Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Meine Mitschreiber von gestern: Where are they now?

Ich habe ja schon früher in diesem Blog erwähnt, dass ich trotz meiner Probleme, zu meinem Schreiben zu stehen, während meiner Jugend irgendwie immer einen Menschen an meiner Seite hatte, der ebenfalls geschrieben hat. Diese Tatsache ist als solche nicht wirklich bemerkenswert, denn ich glaube, das gerade viele Jugendliche den Traum vom Schreiben haben und wenig Skrupel, es einfach auszuleben. Später verlor sich das, genauso wie sich die Schreibpartner von früher verloren.

Und jetzt stelle ich mir die Frage, was sie wohl heute so treiben – ob sie immer noch schreiben, oder ob sie diesen Traum aufgegeben haben. Von einem meiner Freunde, mit denen ich mich neulich auf Facebook austauschte, weiß ich, dass bei ihm nichts daraus geworden ist. Zu den beiden anderen habe ich den Kontakt verloren.

Bleiben wir für einen Moment bei S., wie ich ihn nennen möchte. Er war für mich der beste Freund meiner Kindheit und live dabei, als ich mit dem Schreiben der ersten Geschichte rund um das Raumschiff Silverstar begann. Ich habe diese Begebenheit in einem Nachwort zu diesem Roman wie folgt beschrieben:

Jetzt sah ich den Zeitpunkt für gekommen und noch ehe S. überhaupt gegangen war, begann ich mit der Arbeit am ersten Kapitel eines Buches, das ich Expedition zur Erde nannte und in dem jene Figuren, die ich mir ausgedacht hatte, vorkamen. Der einzige Gedanke, den ich zu diesem Zeitpunkt als Leitfaden hatte war dieser : Die fünf hatten das langweilige Leben auf ihrer Heimatwelt Tantoo satt und wollten nach Arcturian fliegen, um zum Militär zu gehen.

Bei ihm handelt es sich auch um jenen Freund, mit dem ich mich immer abgewechselt habe, als es darum ging, später am PC unsere jeweiligen Geschichten zu schreiben. Darüber habe ich mal einen eigenen Blogeintrag verfasst, den ich an dieser Stelle gerne noch einmal verlinken möchte.

Wie gesagt, dieser Freund schreibt nicht mehr, jedenfalls nicht literarisch. Aber bei ihm war das Schreiben, wenn ich es so sagen darf, nie ganz weit vorne im Fokus. Er hat gut geschrieben, er hat gern geschrieben. Aber es war für ihn nie ein Ziel, das irgendwann mal auf einer anderen Ebene als der des Zeitvertreibs zu betreiben, Oder wenn es so war, dann hat er es mir nie erzählt.

Ganz anders sah die Sache da schon bei meinem zweiten guten Schreibfreund, T. mit Namen, aus. Der träumte davon, mit seinen Büchern reich und berühmt zu werden – und ich habe ihn damals dafür beneidet, wie viel Konsequenz er an den Tag gelegt hat, um sich zu verbessern. Leider hat er denselben Fehler gemacht wie ich und einfach zu wenig originell geschrieben. Er verstand es, mit Sprache und Ausdruck umzugehen, aber es fehlte ein wenig die eigene Stimme, die eigene Geschichte.

Der Roman, den er zum Film „Die Goonies“ geschrieben hatte, war besser als der eigentliche Roman zum Film. Aber für eine Veröffentlichung war das natürlich nicht geeignet.

Aber so war T. eben: wenn er etwas machte, dann konnte er sich ganz akribisch in Details verlieren. Ich erinnere mich an eine fiktive Welt, die wir für unser damaliges Pen & Paper-Rollenspiel erfanden. Da ging es sehr auch detailverliebt zur Sache!

Der Kontakt mit T. ist komplett abgebrochen und auch wenn es mir fern liegt, irgendwelche Schuldzuweisungen abzugeben, muss ich mir doch immer wieder sagen, dass er es war, der einfach die Haustür nicht mehr geöffnet hat! Aber das ist neunzehn Jahre her und damit verjährt.

Seltsam ist es nur, weil T. derjenige war, der von uns beiden ganz locker mit dem Schreiben umging. Ansonsten wäre unsere Schreibfreundschaft wohl auch nicht zustande gekommen.

In meinem Roman „Lichter“, der einige autobiographische Züge trägt, habe ich die entsprechende Szene beschrieben:

T. grinste auf eine Art, die ich in den nächsten Jahren noch allzu häufig sehen sollte. „Na ja, für den Augenblick reicht ’s mir schon, wenn du mir sagst, was du da schreibst!“
Wie oft hatte ich geleugnet? Keine Ahnung. Wie oft gelogen? Ebenfalls keinen Schimmer. Warum ich es dieses Mal nicht tat, konnte ich auch nicht sagen. Vielleicht hatte ich einfach keine Lust mehr auf Unwahrheiten.
„Ich schreibe an einem Buch“, sagte ich und wartete auf Hohn und Spott.
T. sah mich mit großen Augen an und setzte sich dann neben mich an den Tisch. Mit Verwunderung in der Stimme und gleichzeitig stark gefaßt, als wäre es das normalste von der Welt sagte er: „So ein Zufall, das tue ich auch!“

Die geringste „gemeinsame“ Zeit, was das Schreiben angeht, verbrachte ich mit N. Sie war ebenfalls über das Rollenspiel in mein Leben gekommen und hatte überhaupt keine Probleme damit, auch darüber zu sprechen, dass sie kurze Geschichten und Gedichte schrieb. Vielleicht ist das bei Frauen noch einmal etwas anderes als bei Männern, aber das kann ich nur mutmaßen.

