Der Sonntagsreport vom 14.01.2018: Viele Baustellen

Hallo zusammen,

es ist mal wieder Sonntag und damit Zeit, zumindest ein wenig ein Streiflicht auf das zu werfen, was im Augenblick so ansteht. Und irgendwie habe ich das Gefühl, von Baustellen umgeben zu sein. Was ich nicht nur in Hinblick auf die ganz realen Baustellen hier in unserem Haus meine.

Aber fangen wir mit denen ruhig mal an, denn wir haben eine ziemlich bewegte Woche hinter uns, in der nicht nur das Zimmer meiner Frau quasi in den Urzustand zurückversetzt wurde, sondern obendrein auch noch unser Badezimmer eine, wenn auch geplante, Baustelle war. Die Duschkabine wurde entfernt, die Wand neu gekachelt und jetzt warten wir „nur“ noch darauf, dass irgendwann die zur neuen Duschtasse passenden Wände geliefert und montiert werden.

Also jede Menge Schutt und Asche, auf die man diese Woche seinen Blick werfen konnte. Leider geht mir, ganz im Gegensatz zu meiner Frau, die Ruhe und die Gelassenheit im Umgang mit solchen Dingen völlig ab. Man stelle sich mal vor: Sie fand es sogar ganz entspannend, den Fensterausschnitt großflächig neu zu verputzen! Da verkrieche ich mich lieber unter den Schreibtisch und schaue mal nach, wie der von da unten betrachtet aussieht.

Aber gut, was gemacht werden muss, muss gemacht werden. Und wenn ich jetzt schon anfangen würde, am Rad zu drehen, dann will ich besser nicht wissen, wie es mir ergeht, wenn dann anschließend irgendwann mein Zimmer an der Reihe ist.

Apropos „mein Zimmer“. Zwischendurch stand auch mal zur Debatte, mein Zimmer und das meiner Frau gegeneinander zu tauschen. Eine Entscheidung, mit der ich mich nicht leicht getan habe. Zwei Tage habe ich hin und her überlegt und als ich gerade so weit war, dem ganzen zuzustimmen, zog meine Frau eine neue Variante aus dem Ärmel, die den Umzug unnötig macht.

Solche Dinge können mich durchaus stressen. Aber auf diese Weise muss ich wenigstens nie lange nach neuen Belastungserprobungen suchen, von denen ich hinterher meinem Therapeuten erzählen kann 😉 .

Lassen wir jetzt die Steine und die Farbe hinter uns und kommen zu dem, um was es hier ja eigentlich geht: das Schreiben. Leider ist die letzte Woche, die so verheißungsvoll gestartet war, dann doch mit einer ziemlich schwachen Bilanz zu Ende gegangen. Ich bekomme im Moment einfach keine Kontinuität in meine Arbeit hinein und ich überlege krampfhaft, woran das liegt.

Ist es vielleicht das falsche Projekt, an dem ich arbeite? Oder gehe ich falsch an die Sache heran? Setze ich mir vielleicht gar zu wenige konkrete Ziele?

Im Moment sieht es so aus, dass ich, eigentlich gerne jeden Tag wenigstens eine Seite in PapyrusAutor schreiben würde. Das sind „nur“ 500 Wörter und damit wirklich nicht viel. Aber man hört ja immer und immer wieder, dass es besser ist, jeden Tag ein wenig und das kontinuierlich zu schaffen, anstatt einmal alle paar Tage richtig ranzuklotzen.

Es klappt nur leider weder das eine noch das andere richtig. Gut, heute habe ich 1.500 Wörter geschrieben, was ganz okay ist. Aber für die ganze Woche stehen damit eben auch nur knapp 2.000 Wörter auf dem Tableau. Wenn ich jeden Tag die 500 Wörter schriebe, wären es 3.500 Wörter. Der Zeitaufwand pro Tag würde sich auch gerade mal auf etwa zwanzig Minuten belaufen. Nicht viel mehr.

Eigentlich doch nun wirklich nichts, was sich nicht auch noch nach der Arbeit und sogar parallel zu allen möglichen Renovierungsfragen erledigen ließe. Aber im Moment anscheinend doch zu viel.

Es ist einfach frustrierend, dass solche Phasen immer und immer wieder auftreten. Da könnte doch langsam mal jemand eine Pille gegen erfinden, oder? Das müsste doch möglich sein. Und wäre ein solcher Verkaufsschlager, dass sich alle Entwicklungskosten rechnen würden.

