Wieso die Pause wichtig für mich ist

Je länger meine Pause vom Autorenleben dauert, die je nach Sichtweise noch gar nicht so lange oder, für meine Verhältnisse, schon ewig anhält, desto deutlicher wird für mich, wieso sie so wichtig ist. Und weil es mir deutlich geworden ist, unterbreche ich die Stille für diesen einen Blogeintrag.

Einige unter euch haben mir schon zu verschiedenen Anlässen gesagt, dass ich es in Hinsicht auf die Häufigkeit meiner Beiträge oder die Selbstverpflichtung, dieses und jenes zu schreiben, ein wenig übertreiben könnte.

Ich habe immer Schwierigkeiten gehabt, mich dieser Sichtweise anzuschließen. Das hat viel damit zu tun, dass ich oft auf das stoße und es mir dann auch genau ansehe, was andere Autoren den lieben langen Tag so treiben. Und dann schaue ich auf mein vergleichsweise geringes Arbeitspensum und denke mir, dass ich scheinbar das, was ich mir als Hobby, als Berufung ausgesucht habe, nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit oder Zielstrebigkeit behandle.

Daraus entsteht Druck. Und wenn ich auch unter Druck alles in allem ziemlich gut arbeite, wird es doch ab einer gewissen Stärke schwer, diesen Druck in Produktivität umzumünzen und ihn nicht als Belastung wahrzunehmen.

Druck mag gut sein, Belastung kann es nicht sein – unter keinen Umständen.

Während der Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Scylla Verlag bin ich durch einige teils sehr heftig widersprechende Emotionen und Haltungen durchgegangen. Während ich nie daran gezweifelt habe und auch nicht daran zweifle, dass mein Weg als Autor auch jenseits dieses Vertrags weitergehen wird, gab es doch Tage, an denen ich einfach das Gefühl hatte, dass ich jetzt vielleicht erst einmal verarbeiten sollte, was da eigentlich gerade passierte.

Doch das Gegenteil war der Fall. Ich habe mich umso stärker in die Arbeit gestürzt und weitergemacht, als sei alles wie es immer gewesen ist. Das hat auch eine ganze Weile so funktioniert.

Bis dann, irgendwann Ende Mai, das Gefühl stärker wurde, dass ich so nicht mehr weitermachen konnte. Jedenfalls nicht mehr sehr lange. Kurz gesagt gelangte ich an einen Punkt, an dem ich bei einigen der Dinge, die ich tat, nicht mehr wusste, ob ich sie jetzt tue, weil ich gerade Lust darauf hatte, weil sie das waren, was ich tun wollte, oder ob ich sie nur tat, weil irgendwer, ein völlig unspezifiziertes fremdes Gesicht, von mir erwartete, dass ich diese Dinge tue.

Ich fing an, mechanisch zu werden. Meine Tagesziele zu erarbeiten und dann, wie bei einer ungeliebten Zwangsarbeit, einen Haken dahinter zu setzen. Mehr Schweiß als Fleiß, mehr Transpiration denn Inspiration.

Eines kam zum anderen. Ich merkte, dass es für mich immer schwerer wurde, einerseits produktiv zu sein, zu schreiben, andererseits meinen „sozialen Verpflichtungen“ nachzukommen. Entweder schrieb ich, oder ich beantwortete E-Mails, Blogkommentare, sonstige Kommunikation. Und egal, was ich nicht tat, es sorgte für ein schlechtes Gewissen.

Und ich stelle mir die Frage: Tue ich das, was ich tue, weil es wirklich mein Interesse ist, oder nur, um das schlechte Gewissen zu beruhigen!?

Gerade eben stecke ich darin, diese Frage für mich zu beantworten, diese Antworten zu bewerten und mich neu zu sortieren. Daran zu arbeiten, ohne tatsächlich zu arbeiten, dass sich dieser Knoten wieder entwirrt und alles klar und deutlich vor mir liegt.

Und deswegen brauche ich diese Pause. Deswegen schreibe ich im Moment nicht. Deswegen finde ich in den sozialen Netzwerken nicht statt. Deswegen keine neuen Blogbeiträge.

