Der Sonntagsreport vom 22.10.2017: Lasst uns eine Drehtür einbauen

Kennt ihr das, wenn es sich so anfühlt, als ob es Sinn machen würde, die heimische Tür aus festem Holz (oder Metall, oder Glas, oder wasauchimmer) durch eine Drehtür zu ersetzen? Ganz einfach, weil gefühlt alle zehn Sekunden jemand anderes herein kommt und wieder heraus geht? Und nein, ich spreche noch nicht einmal vom Kater, auch wenn der sich an manchen Tagen sicher sehr über eine Katzenklappe freuen würde – die er nicht bekommt, aus Prinzip nicht. So alt, wie unser tierischer Mitbewohner ist, kommt er prompt in den Katzenhimmel, wenn wir die Klappe für teuer Geld haben einbauen lassen. Lohnt also nicht.

Nein, ich hatte euch doch vor einigen Wochen davon berichtet, dass bei uns in Kürze eine neue Küche einziehen wird. Und dieses „in Kürze“ ist in der kommenden Woche. Weil wir, meine Frau und ich, aber nicht nur eine neue Küche ins Auge gefasst haben, sondern auch noch das eine oder andere kleine oder große Projekt am Haus, geben sich hier die Vertreter verschiedener Handwerksbetriebe die Klinke in die Hand.

Dabei kann man erstaunliche Sachen erleben, wenn man sich die Mühe macht, den einen gegen den anderen Handwerker ein wenig auszuspielen. Beliebtestes Mittel der Wahl ist da immer die Debatte über den Preis.

Jetzt bin ich ja niemand, der jeden Pfennig zweimal umdreht (»nein, dreimal«, sagt meine Frau im Hintergrund), aber so ein wenig achte ich dann schon auf Preis und Leistung. Und da fand ich den Preisunterschied für das Terrassendach, das wir uns diese Woche haben skizzieren lassen, schon beachtlich.

Ich meine, vielleicht gibt es ja gute Gründe, warum das Dach einmal runde 11.000 Euro kosten soll und dabei noch nicht einmal so montiert werden kann, wie wir das gerne hätten, und das andere Dach kostet nur ein Drittel dieses Preises inklusive der von uns gewünschten Montage. Beide Unternehmen sind langjährig aktive Handwerksbetriebe mit entsprechenden Referenzen. Es ist einfach nicht nachvollziehbar.

Ich habe da im Stillen für mich eine kleine Querverbindung zum Literaturbetrieb gezogen, wo es ja auch Verlage gibt, die für die Publikation eines Romans mehrere tausend Euro von einem Autor haben wollen, während andere Verlage das sogar ganz umsonst machen! Ist das zu fassen? Man rechne sich mal aus, was für eine Marge da drin steckt. Dagegen ist der Mensch mit seinem 11.000-Euro-Terrassendach ja sogar noch günstig.

Aber ich muss gestehen, dass es mir so langsam doch ein wenig zu viel wird mit den Handwerkern. Nicht, weil das keine netten Menschen wären. Im Gegenteil: Wenn sie einem etwas verkaufen wollen, sind sie sogar die nettesten Menschen der Welt. Man schämt sich fast dafür, ihnen zu unterstellen, dass sie nur so nett sind, weil sie eben etwas verkaufen wollen. Aber ich bekomme langsam ein nervöses Augenzucken, wenn jemand einen Zollstock auspackt, um mal eben etwas ausmessen zu wollen.

Wäre es nicht schön, wenn das für Autoren auch so wäre? Also vor allem für Autoren meiner Kragenweite, die auf dem Weg zur ersten Veröffentlichung sind, aber noch lange nicht an einem Punkt, an dem man davon reden könnte, dass sie so etwas ähnliches wie einen Status besitzen.

Ich denke an eine Drehtür, durch die den ganzen Tag Agenten, Verlagsvertreter und Presseleute kommen und alle wollen etwas von einem. Bis es irgendwann so viele sind, dass man sich fast seine feste Tür wieder wünscht.

Aber das wird nicht passieren. Es werden weiter wir Autoren sein, die Klinken putzen müssen. Und die Türen, auf die wir stoßen, werden oft aus Materialien wie Eisen, Stahl, Beton oder Felsgestein sein. So dass man entweder eine Spitzhacke oder einen Schneidbrenner braucht, um hinein zu kommen.

Bis auf die wenigen von uns, die es wirklich schaffen, sich einen „Namen“ zu erschreiben. Und ich gönne es jeder und jedem von Herzen, es zu schaffen. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, von außen an der Tür zu kratzen und niemand macht auf. Das habe ich unserem Kater abgeschaut, der immer so tut, als wäre er verstoßen worden, wenn nicht binnen Sekunden jemand vor ihm materialisiert und die Türe öffnet. Und wehe, man ist dann nicht binnen weiterer Sekunden an den Futtertöpfen angekommen!

Also: Auch wenn die Drehtür ein Wunschtraum bleibt, sollten wir Autoren weiter dran bleiben. Und uns so teuer wie möglich, aber so realistisch wie nötig, verkaufen. Wir sind die mit dem Premium-Produkt zum guten Preis. Und wir haben es nicht nötig, uns über den Tresen – oder das 11.000-Euro-Dach – ziehen zu lassen.

Habt eine schöne Woche, nach Möglichkeit ohne Handwerker!