Der Grund dafür, dass wir nur wenig, dafür aber intensiv über unsere Texte im miteinander im Austausch sein konnten, liegt darin, dass N. nach dem Schulabschluss nach Rostock zum Studieren gegangen ist. Wir haben den Kontakt noch eine Weile halten können, aber dann brach auch dieser ab. Bei ihr kann ich mir gut vorstellen, dass sie auch weiterhin aktiv geblieben ist. Sie war irgendwie der Typ dafür.

Ich hoffe, sie wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich einen ihrer Texte namens „Traurige Tage“ hier veröffentliche, zumal ich ihren Namen nicht nenne. Ich habe ihn damals dem dritten Teil meines Romans „Lichter“ vorangestellt.

Nich so sehr die Tränen,
nicht so sehr die Tatsachen,
nicht so sehr das Unveränderliche;
triste Tage, traurige Stimmung und depressives Gefühl
– gefangen in den eigenen Gedanken.

Manchmal frage ich mich wirklich, was aus diesen Personen schreiberisch geworden ist. Wie gesagt, ein Drittel der Frage konnte ich klären. Ob es mir bei den beiden anderen gelingen wird?

Die Vergangenheit ist vorbei und nicht mehr zurückholbar. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Ich werde versuchen, sie auch in Zukunft am Leben zu erhalten.

 

Zitat: Zerbrochenes

Nach längerer Zeit findet mal wieder ein Zitat aus dem zenart-Blog seinen Weg zu mir, weil ich mit der darin enthaltenen Botschaft etwas anfangen kann:

In der Furcht, dem Selbstzweifel, der Ablehnung oder der Verzweiflung gibt es etwas, das so intakt ist, dass ich es verpasse, weil mein Fokus auf dem Zerbrochenen liegt.

Danna Faulds

Ich weiß nicht, wie oft ich schon an dem Punkt gestanden habe, der hier beschrieben ist. An dem Punkt, an dem ich das Intakte nicht mehr sehen konnte – oder es vielleicht auch nicht mehr sehen wollte. Es ist sicherlich schon einige Male so gewesen, öfter als ein Halbdutzend, vielleicht weniger als ein Dutzend.

In Bezug auf das Schreiben habe ich lange voller Furcht gesteckt. Der Furcht, niemals etwas verfassen zu können, das auch nur im Entferntesten eine Veröffentlichung rechtfertigen könnte. Die Selbstzweifel waren riesig, die (innere) Abwehrhaltung kaum zu überwinden.

Und dann all die Gelegenheiten, in denen ich felsenfest davon überzeugt war, ich würde nie wieder einen Roman schreiben können. So ging es mir nach dem dritten „Silverstar“-Band, als der vierte mir unter den Händen wegstarb. So ging es mir, als ich mit „Lichter“ über einen Zeitraum von zwei Jahren kämpfte. Als „Der Beobachter und der Turm“ in seiner ersten Inkarnation nicht zu seinem Ende fand, war es ganz schlimm. Und die Unfähigkeit, den Roman „Darkride“ schreiben zu können, war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Und in all der Zeit habe ich immer mehr darauf geschaut, was gerade nicht ging, anstatt Dinge zu suchen und zu versuchen, die vielleicht gehen könnten. Dafür brauchte es in der Tat erst eine deutliche Intervention von außen, um mich zurück auf diesen Weg zu bringen.

Heute versuche ich, vornehmlich das zu sehen, was gut ist in meinem Schreiben. Manchmal klappt es nicht, wie meine Stammleser wissen. Aber jeder Tag, an dem ich es versuche ist ein guter Tag. Und jeder Tag, an dem es mir gelingt, ist ein gewonnener Tag.

Ich wünsche euch, dass ihr den heutigen Tag für euch gewinnen könnt!

“Die Welt der stillen Schiffe” – Status nach der 20. Woche

Guten Abend, alle zusammen, zu vorgerückter Stunde!

Die letzten zwei Tage war ich auf Achse, weswegen zum einen die Beantwortung der Kommentare mal etwas länger dauert, zum anderen auch dieser Beitrag erst so spät erscheint. Aber: Ich habe halt Urlaub und im Urlaub kommt so etwas nun einmal vor. Und weil ich die Sache mit dem Urlaub ernst genommen habe, gibt es in Sachen Schreibfortschritt für „Die Welt der stillen Schiffe“ nichts zu berichten.

Aber ich kann von einem Entschluss erzählen, den ich gefasst habe. Und zwar werde ich mir für den Rest des Romans ein Schlussexposé erstellen. Ja, ich, der bekennende Discovery Writer, mache so etwas ähnliches wie eine Outline, einen Plot oder was es an Namen mehr gibt.