Es tut mir leid, wenn einige von euch auf Antworten warten, oder wenn ich mich mit Kommentaren und dergleichen rar mache. Aber ich brauche diese Zeit jetzt, um gestärkt daraus hervor zu gehen. Ich tue im Moment Dinge, die ich länger nicht getan habe. So, wie zum Beispiel einfach mal in der Mittagspause in einem Buch zu lesen, als krampfhaft zu versuchen, originell an einem zu schreiben, nur um diesen Punkt von der Tagesordnung streichen zu können.

Ich gebe keine Prognose dazu ab, wie lange dieser Zustand noch andauern wird. Aber ich weiß, was eintreten muss, damit er endet:

Ich muss wieder Bock darauf haben, mein Garn zu spinnen. Es muss mir eine Herzensangelegenheit sein, meine unmaßgebliche Meinung in die Welt zu setzen. Und es muss mich ernstlich in den Fingern jucken, was auch immer zu schreiben. Nicht, weil mich ein schlechtes Gewissen oder ein Gefühl von Verpflichtung dazu antreibt, sondern weil ich schlicht nicht anders kann.

Weil ich eben ein Autor bin.

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Es blutet einem das Herz

Gestern Abend saß ich bei meinen Eltern, als mein Bruder mich plötzlich fragte, ob meine Familie und ich dieses Jahr eigentlich noch in den Europa Park fahren wollen. Ich frage ganz unbedarft zurück, wieso, und er sagt mir, dass der Skandinavische Themenbereich brennen würde.

Das war ein echter Schlag in die Magengrube. Sofort habe ich mein eigenes Smartphone gezückt und versucht, mir einen Überblick zu verschaffen, was da gerade vor sich geht. Ich habe eine enge persönliche Bindung zu diesem Park, auch wenn ich ihn erst vor zwölf Jahren zum ersten Mal besucht habe. Aber immer, wenn wir bei der Familie meiner Frau im Schwarzwald waren, waren wir (oder auch mal ich alleine) mindestens einen Tag lang in Deutschlands größtem Freizeitpark.

Die Bilder und Informationen, auf die ich stieß, ließen mir das Herz bluten. Nicht nur, dass Skandinavien in Flammen stand, der Brandherd war die Themenfahrt „Piraten in Batavia“. Auf YouTube fanden sich schnell Videos, wie die Flammen meterhoch aus der Halle empor schlugen und im Inneren alles verzehrten, was ihnen in die Quere gekommen ist.

Gott sei Dank hat es weder Verletzte (von einigen Fällen leichter Rauchvergiftung abgesehen) gegeben, noch ist im Park eine Panik ausgebrochen. Das Krisenmanagement hat hervorragend funktioniert.

Was bleibt ist der materielle und vor allem der emotionale Schaden. Ich kann nicht nachfühlen, wie es der Betreiberfamilie gehen muss, deren (erwachsene) Kinder, die heute die Parkspitze stellen, im wahrsten Sinne des Wortes im Park aufgewachsen sind.

Aber mir blutet auch auf schriftstellerischer Ebene das Herz. Haben mich die „Piraten in Batavia“ doch zu einem meiner Romanmanuskripte inspiriert.

Ich habe die Geschichte hier im Blog garantiert schon einmal erzählt, aber aus dem traurigen Anlass heraus erzähle ich sie einfach noch einmal. In der Themenfahrt gab ( 😦 ) es eine Szene in einer batavischen Stadt, durch die man mit den Booten hindurch fuhr. In dieser Szene waren eine Vielfalt von bewegten und auch unbewegten Figuren. Eine dieser unbewegten Figuren lag auf einer kleinen Insel in ihrer Hängematte.

Irgendwann einmal fuhr ich wieder an dieser Figur vorbei und ich stellte mir aus heiterem Himmel die Frage: Wie lange würde es wohl dauern, bis irgendjemand mitbekommt, dass statt einer Kunststofffigur eine menschliche Leiche in dieser Hängematte liegt?

Aus diesem Einfall wurde dann „Darkride“, das auch generell dem Europa Park sehr viel verdankt. Denn auch wenn der Roman in einem imaginären Freizeitpark spielt, so sind natürlich ganz viele Einflüsse aus diesem viel besuchten und heiß geliebten Park mit aufgenommen worden.

