Reblog: Der Social-Media-Knigge (und ein paar Gedanken dazu)

Heute möchte ich euch einen sehr lesenswerten Artikel meiner geschätzten Autorenkollegin und BartSis Babsi a.k.a. TheBlueSiren ans Herz legen. Dies tue ich aber, trotz der Überschrift, nicht als ganz normalen Reblog, wie ich ihn über WordPress auf Knopfdruck haben könnte, sondern in Form eines ergänzenden Artikels. Weil ich denke, dass Ergänzungen nötig sind.

Also: Ein Social-Media-Knigge. Wieso das?

Nun, wer oder was ein Knigge ist, das dürften wir alle wissen, auch wenn die meisten von uns (ich eingeschlossen) niemals einen Blick hineingeworfen haben. Es geht darum, die Verhaltensweisen zwischen Menschen auf ein für alle Beteiligten angenehmen Niveau zu bringen. Und ja, wenn ich mir, zum Beispiel, bei Tisch in der Nase popel, dann kann ich davon ausgehen, dass 99% meiner Tischnachbarn das eher eklig finden.

Das Problem ist, dass wir einander sehr selten sehen, wenn wir in den sozialen Medien unterwegs sind. Da haben wir Facebook, wir haben Twitter, wir haben Pinterest, Snapchat, Instagram, YouTube, vielleicht noch XING oder LinkedIn. Die Älteren unter uns haben vielleicht noch MySpace oder StudiVZ. Und die ganz besonders aufgeschlossenen treiben sich auf Plattformen wie Tinder herum.

Ganz egal, wo wir uns im Netz bewegen, wir bewegen uns in unserem eigenen Kosmos. Andere lassen wir über unsere Äußerungen und unsere Informationen, die wir von uns preisgeben, daran teilhaben. Manchmal sogar gegen deren Willen, ganz einfach, weil sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten.

Okay, bevor ich mich noch ganz ins Unkonkrete rede, komme ich zu Babsis Artikel zurück.

Babsi hatte einen konkreten Anlass, aus dem sie diesen Artikel geschrieben hat. Ich werde diesen hier nicht benennen, weil ich zum einen nicht involviert war, und weil ich zum anderen auch keine Lust habe, mich involvieren zu lassen.

Aber das, was sie da schreibt, das sind Phänomene und Antworten darauf, die ich schon kenne, seit ich mich Anno 1996 oder ’97 das erste Mal in eine Mailingliste gewagt habe. Damals gab es nämlich schon dieselben Verhaltensweisen und auch dieselben – teilweise – Missverständnisse. Ja, ich behaupte, dass auch Missverständnisse dabei sind. Denn nur die wenigsten Menschen gehen bewusst hin und verstoßen gegen die Regeln des einträchtigen Miteinanders. Und die, die es tun, die sollte man nicht füttern. Das berühmte „Don’t feed the Trolls“ halt.

Als Kernsatz möchte ich den auch bei Babsi fett gedruckten Satz Für ein liebevolleres Miteinander! aufgreifen.

Denn was oft vergessen wird: Gleiches mit Gleichem zu vergelten macht denjenigen, der reagiert, nicht unbedingt besser als den, auf den er reagiert.

Wieder auf mein Beispiel bezogen wäre es etwa keine geeignete Reaktion, dem Nasenpopler das eigene Wasserglas ins Gesicht zu schütten – und es ihm danach auf dem Kopf zu zertrümmern.

Leider musste ich gerade in den letzten Wochen und Tagen feststellen, dass sich diese Einsicht nicht bei allen Beteiligten an den Vorkommnissen, die es gegeben hat, und auf die sich auch Babsi bezieht, durchgesetzt hat. Und das finde ich, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder mir nicht zustehender Moralkeule, sehr, sehr schade.

Ich gehe nämlich davon aus, dass wir, die Autorinnen und Autoren im Netz, vom Grundsatz her erst einmal alle das Gleiche wollen. Wir wollen schreiben, Wege zum Erfolg ausloten, gemeinsam mit anderen diese Wege erkunden und dann irgendwann den Erfolg erringen. Ich gehöre zu denen, die glauben, dass man das wirklich besser gemeinsam tun kann. Jedes Gegeneinander schadet uns. Und wenn man ganz, ganz schwarz sieht, dann nicht nur den direkt Beteiligten, sondern auch allen anderen.