Dazu muss ich sagen, dass es nicht das erste Mal ist, dass ich mich auf dieses Terrain begebe. Gerade für die Fertigstellung von Romanen ist es schon vorgekommen, dass ich mir eine Szenenabfolge notiert habe um sicherzugehen, auch nichts zu vergessen.

Dass ich aber wirklich von Grund auf alles geplant habe, das kam, soweit ich mich erinnern kann, nur ein einziges Mal vor. Damals schrieb ich gerade an meiner ganz privaten Novellensammlung „Different Stories“, die drei alte Kurzgeschichten von mir aufgriff und auf satte 100-Seiter streckte. Damals hatte ich für die letzte Story nur den Titel „Vollmond-Romanze“. Und ich bastelte an der Geschichte herum und herum, bis ich schließlich im Rahmen eines Brainstormings den kompletten Verlauf zu Papier brachte (im Übrigen keine Werwolfgeschichte, trotz des Namens).

Ansonsten kann ich von einigen Fällen berichten, in denen ich mir vorab Gedanken über Kapitelstrukturen machte. „Lichter“ ist anhand eines Inhaltsverzeichnisses geschrieben worden. „Fort Apocalypse“ wäre auch so entstanden, wenn ich die Arbeit nicht eingestellt hätte.

Kurz gesagt: ich bin also nicht unbelehrbar und wenn ich feststelle, dass ich bei einer Geschichte an einem Punkt bin, wo ich mir eine Struktur verpassen muss, um sicherzustellen, nicht total zu versumpfen, dann tue ich das auch. Also wird das die nächste Aufgabe sein, der ich mich in Bezug auf die „stillen Schiffe“ stellen werde.

Ich denke, dass ich euch kommende Woche mehr dazu verraten kann, wenn ich (leider) wieder arbeiten muss und (endlich!?) auch wieder mit dem Schreiben/Überarbeiten beginne. Auch wenn die Ferien gut getan haben, irgendwie meldet sich ja schon so ein kleines schlechtes Gewissen.

Ich wünsche euch einen noch schönen Restabend und danke euch für euer Interesse!

Frauen in meinen Romanen – Eine Bilanz zum Internationalen Frauentag

Heute ist der Internationale Frauentag und ich tue gar nicht so, als ob ich das gewusst hätte, bevor Wikipedia mich darauf stieß. Aber tröstet euch, liebe Leserinnen, wenn es einen Männertag geben sollte (gibt es sowas?), dann wüsste ich auch nicht, wann der ist. Dafür wird euch meine Frau bestätigen, dass ich noch nie den Valentinstag, unseren Hochzeitstag oder (für unsere Kinder wichtig) den Muttertag vergessen habe ;-).

Also – der Internationale Frauentag. Ein Tag, der vollkommen den Rechten der Frau gewidmet ist. In Deutschland in den letzten Jahren ein wenig zwiespältig gesehen, da der westliche Teil der ehemaligen Bundesrepublik diesen Tag nicht so hoch hielt, wie es die Mitmenschen im Osten, in der Deutschen Demokratischen Republik taten. Das hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass es sich beim Internationalen Frauentag ursprünglich um eine sozialistische Erfindung gehandelt hat.

Aber solche ideologischen Grenzlinien sind mir hier vollkommen fremd, weswegen ich auch den politischen wie den gesellschaftlichen Teil hinter mir lasse und zu meiner Arbeit als Autor komme.

Ausgehend davon, dass heute der Internationale Tag der Frau ist, habe ich mir einmal angeschaut, welche Rolle Frauen eigentlich in meinen Romanen spielen. Und ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht wurde.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne starke Frauenfiguren in Romanen lesen. Aber ich tue mich manchmal mit weiblichen Hauptfiguren schwer, weil ich sie häufig als, wie soll ich sagen, bemüht empfinde. Insbesondere dann, wenn Männer über diese Frauen schreiben. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen, mit einer prominenten Ausnahme, auch nie daran gewagt, Frauen wirklich ganz in den Fokus zu rücken. Aber immerhin kann ich behaupten, nicht dem typischen Klischee entsprochen und Frauen komplett ausgebootet zu haben. Auch hier mit einer kleinen Ausnahme.

Zu den Romanen im Einzelnen:


In der Silverstar-Trilogie ist Leya Kuvan eine mehr als gleichberechtigte Hauptfigur. Streng genommen müsste man sagen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Jedenfalls wenn man die Anteile dessen als Maßstab nimmt, was sie tut und was sie bewirkt. Abseits von ihr gibt es eher wenige weibliche Figuren. Mit Teil 2 werden einige eingeführt, die im Laufe der Zeit größeren Anteil hätten haben sollen, aber dann habe ich ja die Arbeit an der Serie eingestellt.

Der Roman Lichter hat mit Mel eine weibliche Mit-Hauptfigur, die durch ihre zurückhaltende Art oftmals durch die mitwirkenden Kerle in den Hintergrund gedrängt wird. Sie kann aber in einzelnen Szenen zeigen, dass sie nicht nur eine starke Meinung hat, sondern auch großes Durchsetzungsvermögen. Daneben gibt es keine weitere weibliche Rolle.

