausschnitt. »Woher wussten sie sonst, dass die Kinder tot sind?«

»Wussten sie nicht! Erst nach einiger Zeit wurden die Kinder für tot erklärt. Die Familien sind dann weggezogen.«

Jenny grinste. »Da hast du dir eine tolle Geschichte einfallen lassen! Aber ich glaube dir nicht, dass wegen zwei Kindern das ganze Strandbad geschlossen wurde!«

»Wurde es nicht. Aber nachdem drei weitere Kinder und zwei Teenager verschwunden sind, hat man wohl kein weiteres Risiko eingehen wollen.«

Jennys Gesicht verlor für einen Moment seine Sicherheit. »Jetzt verarschst du mich aber!«

»Wieso?«

»Du willst mir wirklich erzählen, dass hier fünf Kids und zwei Teenies einfach verschwunden sind?«

Ich nickte. »Ja!«

Einen Moment herrschte ein erwartungsvolles Schweigen zwischen uns. Dann sagte Jenny mit seltsamem Gesichtsausdruck: »Cool!«

»Verstehst du jetzt, wieso ich nicht will, dass rauskommt, dass wir hier waren? Mein Alter tötet mich!«

Jenny stand in dem schwankenden Boot auf und begann, die Knöpfe ihrer Jeansshorts zu öffnen.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr entweder, wenn die Geschichte es in die Anthologie geschafft hat, oder wenn ich sie im Anschluss an eine eventuelle Absage hier in voller Länge einstelle.

Zwei ausstehende Entscheidungen

Guten Abend, ihr Lieben!

Ich bin euch noch zwei Entscheidungen schuldig, die ich in den letzten Tagen bzw. Wochen zu treffen hatte. Zunächst gab es da immer noch die bisher namenlose Kurzgeschichte. Ich habe mich entschieden, eine Kombination aus dem Oberbegriff, den sie ja schon hatte, zu wählen und einem der vorgeschlagenen Namen.

Diese Geschichte heißt also ab sofort „Eros und Thanatos – Ein liebevolles Ende„. Ich bedanke mich noch einmal bei Margaux für die gute Idee!

Und dann ist da die Frage in Bezug auf die Rückblende gewesen. Ich habe mir über diese intensive Gedanken gemacht und kam zu dem Schluss, dass ich weder eine waschechte Rückblende mit Perspektivwechsel wollte, noch einen ewig langen Dialog. Entstanden ist daraus ebenfalls eine Kombination, nämlich aus Dialogen und zusammenfassenden erzählerischen Einschüben meines Protagonisten.

Damit ihr euch das ungefähr vorstellen könnt, hier ein Textauszug (wie immer bitte beachten: dies ist der erste, noch gänzlich unbearbeitete, Rohentwurf!):

Was ich in der folgenden halben Stunde zu hören bekam, machte einen so großen Eindruck auf mich, dass ich mich fast an jedes Wort erinnern kann, das Albert sagte. Und das, obwohl ich danach noch selbst mehr als genug von dem erleben sollte, von dem er sprach. Ich habe mich entschieden, für diesen Bericht, den sowieso außer mir wahrscheinlich niemand lesen wird, seine Erzählung so kurz wie möglich und so genau wie nötig zu fassen. Das meiste davon wird sich später in meinen eigenen Aufzeichnungen noch einmal bestätigen. Aber es gibt mir einen Aufschluss darüber, dass wir es mit der Olde Deern noch vergleichsweise gut getroffen hatten, als wir den Übergang von der einen in die andere Welt vollzogen.

Ich kann nicht erklären, wieso es eine Rolle spielt, bei welcher Tageszeit man übergeht. Streng genommen ist es auch nur eine Vermutung. Jedenfalls kann ich sagen, dass wir in der Nacht von dem Wirbel erwischt wurden, während die Étoile de la mer am Tag fuhr, als sie das Schicksal traf.

Albert erzählte uns davon, dass er zusammen mit einigen anderen Küchenhilfen damit beschäftigt war, einen ganzen Haufen von Kartoffeln zu schälen, was zu seinen regelmäßigen Aufgaben gehörte.

„Und ich dachte immer, dass das ein Klischee ist“, sagte Maria an dieser Stelle und lachte nervös. Albert schüttelte nur den Kopf.

Auf diese Weise habe ich nicht zu viel Infodump im Text und vor allem diesen nicht in seiner Tonart und Struktur verändert.

Es fühlt sich ganz gut an, das so gemacht zu haben. Und ganz recht machen kann man es sowieso nie allen. Ich es mir selbst übrigens am allerwenigsten ;-).

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!

„Die Welt der stillen Schiffe“: Leseprobe

Hallo zusammen!