Wieder mein Beispiel: Links und rechts der Tafel sitzen Autoren, vor Kopf Vertreter von Verlagen, des Feuilletons, Literaturagenten. Und die sehen nun mit an, wie sich die Autoren gegenseitig nicht zu benehmen wissen, wie sie sich an die Gurgel gehen und wie sie einander das Geschirr um die Ohren hauen. Soll es uns da verwundern, dass manch einer vor Kopf aufsteht und sich sagt, dass er mit „so welchen“ eigentlich nichts zu tun haben will und dass „die“ gerne wiederkommen können, wenn sie gelernt haben, sich zu benehmen?

Mag sein, dass ich das zu global sehe, mag auch sein, dass ich es zu schwarz sehe. Aber genau deswegen schreibe ich es hier separat und nicht als klassischen Reblog, weil ich es nicht so aussehen lassen möchte, als ob Babsi die gleichen Gedankengänge hat, wie sie sich mir nun aufdrängen.

Ich finde den Knigge fürs Social-Media gut. Und ich kann nur jeden bitten, ihn sich durchzulesen und dann genau zu überlegen, inwiefern er oder sie sich daran halten mag. Oder sich zu überlegen, wieso es für ihn oder sie nicht infrage kommt.

Ob es schade ist, dass so ein Knigge geschrieben werden musste? Keine Ahnung. Vielleicht leben wir einfach in einer Zeit, in der man es gewohnt ist, sich schnell die Frequently Asked Questions durchzulesen und dann alles zu wissen, was man wissen muss. Auch in dieser Hinsicht funktioniert Babsis Knigge sehr gut.

Auf jeden Fall kann ich jeden ihrer Punkte nur unterschreiben, packe mir da, wo es nötig ist, auch an die eigene Nase und gehe dann frisch und mutig wieder an mein Werk. Denn auch dieser Blog ist in in seinen Kommentaren ein Soziales Medium. Und ich glaube nicht, dass einer von euch mich beim Popeln erwischen möchte.

Ih-Bäh!

Meldung und Meinung: Amazon eröffnet eine Buchhandlung und ein Journalist findet es ganz, ganz schlimm

Na, da hat sich aber mal jemand richtig aufgeregt, bevor er seinen Artikel geschrieben hat. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist gestern ein Artikel erschienen, der netterweise heute auch online für all jene nachgelesen werden kann, die zwar gerne die FASZ lesen würden, für die der Sonntag aber schlicht zu kurz ist, um das auch wirklich tun zu können. So geht es mir zum Beispiel. Ich finde die Zeitung wirklich großartig, aber ich weiß einfach nicht, wann ich das alles lesen soll.

Da tut es dem eigenen Gewissen gut, wenn man dann auch mal einen Artikel sieht, der nicht so großartig ist. Und das ist im vorliegenden Fall leider geschehen.

Was also ist passiert? In simplen und schmucklosen Fakten kann man es wohl wie folgt darstellen:

  • Amazon hat in New York eine Buchhandlung eröffnet
  • Die Buchhandlung ist so mittelgroß und in einem Einkaufszentrum untergebracht
  • In der Buchhandlung ist das Sortiment ähnlich zu Amazons eigenen Empfehlungskriterien auf der Website aufgebaut
  • Bücher gibt es in dieser Buchhandlung zum aktuellen (Amazon-)Tagespreis
  • Was nicht vorrätig ist, wird über direkte Verknüpfung zum Onlineshop bestellt

So, ich gebe jedem von euch jetzt, sagen wir, dreißig Sekunden Bedenkzeit, um selbst herauszufinden, was an diesen Punkten denn so ganz, ganz schlimm ist, wie es der Journalist in seinem Artikel zum Ausdruck bringt.

[Nette Fahrstuhlmusik]

So, da wären wir wieder. Und, seid ihr fündig geworden? Schauen wir uns die Punkte doch im Einzelnen noch einmal an.

Amazon hat also eine Buchhandlung eröffnet. Daran erkenne ich erst einmal nichts Verwerfliches. Es ist noch nicht einmal Amazons erste Buchhandlung. Auch die Größe finde ich jetzt nicht weiter tragisch, auch nicht die im Artikel genannte Innenausstattung. Auch in deutschen Einkaufszentren findet man mittelgroße Buchhandlungen. Ich nenne da einfach mal den Namen Thalia.