In Es zwingt einen dazu ist die Chinesin Chie Qwan Lu eine echte Hauptfigur, die der männlichen Hauptfigur wichtige Impulse für die Handlung gibt. Weitere weibliche Personen handeln eher im Hintergrund.

Mein Kinderbuch Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis hat einen Frauenüberschuss von zwei zu eins. Dabei ist Britta eindeutig die Anführerin und Hauptperspektivträgerin. Wenn man so will, bin ich also ausgerechnet in meinem für mich ungewöhnlichsten Buch von meiner sonstigen Linie abgewichen. Für mich überraschend.

Im Thriller Der Morgen danach spielen Frauen nur in Nebenrollen mit, auch wenn insbesondere einer von ihnen eine große Bedeutung zukommt. Die Sichtweise bleibt aber durchweg männlich in einem von Männern dominierten Umfeld. Auch eine Überraschung, dass ausgerechnet in dem Roman, den ich mit am rasantesten von meinen Büchern finde, keine starke Frauenrolle vorkommt.

Im danach geschriebenen Der Rezensent änderte sich das wieder. Nathalie kann man durchaus als gleichberechtigte Frauenfigur sehen, ihr zur Seite steht mit Julia eine etwas schwächere, aber in der Handlung sehr präsente Figur. Die Hauptperspektive liegt allerdings auch hier wieder bei einem Mann.

Das Ensemblestück Das Haus am See bietet Platz für jede Menge Frauenfiguren, von denen sich, alleine schon durch die Ich-Perspektive des Erzählers, kaum eine hervortun kann. Mit Linda gibt es eine gravierende Ausnahme, die aber dennoch nicht mehr als eine führende Nebenrolle einnimmt.

In Der Ruf des Hafens ist die junge Rieke als streitbare, ortsansässige und intelligente Frau die absolut gleichberechtigte Hauptfigur neben dem neuen Inselautor Stephan. In Nebenrollen tauchen auch weitere Frauen auf.

Beim Krimi Darkride besetzt Sandra Jung als Marketingleiterin des Freizeitparks, in dem der Roman spielt, eine sehr starke Frauenrolle, die nicht ganz groß genug ist, um von einer Hauptrolle sprechen zu können. Weitere Frauen agieren nur am Rand.

Der Horror-Roman Der Redner bietet mit Sarah, der Freundin eines der drei Protagonisten, eine sehr wichtige Nebenrolle auf. Sie ist damit aber auch schon die einzige wirklich wichtige Frau.

Ohne Frauen würde die gesamte Handlung von Der Beobachter und der Turm in sich zusammenbrechen. Sie handeln nie als Hauptfigur, sind aber mehr als wichtige Impulsgeberinnen. Allen voran natürlich Richards Ehefrau.

Und auch mein im Entstehen begriffener Roman Die Welt der stillen Schiffe besitzt mit der jungen Maria eine gleichberechtigte Hauptfigur, die allerdings ein wenig in den Mustern ihrer Zeit (immer dran denken, sie kommt aus dem Jahr 1941) verhaftet ist.


Ziehen wir also Bilanz:

In 14 Büchern (ich zähle jeden Silverstar-Teil einzeln) haben wir

  • 1 absolute Hauptfigur
  • 9 gleichberechtigte Hauptfiguren
  • 7 wichtige Nebenfiguren
  • 6 markante Nebenfiguren
  • und 2 Romane mit nennenswertem weiblichen Ensemble

Ist das jetzt gut oder ist das jetzt schlecht? Wer will schon darüber urteilen – wichtig ist es doch, dass es in sich und in den Geschichten stimmig ist. So würde ich das jedenfalls gerne sehen wollen. Aber wenn ihr anderer Meinung seid, dann lasst mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Und an die Autoren und Autorinnen unter meinen Lesern mag ich die Frage richten, wie ihr mit dem jeweils anderen Geschlecht umgeht. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste in euren Schilderungen? Oder signifikante statistische Auffälligkeiten? Ich bin gespannt!

Der Ton macht den Roman

Heute möchte ich euch ausnahmsweise mal nicht mit so vielen Worten quälen, sondern mit Musik! Durch einen Zufall bin ich im Laufe des Nachmittags auf ein Lied gestoßen, das ich vorher ganz lange nicht gehört hatte. Und mir fiel ein, dass es einmal in einem meiner Romane als einleitendes Zitat Verwendung gefunden hatte.

Wie ich schon mal irgendwo erwähnte, bin ich ein große Verehrer von Mister Stephen King. Und wenn es einen Roman von mir gibt, dem man das mehr anmerkt als ihm gut tut, dann ist das „Lichter“. Nicht nur, dass es inhaltliche Anleihen gibt, auch strukturell leihe ich mir einiges aus. So gibt es nur in diesem Roman eine Aufteilung in Kapitel und darunter durchnummerierte Abschnitte. Nur dieser Roman ist in drei Teile aufgesplittet. Und nur dieser Roman stellt jedem der drei Teile Zitate aus Liedtexten voran. Alles Dinge, wie sie bei King öfter benutzt werden. Im Fall der Musikzitate explizit, um einen gewissen Ton für den kommenden Text zu setzen.

