Ich danke euch allen!

Ihr Lieben,

ich möchte gerne Danke sagen. Für die Genesungswünsche, die ihr mir da gelassen habt und für die Unterstützung, die ich spüre. Bitte seht es mir nach, dass ich nicht auf jeden Kommentar einzeln geantwortet habe. Ich habe sie alle gelesen und mich über jeden einzelnen gefreut. Aber im Moment bin ich im Wesentlichen auf mein Tablet angewiesen und ich werde wohl nie mehr jemand werden, der gerne an einer Bildschirmtastatur schreibt.

Deswegen habe ich mich auch entschieden, es vorerst ruhig angehen zu lassen. So insgesamt. Viele alltägliche Dinge strengen mich im Moment unglaublich an. Der ganze Körper scheint in eine Art Ausnahmezustand geraten zu sein. Vielleicht, um mit den Einschränkungen klar zu kommen. Vielleicht, um den Kopf, der mich mit den Schwindelanfällen, die ich zuletzt fast andauernd hatte, ja erst in diese Lage gebracht hat, wieder zu resetten.

Ein kleiner Teil von mir denkt, dass ich Zeit verplemper. Ich gehe im Moment nirgends hin, könnte also schreiben oder so. De facto lese ich im Moment sogar sehr wenig. Geht gerade irgendwie nicht. Und das, obwohl ich noch im September ein rundes Dutzend Romane gelesen habe.

Ruhezustand.

Irgendwo dazwischen.

Wahrscheinlich wird es bis Ende des Jahres dauern, bis ich wieder richtig mobil sein werde. Vielleicht sollte ich auch dem Kopf die Gelegenheit geben, wieder mobil zu werden. Irgendwann die Schraube zu entfernen, die die Platte an Ort und Stelle hält, die mich fixiert – und blockiert.

Ich weiß es nicht. Und möchte es auf mich zukommen lassen.

Sicher und gerne werde ich mich zwischendurch wieder bei euch melden. Es wäre schön, wenn ihr dann noch hier wärt.

Ansonsten wünsche ich euch, dass ihr gut in den nun endlich beginnenden Herbst kommt. Geratet nicht ins Stolpern und haltet euch auf den Beinen.

Passt auf euch auf!

Alles Liebe und noch einmal Danke!

Euer Michael

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Ein echter, handfester Bruch

Ihr Lieben,

ich möchte euch kurz informieren, dass ich in den letzten paar Tagen und ganz sicher auch in den kommenden Tagen kürzer treten muss und werde. Ich habe da nämlich einen Bruch. Nicht in meiner Geschichte, sondern ganz klassisch in meinem Fuß.

Ich bin in der Nacht zu Samstag mit Kreislaufproblemen umgekippt und habe es dabei irgendwie geschafft, mir im rechten Fuß das Wadenbein und das Sprunggelenk zu brechen. Das war ein ziemlich perfekter rechter Winkel, in dem das Ding abstand. Na ja, nicht drüber nachdenken.

Wie dem auch sei, ich bin noch im Krankenhaus und kann mich im Moment nicht wirklich gut auf etwas konzentrieren. Ist halt jetzt so. Irgendwann wird es schon weiter gehen.

Lasst mir so lange das Internet ganz!

Bis bald,

euer Michael

Wenn man manchen Autoren glaubt, ist Psychotherapie ein Kinderspiel

Es ist mir schon häufiger aufgefallen und da es gerade jetzt wieder einmal soweit war, habe ich mich entschlossen, einen kleinen Beitrag darüber zu schreiben. Es geht um das Thema Psychotherapie, bei dem ich, wie ihr wisst, ein wenig mitreden kann. Ohne in die Details zu gehen: Ich habe ein erkleckliches Quantum an Therapeuten sowohl im klinischen als auch im ambulanten Setting kennengelernt und gleichwohl auch eine große Zahl an von psychischen Krankheiten Betroffenen. Das macht mich nicht zu einem Experten, aber zu jemandem, der zumindest merkt, wenn etwas nicht ganz der Realität entspricht.