Dass Amazon das Konzept seiner Website mit Herausstellung eigener Bestseller und Ähnlichem in den Laden überträgt, finde ich zum einen nicht so besonders (man denke an die Bestseller-Listen, die in unseren Buchhandlungen ausgehangen werden), zum anderen kann dies auch eine Chance darstellen für unbekanntere Autoren. Wenn sich nämlich ein Selfpublisher gut genug verkauft, dann steht er auf einmal prominent im Laden – mit dem Buchcover voraus, wie der Artikel noch erwähnt.

Dass es die Bücher zum jeweiligen und günstigen Tagespreis gibt – ja, mein lieber Herr Journalist, das ist nun einmal die Art, wie die Amis ihre Bücher verkaufen. Eine Buchpreisbindung gibt es da nicht. Das kann man gut oder auch schlecht finden, aber nicht Amazon vorwerfen. Übrigens spielen auch unsere einheimischen Buchhändler das Spiel mit. Wenn ich hier ein englischsprachiges Buch kaufe, dann zahle ich in der Bahnhofsbuchhandlung auch einen anderen Preis als in der Mayerschen dreihundert Meter weiter.

Und dass sofort bestellt wird, was nicht vorrätig ist … muss ich da wirklich etwas zu sagen!? Das ist doch nun bitte wirklich Standard heute, egal in welcher Branche, egal in welchem Laden. Thalia bestellt beim Grossisten. Weltbild bei sich selbst. Und Amazon eben – bei Amazon. Mit Lieferung nach Hause. Macht meine Apotheke übrigens auch, um ein Beispiel aus einer ganz anderen Branche zu bringen.

Ganz ehrlich, um die Sache hier abzukürzen. Ich weiß nicht, was mir dieser Artikel sagen soll, außer dass der Verfasser, wieso auch immer, einen Brass auf Amazon hat. Ja, man muss nicht alles gut finden, was dieser milliardenschwere Konzern treibt. Aber diese Sorte stationärer Buchhandlungen machen nichts kaputt, was nicht sowieso schon kaputt ist! Ich behaupte, dass deswegen nicht ein Kunde weniger bei gut sortierten Buchhändlern kauft, weil sich die Zielgruppen einfach nicht überschneiden. Das eine sind die Onlinekäufer, das andere die Vor-Ort-Käufer.

Manchmal wünschte ich mir wirklich, ich könnte geschichtlich Mäuschen spielen und mir ansehen, wie der Aufschrei im Einzelhandel war, als auf einmal Unternehmen wie Quelle, Otto und Neckermann, die eigentlich ja „nur“ Katalogware verkauften, Geschäfte in den Innenstädten eröffneten.

Die Debatte, inwieweit die Multis den alteingesessenen Händler vor Ort platt machen, ist also nicht neu. Und es geht eher darum, Strategien zu finden, um dem entgegen zu treten. So, wie es viele engagierte Buchhandlungen heute schon tun. Mit Ideen, mit persönlicherer Ansprache, mit Service.

Denn der „Kampf“, wenn er denn geführt werden muss, wird zwischen der Entscheidung online oder lokal getroffen. Und nicht zwischen den Alternativen Amazon Bookstore oder Thalia oder Anjas Antiquariat, die in einer Einkaufsstraße einträchtig nebeneinander liegen.

Oder wie seht ihr das? Mache ich es mir hier zu einfach oder es dem Journalisten zu schwer? Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Kommentare zu diesem Artikel, den ich bisher noch gar nicht verlinkt habe, weil ich erst meine Argumente aufzählen wollte.

Aber jetzt: hier!

Reblog: Von Literaten und Fremdenhass: Zeit für ein Statement

Für diesen Blog gilt eigentlich das, was Nora Bendzko, deren Artikel ich hiermit reblogge, auch von sich selbst schreibt: Er ist keine politische Seite. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass ich in meinen Romanen – insbesondere in dem, der seiner Veröffentlichung harrt – durchaus Stellung beziehe. Aber wenn ich anfangen würde, mich ins politische Tagesgeschehen zu stürzen, dann würde ich bald in einen Strudel geraten, der aus dieser Seite etwas ganz anderes machen würde als das, was sie heute ist.