Nun gibt es die „Piraten in Batavia“ nicht mehr. Es gibt weite Teile des Holländischen und des Skandinavischen Themenbereichs nicht mehr. Die Bilder, die man im Internet (unter anderem bei looopings.nl) sehen kann, lassen das Ausmaß der Katastrophe erkennen.

Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen bedanken, die mitgeholfen haben, die weitere Ausbreitung des Großbrandes zu verhindern, in erster Linie natürlich den vielen Feuerwehren aus der näheren und weiteren Entfernung des Parks. Und ich bedanke mich bei allen, die daran mitarbeiten, die Hintergründe für dieses Unglück aufzuarbeiten und die Ursache zu finden. Damit es in Zukunft nicht wieder zu so einem Feuer, das wirklich rasend schnell um sich gegriffen haben muss, kommen kann.

Gebäude kann man wieder aufbauen. Fahrgeschäfte kann man ersetzen. Aber es wird nie wieder so sein, wie es einmal gewesen ist. Was bleibt, sind Erinnerungen und dank des Internet-Zeitalters Videos wie das folgende, das zumindest eine Ahnung davon übermittelt, wie es in Batavia einmal ausgesehen hat:

Ganz ehrlich: Ich könnte gerade mehr als nur ein Tränchen verdrücken.

Doomsday!

Wer die letzten paar Wochen nicht unter einem Stein verbracht hat, der weiß, was heute die Stunde geschlagen hat. Heute tritt die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union inkraft.

In den letzten Tagen wurde jeder, der sich im Internet bewegt und irgendwo auch nur mal einen Newsletter bestellt hat, mit den Ankündigungen zu Änderungen und dergleichen bombardiert. Auch diese kleine Seite hier hat eine angepasste Datenschutzerklärung, einen Hinweis auf Cookies und dergleichen bekommen.

Aber eine nicht kleine Anzahl von überwiegend privat geführten Websites und Blogs hat auch die Waffen gestreckt und entweder mit entsprechender Info oder auch heimlich, still und leise, den Stecker gezogen. Hierfür hat jeder Betreiber, jede Betreiberin, höchst individuelle Gründe, die es zu akzeptieren und zu respektieren gilt.

In meiner Wahrnehmung erleben wir gerade das größte Sterben kleiner privater Seiten, seit seinerzeit die Plattformen von Compuserve/AOL und Geocities abgeschaltet wurden. Relikte einer vergangenen Zeit, an die sich heute vielleicht nur noch die wenigsten erinnern können.

Ich, für mich, habe mich entschieden, zu bleiben. Zwar mit kleinen Anpassungen, aber ohne die große Panik. Weil ich nach wie vor glaube, dass wir, die Blogger, nie wirklich Ziel dieser DSGVO gewesen sind. Und ich hoffe, dass irgendwann, irgendwer, sich irgendwo mal hinstellt und das wirklich, wahrhaftig und rechtssicher verlässlich klar stellt.

Heute ist Doomsday. Aber morgen ist ein neuer Tag mit neuen Chancen und neuen Möglichkeiten.

Ich freue mich darauf, euch alle dort wiederzusehen!

Der Anschlag

Auch das ist Autorenleben: Man tippert den ganzen Tag (übertrieben) auf irgendeiner Tastatur herum, die mal mehr, mal weniger gut dazu geeignet ist. Ich selbst habe mir für Daheim ja schon vor geraumer Zeit eine mechanische Tastatur angeschafft, weil ich das Schreibgefühl darauf unheimlich gut finde, den Druckpunkt zu schätzen weiß und – ja, auch das – ich den Sound mag, den diese Tasten erzeugen.

Nun wird diese Vorliebe aber nicht von jedem Menschen geteilt.