In meinem nächsten Leben werde ich vielleicht Pharmazeut in einem großen Konzern. Dann besorge ich mir ein Patent auf so eine Pille und werde schweinereich. Das Geld nutze ich dann – um ganz viel Zeit zum Schreiben zu haben *g.

Problematisch ist halt, dass Zeit, Motivation, Inspiration und Geschick sich zur selben Zeit an einem Punkt des Raumes treffen müssen. Der Mensch, der sich in diesem Augenblick dort befindet, hat dann im wahrsten Sinne eine Erleuchtung und kann alles erreichen, was er sich im Moment vornimmt.

Aber ich will nicht jammern. Erfahrungsgemäß kommen irgendwann auch wieder bessere Zeiten. Für unser Haus wie für mein Schreiben. Wie für alles andere.

Okay, kommen wir zum Ende. Um den ganzen Staub, der bei so einer Renovierung nicht ausbleibt, aus dem Kopf zu pusten, sende ich euch noch ein wenig Musik hinten drein. Bitte laut stellen!

Habt noch einen schönen Sonntag!

Euer Michael

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Der Sonntagsreport vom 19.11.2017: Kein zurück

Gestern Abend war ich mal wieder auf einem Konzert. Und zwar gab sich der Sänger Peter Heppner in Krefeld anlässlich seines dreißigjährigen Bühnenjubiläums die Ehre.

Würdet ihr mir vorneweg bitte bestätigen, dass irgendwer von euch (noch) weiß, wer Peter Heppner ist? Denn als ich meiner Kollegin (26), mit der ich mir das Büro teilte, den Namen nannte, wurde ich nur fragend angeschaut.

Ich helfe mal auf die Sprünge: Ab 1987 spielte Heppner sich zusammen mit seinem Partner Markus Reinhardt unter dem Bandnamen Wolfsheim zunächst in die Herzen der Synthie-Pop-Freunde. Frühe Szenehits wie „The Sparrows And The Nightingales“ fanden auch Zugang zu weiteren Hörerkreisen. Der Durchbruch für Heppner kam allerdings erst mit einer der zahlreichen Kollaborationen, die er mit anderen Künstlern eingegangen ist.

1998 erschien „Die Flut“, das Gemeinschaftswerk von Peter Heppner und Joachim Witt, das sensationell bis (fast) an die Spitze der deutschen Single-Charts geschossen ist. Hiervon profitierte auch Heppners Hauptband erheblich, bis hin zum Lied „Kein zurück“, das 2003 für insgesamt zehn Wochen in den deutschen Top Ten war und schließlich mit Gold ausgezeichnet wurde.

Kurz darauf trennten Wolfsheim sich und Heppner machte, mit leider geringerem kommerziellen Erfolg, solo weiter. Sein prägnantes Organ wird und wurde jedoch auch weiterhin von anderen Künstlern gerne als Ergänzung zu eigenen Songs verwendet. Bis heute hat Heppner unter anderem mit Künstlern wie Nena, Camouflage oder auch Schiller gearbeitet.

So, wer sich jetzt noch nicht erinnert, ist wahrscheinlich wirklich nicht dabei gewesen. Aber gut, eigentlich soll es auch nur am Rande um die Musik gehen, auch wenn der Beitrag bis jetzt einen anderen Eindruck gemacht haben sollte. Tatsächlich geht es nämlich um eine Botschaft, die in einigen von Heppners Songs zum Ausdruck kommt – was mir allerdings erst gestern wieder so richtig bewusst wurde.

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

Eigentlich sind diese Worte eine große Hülse aus Gedanken, die man in anderen Konstellationen schon oft gehört hat. Konzepte der Achtsamkeit, der bewussten Wahrnehmung, sie alle bauen auf den dahinter liegenden Gedanken auf. Wenn man so will, gehen sogar alte Bauernregeln wie „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ in die gleiche Richtung.

Was mich an dieser Passage, ebenso wie am ganzen Konzert, jedoch mehr gepackt hat, als ich es voraussah, war das Gefühl, irgendwie an einem ähnlichen Punkt in meinem Leben zu stehen.

Ich habe diesen Traum, den Traum vom eigenen Buch. Das wisst ihr alle, so steht es im Titel. Und ich habe mich gefragt, ob ich nicht in gewisser Weise auch diesen Traum immer mehr vor mir her schiebe. Klar, auch diese Frage an mich selbst ist jetzt alles andere als neu oder originell. Ändert aber nichts daran, dass sie legitim ist und gerade dann, wenn sie sich immer wieder aufdrängt, nach Beachtung giert.