Und das will ich nicht.

Und dennoch ist es mir ein Bedürfnis, diesen Beitrag von Nora zu teilen und ihm mit meinen bescheidenen Möglichkeiten ein wenig mehr Reichweite zu verleihen. Ich finde nämlich, dass sie die richtigen Worte findet – und dass sie sie aus den richtigen Gründen findet.

Ich weiß nicht, von welcher Autorin Nora schreibt und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich das eigentlich wirklich wissen will. Einerseits ja, denn ich möchte mich von solchen Menschen, die ich aufgrund ihrer Haltung im Gegensatz zu dem, womit sie Geld verdient, eigentlich nur als falsch bezeichnen kann, gerne fern halten. Andererseits ist es vielleicht gar nicht verkehrt, sich ein wenig Naivität zu bewahren und immer erst einmal vom Guten im Menschen auszugehen. Bis diese sich dann von selber herausstellen als das, was sie wirklich sind.

Ich reblogge diesen Beitrag durch Zufall auch an dem Tag, nachdem es in Manchester einen Anschlag auf die Besucher eines Popkonzerts gegeben hat. Und obwohl der eine Sachverhalt mit dem anderen nichts zu tun hat, wurde ich doch heute darauf gestoßen, dass es Menschen wie der besagten Autorin nie zu dumm wird, mit pawlowschem Reflex geifernd auf jene zu zeigen, die „anders“ sind als sie. Die eine „andere“ Hautfarbe haben – oder einen „anderen“ Glauben.

Ich verkenne hier überhaupt nicht die Realitäten. In der Welt, wie sie sich leider darstellt, gibt es eine 99% Wahrscheinlichkeit, dass der Täter Verbindungen zum Islamischen Staat oder ähnlichen Terrororganisationen hat. Das bedeutet aber nicht, dass mein Nachbar, der Postbote oder der nette Mann, der immer so freundlich grüßt, sie auch haben muss, nur weil er „nach Meinung gewisser Zeitgenossen anders“ ist. Ist er wirklich anders?

Das bringt mich zurück zu Nora und ihrem Beitrag. Sie schreibt von Brücken zwischen den Menschen, die man überwinden kann. Ich stelle mich an ihre Seite und sage: Lasst uns Brücken bauen! Und lasst uns das unsrige tun, um sie zu stärken.

Die Hauptperson in meinem Roman „Der Morgen danach“ ist ein Mann mit kahlrasiertem Schädel, martialischem Aussehen und fragwürdigem Hintergrund. Doch als er in eine Notlage gerät ist der erste, der ihm hilft, ein türkischer Mitbürger. Weil die beiden es schaffen, eine Brücke miteinander zu bauen.

Vielen Dank, Nora, für deinen tollen Beitrag!

Nora Bendzko - Autorin, Sängerin & Lektorin

Eigentlich wollte ich heute nur zwei wundervolle Rezensionen verlinken, die mich in den letzten Tagen zu »Wolfssucht« und »Kindsräuber« erreicht haben. Manchmal werfen aber unvorhergesehene Dinge den Posting-Plan durcheinander. So eine Diskussion in den großen deutschen Leserforen aus Facebook, die seit gestern die Gemüter die erhitzt. Es ging um eine bestimmte Autorin, wiederholt fremdenfeindliche Postings, Leute wurden geblockt und beleidigt, es kam unausweichlich zum Shitstorm und zu dem Aufruf: #bloggergegenrechts

Was genau ist passiert?

Eine Gay Romance und Fetisch/ BDSM Autorin, die ohnehin schon wegen rechtsrechten Postings auffiel, schlug mit einem neuen Post dem Fass den Boden aus. Ich nenne bewusst keine Namen, denn es geht mir um die Materie und nicht um öffentliche Anprangerung. Wer da mehr wissen will, der schreibe mir privat für Namen, Links zu Screenshots, etc.

Kurz die Highlights ihres Postings: Sie schrieb, neulich im Kaufland gewesen zu sein, der »zu einem Ghetto verkommen« wäre. Betont…

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Lange Tage und angenehme Nächte: Gedanken zu einer kommenden Romanverfilmung

Vorsicht, der folgende Beitrag könnte Spuren von Genöle eines halbwegs enttäuschten Fans enthalten.