So kam es, dass ich mich in dieser Woche mit der Beschwerde meiner Arbeitskollegin auseinandersetzen musste, dass ich so laut tippe, dass sie sich dabei kaum konzentrieren kann. Gut, dass ich laut schreibe, das weiß ich selber. Was es in diesem Zusammenhang nicht gebraucht hätte, war der freundliche Hinweis, ich würde ja ohnehin viel privates schreiben …

Nur zum Protokoll: Ich schreibe dies während meiner Mittagspause und in Abwesenheit der Kollegin. Genauso wie alles andere private im Normalfall auch! Aber ich habe nun einmal einen Job, in dem ich viel schreiben muss und da lässt es sich nicht vermeiden, dass da auch mal längere Passagen dabei sind. Ich bin halt, was das Schreiben angeht, zügig dabei.

Gut, die Sache ist zwischen uns geklärt und technische Abhilfe soll auch geschaffen werden, indem man mir eine Tastatur mit leiserem Anschlag beschafft. Ich bin mal gespannt, ob und wenn ja, was für ein Modell das wird. Im Moment schreibe ich hier auf einer 08/15-Tastatur von Microsoft, die an allen Ecken und Enden klappert.

Tja, mein Anschlag. Aber was kann ich dafür? Ich habe das Schreiben auf einer Computertastatur Mitte der 80er-Jahre auf einem Schneider CPC „gelernt“. Ich stelle das in Anführungszeichen, weil ich Tastaturschreiben nie gelernt habe. Ich verwende heute noch ein fünfeinhalb-Finger-System, das zwar einigermaßen schnell, aber lange nicht so elegant wie Zehn-Finger-Schreiben ist.

Und die Tasten damals waren schwergängig. Wenn man eins der Programmlistings aus den Computerzeitschriften jener Tage abtippte, dann war das eine lange und anstrengende Prozedur. Aber wir hatten ja sonst nichts (außer ein paar beglaubigte Sicherheitskopien, ähem).

Auch das Schreiben von Romanen begann ich auf dieser Tastatur und irgendwie ist mir der harte Anschlag seit damals erhalten geblieben. Das ist mir, wie gesagt, selbst bewusst, aber ich kann da nicht so ohne Weiteres aus meiner Haut. Und sehe es, ehrlich gesagt, eigentlich auch gar nicht wirklich ein. Zumal die Kollegin, wenn sie es drauf anlegt, mit ihren zehn Fingern auch nicht leiser ist, als ich es bin. Es ist eben immer eine Frage der Wahrnehmung.

Nun soll es also eine geräuschreduzierte Tastatur richten. Ich habe keine Ahnung, ob das was bringt und wie viel das bringt. Hat da jemand von euch schon mal Erfahrungen mit gemacht oder vielleicht sogar konkrete Vorschläge, was für eine Tastatur man in die engere Wahl nehmen sollte?

Mir hat die Sache jedenfalls temporär die Lust am Tippen fast vergällt. Aber wie ihr seht: Zwei Tage war der Autor krank, jetzt tippt er wieder, Gott sei Dank. Wird auch Zeit, schließlich steht das Lektorat an.

Könnten wir vielleicht schon eine Woche später haben?

Okay. Was jetzt folgt, ist panisches, hektisches und ziemlich wirres Geschwurbel. Ich werde versuchen, es kurz zu halten. Aber ich bin seinerzeit angetreten, um mit diesem Blog meinen Weg als Autor authentisch zu begleiten. Und zur Authentizität gehören nun einmal auch die nicht so positiven Stimmungen.

Es steht ja schon in der Überschrift: Könnten wir vielleicht schon eine Woche später haben?

In einer Woche wäre nämlich die ganze Buchmesse mit allem drum und dran schon vorbei. Klingt das paradox? Glaubt mir, so fühlt es sich auch an. Ist die Buchmesse nicht ein Highlight? Eine der Veranstaltungen, auf die man das ganze Jahr hindurch hin fiebert?

Ja – und nein.

Ja, ich fiebere darauf hin, weil ich mich freue, wieder nach Leipzig zu kommen. Ich mag die Stadt, wenigstens das, was ich davon gesehen habe. Und ich mag die Messe mit ihrem Trubel und den vielen, vielen Menschen, von denen ich hoffe, einige wiederzusehen und andere zum ersten Mal zu sehen.