Ich habe mal bei Youtube geschaut und tatsächlich fand sich zu jedem der von mir verwendeten Songs ein Video, mit dem ich euch jetzt in das ausklingende Wochenende entlassen möchte. Habt einen guten Wochenstart!

The Shamen – Destination Eschaton

Beborn Beton – Life Is A Distance

De/Vision – Sweet Life

Queen – Friends Will Be Friends

Lacrimosa – Alles Lüge

Wolfsheim – The Sparrows And The Nightingales

Und als Bonus noch folgendes Stück, das am Ende des ersten Teils von „Lichter“ ausführlich zitiert wird und damit sozusagen einen Abschnitt beendet.

Martin Sprissler – Die Brücke

Schreiben in der Komfortzone

Irgendwann bin ich zum ersten Mal auf den klugen Spruch gestoßen, dass jeder Autor ein Thema hat, über das er schreibt. Manche nennen es den Subtext des vorliegenden Textes, manche gehen in ihrer Interpretation auch noch viel weiter. Ich habe mich immer gefragt, ob es wirklich so ist, dass es Themen gibt, die so universell sind, dass sie in jeder Arbeit eines Autors durchscheinen. Und es dann für mich eigentlich verneint.

Vielleicht musste ich wirklich erst so alt werden, wie ich heute bin um zu wissen, dass es vielleicht Themen gibt, die ich noch nicht in meinen Romanen angepackt habe, die aber latent und unterdrückt doch immer da sind.

Ich schreibe im Moment in einer Art literarischer Komfortzone, indem ich mich in den Genres Thriller, Krimi oder Mystery bewege. Sicher, da kann auch alles passieren, aber es passiert auf eine andere Weise. Ich empfinde diese Genres als weiter weg von den tatsächlichen Triggerpunkten, um einen Begriff aus der Psychotherapie zu missbrauchen benutzen.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich irgendwann den großen gesellschaftsrelevanten Roman des 21. Jahrhunderts schreiben werde – nur echt mit Besprechung im Feuilleton der FAZ. Aber ich merke, wie ich mich für manche Themen einfach noch nicht reif genug fühle. Es nicht schaffe, sie in angemessener Form zu Papier zu bringen. Vielleicht, weil es zu schmerzhaft wäre, es zu tun?

Viele Autoren verarbeiten persönliche Erfahrungen. Für manche hat es auch eine kathartische Wirkung. Diese Katharsis kann ich für mich im Moment noch nicht erkennen. Deswegen bleibe ich wahrscheinlich besser bis auf Weiteres in meiner relativen Komfortzone, die ich mit Romanen wie „Lichter“ und „Das Haus am See“ schon einmal ganz vorsichtig verlassen habe – was diese beiden Geschichten zu meinen wohl persönlichsten Texten macht.

Muss ein Autor sich an sein Thema heranwagen? Die Gelehrten sagen: Ja! Aber die Gelehrten sind auch die ersten, die mit ausgestrecktem (und nicht immer sauber gewaschenem) Zeigefinger auf die vermeintlichen Schundautoren zeigen, die ihr literarisches Potential nicht abrufen. Es vielleicht gar nicht wollen.

Mir ist heute wieder einmal, in ganz anderem Zusammenhang, klar geworden, dass es Themen gibt, die für mich wichtig sind und von denen ich glaube, dass es mir gut tun würde, sie in einer Geschichte zu verarbeiten. Aber ich akzeptiere auch, dass das Zeit braucht. Die richtige Zeit. Und dass es nichts bringt, wenn ich es forciere.

Schadet die Komfortzone meiner Schreiberei? Nein. Jeder Text, den ich schreibe, ist ein Text, der mich voran bringt. Selbst meine Blogbeiträge bringen mich in meiner Identität als Autor weiter. Das erkannt zu haben gibt mir ein gutes Gefühl.

Und wenn ich doch irgendwann im Kulturteil der FAZ besprochen worden sein sollte, dann verspreche ich euch, seid ihr die ersten, die es erfahren!

AWDML (2) Ich? Ich schreibe doch nicht …

Ich hatte es in den vergangenen Tagen immer mal wieder angedeutet, dass ich euch auf einen weiteren Trip in meine schriftstellerische Vergangenheit mitnehmen möchte.

Befasste sich der erste Ausflug ganz konkret mit einem Romanprojekt, so geht es heute mehr um eine allgemeine Haltung, die ich über Jahre hinweg zu meinen Romanen gehabt habe:

Ich habe mich fürs Schreiben geschämt!

Ja, es ist wahr und heute kann ich es mit dieser Bestimmtheit zu Papier bringen, ohne mir die Frage zu stellen, ob ich nicht überdramatisiere. Meine Scham resultierte aus verschiedenen Begebenheiten, die teils in der Schule, teils in der Familie und größtenteils in meinem Kopf lagen.