Diejenigen unter euch, die mit den Worten vor dem Doppelpunkt etwas anfangen können, werden schon wissen, worum es mir im heutigen Beitrag geht. Für alle anderen kommt hier ein wenig Basiswissen 🙂 .

Bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts begann der Autor Stephen King damit, eine Reihe von Kurzgeschichten zu schreiben, die lose durch die Person eines Mannes miteinander verknüpft waren. Bei diesem Mann handelte es sich um Roland, den letzten Revolvermann in einer Welt, die sich weitergedreht hat. Irgendwann kam jemand auf die geniale Idee, diese Geschichten zu bündeln und in einem Buch zusammenzufassen. Der Rest ist ebenso Legende wie der erste Satz dieses Buches:

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.

Gemessen an dem, was King bis dahin geschrieben hatte, war das Buch anders. Es schreckte einiger seiner Leser ab, war für viele andere aber ein echter Erfolg. Und da King weitere Ideen aus der Welt des Revolvermannes kamen, folgten auf „Schwarz“, wie der Roman im deutschen heißt, weitere Bände.

Bald wussten die Leser, dass das Ganze auf ein Ziel zusteuerte, nämlich auf den Dunklen Turm, eine Art zentraler Achse vieler Welten und Dimensionen. Und die Leser mussten erfahren, dass es Kräfte gab, die nichts sehnlicher erreichen wollten, als den Einsturz dieses Turmes.

Roland war derjenige, der sich, zusammen mit einigen Gefährten, die er sich im zweiten Band, „Drei“, rekrutierte, diesem Ansinnen entgegen stellte.

Stephen King machte nie einen Hehl daraus, dass die Reise zum Dunklen Turm für ihn zu einer Art Hauptwerk geworden war. Und so gab es selbst in den Romanen, die rein äußerlich nichts mit dem Turm-Zyklus zu tun hatten, immer wieder Anspielungen auf das Epos, das schlussendlich aus sieben Romanen plus einem nachträglich eingefügten achten Teil bestand.

Da die Romane um den Dunklen Turm außerdem bald schon zu Kings erfolgreichsten Werken zählten, gab es recht bald Gerüchte um eine in Planung befindliche Verfilmung. Um genau zu sein, gibt es kaum ein Hollywoodstudio, das in den letzten Jahrzehnten nicht damit in Verbindung gebracht wurde und es wurden eine ganze Reihe von teils sehr prominenten Regisseuren und Schauspielern genannt, die angeblich schon sehr konkret an dieser Verfilmung arbeiten sollten.

Doch dann geschah lange gar nichts. Bis dann, im letzten Jahr, Sony Pictures ankündigten, jetzt endgültig den Film, oder besser wohl eine Reihe von Filmen, ankündigten.

Und damit komme ich nach der langen Einleitung zu dem, was ich sagen wollte.

In dieser Woche wurde der erste Trailer des Films auf deutsch veröffentlicht, den ich mir natürlich angesehen habe. Vorab hatte ich schon die eine oder andere Personalentscheidung mit einer hochgezogenen Augenbraue zur Kenntnis genommen. Roland, der Revolvermann, wird von Idris Elba gespielt, den ich als Schauspieler sehr schätze. Allerdings ist er, nun ja …

Stephen King hat selber oft genug angegeben, dass die Person, die er vor Augen hatte, als er Roland schuf, der Clint Eastwood aus den Western war, denen dieser seinen Stempel aufgedrückt hatte. Nun ist der gute Clint inzwischen natürlich zu alt, um die Rolle zu spielen. Aber ehrlich: Inwiefern ähnelt Elba Clint Eastwood?

Und der Mann in Schwarz, einer der gefürchtetsten Gegenspieler des King’schen Universums wird von Matthew McConaughey dargestellt, der inzwischen zwar von der Romanze ins Charakterfach gewechselt ist, aber auch nicht wirklich Evil Incorporated verkörpert.

Aber gut, das alleine soll ja noch nichts aussagen. Deswegen ging ich frisch und unvoreingenommen an den Trailer heran – und muss sagen, dass ich gar nicht weiß, was ich jetzt dazu sagen oder davon halten soll.