Ohne dem Ganzen eine Lächerlichkeit geben zu wollen, die ihm nicht angemessen ist, habe ich mich schon mal gefragt, ob es sich vielleicht um eine Art der Midlifecrisis handelt, die ich mir eingefangen habe. Ich bin Anfang Vierzig, mit einiger Wahrscheinlichkeit bin ich halt irgendwo um die Halbzeit meines Lebens. Andere Männer (und manche Frauen) kaufen sich in dem Alter einen dicken SUV, weil es zum Sportwagen rein geldtechnisch nicht reich. Manche suchen sich irgendeine Liebschaft, um sich wieder jung zu fühlen.

Das liegt mir beides fern, denn das, was ich eigentlich machen will, tue ich ja schon ganz, ganz lange Zeit: ich schreibe. Denn auch das wurde mir bewusst, als ich gestern Abend lange Zeit auf diesen Bühnen-Backdrop schaute. 1987 war auch das Jahr, in dem ich mich zum ersten Mal an meinen Computer gesetzt habe und die Absicht hatte, dass am anderen Ende eines Prozesses ein Roman dabei herauskommt. Peter Heppner steht dieses Jahr 30 Jahre auf der Bühne und ich sitze 30 Jahre an der Schreibmaschine.

Es geht mir nicht um den Vergleich, was ein anderer Mensch bereits erreicht hat und was ich nicht erreichte. Denn dann dürfte ich mich in Anbetracht so vieler engagierter und ambitionierter Autoren, die ihre Erstlinge teils schon vor ihrem zwanzigsten Geburtstag veröffentlichten, gar nicht mehr ins Internet wagen. Es geht höchstens um ein Thema wie stringente Vorgehensweise.

Aber auch an dem habe ich mich an dieser Stelle bereits oft genug abgearbeitet, denke ich. Es wird schwer, dem noch neue Aspekte abzugewinnen. Und langweilen möchte ich euch, liebe Freunde, ja auch nicht.

Jedenfalls stand ich gestern in dieser Konzerthalle, vom strömenden Regen draußen (trotz Schirm) stellenweise bis auf die Haut nass, und erlebte einen seltsamen Gefühlsmix aus Nostalgie, Ergriffenheit, Melancholie und Hoffnung. Denn es ist ja nicht so, dass es keine Möglichkeiten zur Veränderung gäbe. Die gibt es immer. Ich muss „nur“ meinen Hintern hoch bekommen und dann sind alle Dinge möglich, die ich brauche, um meinen Traum zu verwirklichen. Ganz einfach. Es liegt alleine an mir.

Für dieses Gefühl hatte Heppner übrigens auch ein passendes Lied im Gepäck:

Alleinesein, Alleinesein
Heute bin ich einfach mein
in vertrauter Einsamkeit
Alleinesein, Alleinesein
Heute bin ich mir genug
und das tut auch mal ganz gut

Also, was bleibt übrig, abgesehen von einem tollen Konzertabend, der einer Zeitreise glich, einem neuen T-Shirt im Schrank und, wenn ich Pech habe, dem nächsten Schnupfen wegen Kühle und Nässe beim Warten vor der Halle?

Ich denke, dass das Konzert ein weiterer Baustein sein kann auf meinem Weg, mich aus der Tiefe meines „ich kriege nichts gebacken, ich kann nicht schreiben, ich kann mich nicht bewerben, ich kann mimimimimi“ raus zu arbeiten. Inzwischen bin ich nicht mehr so vermessen zu glauben, dass irgendwas in irgendeiner Form eine alleinige Initialzündung sein kann. Wenn es nicht einmal das Gefühl von „du hast nur noch soundso viele gute Jahre vor dir“ kann, was denn dann 😉 ?

Nein, inzwischen glaube ich, dass man den Dingen seinen Lauf lassen muss. Dass man sich die Steine suchen muss. Als ob man aus einem riesigen Haufen von Puzzleteilen die sucht, aus denen sich ein Bild ergibt. Es bringt nichts, den Haufen immer wieder wild in die Luft zu werfen und zu hoffen, dass man deswegen auch nur einen einzigen Schritt schneller zu seinem Ziel kommt. Es braucht Ausdauer, es braucht Geduld, es braucht Ruhe und den Mut zur Langsamkeit.

Ich brauche den Mut zur Langsamkeit!

Oder, um es mit Heppner zu sagen:

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
es gibt kein Weg zurück

Also, gehen wir vorwärts. Und ich würde mich freuen, wenn ihr mich weiter auf meinem Weg begleitet!