Viele Betroffene, die sich, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, an einen Therapeuten oder eine Therapeutin wenden, begegnen diesem Schritt mit einer gehörigen Portion Skepsis – und oft leider auch überzogenen Erwartungen oder gar falschen Vorstellungen.

Ich kann da auf niemandem mit dem Finger zeigen, denn bei mir war es damals ja dasselbe. Ich gehörte auch zu denen, die in dem Glauben waren, dass es genügen würde, der Therapeutin ein paar Dinge aus meinem Leben zu erzählen und sie würde dann schon, in kürzester Zeit, versteht sich, die Patentlösung finden, wie ich wieder auf die normale Spur zurückfinden und mein Leben, möglichst besser, weiterleben könnte.

In diesem Zusammenhang wird häufig das Bild verwendet, dass ein Psychotherapeut über einen großen Werkzeugkasten verfügt, in dem er nur ein wenig herumwühlen muss, um das Maßwerkzeug zu finden, das genau auf die momentane Krise passt. Schnell, einfach, unkompliziert und leicht in der Anwendung.

Nun, ich habe auf die harte Tour gelernt, dass es so leicht nicht ist. Es reicht nicht, eine normierte Säge zu nehmen, um Dinge, die im Leben eines Patienten schief laufen, einfach abzuschneiden. Auch ein Hammer, um die Dinge wieder gerade zu klopfen, ist nicht leicht gefunden. Und auch wenn es sicherlich genügend Stellschrauben für einen Schraubenzieher gibt, ist man trotzdem darauf angewiesen, lange zu probieren und auch Rückschläge in kauf zu nehmen.

Dabei ist Psychotherapie doch das Leichteste von der Welt. Könnte man zumindest denken, wenn man einigen Autorinnen und Autoren so Glauben schenkt.

Ich möchte auf niemandem mit dem Finger zeigen, deswegen nenne ich keine konkreten Beispiele. Aber es gibt etliche Fälle, in denen Patienten, die zu einem Therapeuten gehen, entweder einfach als unfähig beschrieben werden, das zu erkennen, was doch direkt vor ihrer Nase liegt, oder als naiv, so dass es fast schon an Dummheit grenzt, dass sie ihre Probleme nicht von alleine in Ordnung bringen.

Das alleine ist schon schlimm genug, aber oft kommt noch dazu, dass der Prozess einer Therapie oder auch einer einzelnen therapeutischen Sitzung so vereinfacht dargestellt wird, dass falsche Vorstellungen beinahe zwangsweise geweckt werden.

Bewusst wurde mir das, als ich mir dieser Tage einige Folgen einer deutschen Fernsehserie vom Anfang des Jahrtausends ansah. In dieser Serie tritt unter anderem eine Psychotherapeutin auf, allem Anschein nach eine Verhaltenstherapeutin. Das sind die, die, wirklich ganz grob ausgedrückt, einen wesentlichen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit darauf legen, ihrem Klienten bei konkreten Problemen Anregungen und mögliche Ansätze mit auf den Weg zu geben, mit denen er vielleicht diese Probleme in den Griff bekommen kann.

Dabei – und das ist ganz wichtig – wird aber nicht wild ein Kalenderspruch an eine Zeitschriftenweisheit gereiht und der Patient seines Weges geschickt. Vielmehr hat sich, im günstigsten Fall, bereits eine derartige Beziehung zwischen Therapeut und Klient gebildet, dass dieser in die Lage versetzt ist, den Klienten so zu unterstützen, dass er nicht sofort wieder aufs Neue überfordert wird und dadurch eine weitere negative Erfahrung sammelt. Das ist ein Prozess, der einige Sitzungen in Anspruch nimmt. Nicht umsonst sind die meisten Therapien durchaus mit einem mittel- bis langfristigen Zeitrahmen veranschlagt.