Auch wenn vorher bekannt war, dass keine werkgetreue Verfilmung der Romane vorgenommen werden soll, sondern es sich mehr um so eine Art Sequel handelt, frage ich mich doch, wieso man den Geist der Vorlage an manchen Stellen so weit verbiegen musste, dass es schon wehtut, dem Material zuzuhören, das so überanstrengt wird.

Der Film nimmt sich Elemente aus den Büchern und kombiniert sie mit einer erfundenen Handlung. Okay, man könnte auch sagen: Hey, ein Hollywoodfilm, der sich nicht an die dahinter stehenden Romane hält! Stoppt die Druckerpressen, das muss auf Seite eins!

Aber ich verstehe es trotzdem nicht. Und gerade in diesem Fall nicht.

„Der dunkle Turm“ ist kein Abenteuerroman. Es ist auch kein Roman, in dem es um mystische Zaubereien ginge. Das alles sind vielleicht Randaspekte, aber im Wesentlichen handelt es sich um eine reinrassige Dystopie! Und davon, von diesem weltengefährdenden Element, bringt mir der Trailer viel zu wenig. Dafür bekommen wir CGI-Monster, die aussehen, als habe Peter Jackson sie im Schlussverkauf beim Hobbit rausgehauen.

Und was soll das, dass Roland offenkundig weite Teile der Handlung in unserer Welt verbringt? Gut, auch in den Romanen kommt er für kurze Episoden hierher. Aber er ist jemand, der seine Welt wieder in Ordnung bringen will. Der Turm steht in seiner Welt. Was macht er also hier?

Mit der Rolle, die der Junge Jake im Trailer spielt, fange ich lieber gar nicht erst an. Denn da ist fast gar nichts mehr stimmig zu der ambivalenten Chemie zwischen den beiden Romanfiguren.

Mir ist bewusst, dass ich wie ein enttäuschter Fanboy klinge. Ja, gut, das kann ich nicht einmal abstreiten. Aber ich werde es nie verstehen, wieso es Hollywood nicht hinbekommt, eine Vorlage, die Millionen von Fans hat, einfach so zu … ja, was denn!? Zu verunstalten? Zu demontieren? Zu ignorieren?

Halt, hier will ich nicht voreilig voreingenommen sein. Denn bis jetzt kennt man aus dem Film ja nicht mehr als diesen Trailer. Auch wenn dieser schon deutlich erkennbar macht, dass auch diese King-Verfilmung wieder den Malus haben wird, den viele Verfilmungen zuvor schon hatten: Sie sind nur bedingt Verfilmungen des Romans.

Ich habe den Verdacht, dass man, nachdem man sich immer und immer wieder fragte, wie man es denn hinbekommen könnte, die Romane werkgetreu zu verfilmen, irgendwann zu dem Entschluss gekommen ist, es jetzt einfach irgendwie zu machen, damit man mal vorwärts kommt.

Ach, ich weiß es auch nicht. Ich werde es einfach abwarten müssen, so wie alle anderen Fans mit mir, die von diesem Trailer enttäuscht worden sind. Und wer weiß, vielleicht haben wir uns am Ende ja alle geirrt, sagen den Machern der Filme unseren Dank und tun Buße für unsere Skepsis.

Die Zeit wird es zeigen. Wenn die Welt sich nur noch ein ganz klein wenig weitergedreht hat.

Und hier noch der Trailer, über den ich die ganze Zeit schreibe:

Reblog: Heute ist Sperrmülltag für das Wörtchen „nur“

Ich gehe mit den teils sehr harten und auf den Punkt formulierten Aussagen von Michaela Stadelmann, bei mir auf dem Blog auch unter ihrem Pseudonym Mikaela Sandberg mit einer Rezension zum Roman „Schweig still“ vertreten, ja längst nicht immer konform. Muss ich auch nicht, denn was gibt es Schöneres als unterschiedliche Standpunkte einnehmen zu dürfen?

Aber in diesem Fall möchte ich eigentlich bei jedem Satz applaudierend aufstehen und jubelnd die Faust in den Himmel recken!