Nein, ich fiebere nicht darauf hin, weil ich das Gefühl nicht los werde, dass ich damit nicht klar kommen werde, mit dem Ganzen. Ehrlich, jedes Mal, wenn wieder einer meiner Internet-Bekannten einen euphorischen Vorausblick auf die Messe schreibt, denke ich mir: Ja, ich gönne es dir. Viel Spaß. Wir sehen uns vielleicht nächstes Jahr.

Ich weiß sogar, woran das liegt. So langsam machen sich die ganzen Problemchen bemerkbar, die den Messebesuch ein wenig überschatten. Ich bin immer noch nicht ganz auf dem Damm, was meine Gesundheit angeht. Und ich fürchte, dass sich das bis Freitag, wenn mein Messeabenteuer startet, auch nicht wesentlich verbessern wird.

Ein weiterer Punkt ist, dass mir die Sache mit der Unterkunft (ihr erinnert euch) massiv nachhängt. Ich bin inzwischen so paranoid, dass ich bei jedem Pling meines Smartphones als erstes nachschaue, ob ich eine neue Nachricht von AirBnb bekommen habe, die besagt, dass ich am Freitag ohne Obdach da stehen werde. Unnötig zu sagen, dass ich fast davon ausgehe, dass meine Zugverbindungen alle nicht klappen werden, oder?

Und über die Lesung darf ich auch nicht so wirklich nachdenken. Entgegen dem, was ich ja erst noch neulich schrieb, fühle ich mich nämlich überhaupt nicht vorbereitet. Aber mal so gar nicht. Ich habe zwar nicht direkt Angst, mich zu blamieren, aber das ganze Drumherum … ehrlich, das macht mir schon Sorgen.

Aber auch wenn die Lesung vorbei ist, dann sind da ja noch die Messetage selbst zu füllen. Ich habe ja extra darauf verzichtet, mir ein zu starres Korsett aus Terminen überzustreifen. Aber jetzt fühlt es sich so an, als habe ich damit auch jede Struktur zum Teufel geschickt. Als würde aus einem „ich schaue mal, was es so gibt“ ein „es gibt alles und nichts und nichts davon habe ich gesehen“.

Nein, diese Labilität fühlt sich nicht gut an. Aber ich muss da jetzt durch. Ich kann und will mir nicht die Bettdecke über den Kopf ziehen und so tun, als ginge mich das alles nicht an. Meine Probleme werden sich nicht in Luft auflösen, aber vielleicht werde ich feststellen, dass doch alles einigermaßen gut geklappt hat. Was auch immer „gut“ dann im einzelnen bedeutet.

Ich habe letzte Woche mit meinem Psychodoc über das Thema gesprochen und er hat mich gefragt, was ich ihm denn gerne bei unserem nächsten Treffen, kurz nach der Messe, darüber erzählen würde. Ich habe ihm drei Punkte aufgezählt, die ich jetzt nicht verraten werde (das wäre böses Voodoo). Aber hinterher werde ich euch gerne wissen lassen, ob meine „Wünsche“ in Erfüllung gegangen sind.

Und bis dahin muss ich die negativen Stimmungen einfach aushalten. Weil der größte Teil von mir eben dann doch nicht will, dass wir schon eine Woche später haben.

Weil der größte Teil von mir denkt, dass so eine Buchmesse ein geiles Event ist!

Ich, der Autoren-Zombie

Ich mache ja kein Geheimnis daraus, dass in meinem Kopf manchmal nicht alles richtig verdrahtet ist. So rein gefühlsmäßig und auch von der Einordnung mancher Geschehnisse gibt es da das eine oder andere „Defizit“ (über den Begriff kann und darf man streiten), die mir das Leben manchmal schwer machen.

Nehmen wir alleine den Vorfall von gestern, als ich auf einmal die Horrorvision hatte, zur Buchmesse ohne eine gesicherte Unterkunft dazustehen. Eine mögliche Reaktion wäre gewesen, jetzt mal so richtig auszurasten. Laut zu werden. Mit der Hand auf den Tisch hauen. Irgendwas, um klar zu machen, dass da so nicht funktioniert. Der Adrenalinpegel hätte sich im höchsten Bereich befinden sollen.