Alles Liebe

Michael

In die richtige Zeit versetzt

Seit gestern kümmere ich mich mal wieder um eine Kurzgeschichte, die ich nur am Wochenende (sprich: zu Hause) schreiben kann. In den letzten Wochen hatte ich sie ein wenig aus den Augen verloren, weil ich mir sehr bewusst bin, dass ich nur an ihr arbeiten sollte, wenn ich mich in der richtigen Stimmung, der richtigen Verfassung und dem richtigen Geisteszustand befinde. Denn, wie ich ja schon mal berichtete, „Das Kind“ (Arbeitstitel) ist kein leichter Stoff.

Die Geschichte macht es mir zusätzlich nicht ganz leicht, weil sie, im Gegensatz zu beinahe allen meinen anderen Arbeiten, im Präsens geschrieben ist. Diese Entscheidung habe ich bewusst gewählt, weil so die Distanz zwischen dem Leser und den Akteuren merklich geringer ist. Man erlebt direkter mit, was ihnen widerfährt und wie es ihnen dabei ergeht.

Ich merke allerdings, dass ich mich hochgradig konzentrieren muss, um diese Zeitform durchzuhalten. Es passiert mir sehr leicht, manchmal wirklich mitten im Satz, dass ich in die Vergangenheitsform abrutsche. Das liegt zum einen an der enormen Gewöhnung, die man einfach inzwischen daran hat. Und zum anderen, weil ich gerade in einer Passage bin, in der es sehr wenig Dialog gibt und lange Beschreibungen vorherrschen: Ein Mann huscht durch einen verschneiten polnischen Wald, weil er glaubt, ein leises Wimmern gehört zu haben.

Das ist keine Situation, in der es um Paukenschläge geht. Da geht es um die leisen Töne, um Angst, um Zweifel und, vielleicht, auch um Mut. Zumal der Mann ahnt, dass sich knapp außerhalb „seiner Welt“ ein gewaltiges Verbrechen abspielt und es unter allen Umständen vermieden werden muss, in diese andere Welt Einsicht zu nehmen.

Die Arbeit geht trotzdem gut voran und ich bin auch vom Ton, den die produzierten Seiten haben, sehr angetan. Es ist schwierig, die richtige Tonart zu treffen: nicht zu schwer, nicht zu leicht, nicht zu bedeutungsschwanger, nicht zu lakonisch.

Eigentlich kann ich nur an meinen eigenen Ansprüchen scheitern. Aber ich denke mir, ich versuche es mal.

Um mich noch besser in die richtige Zeit und die richtige Stimmung versetzen zu können, habe ich es heute außerdem noch einmal mit der passenden musikalischen Untermalung probiert. Und zwar habe ich zum Soundtrack des Spielfilms „Der Pianist“ gegriffen, der in der Hauptsache aus Klaviereinspielungen von Chopin-Stücken besteht.

Falls ihr den Film nicht kennt (dringend nachholen!): In ihm geht es um das Leben des polnischen Juden Wladyslaw Szpilman, der es unter abenteuerlichen Bedingungen und durch die Musik geschafft hat, den Holocaust zu überleben. Eine sehr bedrückende, gleichzeitig aber auch imposante Geschichte. Adrien Brody hat für die Darstellung Spilmans zurecht den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen.

Um euch einen Einblick in die Stimmung und die Musik zu geben, habe ich aber hier ein Stück für euch ausgewählt, das der echte Wladyslaw Szpilman im hohen Alter eingespielt hat.

Eigentlich habe ich es ja nicht so mit klassischer Musik, aber ist das nicht einfach wunderschön?

Isotype – Emoji – Sprache

International System oTypographic Picture Education
(Isotype)

Klingt das kompliziert, oder klingt das kompliziert? Ich muss jedenfalls gestehen, dass ich mir zunächst nichts darunter vorstellen konnte. Es handelt sich bei Isotype also um ein internationales System bildhafter Erziehung. Aber wieso und warum?

Wikipedia gibt, wie meistens in solchen Fällen, Aufschluss. Demzufolge wurde das Isotype bereits in den zwanziger Jahres des letzten Jahrhunderts entwickelt und diente ursprünglich dazu, auch denen einen Zugang zu einer komplexeren Bildung zu ermöglichen, die aufgrund ihrer Stellung in der Gesellschaft oder anderer Hemmnisse keinen Zugang zur klassischen Schriftsprache finden konnten.

Dabei gaben sich die Entwickler des Isotype nicht damit zufrieden, einfach einen Katalog von Symbolen und Piktogrammen zu erstellen, sondern sie gaben ihrer neuen „Sprache“ auch eine Grammatik mit auf den Weg, so dass hier wirklich von einer eigenen Form sprachlichen Ausdrucks gesprochen werden kann, die kulturhistorisch irgendwo zwischen ägyptischen Hieroglyphen und modernen Straßenschildern liegt.