Jetzt möchte ich euch und mir eine langwierige Psychoanalyse ersparen, aber ich denke schon, dass es interessant ist, einmal einen Blick darauf zu lenken. Ich meine, wie kann es sein, dass ich für meine erste Geschichte in der Grundschule einen Stempel als Lob bekam, in der weiterführenden Schule dann den Schneid abgekauft bekam und noch bis nach der Jahrtausendwende sehr zurückhaltend mit der Information umging, ein „Schriftsteller“ zu sein.

Also zunächst einmal muss ich wohl festhalten, dass ich ein guter Schüler war. Ich hätte sicherlich ein besserer sein können, wenn ich mir entsprechende Mühe gegeben hätte, aber ich kam entspannt durch den Lehrstoff. Leider kam ich nicht ganz so entspannt durch den Schulbetrieb als solches oder anders gesagt: die Schule wäre ganz okay gewesen, wenn es da keine Schüler gegeben hätte.

Ich landete schnell auf der Ersatzbank, dem Platz für die Loser und Gehänselten. Mein fünftes Schuljahr war die Hölle und hat mich nachdrücklich geprägt. Dahingehend geprägt, dass ich ein tief sitzendes Gefühl hatte, nur nicht auffallen zu dürfen.

Und doch hat mich so um das achte Schuljahr herum, inzwischen auf einer anderen Schule, der Übermut ergriffen, zwei Aufsätze, in denen es um Kreativität ging, mit ebensolcher anzugehen. In einem verarbeitete ich meine damalige Liebe zum Pen&Paper-Rollenspiel, in einem anderen eine wilde Ausbrecherstory á la Tarantino, als noch niemand Tarantino kannte.

Beide Aufsätze wurden ziemlich mies benotet. Besonders das Thema Rollenspiel kam bei meiner Lehrerin gar nicht gut an. Und wieder ritt mich irgendwas, denn ich verwickelte sie vor versammelter Klasse in ein Gespräch darüber, aus welchen Gründen sie den Text so schlecht benotet hatte. Denn diese Note basierte ausschließlich auf dem Inhalt, alles andere war okay. Im Laufe der Diskussion fing ich irgendwann an zu weinen.

Ich habe nicht begriffen, damals nicht begriffen, dass ich mich damit wieder in eine Situation manövrierte, die für die meisten meiner Klassenkameraden eine Einladung darstellte, mich aufs Korn zu nehmen.

Deswegen schlossen sich weitere Jahre an, in denen ich das Geheimnis, das ich schreibe, nur mit meinem damaligen besten Freund teilte. Und meine Eltern bekamen es natürlich zwangsläufig auch mit, zeigten aber kein großes Interesse – zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich schon am ersten Silverstar-Roman.

Springen wir ein paar Jahre in die Zukunft. Mein bester Freund war Geschichte, die Schulzeit auch und ich hatte den Kreis derer, die von meiner Schreiberei wussten, behutsam erweitert. Aber immer noch war es für mich sehr schwer, Texte wirklich los zu lassen und sie jemandem zu Lesen zu geben. Das galt ganz besonders für das aktuelle Projekt, dem ich den Namen „Lichter“ gegeben hatte und in dem ich einiges von dem aufarbeitete, was mir in meinem Leben bisher widerfahren war.

Und das jemanden lesen zu lassen, das ging gleich mal gar nicht! Ich spürte instinktiv, dass ich wieder angreifbar geworden wäre, wenn ich es getan hätte. Gleichzeitig war mir aber schmerzhaft bewusst geworden, dass die Silverstar-Romane eine kreative Sackgasse waren. Ich legte mir selbst eine Schweigepflicht auf, die ich erst brechen wollte, wenn „Lichter“ irgendwann fertig wäre.

Als es fertig war, hatte ich mal wieder meinen Freundeskreis verloren, lebte nicht mehr bei meinen Eltern und war auf dem besten Weg, mit meiner heutigen Frau eine lange Beziehung einzugehen.

Inzwischen war ich soweit, dass ich selber eine Ausstrahlung entwickelt hatte, die abschreckend auf andere Menschen wirken musste. Ich wurde nicht mehr nach dem gefragt, was ich schrieb. Ich zeigte es auch niemandem mehr. Im Nachhinein betrachtet ist es nur logisch, dass ich zwischen der Fertigstellung von „Lichter“ (1999) und „Es zwingt einen dazu“ (2005) keinen Roman abgeschlossen habe.

Ich kompensierte, indem ich im Internet Texte und Kritiken zu Hörspielen, Filmen und Sonstigem veröffentlichte – die auch gelesen und oft sogar gelobt wurden! Heute glaube ich, dass das damals die Rettung für meine Schreiberei gewesen ist. Zum ersten Mal interessierte sich jemand für das, was ich schrieb. Und entscheidend war dabei wahrscheinlich die Tatsache, dass dies völlig unabhängig von meiner wirklichen Person war. Denn es gab ja nur meinen Nicknamen, genau denselben wie hier.