Stattdessen: Resignation, tiefe Sorge und im Prinzip schon Angst, eine weitere Nachricht an meine Gastgeberin zu senden, weil diese mir ja vollständig von der Angel gehen könnte. Immerhin hatte ich ja noch diese andere Unterkunft, die sie mir angeboten hatte, in der Verlosung.

Und so wartete ich ab einem gewissen Zeitpunkt auf eine bestimmte Nachricht, eine neue Bestätigung, irgendwas.

Aber es kam: nichts.

Und so lief ich den ganzen Tag herum, als wäre ich ein Zombie. Ein Autoren-Zombie. Ich war kaum in der Lage, an etwas anderes zu denken und musste mich massiv auf meine Arbeit konzentrieren, um nicht einfach nur Löcher in die Luft zu starren und mich irgendwo unter meinem Schreibtisch in Fötus-Stellung zusammen zu rollen. Das hätte meine Kollegin wahrscheinlich auch sehr seltsam gefunden 😉 .

Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und habe noch einmal eine Nachricht geschickt. Und im folgenden Gespräch konnten wir dann die Modalitäten soweit klären, dass ich jetzt sagen kann, dass ich wohl doch eine Unterkunft in Leipzig haben werde.

Wobei natürlich aufgrund der Umstände eine gewisse Skepsis bleibt. Aber ich muss mich jetzt darauf verlassen und werde mich darauf verlassen. Immerhin hat die Gastgeberin bis jetzt überwiegend sehr positive Bewertungen erhalten und es kann immer mal passieren, dass einem durch einen persönlichen Schicksalsschlag etwas entgleitet.

Sagt der Autoren-Zombie. Der, der nicht mit der Hand auf den Tisch gehauen hat. Was, gemäß der AGB von AirBnB, ja auch gar nichts gebracht hätte – was ich nach wie vor für den wesentlich größeren Skandal an der Sache halte.

Und nun, bin ich jetzt wieder richtig verdrahtet? Keine Ahnung. Jedenfalls kann ich mich wieder einigermaßen in ganzen Sätzen artikulieren. Noch heute Mittag hätte ich diesen Blogbeitrag nicht schreiben können. Zombie eben. Wir wissen alle, wie gut die sich artikulieren können.

Ich hoffe nur, dass jetzt alles gut weitergeht und dann auch endet. Damit ich mich wieder unbelastet auf Mitte März freuen kann.

Der Sonntagsreport vom 04.02.2018: Der Kampf aus dem kreaTief

Hallo ihr Lieben,

ich habe gerade festgestellt, dass der letzte Sonntagsreport schon eine ganze Weile her ist. Und das hat gute Gründe. Wie ich euch ja zwischendurch immer mal wieder berichtet habe, war es hier bei mir ganz schön chaotisch seit dem Jahreswechsel. Da lag dann zwischendurch das Haus in Schutt und Asche (gefühlt), mein Arbeitszimmer verkam zur Abstellkammer (real) und dennoch war das alles nicht einmal das Schlimmste.

Nein, das Schlimmste war, dass mich diverse Vorkommnisse an anderer Stelle im Internet so weit gebracht hatten, dass ich am liebsten den ganzen Wahnsinn dran gegeben, hier abgeschlossen und den Schlüssel weggeworfen hätte.

So, damit ist es heraus.

Ich weiß, dass ich in Bezug auf manche Dinge einfach zu dünnhäutig bin. Es passiert mir zu oft, dass ich mich von Entwicklungen oder Erscheinungen vereinnahmen lasse, die eigentlich nicht in diesem Ausmaß meine Angelegenheit wären. Das hat sicherlich psychosoziale Hintergründe, die zu erforschen vielleicht ganz „witzig“ wäre, aber ich verzichte dankend darauf. Mehr wäre mir daran gelegen, es einfach abzuschalten.

Ich kann und werde an dieser Stelle nicht in die Details gehen. Auch wenn das einen sehr interessanten Stoff für eine Geschichte abgeben würde. Es wäre alles geboten: Leidenschaft, Wut, Intrige, Hass, Hoffnung, Liebe und Verzweiflung. Aber es ist eine Geschichte, die ich nicht schreiben, sondern die ich hinter mir lassen will.