Da ich heute wieder recht knapp an Zeit bin, weil heute Umbau der Kinderzimmer anstand und ich gleich noch los muss zu einem zeitaufwändigen Termin, halte ich mich mal ein wenig kurz. An dieser Stelle sehe ich den einen oder die andere erleichtert aufatmen ;-).

Ich hatte euch versprochen, euch eine Leseprobe von „Die Welt der stillen Schiffe“, meinem neuen Kurzromanprojekt für die letzten Tage des NaNo zu geben. Das möchte ich gerne heute tun. Um die üblichen Schwierigkeiten mit den PDF-Dateien zu umgehen, kopiere ich den Ausschnitt hier in den Beitrag hinein.

Die Probe setzt ein, nachdem Ole, Jörn und Hinnerk sich mit ihrer heißen Ware auf den Weg zum Festland gemacht haben. Ich wünsche euch viel Spaß daran!


Wenn ich mich nicht so gut in den Gewässern zwischen Festland und Insel auskennen würde, hätten wir es nie geschafft, so weit zu kommen. Die Leuchtfeuer waren ebenfalls aus Luftschutzgründen ausgestellt und es war sehr schwer, anhand der landschaftlichen Gegebenheiten zu navigieren.

Längst schon hatten sich Ole und Jörn bei mir im Steuerhäuschen eingefunden, um zusammen mit mir in die Dunkelheit zu starren. Ole war dabei relativ ruhig, als Sohn eines Fischers kannte er sich mit der See aus. Jörn zeigte allerdings Nerven und schwitzte stark. Er stank zum Himmel!

„Wann sind wir denn endlich da!“, fragte er gerade wieder. „Bei dem Tempo kommen wir erst im Morgengrauen an!“

„Wie gut, dass du dich nicht auskennst“, antwortete ich. „Die Sonne geht erst in drei Stunden auf, dann sind wir schon lange da!“

„Und dein Kumpel wird sicher mit dem Lieferwagen da sein?“

Ole nickte. „Auf Jan ist Verlass!“

Wieder kehrte für einen Moment Ruhe ein, dann aber setzte Jörn wieder an: „Aber …“

„Sei mal still!“, unterbrach ich ihn. Ich glaubte, ein Geräusch gehört zu haben. Das war alles andere als gut, denn hier draußen durfte es eigentlich keine Geräusche geben, die nicht vom Schiff, mir oder den beiden Nervensägen neben stammten. Sofort zog ich den Fahrthebel zurück, der Motor erstarb und Stille kehrte ein.

Die Olde Deern wurde noch ein wenig weitergetragen, um dann in ein sanftes Schaukeln überzugehen. Wir standen still – so gut, wie man eben auf dem Meer stillstehen kann.

„Was ist denn los?“, fragte Jörn ängstlich, aber ich machte eine abschneidende Handbewegung an meinem Hals, die auch bei Mondlicht klar genug zu erkennen gewesen sein musste. Jedenfalls hielt der Kerl den Mund.

Meine schlimmste Befürchtung, nämlich, dass wir Bekanntschaft mit einer Mine gemacht hatten, erfüllte sich augenscheinlich nicht, denn dann hätten wir längst einen kostenlosen Flug- mit anschließendem Tauchkurs absolviert. Aber um ehrlich zu sein, ich war mir nicht sicher, ob das Geräusch überhaupt mit etwas zu tun hatte, das sich auf dem Wasser befand.

„Ich habe gedacht …“, sagte ich, als auch schon die Hölle um uns herum losbrach. Mit einem lauten Heulen stürzte sich ein Flugzeug aus dem nachtschwarzen Himmel auf uns, das ich vorher nicht bemerkt hatte. Die Maschine hielt genau auf uns zu, näherte sich von backbord und feuerte aus einem einzelnen Maschinengewehr auf unser Schiff.

„Runter!“, rief ich und bemühte mich, selber in Deckung zu gehen.

Das Flugzeug sauste über uns hinweg und verschwand vor uns am Himmel. Ich glaubte noch, seinen Schatten vor dem Mond sehen zu können, aber dann verschwand auch der.

„Was war das?“, fragte Ole mit zittriger Stimme.

„Das war das, was ich gehört habe“, sagte ich ärgerlich. „Verdammter Mist, ich hoffe, dass der uns nicht das Schiff kaputt geschossen hat!“

„Wo kam der eigentlich her?“, wollte Jörn wissen. „War das ein Tommy?“

„Woher soll ich das wissen?“, herrschte ich ihn an. „Eine Nationalhymne hat er nicht gespielt!“

„Der kommt bestimmt wieder!“, sagte Ole. Er war mit seinen Nerven völlig am Ende. Jetzt zitterte nicht mehr nur seine Stimme. „Wieso liegen wir hier wie auf dem Präsentierteller?“

„Weil ich nicht auch noch die Marine auf uns aufmerksam machen will, du Idiot!“

Wieder hörte ich das Geräusch. Wenn man erst einmal wusste, dass es das sich nähernde Brummen eines Flugzeugmotors war, dann konnte man es sehr gut von den anderen Geräuschen auf dem Wasser unterscheiden.