Es ist leider immer noch ein Charakteristikum vieler „Nachwuchsautoren“ (wo wächst da was nach?), dass sie sich mit den ganz Großen vergleichen oder vergleichen lassen:

»Ich habe zwar veröffentlicht, aber ich habe nicht so viele Bestseller wie xy.«

»Ich habe zwar einen Roman veröffentlicht, aber nur auf eigene Faust, weil ich keinen Verlag gefunden habe.«

»Ich habe erst einmal nur von dem geschrieben, was ich kenne, weil ich mir etwas anderes nicht zutraue.«

»Ich habe nur Fanfiction geschrieben, weil mich eine eigene Geschichte nicht so gereizt hat.«

Ihr seht, wenn man einmal das Fass ansticht, so wie Michaela es getan hat, dann kommen da eine ganze Menge „nur“-Sätze heraus. Und die meisten von ihnen eitern heftig.

Wenn wir Autoren uns auch immer wieder, wie Michaela richtig schreibt, Bewertungen von außen ausgesetzt sehen, so sollten wir doch endlich damit anfangen, uns selbst und unsere Kolleginnen und Kollegen als das zu begreifen, was wir sind: erschaffende, schöpferische, sogar (ja, ich verwende das Wort) künstlerische Menschen!

Also lest den Artikel, teilt den Gedanken. Und dann lasst uns alle diesen Tag zum Sperrmülltag erklären. Wie passend ist es da, dass gleichzeitig auch Star-Wars-Day ist: May the forth be with you!

Textflash - Mikaela Sandbergs unmögliche Autorenseite

Sätze, mit denen man sich klein macht:

  • Ich habe bisher nur Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht. Upgrade: Ich habe bisher nur eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlicht. Aber du hast was veröffentlicht!
  • Ich schreibe nur Fantasy / Krimis / Liebesromane / füge ein Genre deiner Wahl ein. Das bedeutet, du hattest eine Idee, du hast die Idee ausgearbeitet, du verfolgst diese Idee konsequent bis zu einem Punkt X, du hast dich mit allem, was du hast, in diese Idee hineingestürzt, kurz: Du hast den Mut gehabt, aus deinen Gedanken etwas Neues entstehen zu lassen.
  • Ich schreibe nur Lyrik. Weißt du, zu welchen lyrischen Höhenflügen die meisten Autoren fähig sind? Lies das: Himmel, Ar*** und Zwirn, man reiche dem Schreiber Hirn, der schreibt und nicht erkennt, dass Lyrik … Ja, und hier hört’s auf, weil mein Wortschatz mich im Stich lässt. Du schreibst Lyrik! Verdammt! Das ist die Königsdisziplin!
  • Ich schreibe nur…

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Die Türkei blockiert Wikipedia

Ja, dies wird wieder ein klein wenig politisch …

So langsam wird mir Angst und Bange, wenn ich mir anschaue, welche Blüten die Reaktionen auf den Umsturzversuch in der Türkei im vergangenen Jahr treiben. Was haben wir da nicht alles schon erlebt?

Wir hatten Massenentlassungen, wir hatten die Verhaftung von Journalisten (inländisch/ausländisch), wir hatten die Internierung von Schriftstellern. Viele deutsche Buchverlage, Redaktionen und Autoren haben sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen dort solidarisiert.

Heute hat es anscheinend, wie verschiedene Medien berichten (u.a. die Tagesschau), einen neuen unrühmlichen Höhepunkt der Zensurmaßnahmen gegeben. Die Türkei blockiert das Onlinelexikon Wikipedia.

Die Gründe hierfür sind noch sehr spekulativ. Es wird gemutmaßt, dass sich kritische Stimmen gegen die Regierung des Landes dort finden lassen sollen, beziehungsweise dass nach Ansicht der türkischen Regierung das Lexikon benutzt wird, um Meinungsmache zu betreiben.

Was bedeutet das?

Nun, aus meiner Sicht bedeutet es, dass es der türkischen Regierung inzwischen relativ egal ist, welchen Eindruck ihre Politik auf andere macht. Mit der Sperrung einer Seite wie der Wikipedia, so sie denn wirklich durchgezogen wird, bestätigt man doch genau die Eindrücke, gegen die man sich eigentlich verwahren möchte: Nämlich, dass die Türkei, nicht zuletzt auch durch das umstrittene Referendum, auf dem Weg in die Diktatur ist.