Man sollte meinen, dass das Isotype in unseren heutigen Zeiten keine große Rolle mehr spielt, weil inzwischen Bildung zum Glück ein Staatsauftrag ist und durch die Schulpflicht auch das Lesen und Schreiben auf eine gesellschaftlich breite Basis gestellt wird. Und in der Tat findet man heute entsprechende Grammatiken auch eher in Museen als in der tatsächlichen Anwendung.

Ich wäre wohl nie auf das Isotype aufmerksam geworden, wenn da nicht das gleichnamige Lied der Band Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD) wäre, in dem es sich um diese Kunstspreche dreht. „Dreht“ ist auch ein gutes Stichwort hinsichtlich des flankierenden Videos, in dem man auch einige Isotype-Symbole begutachten kann:

Allerdings kann man wohl sagen, dass wir, gerade in den letzten Jahren, wieder eine stärkere Hinwendung zu Aspekten der Bildsprache haben. Verantwortlich ist dafür, was auch sonst, das Internet.

Hand aufs Herz: Wem kommen beim Betrachten der Symbole des Isotype nicht unsere modernen Smileys und Emojis in den Sinn? Dienen sie nicht auch dazu, teils komplexe Worte oder Gefühlszustände in ein kurzes und prägnantes Bild zu transferieren?

Wozu das im Extrem führen kann, kann man jeden Tag in Millionen von Tweets sehen, die auf der Social-Media-Plattform Twitter abgesetzt werden. Oder in WhatsApp. Oder in Facebook. Teile unserer Gesellschaft sind heute scheinbar nicht (mehr) in der Lage, einen längeren Text ohne die Verwendung von Bildern zu schreiben.

Ich gebe zu, dass die Verwendung von Emoticons (um auch diesen Begriff noch gebraucht zu haben) einfach ist und auch eine Menge Spaß macht. Aber als „Ersatz“ für unsere Sprache möchte ich sie dann doch nicht sehen.

Und so ist auch der an Kraftwerk gemahnende Song der Liverpooler eher eine bittersüße Auseinandersetzung, wenn es im Text heißt:

All the words you used to write
Treasured spirits taking flight
Sovereign and now shining bright
All replaced by Isotypes

Also in etwa, dass alle geistreichen und gehaltvollen Worte, die man jemals geschrieben hat, durch Isotypes ersetzt werden könnten.

Ich finde, dass wir es, bei aller Liebe für die kleinen Gesichtchen und Symbölchen, nicht riskieren dürfen, dass unsere Sprache hierunter leidet. Die Gefahr sehe ich im Moment zwar noch nicht akut, aber wenn man hin und wieder auf die Displays von Smartphonebenutzern neben einem linst (ich kann nichts dazu, die sind alle kleiner als ich!), dann kann man schon sehen, dass es Ansätze gibt, akut zu werden.

Bis dahin halten wir aber doch an unserer Sprache fest und nehmen „Isotype“, den Song, einfach als das, was er ist: verdammt gut gemacht.

Ein Gefühl, dem ich (manchmal) hinterher schreibe

Ich muss euch einfach schon wieder mit meinem Musikgeschmack nerven. Es tut mir leid, aber ich habe sehr gute Gründe dafür. Denn mir ist heute wieder einmal bewusst geworden, wie sehr Musik und die Gefühle, die sie in mir auslöst, mit meinem Schreiben zu tun haben. Es gibt sie, diese Lieder, die in mir so starke Gefühle auslösen, dass ich mir wünschen würde, ich könne sie 1:1 in meine Geschichten übernehmen. Manchmal, wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu flach bin in dem, was ich schreibe, erinnere ich mich an den einen oder anderen Melodieverlauf und versuche, auf dieses Gefühl hinzuschreiben. Es für mich zu adaptieren und etwas eigenes daraus zu machen.

Manchmal müssen Lieder lange dafür in mir reifen, manchmal erwischen sie mich wie ein Paukenschlag.

So wie „Nach dem Sturm“ von Lacrimosa.

Über die Band selbst ist in den letzten 26 Jahren schon so gut wie alles negative und positive gesagt worden. Ich habe den Werdegang fast von Beginn verfolgt und mich mal mehr und mal weniger gut in der Musik wiedergefunden. Aber dass ich noch einmal so von den Socken gehauen werden würde wie von diesem Lied, das hatte ich nicht erwartet.