Ich musste nämlich bemerken, wie die Ereignisse und vor allem meine Reaktionen auf sie dafür gesorgt haben, dass ich mich innerlich immer weiter von meinem Bewusstsein, ein selbstbestimmter Autor – jawohl! – zu sein, entfernt habe. Das erste, was auf der Strecke blieb, war mein Blog. Man muss sich nur mal anschauen, wie viele, oder besser wenige, Beiträge ich im Januar geschrieben habe. Und wie immer lag das nicht daran, dass mir nichts einfiel. Es schien nur so sinnlos zu sein.

Das zweite, was gar nicht mehr richtig klappte, war das Schreiben an sich. Wie denn auch, wenn ich mich nicht einmal mehr selber als Autor wahrgenommen habe? Wie soll ich ein Garn spinnen, von dem vornherein feststeht, dass es niemanden interessieren wird – mich am wenigsten?

Vielleicht hätte das alles einen anderen Verlauf genommen, wenn nicht durch den Fluch, der bis jetzt auf 2018 zu liegen scheint, sowohl die Belastung hier im Haus mit der „virtuellen“ Belastung zusammengetroffen wäre. Aber so war es nun einmal nicht und es bringt nichts, sich mit anderen Szenarien zu beschäftigen.

Aber kann ich davon ausgehen, dass jetzt alles wieder gut wird? Ich weiß es nicht. Was ich sagen kann ist, dass hier im Haus so langsam wieder Grund zu erkennen ist – bis dann irgendwann mein Arbeitszimmer zur Renovierung ansteht. Und was ich sagen kann ist, dass sich Dinge, die zum Dasein als Schriftsteller gehören, seit dieser Woche wieder besser anfühlen.

Meine acht Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die Lesung in Leipzig sind im Moment eifrig bei der Sache zu planen und zu überlegen. Und so sehr ich mich auch vor den paar Minuten auf der Bühne fürchte (allzu viele werden es nicht sein, weil wir ja so viele Lesende sind), so sehr steigt doch die Vorfreude – einfach weil es ein gutes Gefühl ist, sich mit solchen Themen zu beschäftigen.

Dabei habe ich auch bemerkt, dass ich, obwohl ich an der Stelle im Internet, die ich nicht näher benennen möchte, so große Probleme bekommen habe, durchaus mit denselben Leuten auch konstruktive, produktive und kreative Dinge planen und anschieben kann. Das ist eine neue Erfahrung für mich. Und eine, die mir Hoffnung macht.

Man kann also sagen, dass ich mich langsam wieder aus dem kreaTief heraus kämpfe und ich kann nur hoffen, dass es mir dann bald auch wieder gelingt, mich mit Textarbeit auseinander zu setzen – länger als zwei Tage am Stück.

Jetzt wäre mir sehr daran gelegen, wenn ihr mir alle die Daumen drückt, dass dieses anstrengende Jahr nicht schon in den Startlöchern steht, um den nächsten „genialen Schachzug“ auszuführen, um mich wieder zu demotivieren. Aber ich hoffe jetzt einfach mal das beste.

Ich weiß, dass ganz viel von mir selbst abhängt und dass ganz viel meinen eigenen Gedanken und Empfindungen entspringt. Niemand hat oder hatte es planmäßig darauf abgesehen, mir übel mitzuspielen. Ich hätte jederzeit selber die Reißleine ziehen und mich raushalten können.

Dass ich es nicht getan habe und nicht tun konnte, ist ganz allein mein Problem. Wenn man so will, dann auch ganz allein „meine Schuld“. Aber so ist es nun einmal. Alles nicht so einfach. Doch da Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist …

Ich versuche, diese Einsicht nun in Taten umzumünzen und aus dieser Phase zu lernen. Damit es nur ein Straucheln auf meinem Weg war und kein endgültiges Stolpern. Und um meine Projekte endlich wieder in dem Maße fortzuführen, wie ich es mir wünsche.

Mal sehen, wie es wird.

Kommt gut in die neue Woche und passt auf, wo ihr hintretet! 😉

Euer Michael