Ich persönlich bin weit davon entfernt, solche Begriffe anzuwenden. Nicht, weil ich nicht die Parallelen sehe, sondern weil ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass dies das ist, was das Gros der türkischen Bevölkerung wirklich will oder akzeptieren würde. Ich kenne sogenannte „Deutschtürken“, sowohl mit also auch ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Da war und ist niemand dabei, den ich für einen Gegner der Demokratie halten würde. Und ich kenne eine türkische Metropole wie Istanbul und weiß, wie offen sich diese Stadt gegenüber Fremden gibt.

Aber da ist eben auch die andere Seite. Begriffe wie „Präsidialdiktatur“, „Zensur“ und „Regimekritiker“ haben gerade in einem Land wie dem unseren (zu Recht) einen sehr schlechten Beigeschmack.

Das stärkt noch meine Ansicht, dass es eine gewisse „mir doch egal“-Mentalität in der türkischen Spitzenpolitik gibt. Denn auf eine Stufe mit den gerade assoziierten Strukturen will sich doch eigentlich niemand freiwillig stellen lassen, oder? Genauso wenig, wie ich es mir erstrebenswert vorstelle, in eine Reihe mit anderen Ländern gestellt zu werden, die den Zugang der Bevölkerung zu freien Informationen einschränken. Nordkorea ist da nur das prominenteste Beispiel.

Nein, liebe Türkei, liebe Türken, ich glaube nicht, dass ihr, dass du das wirklich willst. Aber was muss erst noch passieren, damit ihr, damit du einsiehst, dass der Weg, der hier eingeschlagen wurde, ein Weg mit möglichem gefährlichen Ausgang ist?

Quo vadis, Türkei?

Linktipp: Andreas Eschbach und die Papyrus-Stilanalyse

Ich bin auf der Internetseite des Bestsellerautors Andreas Eschbach auf eine sehr gute Beschreibung zur Vorgehensweise bei der Arbeit mit Papyrus Autor und hier insbesondere der Stilanalyse gestoßen.

Ich bin ja selbst glücklicher Besitzer dieses Programms und muss leider sagen, dass mich diese Analyse immer ein wenig abgeschreckt hat. Wenn man das erste Mal sieht, wie der eigene Text sich auf einmal in vielen, vielen bunten Farben darstellt, kann das schon ein wenig entmutigend wirken.

Umso glücklicher bin ich über zwei Dinge, die ich in dem Artikel von Eschbach sehen durfte:

Zum einen geht es mir nicht anders als dem Bestsellerautor, denn auch sein Text wird farbig, sobald er die Stilanalyse einschaltet. Außerdem werden bei ihm genauso wie bei mir Textteile angemahnt, durchgestrichen oder infrage gestellt.

Und dann, zum zweiten, beruhigt mich die Tatsache, dass Eschbach es nicht anders macht, als ich es an manchen Stellen auch machen würde. Denn er entscheidet für sich, dass die Änderungen, die ihm da angezeigt werden, nicht das beste sind, was er für seinen Roman erreichen kann oder will.

Mir wurde beim Lesen dieses Artikels erst wieder so richtig bewusst, was Papyrus eigentlich ist, nämlich eine Software, die auf der Grundlage von Algorithmen und Parametern versucht auszuwerten, was lesbarer Stil ist und was nicht. Es kann weder in seinem Textverständnis noch in seiner Präzision den Blick eines geschulten Menschen ersetzen.

Andreas Eschbach beschreibt, dass er für die Umsetzung der Informationen, die Papyrus ihm gibt, nur sehr wenig Zeit benötigt. Nun muss man dazu sagen, dass er insbesondere an der Stilanalyse in nicht unerheblichem Maße mitgewirkt hat, er also einen etwas anderen Blick darauf haben dürfte, als ich oder die meisten anderen Autoren ihn haben. Aber ich kann nachvollziehen, was er schreibt und was er zur Arbeitsdauer ausführt. Damit besteht zumindest eine Chance, dass ich irgendwann auch dazu komme, vor der Analyse meines Schreibstils nicht in Ehrfurcht zu erstarren, sondern dieses mächtige Tool zu nutzen, um meine Texte (noch) besser zu machen.

Jetzt habe ich doch wieder mehr geschrieben, als ich eigentlich wollte, denn der Artikel, den ich euch hier verlinke, ist schon lang genug. Aber ich hoffe, ihr habt noch ein wenig Leseausdauer übrig. Es lohnt sich!