„Achtung, er kommt wieder!“, sagte ich, als auch schon die nächste MG-Salve auf uns niederprasselte. Ich hörte, wie die Geschosse den Bug entlang strichen. Dann wurde das Fenster des Aufbaus, in dem wir lagen, zerstört. Glassplitter stoben durch die Luft und landeten auf uns, neben uns und überall in der Kabine.

„Das war ein Wasserflugzeug!“, sagte Jörn. „Ich habe es gesehen, als er abgedreht ist!“

„Seit wann fliegen Wasserflugzeuge mitten in der Nacht?“, fragte Ole.

„Die Flugschule!“, war das einzige, was mir dazu einfiel. „In der Nähe ist eine Flugschule der Luftwaffe, wo sie unter anderem Marineflieger ausbilden.“

„Woher weißt du denn so was?“

„Als strammer Nazi muss man doch immer brav den Völkischen Beobachter lesen“, scherzte ich. In Wahrheit hatte ich es von einem der Tagesgäste, die im letzten Friedensommer auf der Insel gewesen waren, und der dort seine Ausbildung zum Aufklärer machte.

Von Flugzeugen hatte ich ansonsten keine Ahnung. Hin und wieder sah man eines am Himmel und dann gab es natürlich die englischen Terrorflieger. Aber meine Welt lag auf dem Wasser.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Ole atemlos. „Wir müssen uns doch irgendwie zu erkennen geben!“

„Willst du dich draußen hinstellen und den Hitlergruß entrichten?“, fragte ich spöttisch. Aber in der Sache hatte er natürlich Recht. Wenn wir hier liegen blieben, dann würde der Flugschüler mit seinem verdammten Wasserflugzeug früher oder später Kleinholz aus uns machen.

Ich musste einfach das Risiko eingehen, dass wir durch eine Fahrt bei voller Geschwindigkeit auch noch den Küstenschutz auf uns aufmerksam machten. Wenn der Flieger nicht sowieso schon längst per Funk unsere Anwesenheit bekannt gegeben hatte.

Ich richtete mich auf. „Los, hoch vom Boden, ihr zwei! Ich brauche euch jetzt! Du, Jörn, hältst Ausschau auf dem Wasser, ob du siehst, dass sich irgendein Schiff nähert!“

Er wollte etwas sagen, aber ich schnitt ihm das Wort ab.

„Ole, du beobachtest den Flieger! Ich versuche, uns mit Vollgas an Land zu bringen!“

„Was machst du denn da?“, fragte Jörn, als ich die Positionslichter einschaltete. „Damit sieht er uns doch erst recht!“

„Der sieht uns so oder so!“, erwiderte ich genervt. „Aber vielleicht denkt er darüber nach, ob ein Engländer wirklich die Festbeleuchtung einschalten und Kurs auf die Küste nehmen würde!“

Ich rammte den Fahrthebel nach vorne und der Motor der Olde Deern hustete und spuckte seine Empörung in die Dunkelheit hinaus. Wir nahmen wieder Fahrt auf.

„Das geht nicht gut, das geht nicht gut“, brabbelte Ole. „Wenn ich das geahnt hätte!“

„Das Flugzeug kommt zurück!“, brüllte Jörn und ging auch schon wieder in Deckung. Ole, auf der anderen Seite der Kabine, ließ sich ebenfalls zu Boden fallen. Nur ich blieb stehen, nicht etwa, weil ich mich besonders heldenhaft oder sogar unverwundbar fühlte, sondern weil wir genau an einer Stelle des Schifffahrtskanals waren, an dem eine Kurskorrektur durchgeführt werden musste.

Wieso der verdammte Flieger sich nicht fragte, woher ein Thommy die Kenntnisse über den Seeweg hatte, wusste ich zwar nicht, aber ich konnte schon wieder das Knattern seines Maschinengewehrs hören, als er sich dieses Mal von hinten näherte.

Ich muss zugeben, dass ich an dieser Stelle bereits mit meinem Leben abgeschlossen hatte, denn wenn er von hinten angriff, dann nutzte es uns auch nichts, wenn wir uns in Deckung legten. Schließlich waren wir nach hinten ungeschützt in unserem offenen Unterstand.

Aber dann hörte das Bollern des MG unvermittelt auf, was gut war. Ich brauchte allerdings einen Moment, um zu bemerken, dass nicht nur das Maschinengewehr still war. Ich konnte auch das Flugzeug nicht mehr hören.