Kommen wir zu der bewussten Fernsehserie zurück. Dort haben die für das Drehbuch zuständigen Autoren die eine oder andere Abkürzung genommen, wie sie zwar das Format bedingt, bei denen mir aber wieder einmal deutlich wurde, wieso viele Menschen mit einem falschen Bild von einer Psychotherapie durch die Welt gehen.

Ein Beispiel: Eine Patientin kommt zu der Therapeutin und schildert, dass sie sich unwohl, unbeachtet und traurig fühlt. Die Analyse der Therapeutin besagt, dass die Patientin unter ihrer sozialen Vereinsamung leidet und sich aus diesem Gefühl heraus ihre Depression entwickelt hat. Bis hierher nachvollziehbar.

Dann aber kommt das sinnbildliche Werkzeug zum Einsatz und es ist ein mittlerer Vorschlaghammer. Die Frau soll in die Fußgängerzone gehen und, einfach so, jemanden ansprechen, um mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen.

Wohlgemerkt: Das ist das Resultat der allerersten Sitzung der beiden! Selbst wenn die genaue Anamnese natürlich nicht in ihrer Ausführlichkeit gezeigt werden kann, ist das eine, sagen wir mal, sportliche Leistung. Da verwundert es nicht, wenn die Sache vollkommen aus dem Ruder läuft und die Patientin am Ende ihre Familie verlässt, weil sie sich mit dem Mann, den sie schließlich angesprochen hat, eine wilde Affäre leistet. Was die Therapeutin, immerhin, in heftige Gewissensnöte bringt.

Das alles ist natürlich auf den Lacher hin konstruiert und ich kann mich auch darüber amüsieren. So ist es ja nicht. Aber mir wurde klar, dass es das sehr häufig gibt: Therapeuten, die ihre Patienten losschicken, sich in genau die Situationen zu begeben, die zum Kern ihres Problems gehören. Patienten, die hoffnungslos überfordert sind und im richtigen Leben wahrscheinlich einen Knacks fürs Leben bekommen würden, weil das Leben eben kein Drehbuch hat.

Ich kann darüber lachen, sehe es aber dennoch mit Skepsis. Denn nicht nur bei den Patienten werden eventuell falsche Erwartungshaltungen erzeugt, sondern auch bei ihrem Umfeld, was noch wesentlich katastrophaler ist.

Es ist für einen Betroffenen schon schwer genug, mit seiner Familie, mit seinen Freunden und Bekannten und nicht zuletzt auch mit seinem Arbeitgeber und den Kollegen umzugehen. Wenn nun aber manche Romane und manche Fernsehserien und Filme das Bild erzeugen, dass sich die Probleme schnell und einfach und im Hauruckverfahren lösen lassen könnten, dann wird eine Erwartungshaltung aufgebaut, der weder der Therapeut noch sein Klient entsprechen können.

Mir ist klar, dass Straffungen in einer künstlerischen Darstellung notwendig sind. Dutzende von Therapiestunden sind etwas, was nicht einmal für die direkt Beteiligten immer „spannend“ ist. Oder „angenehm“. Oder „zielführend“. Aber die Quintessenz sollte meiner Meinung nach sein, vor allem die Patienten so darzustellen, dass ihre Probleme ernst genommen werden und die Begleitung durch den Therapeuten vertrauensvoll und professionell dargestellt wird.

Psychotherapie kann manchmal durchaus auch ihre lustigen Seiten haben. Mein Therapeut und ich reden manchmal miteinander, als ob wir einen Wettbewerb laufen hätten, wer den besseren Oneliner unterbringen kann. Aber das sind Momentaufnahmen und weder die Regel, noch der Lösungsansatz.