Ja, ich weiß, über den Gesang kann man streiten. Habe ich alles schon hinter mich gebracht. Und ja, die Gesten sind dieselben, über die man schon vor zwanzig Jahren geteilter Meinung sein durfte. Aber vor allem ja: Ich kenne nach wie vor keine Band, die die Melange aus klassischen Elementen und Rockmusik so symbiotisch hinkriegt.

„Nach dem Sturm“ ist Sehnsucht, ist Melancholie, ist aber auch Hoffnung, Geborgenheit, Erinnerung, vielleicht Liebe, vielleicht Verlust. Wer bei der klagenden Gitarrenlinie nicht wenigstens ein oder zwei der genannten Emotionen spürt, tut mir, ehrlich gesagt, ein wenig leid.

„Nach dem Sturm“ ist ein Gefühl, dem ich manchmal hinterher schreibe. Und eines Tages werde ich es genau so zu Papier bringen. Wenn es zu der Geschichte passt, die ich dann schreiben werde.

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Mein sommerlicher (Schreib-)Soundtrack

Wie ihr ja alle wisst, spielt Musik in meinem Leben eine große Rolle. Ich kann eigentlich so gut wie nicht ohne leben, selbst wenn es manchmal tagelang so ist, dass ich nicht dazu komme, wirklich Musik zu hören. Denn für mich bedeutet Musik hören, dass ich mir auch wirklich die Zeit dafür nehme, in die Stimmungen einzutauchen. Musik ist für mich erst dann wirklich gut, wenn sie mich emotional erreicht.

Das gesagt kann es also durchaus sein, dass ich zwar Radio höre, dass irgendwo sonst Musik dudelt, ich aber dennoch hinterher sagen würde, dass ich Musik nicht wirklich gehört habe.

Gemäß dieser Betrachtungsweise war der Sommer eigentlich nicht besonders ereignisreich. Ich habe zwar eine ganze Menge Musik gekauft (gebraucht zumeist) und auch gehört, aber ich kam nicht oft dazu, wirklich einzutauchen. Damit teilte Musik diesen Sommer das Schicksal mit vielen meiner anderen multimedialen Hobbies: Es kann eben im Zweifel immer nur eins zurzeit stattfinden. Und da hatten in diesem Jahr ausnahmsweise die Hörspiele mal wieder die Nase vorn.

Aber dennoch hat es sie gegeben, die Songs, die mich richtig gepackt haben und die es auf Heavy Rotation brachten (kennt man den Begriff heutzutage eigentlich noch!?).

Zum Schreiben habe ich dafür so gut wie keine Musik gehört. Es sei denn für Blogbeiträge. Ich kann nur mutmaßen, dass das auch wieder mehr wird, wenn ich wieder mehr schreibe und damit leichter die verschiedenen Zentren im Kopf voneinander trennen kann, die entweder schreiben oder Musik hören wollen.

Kann ja schließlich nicht sein, dass ich mir weite Teile des Backkatalogs von Jean-Michel Jarre und Vangelis sowie einiges an Soundtracks ganz umsonst gekauft habe, nicht wahr? 😉

Aber gut, nach vielen Worten, lasst uns langsam zur Musik kommen. Fünf Stücke habe ich euch herausgesucht.


Moby & The Void Pacific Choir – Silence

Zu Moby muss ich wahrscheinlich nicht viel erzählen, so lange ist der Mann schon im Geschäft. Doch nachdem er einige Jahre eher auf der sanften und melancholischen Welle ritt („Why Does My Heart Feel So Bad?“), hat er inzwischen seine wütende Seite gefunden. Und meine Güte, da kommt einiges an Energie zum Vorschein!

„Silence“ ist als Titel für diesen Song daher beinahe schon parodistisch zu verstehen.

Und das Beste ist, dass das aktuelle Album nach wie vor hier vollkommen legal und kostenfrei heruntergeladen werden kann!

The Birthday Massacre – The Lowest Low

Lange hat es gedauert, bis die kanadische Band rund um die mit einer elfenhaften Stimme gesegnete Sängerin Chibi ein neues Album auf den Markt gebracht hat und mir geht es wie immer: Ich habe mich noch nicht so richtig reingehört. Aber das kenne ich schon von allen anderen bisherigen Alben.

Und doch gibt es auch auf diesem Album dieses eine Lied, das ich einmal höre und das mich trifft wie ein Donnerschlag, direkt durch meine Haut und wahlweise in den Magen oder ins Herz. „The Lowest Low“ – gar nicht so weit unten, wie der Titel glauben machen will.