„Himmel, was ist das?“, fragte Jörn, der sich auf den Rücken gedreht hatte und in den Himmel starrte.

Ich hatte schon den dummen Satz auf den Lippen, dass es sich um ein Flugzeug handelte, als ich den Ausdruck seiner Augen bemerkte, in denen große Angst stand. Jedenfalls eine Angst, die größer war als die, die er vorher noch vor dem Wasserflugzeug gezeigt hatte.

„Ist er abgestürzt?“, fragte ich, als Ole mich von der anderen Seite am Ärmel meines Hemds zupfte. „Hinnerk, sieh dir das an!“

Ein wenig wütend nahm ich die Geschwindigkeit zurück, damit wir nicht in Gefahr geraten konnten, während ich mir ansah, was die beiden Angsthasen jetzt wieder ausgemacht hatten.

Dann drehte ich mich um – und vergass für den Moment alles, was mit der Olde Deern, unserer Fracht und eventuellen Minen zu tun hatte.

Leseprobe: „Der Beobachter und der Turm“ zum Dritten

Guten Morgen zusammen!

Nachdem ich es ja vollmundig erpresst angekündigt hatte, sollt ihr heute nun in den aus meiner Sicht nicht ganz unfraglichen Genuss kommen, eine weitere Leseprobe aus „Der Beobachter und der Turm“ zu erhalten.

Inhaltlich wird heute ganz anderes geboten als bei den ersten beiden. Und ihr werdet auch mit zwei Personen konfrontiert, die ihr noch nicht kennengelernt habt. Ein Mann und eine Frau tun etwas miteinander, was Mann und Frau eben manchmal so miteinander tun. Im großen Kontext des Romans verhält sich das ein wenig anders, aber das erzähle ich jetzt nicht in aller Ausführlichkeit (gemein, ich weiß).

Ich denke, es ist am besten, wenn ihr einfach den Szenenausschnitt auf euch wirken lasst. Und mir bleibt nur zu hoffen, dass das, was ich da geschrieben habe, nicht so peinlich ist, wie ich jetzt beinahe befürchte …

Ach ja, liebe Kinder, der Text ist nicht zu 100% jugendfrei, aber auch nichts Schlimmeres, als man es in vielen anderen Romanen zu lesen bekommt. Von manchen Webseiten im Internet mal ganz abgesehen ;-).

Wie auch bei den letzten beiden Leseproben gilt: Es ist der erste Entwurf! Es kann, darf und soll gerne kommentiert und kritisiert werden, aber es ist eben auch ein „work in progress“.

Und eine letzte Anmerkung: Die Seitenzahlen, die oben angegeben sind, stimmen nicht ganz, da ich diesmal eine Passage aus dem Fließtext gelöst und ans Ende der Datei gestellt habe.

Jetzt aber (hoffentlich) viel Vergnügen mit Leseprobe 3:

Der Beobachter und der Turm (Leseprobe 3)

Leseprobe: Der Beobachter und der Turm

Hallo meine Freunde,

ich wurde in den letzten Wochen ja immer mal wieder gefragt, ob und wann es eine Leseprobe aus „Der Beobachter und der Turm“ geben würde. Die Antwort auf das ob war ein „Ja“ und die Antwort auf das wann ist ein „Jetzt“.

Genauer gesagt habe ich gleich zwei Stellen ausgewählt. Leseprobe 1 ist direkt vom Anfang der Geschichte und führt die Hauptfigur und schon einen Teil seiner für ihn problematischen Lebenssituation ein:

Der Beobachter und der Turm (Leseprobe 1)

Leseprobe 2 ist ein Stück weiter in der Handlung und schildert die zweite Begegnung, die Richard mit dem „Beobachter“ hat:

Der Beobachter und der Turm (Leseprobe 2)

Beide Leseproben enden natürlich, ohne dass die jeweilige Szene richtig aufgelöst wurde. Ich hoffe, dass ihr mir dieses leichte anteasern verzeiht. Aber es soll ja auch Interesse am Rest wecken.

Kritik und Anregungen und dergleichen höre ich mir gerne an, aber ich bitte euch zu beachten, dass es sich hierbei um den ersten Entwurf (wenn auch in Version 1.1) handelt. Deswegen seid nicht zu hart mit mir.

Ich wünsche euch jetzt viel Spaß beim Lesen und freue mich auf Reaktionen! Und einen schönen Samstag wünsche ich euch noch obendrauf!

Euer Michael

Nachtrag: Aus einem mir unbekannten Grund funktionierten die PDF-Dateien bis gerade nicht auf Smartphones. Ich habe jetzt noch einmal neue Dateien erstellt und diese funktionieren zumindest auf meinem Android-Gerät und dem Acrobat Reader. Wenn es noch zu Schwierigkeiten kommt, dann bitte melden!