Ich würde mir wünschen, dass Autoren und Autorinnen sich hier auch ihrer Verantwortung ein Stück weit bewusst sind. Um einen weiteren, viel gehörten, Vergleich zu bemühen: Wenn der Patient einen Herzinfarkt hätte, würde auch nicht gezeigt, wie der Arzt ihn zum Joggen schickt, damit die Pumpe wieder richtig ans Arbeiten kommt. Oder wenn er sich das Bein gebrochen hat, dann wird es ihm nicht amputiert, um ein paar Rollstuhlfahrerwitze bringen zu können.

Ich weiß, dass es leichter ist, Beziehungen zwischen Therapeut und Klient im anekdotenhaften zu erzählen. Ich habe mit „Das Haus am See“ selber ein Manuskript in der Schublade liegen, das sich an Erfahrungen, die ich gemacht habe, orientiert. Und bei dem es mir verdammt schwer gefallen ist, nicht in den Tonfall abzugleiten, in dem man sich auf dem Klassentreffen erzählt, wie witzig doch diese oder jene Situation gewesen ist. Oder jedenfalls nicht zu häufig darin abzugleiten.

Mein kleiner Beitrag, der – sorry – schon ganz schön ausgeufert ist, ist nicht dafür gedacht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Es gibt auch eine Menge Autorinnen und Autoren, die Wert auf eine realitätsnahe Darstellung legen. Und das weiß ich sehr zu schätzen.

Psychotherapie ist kein Kinderspiel. Nicht für den Patienten und nicht für seinen Therapeuten. Sie ist eine anstrengende Sache, der man aber auch nicht mit Bierernst begegnen muss. Nur sollte man wissen, was man da tut. Und welche Erwartungen man weckt. Oder zerschlägt.

Das wollte ich einfach mal gesagt haben 🙂 .

Kurz und schmerzvoll (13) Passt, passt nicht, Passwort!?

Ich stelle immer wieder in den letzten Tagen fest, dass manche Dinge, die zu meiner Blogpause geführt haben oder die sich in ihrem Verlauf wie auch seitdem gemeldet haben, immer noch meine Aufmerksamkeit brauchen. Oder sie auch schon mal einfordern.

Während meiner Pause habe ich mir verschiedene Themen als Stichpunkte für Blogeinträge zurecht gelegt. Verwirklicht habe ich von diesen Beiträgen keinen einzigen. Weil sie mir nicht passend erschienen. Oder vielleicht auch, weil ich dachte/befürchtete, dass ich durch sie nur unnötige Aufmerksamkeit auf Dinge richte, die vielleicht einfach besser nicht ausformuliert werden sollten.

Wie ihr wisst, habe ich in diesem Blog Werte wie Authentizität oder Offenheit immer groß geschrieben. Er ist gleichsam Spiegel meiner Aktivitäten als auch meiner Einstellung, Gedanken und – ja – Autorenseele. Aber dennoch bin ich mir zum ersten Mal unsicher, ob ich einfach schreiben soll, wie mir die Tastatur gewachsen ist.

Zum einen, weil ich niemanden langweilen möchte. Ja, ich weiß, ich zwinge niemanden dazu, hier mitzulesen und wenn jemanden nicht interessiert, was ich schreibe, dann kann er einfach weiterklicken und gut ist. Ich weiß auch, dass hier zuvorderst meine eigenen Bedürfnisse und Belange stehen sollten – bei aller Leserorientierung.

Dass ich das nicht einfach so durchziehen kann, ist allerdings ganz entscheidender und fundamentaler Bestandteil der Situation, wie sie sich zurzeit darstellt. Mal ganz die Frage außen vor gelassen, ob ich das überhaupt in aller Konsequenz würde haben wollen.

In meinem Kopf und in meinem Gefühl passiert im Moment so einiges, was das Schreiben und das Drumherum angeht. Vor einigen Tagen veröffentlichte ich folgenden Tweet:

Es war eine beruhigende Erfahrung, dass es mir nicht alleine so geht und doch fällt es mir wahnsinnig schwer, das Thema wirklich zum Thema zu machen. Weil es irgendwie dann doch von dem weg führt, wozu dieser Blog eigentlich dienen sollte.

Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich diese Beiträge schreiben, dann aber mit einem Passwort versehen sollte, damit niemand von ihnen „belästigt“ wird, der sie nicht sehen will. Es geht mir weniger um Selbstschutz, denn wie ihr wisst hatte ich noch selten Probleme damit, mir öffentlich die Narrenkappe aufzusetzen und zu meinen Schwächen und Sorgen zu stehen.

Ich weiß es nicht. Diesen Beitrag hier schiebe ich seit zwei, drei Tagen vor mir her. Dass ich ihn so schreibe, wie ich es jetzt tue, zeigt schon, wie schwer es ist, zu einem Entschluss zu kommen. Das lähmt.

Vielleicht bin ich doch einfach ein Schriftsteller-Emo, der nicht anders kann, als seine Befindlichkeiten vor sich her zu tragen. Aber vielleicht sehe ich das auch alles einfach viel zu verbissen und dogmatisch.

Ich weiß es nicht.

Aber es ist gut, es einmal aufgeschrieben zu haben.

Schwerer als gedacht, dieses Autorenleben

Eigentlich sollte das alles ein grenzenloser Spaß und Quell der Freude sein. Findet ihr nicht auch? Alles das, was man freiwillig in seiner Freizeit macht, was man sich selber als Beschäftigung ausgesucht hat, das sollte doch etwas sein, das einem leicht fällt und an dem man, wenn auch nicht alle, doch die meisten Aspekte wertzuschätzen weiß.

Das gilt, vielleicht noch stärker als für andere Hobbies, für alle künstlerischen Dinge. Gefühle wie Langeweile, wie das Zaudern, wie das Zweifeln oder wie das der Überforderung sind Gift für die Muse, ohne die es nun einmal nicht geht. Sie verzieht sich dann fluchtartig auf ein sicheres Terrain, sinkt in sich zusammen und wartet darauf, dass der Sturm oder die Nebelbank sich wieder verzieht und der Autor wieder klare Sicht hat.

Vor fast drei Wochen habe ich meine sogenannte Schreib- und Blogpause beendet. Und ich muss selbstkritisch feststellen, dass es nicht an jedem Tag Spaß macht. Freude auch nicht. An manchen Tagen ist es einfach nur schwer und aufreibend und ermüdend. Gefühle und Empfindungen, die ich auch vor der Pause schon gehabt habe.

Soll das nun bedeuten, dass die Pause zu kurz gewesen ist? War sie zu lang? Ist der Muskel, der all dies am Laufen hält, vielleicht zu sehr eingerostet gewesen, als dass ich ihn mit einem Kaltstart wieder richtig reaktivieren konnte?

Tatsache ist, dass manche Dinge einfach nicht so funktionieren, wie ich sie gerne hätte. Mein Schreibpensum ist pro Woche nicht einmal halb so hoch, wie ich es einmal anvisiert hatte. Aber das betrifft nicht nur meinen Roman oder diesen Blog. Es betrifft all die anderen Aktivitäten, die daneben stattfinden, und die etwas mit Schriftsprache zu tun haben. Fragt doch mal die Menschen, die mir Nachrichten geschickt haben und dann eine Woche (oder länger) darauf warten, dass ich ihnen antworte.

Nun ist es nicht so, dass ich mich durch äußere Umstände nicht in der Lage sähe, zu schreiben. Ich hätte die Zeit, ich hätte die Gelegenheit und ich hätte auch den Freiraum. Was ich nicht habe, ist an vielen Tagen die verdammte Motivation. Die Kraft dazu.

Ich weiß nicht, ob das immer noch diese verdammte Schreib-Depression ist, die mich zwischendurch im Griff hatte. Aber es fühlt sich an manchen Tagen genau so an. Ein Kennzeichen für eine depressive Episode ist ja, dass man mit einem Mal keinen Elan und keine Freude mehr für Dinge empfindet, die einem vorher Spaß gemacht haben.