Seit 2005 habe ich es nach und nach und sehr mühsam geschafft, mich aus der selbst gewählten Isolation herauszuarbeiten. Inzwischen binde ich zwar nicht unbedingt von mir aus sofort jedem auf die Nase, dass ich schreibe, aber ich verstecke mich auch nicht mehr damit. Teilweise mache ich es sogar ganz öffentlich! Ebenso wie die Tatsache, dass ich nun versuchen möchte, ein Buch zu veröffentlichen. Auch das tue ich öffentlich.

Schäme ich mich heute noch? Nein, kann man so nicht sagen. Es gibt noch einen kleinen Teil in mir, der mich permanent zur Vorsicht mahnt. Der Angst vor Verletzungen hat. Den wird es wahrscheinlich auch mein ganzes Leben lang geben. Aber ich lerne, ihn anzunehmen, mit einzubeziehen und als das wahrzunehmen, das er ist: ein wertvoller Bestandteil meiner Selbst.

Dieser Text soll Mut machen. Mir und all denen, die vielleicht so wie ich früher sich schämen für etwas, was sie gerne machen (möchten). Egal, ob es Kunst ist, Musik, Malerei, Schreiberei, Sport, Gesang, Akrobatik, Tanz, whatever!

Tut es! Lasst es zu! Nehmt es an und findet gemeinsam einen Weg heraus. Wenn ich, der neurotischste und von Zweifeln erfüllteste Mensch, den ich kenne, es geschafft hat, dann schafft ihr es auch!

Ich wäre gespannt, von euren Erfahrungen zu lesen.

Let’s take a walk down memory lane!

Musik, die zu Geschichten inspirierte

Bei einem meiner Streifzüge durch die große bunte Welt der Blogosphäre bin ich auf einen Artikel bei Frau Margarete gestoßen, der mich sehr fasziniert und interessiert hat. In diesem stellt Frau Margarete uns die Musikalben vor, die sie im Laufe ihres Lebens wohl am meisten inspiriert haben.

Musik und Inspiration, das ist für mich ja auch immer so ein Thema. Ich schreibe sehr oft, während ich Musik höre. Musik ist dabei mehr als nur Untermalung oder Hintergrundrauschen für mich. Musik ist Emotion, ist Rhythmus, ist Energie! Alles Aspekte, die auch eine gute Geschichte vertragen kann.

Wie ich schon in meinem Kommentar zu Frau Margaretes Artikel geschrieben, wäre es eine Mammutaufgabe, alle Einflüsse oder auch nur Lieblingslieder/-alben aufzuzählen, die mich während des Schreibens begleitet haben. Da ich peinlich genau Buch darüber führe, von wann bis wann eine Geschichte entstanden ist (ich erzähle ein andermal, wieso), könnte ich wahrscheinlich sogar eine recht lückenlose Dokumentation meiner Lieblingsalben erstellen. Aber das ist dann wohl doch ein wenig zu viel des Guten.

Was ich aber machen möchte ist, die fünf Alben vorzustellen, ohne die es jeweils eines meiner Romanprojekte nie gegeben hätte. Mir ist dabei vollkommen bewusst, dass ich diese Entwürfe noch nie hier erwähnt habe und dass sie vielleicht für den Blog oder meine Reise zur Veröffentlichung nie eine Rolle spielen werden. Aber für wen schreibe ich denn diese kleinen Beiträge, wenn nicht zuletzt auch für mich selbst? Trotzdem seid ihr gerne zum Mitlesen eingeladen 🙂 !

Hier nun also die Alben zum Roman:


 

MIKE OLDFIELD: THE SONGS OF DISTANT EARTH

The Songs of Distant EarthDie Vertonung eines Romans von Arthur C. Clarke war die logische Wahl für meine Novelle „3099 – Raumschiff Meteor antwortet nicht“, die ich als einen Bestandteil eines Dreierpacks von überarbeiteten „Altlasten“ vorgesehen hatte. Denn ich siedelte die Geschichte in der Realität an, die Clarke für seinen Roman 2001 – Odyssee im Weltraum bzw. die Nachfolger erschaffen hatte. Was eine Veröffentlichung nahezu ausschließen dürfte.

Dabei handelt es sich im Kern um eine stark erweiterte Version der allerersten Geschichte, die ich je geschrieben habe – eben rund um jenes Raumschiff Meteor, das nicht mehr auf Anrufe antwortet.

Die Musik Oldfields ist sehr sphärisch, atmosphärisch und teilweise schon in den Ambient-Bereich schielend. Musik, wie für einen Science-Fiction-Film geschrieben. Und sehr passend zu dem düsteren Charakter meiner Geschichte.

WOLFSHEIM: NO HAPPY VIEW

No Happy View

Erst durch die Zusammenarbeit von Sänger Peter Heppner mit Joachim Witt und dem Megahit „Die Flut“ drang die Band Wolfsheim Ende der neunziger Jahre in das Bewusstsein der breiten Masse vor. Aber da hatten sie bereits einige sehr gute Alben veröffentlicht und den einen oder anderen Szenehit gelandet. Ganz vorne zu nennen: „The Sparrows and the Nightingales“.