Kelly Clarkson – Breakaway

Ich habe es schon auf Twitter geschrieben: Das Schöne am älter werden ist, dass man heute, mit einigen Jahren Abstand, einige von den Popsongs, die man noch vor zehn Jahren aus Prinzip schlecht finden musste, als das anerkennen kann, was sie sind: Ziemlich gut gemacht und gar nicht so naiv-dümmlich, wie man immer geglaubt hat. Dabei hielt ich Kelly Clarkson immer schon für eine der besseren Vertreterinnen unter all den Pop-Hupfdohlen.

„Breakaway“ kommt, neben einer guten musikalischen Umsetzung, mit einem ziemlich guten Text daher, der von der Umsetzung von Wünschen handelt. Passt ja irgendwie auch zum Blog, oder?

Peter Schilling – 120 Grad

Der vielleicht seltsamste Gast in meiner kleinen Liste. Dazu muss ich sagen, dass ich damals in den Achtzigern sehr stark durch die ZDF-Hitparade sozialisiert wurde, was Musik angeht. Und zu Beginn der Achtziger hieß das auch, dass die Sängerinnen und Sänger der gerade heran galoppierenden Neuen Deutschen Welle große Popularität gewannen (jedenfalls bei mir, Dieter Thomas Heck sah das bekanntlich etwas anders).

Und zu denen gehörte auch Peter „Major Tom“ Schilling. Wobei ich, so stark sein größter Hit auch sein mag, sein zweites Album immer stärker fand. Inklusive seines Titelstücks. Lange Jahre jagte ich der Platte hinterher, die ich als Kind auf MC gehabt hatte, die mir dann kaputt ging, sie dann unter den „Mitbringseln“ meiner Frau wieder zu finden, bevor diese wieder kaputt ging. Dann gab es sie für eine Zeit lang als teuren Import (!) aus den USA.

Und jetzt stieß ich durch Zufall in einer dieser 5-CD-Boxen auf sie, die Warner Music regelmäßig bei Saturn & Co. für kleines Geld verkauft. Klar, dass ich sofort zuschlug. Und ziemlich dümmlich gegrinst haben muss, als ich sie mir endlich, endlich in guter Qualität anhören konnte!

Orchestral Manoeuvres in the Dark – The Punishment Of Luxury

Dieser Track ist quasi gecheatet, denn er ist noch gar nicht wirklich erschienen. Okay, als sogenannte „digitale Auskopplung“, aber ich halte nichts davon, wenn einfach ein einzelner Einzeltrack als Download angeboten wird.

Nach vier Jahren kommen OMD am 01.09. mit einem neuen Album und ihr Sound ist unverkennbar OMD – nur in modern. Ich bin sehr gespannt darauf, wie das ganze Album klingen wird.


Soviel also für heute mal wieder aus dem Land der Musik. Und ab morgen geht es hier wieder um Wörter, versprochen 😉 .

Der Sonntagsreport vom 13.08.2017 – Manchmal findet sich auch was wieder

Hallo zusammen!

Na, wie geht es euch? Habt ihr einen angenehmen Tag gehabt, bzw. ein angenehmes Wochenende? Meins war soweit ganz in Ordnung, wenn man davon absieht, dass ich mir wahrscheinlich meinen Schlaf-/Wachrhythmus vollkommen versaut habe, der in meiner ersten Arbeitswoche nach dem Urlaub schon für einiges an Bäh gesorgt hat. Na ja, das wird irgendwann schon wieder werden. Noch darf ich runde 30 Stunden Minus machen. Die Kollegin hat schon ins Spiel gebracht, was eigentlich passiert, wenn man zur Pensionierung Minusstunden hat. Na ja, das hat bei mir ja noch Zeit 😉 .

Ansonsten habe ich versucht, heute mal ein wenig Ordnung zu schaffen. Ich sitze ja immer noch in meinem Medienkeller und habe in meinem Rücken die Unmengen an Filmen und Büchern (ja, leider auch die wieder), die noch unsortiert in der Gegend herumstehen.

Angefangen habe ich damit, die nach meinem Geburtstag und dem anschließenden reBuy-Flash hinzugekommenen Blu-rays einzusortieren. Der nächste Schritt war, die noch verbliebenen Musik- und Hörspiel-CDs in Kartons zu räumen, um das nebenstehende Regal frei zu machen. Ich habe beschlossen, dass die CDs nun wirklich komplett das Feld räumen müssen. Ich höre sie schlicht und ergreifend nicht mehr. Alles ist digitalisiert und auf drei Festplatten und einem Cloudspeicher gesichert. Die physikalischen Datenträger taugen damit nicht mal mehr als Sicherungskopie.