Wenn ich dieses Kennzeichen als Maßstab anlege, dann kann ich nicht anders, als besorgt zu sein. Meine Reaktion Ende Mai war, einfach alle Bemühungen einzustellen und die Zeit für mich arbeiten und wirken zu lassen. Wie gesagt, vielleicht war es zu wenig Zeit. Aber in dem Zwiespalt zwischen Abwarten und Kämpfen habe ich mich für den Kampf entschieden. Und ich habe nicht vor, diesen nach nicht einmal drei Wochen aufzugeben.

Nur sollte ich ehrlich zu mir sein und nicht versuchen, es einfach zu ignorieren. Die Schwierigkeiten sind da. Das Gefühl, nur Minderwertiges zu sagen zu haben, ist da. Der Zweifel an mir, meiner Rolle in diesem Autorenleben und dem, was damit zu tun hat, die sind da.

Vielleicht könnte man sagen, dass ich auf der Suche nach meinem Platz bin. Auf der Suche nach meiner Identität. Und danach, den Graben zu schließen, der zwischen dem Autorendings und dem „richtigen“ Leben besteht.

Damit meine Muse mir irgendwann beruhigt die Hand auf die Schulter legen, mir aufmunternd zunicken und mich wieder in die richtige Richtung führen kann. Bis dahin geht die Suche weiter. Ich bin gespannt, was ich wo finden werde. Vielleicht sehen wir uns ja dort.

Kurz und schmerzlos (29) In der Zeit fest gebissen

Meine Frau kommt ins Wohnzimmer, als gerade der Fernseher läuft. Ich schaue mir den zweiten Teil der Serie „Das Boot“ an, die ich tatsächlich noch nie gesehen habe – ich kenne nur die Filmfassung.

Sie sagt: „Jetzt liest du nicht nur schon wieder über die NS-Zeit, jetzt schaust du dir das auch noch im Fernsehen an. Was beißt du dich eigentlich in der Zeit so fest?“

Ob ich ihr noch mal sagen soll, wovon mein aktuelles Romanprojekt handelt!? 😉

Ich bin wieder hier

Huhu, ist da noch jemand? Is there anybody out there?

Nein, Stopp, ich weiß ja, dass da draußen noch jemand ist. Dass da noch Menschen sind, die auch in der langen Pause, die ich hier eingelegt habe, immer mal wieder vorbei gekommen sind, um nachzusehen, ob es hier mal wieder weiter geht. Ob es neue Inhalte gibt. Ob es ein Weitermachen gibt. Das zeigen mir alleine schon die Zugriffszahlen, die zwar auf einem natürlich niedrigen Niveau aber eben doch stetig vorhanden waren.

Zwei Monate hat dieser Blog und hat gleichzeitig auch mein ganzes Autorendasein pausiert. Ich habe in der ganzen Zeit keine einzige Zeile geschrieben. Zweimal habe ich es versucht, einmal für meinen Roman und einmal für eine Kurzgeschichte, die mir plötzlich einfiel. Beide Male habe ich das Experiment nach kürzester Zeit aufgegeben. Also müsste ich wohl sagen, dass ich zwar geschrieben habe, aber den Quatsch, den ich da schrieb, ganz schnell wieder gelöscht habe.

Ich habe in diesen zwei Monaten das geschafft, was vorher für mich kaum denkbar schien: Ich habe so gut wie nicht an diesen Blog gedacht – oder jedenfalls nicht daran, dass hier jetzt doch bitte endlich mal ein neuer Beitrag eingestellt werden müsste. Ich wusste nicht, was ich hätte schreiben sollen und es war im Großen und Ganzen auch okay so. Ich habe euch ja schon öfter erzählt, dass der Blog für mich eine Art Motivationsspritze, aber auch eine stete Erinnerung ist, dass ich das mit dem Autor-sein gefälligst ernst zu nehmen habe und dass ich es ernsthaft und andauernd verfolgen muss.