Dieser Song war damals in den sogenannten „dunklen“ Clubs, zumindest des Teils der Republik in dem ich lebe, Standardrepertoire. Und als ich für meinen Roman „Lichter“, der als Hauptfigur eine Person hat, die eben in dieser Szene und diesen Clubs zuhause ist, eine Art Leitsong suchte, war dieser die logische Wahl. Und so finden sich immer wieder textliche Verweise, insbesondere auf die im Lied genannte Zeile „Wo ist der Führer der mich führt, ich warte immer noch“.

Ein sehr melancholisches Lied für einen über weite Strecken sehr melancholischen Roman.

MIKE OLDFIELD: CRISES

CrisesDas Album, das für die hervorragenden Songs „Moonlight Shadow“ und „Shadow On The Wall“ Bekanntheit und Rekordabsätze erreichte. Für meine Schriftstellerei war aber der Titeltrack, ein rund zwanzig Minuten langes Instrumentalstück, Ausschlag gebend. In diesem von Fairlight-Synthesizern dominierten Opus gibt es eine Sequenz, in welcher immer wieder der Gesangspart „The watcher and the tower – waiting hour by hour“ wiederholt wird. Unschwer zu erkennen die Zeile, auf die auch mit dem Coverbild des Albums hingewiesen wird.

Der Turm, in dessen oberster Etage ein Licht brennt, hatte mich schon ganz, ganz früh zu einer einseitigen Story inspiriert, der ich den naheliegenden Namen „Der Beobachter und der Turm“ gab. Jahre später hatte ich vor, einen Roman daraus zu machen. Ich habe ca. die Hälfte davon geschrieben – und dann ist er einfach unter meinen Händen weggestorben. Ich weiß bis heute nicht genau, wieso das passiert ist. Aber ich habe vor, irgendwann etwas an diesem Zustand zu ändern. Wahrscheinlich schon als nächstes Schreibprojekt nach „Der Redner“ (und den Bewerbungsschreiben, die hab ich nicht vergessen, keine Sorge!).

VNV NATION: EMPIRES

EmpiresVNV Nation machen sehr emotionale elektronische Musik. Und „Empires“ ist ein früher Meilenstein in der Geschichte dieser Band, die mich nun schon über so viele Jahre begleitet, mir so viele emotionale Momente geschenkt und dabei jegliche Form von Gefühl verkörpert hat, die man sich nur vorstellen kann.

Trotzdem ist es eigentlich nicht das Lied um das es hier geht selbst, das dafür gesorgt hat, dass ich einen Roman mit dem Titel „Es zwingt einen dazu“ geschrieben habe. Verantwortlich dafür ist eigentlich der Musiker Vasi Vallis, der auf einer Tour der Band eines der Keyboards übernommen hat.

In Bezug auf das Lied „Kingdom“ sagte er, dass es eine besondere Freude sei, dieses zu spielen, da es einen förmlich dazu zwingen würde, den nächsten Ton zu spielen. Dieser Satz hat unheimlichen Eindruck auf mich gemacht. Und ich stellte mir die Frage, was denn wohl passieren würde, wenn ein Keyboard wirklich den nächsten Ton von alleine spielt. Und fertig war die Idee für meine Geschichte.

Die Musik von VNV Nation bildet übrigens heute noch oft den Hintergrund für meine Schreiberei. Gerade letzte Woche ist das neue Album „Resonance“ erschienen, auf dem mit einem Orchester (!) eingespielte Versionen einiger der schönsten Lieder enthalten sind. Absolut schreibtauglich und auch beim „Redner“ schon zum Einsatz gekommen!

COVENANT: NORTHERN LIGHT

Northern LightLast, but not least, ist das meiner Meinung nach beste Album der Skandinavier von Covenant zu nennen. Auf „Northern Light“ kommen der charismatische Gesang, die treibenden Beats und sehnsuchtsvollen Klangteppiche der Electroband am besten zur Geltung. Und mit „Bullets“ und auch „Call The Ships To Port“ sind zwei Songs für die Ewigkeit enthalten, die auch heute noch Partystimmung aufkommen lassen.

Was auf mich besonderen Eindruck machte war der knallharte und treibende Bass von „Call The Ships To Port“, der perfider Weise zu Beginn ganz leise ist, um einem dann, wenn man unbedarft lauter gedreht hat, den Ohrkanal leer zu pusten. Im Refrain heißt es dann sinngemäß, dass ein Chor voller Sehnsucht die Schiffe zurück zum Hafen leiten würde.

Daraus wurde bei mir „Der Ruf des Hafens“, der zwar keinen tanzbaren Beat mitbringt, aber, wie ich glaube, den einen oder anderen Höhepunkt bietet.


 

So, das waren sie, meine fünf wichtigsten Alben, die mich zu Romanen oder Geschichten inspiriert haben. Ich möchte mich ganz ausdrücklich bei Frau Margarete bedanken, wo ich mir die Idee ausgeliehen habe! Schaut doch mal bei ihr rein, wenn ihr wollt.

Und ich werde jetzt noch ein wenig Musik hören, denke ich. Solltet ihr auch tun, es ist sehr entspannend – und inspirierend.

Schönen Abend noch!