So ändern sich die Zeiten …

Aber ich wollte ja erzählen, dass ich was wiedergefunden habe. Das war zum einen, relativ unspektakulär, ein schwarzer Stabilo-Fineliner. Ich mag diese Stifte und schreibe eigentlich ausschließlich mit ihnen, wenn ich es denn gar nicht vermeiden kann, mit der Hand zu schreiben. Ich habe auch immer eine Auswahl an verschiedenen Farben da. Die Älteren unter uns erinnern sich 😉 .

Eines Tages war nur der schwarze Stift verschwunden. Und genau von dem hatte ich nur noch einen übrig. Wie das so ist, manchmal ist man ja störrisch. Ich wusste nicht, wo der vermaledeite Stift gewesen ist, aber mir war klar, dass er irgendwo sein muss. Und deswegen habe ich mir keinen neuen gekauft. Bis – ratet mal – mir die Sache vor zwei Wochen zu doof wurde. Und heute finde ich das Ding dann wieder. Ganz unten links in meinem ehemaligen Hörspielregal. Ich weiß nicht, was der da zu suchen gehabt hat.

Jetzt liegt er jedenfalls wieder in der Schublade, wo er hingehört. Und wenn er wieder verschwindet, habe ich drei Brüder von ihm, um ihn zu ersetzen. So!

Aber ich habe in diesem Regal noch etwas gefunden, nämlich die Antwort auf eine Frage, die mich nicht gerade gequält hat, die mir aber doch auf die Nerven fiel. Und zwar habe ich bei einem meiner Kaufräusche bei reBuy den Roman „Blackout“ von Marc Elsberg gekauft. Weil er mich ansprach und weil er wirklich, wirklich günstig war.

Und das, obwohl ich mir irgendwie sehr, sehr sicher war, dass ich den Roman irgendwie schon hier herumstehen haben musste. Das sehr charakteristische Coverbild ließ eigentlich keinen Irrtum zu. Nur – ich fand das Buch nicht.

Ich kenne nun nicht unbedingt jeden Roman in jeder Edition, den ich hier stehen habe. Das würde ich bei allem guten Gedächtnis für solche Dinge nicht behaupten. Aber dieses Cover …

Heute fiel mir dann die Lösung des Rätsels in die Hand: Die gekürzte Lesung des Romans auf zwei MP3-CDs. An die konnte ich mich nun wiederum nicht erinnern, obwohl sie ja auch auf meiner Hörspielfestplatte liegt. Aber das Cover, das hatte sich mir dann wohl eingeprägt. Ich liebe es, wenn ich hinter solche Dinge einen Haken machen kann!

Dann hatten wir noch einen dritten Anlass zum Suchen und Finden. Meine Kiddies haben eine erklecklich große Kollektion an Playmobil-Spielsachen – und spielen nicht damit. Die Große ist einfach genau das, zu groß nämlich. Und die Kleine sagt, sie spielt nur noch mit LEGO. Und dann spielt sie auch nur noch mit LEGO. Da ist sie konsequent.

Also haben wir uns gedacht, dass wir die vorhandenen Sachen sortieren, auf Vollständigkeit überprüfen und dann irgendwie verkaufen. Kann ja nicht so schwer sein.

Jetzt hört schon auf zu lachen!

Natürlich ist das schwerer, als es sich anhörte. Ich habe heute eine runde Stunde damit verbracht, in einem Sammelsurium aus Krimskrams kleine Blüten zu suchen. Macht Spaß – nicht. Und es ist noch viel, viel mehr zu sortieren und zu suchen. Da freut man sich richtig drauf.

Aber gut, wenigstens war ich heute zweimal suchend erfolgreich. Das ist doch auch was, oder?

Ohne jeden Zusammenhang zum Thema möchte ich euch zum Abschluss noch ein Lied mit auf den Weg geben, das ich gestern nicht direkt gesucht habe, bei dem ich mir aber auch die Frage gestellt hatte, was die zugehörige Band eigentlich gerade so treibt. Und kaum schaut man nach heißt es, dass es in Kürze ein neues Album gibt und gerade eine Single veröffentlicht wurde.

Die Band heißt Kettcar und der Song „Sommer ’89 ( Er schnitt Löcher in den Zaun)“. Mich hat er berührt und jetzt denke ich nach, ob ich mir die im Frühjahr 2018 stehende Tour einplanen soll.

So, meine Lieben, vielleicht findet ihr ja auch noch irgendwas oder habt schon was Schönes gefunden. Lasst es mich doch einfach wissen. Und sonst wünsche ich euch, wie immer, einen guten Start in die kommende Woche. Macht was draus!

Euer Michael