Insofern war es nur logisch und gut, auch dem Blog eine Pause zu gönnen. Natürlich kamen zwischendurch die Fragen auf, ob denn nach dem Ende meiner Pause überhaupt noch jemand Interesse haben würde. Ob ich es nun auf einen Schlag geschafft hätte, meine Followerzahlen zu töten. Und da Follower ja heutzutage schon die halbe Miete auf dem Weg zum Leser sein sollen, wäre das natürlich nicht so toll. Aber deswegen musste ich trotzdem tun, was ich eben tun musste. Und das war halt diese Pause.

Ich habe in der Zwischenzeit viel „abgehangen“, wie meine Tochter es wohl nennen würde. Habe mich treiben lassen, mich um andere Hobbies gekümmert. Zum Beispiel habe ich mich endlich mal näher mit dem Mini-Computer Raspberry Pi auseinander gesetzt und mir eine nette kleine Installation für Retro-Spiele zugelegt, an der ich einiges an Zeit mit Spielen verbracht habe, die fast so alt sind wie ich. Ein echtes Eintauchen in die eigene Vergangenheit.

Und dann war da noch der Urlaub. Zwei Wochen waren meine Familie und ich an der Mecklenburgischen Seenplatte. In diesen zwei Wochen habe ich dann den (fast) totalen Verzicht in Sachen Internet und PC hingelegt, nur hin und wieder in meine E-Mails geschaut, die das Postfach fast zum Platzen gebracht haben.

Seltsamer Weise schaffe ich es meist nur dann, mich von diesem elektronischen Sklaventreiber abzunabeln, wenn mehrere hundert Kilometer zwischen mir und meinem Schreibtisch liegen. Natürlich war auch das Notebook mit im Urlaub, man weiß ja nie, aber es hat ein wenig Staub angesetzt, fürchte ich.

Stattdessen habe ich viel gelesen und wir haben natürlich auch einiges unternommen, trotz der Bullenhitze. Kurz, bevor wir nach Hause gefahren sind, hatte ich dann am vergangenen Wochenende plötzlich zwei ergänzende Ideen für meinen Roman, die den Ablauf im Plot noch verbessern könnten. Das hatte es zuvor in den zwei Monaten nicht gegeben.

Und deswegen, auch wegen der positiven Stimmung aus Vorfreude, in die mich diese Plotideen versetzten, bin ich mir sicher, dass genau jetzt der Moment ist, langsam aber sicher die Maschinen wieder hochzufahren und zu sehen, dass ich wieder in mein Autorenleben zurück finde. Und dazu gehört nicht nur mein Roman, sondern als ganz integraler Bestandteil eben auch dieser Blog.

Ich werde jetzt aber nicht den Fehler machen und binnen zwei Tagen alles gleichzeitig wieder über mich hereinbrechen zu lassen. Der Schreibmuskel muss vorsichtig wieder trainiert werden, der Kopf muss die Zeit haben, sich neu zu justieren und vor allem auch das Herz muss langsam wieder herangeführt werden. Zwei Monate sind eine lange Zeit und die Gründe, die für die Pause gesorgt haben, waren sehr (ge-)wichtig. Also verlangt bitte nicht sofort wieder täglich neuen Lesestoff von mir.

Aber, um mit Herrn Westernhagen zu sprechen, ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, sondern hatte mich nur versteckt. Gründlich versteckt. Und jetzt stecke ich den Kopf aus meinem Loch, in dem ich mich vergraben hatte und spüre die Sonne, den Wind und das Leben. Auch, wenn es ein wenig pathetisch klingt.

Ich freue mich, dass viele von euch mir in der Pause die Treue gehalten haben und für den Zuspruch, den ich bekommen habe. Ich habe wirklich tolle Leser, Follower, Freunde!

Danke und bis ganz bald!

Euer Michael