Euer Michael


PS: Dieser Beitrag könnte mit Spuren von Unsinn, Ironie oder einfach erhöhter Temperatur durchsetzt sein. Ich würde Fieber messen, aber der Kater hat das Thermometer versteckt.

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Kurz und schmerzlos (27) Das Lese-Dilemma

Wenn es eines gibt, was ich im Normalfall auf den Tod nicht ausstehen kann, dann ist es, mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen. Ich weiß, dass das für viele Menschen kein Problem darstellt und sie sich auf gewisse Weise sogar nicht komplett finden, wenn sie nur ein Buch „in der Mache“ haben. Aber bei mir ist das anders. Ich muss und möchte mich zu 100% auf die Geschichte konzentrieren, der zu folgen ich mich entschlossen habe, auch wenn das bedeutet, dass der Stapel meiner ungelesenen Bücher tendenziell immer höher wird.

Hin und wieder wird diese Einstellung aber auf eine arge Probe gestellt, so wie auch gestern. Denn als ich von der Arbeit nach Hause kam, was das hier eingetroffen:

Der neue Roman

Die neue Kurzgeschichte von Stephen King, die zu allem Überfluss auch noch in der kleinen Stadt Castle Rock spielt, die früher einmal Schauplatz zahlreicher King-Geschichten war, bis er sie in „In einer kleinen Stadt“ mit viel Getöse und im wahrsten Sinne des Wortes zum Teufel jagte.

Aber nun stecke ich noch mitten in einem anderen Roman, der sich leider ein wenig zähflüssiger liest, als ich erwartet hatte: „Relic – Museum der Angst“ vom Autorenpärchen Lincoln/Child.

Und jetzt stehe ich da, mit dem erschreckend kleinen Band von King in der Hand (es sind gerade mal 125 Seiten in Taschenbuchgröße, auch wenn das Buch selbst gebunden ist) und weiß nicht so recht, was ich tun soll. Es gibt da einen regelrechten inneren Dialog:

»Hey, das muss sofort gelesen werden!«

„Aber ich habe das andere Buch noch nicht ausgelesen.“

»Ich doch egal, es ist ja nicht lang.«

„Aber lang genug. Ich mag das einfach nicht.“

»Hör mal: Es ist von King

„Ich weiß, aber …“

»Es spielt in Castle Rock!«

„Ja, gut …“

»Das musst du jetzt sofort lesen!«

Ich habe aber das andere Buch noch nicht ausgelesen!“

Und so weiter, und so weiter. Es können gerne Wetten abgegeben werden, welche der beiden Stimmen sich am Ende durchsetzen wird 😉 .

Der Sonntagsreport vom 08.10.2017 – Wo ist denn das Wochenende geblieben!?

Oh weh, schon ist es wieder Sonntag Spätnachmittag/Abend und ich habe keine Ahnung, wo eigentlich das Wochenende geblieben ist. Aber ich bin mir sicher, wenn ich mich hinsetzen und es mal alles aufschreiben würde, dann würde mir auch wieder einfallen, wo die Zeit geblieben ist. Aber wenn ich damit anfange, dann habe ich wieder eine Stunde mehr oder weniger in den Sand gesetzt, mit der ich vielleicht sinnvolleres anstellen könnte. Oder die mir einfach so zwischen den Fingern zerrinnt.

Eigentlich hatte ich für dieses Wochenende vorgehabt, die Arbeit an den mir vorliegenden Seiten aus dem Lektorat zu einem Abschluss zu bringen, damit ich sie wieder an den Verlag schicken kann. Bis gestern Abend sah es damit auch noch ganz gut aus, aber heute hat es nicht geklappt, die letzten noch fehlenden fünf Seiten zu bearbeiten. Ja, gut, ich habe noch Zeit, aber ich fühle mich auch irgendwie nicht danach.

Irgendwie fühle ich mich nach „Decke über den Kopf ziehen“. Aber ich habe noch ein bisschen was zu tun.

Was mir das Wochenende am meisten zerrissen hat, ist der PC meiner großen Tochter. Dem sollte nämlich eine SSD spendiert werden, damit das Einspielen von Updates oder das simple Hochfahren des Rechners nicht immer Ewigkeiten dauert. Und wenn man schon einmal dabei ist, dann installiert man natürlich auch das Betriebssystem neu – ist ja klar, ansonsten hat man ja direkt die ersten Langsammacher wieder mit im Boot.

Nach bald dreißig Jahren im Geschäft sollte ich eigentlich wissen, dass es niemals trivial ist, einen PC aufzurüsten. Auch wenn da schon eine Menge einfacher geworden ist im Vergleich zu früher. Heute kann man alles kreuz und quer an den Strom und an die SATA-Schnittstellen anschließen. Früher musste man genau aufpassen, welches Laufwerk das erste und welches das zweite sein sollte, weil sonst nichts mehr funktionierte.

Aber trotzdem hatte ich eine Menge „Spaß“ mit der Kiste. Die erste Überraschung war, dass ich nach dem Aufschrauben des Gehäuses nicht nur eine, sondern derer zwei Festplatten vorfand. Oh, stimmt ja, ich hatte nach Erwerb des Komplettsystems noch die Festplatte aus dem alten, abgerauchten Notebook mit eingebaut. Wie gut und vorausschauend, dass ich zu der SSD einen neuen Halterahmen bestellt hatte, in den zwei 2,5″-Laufwerke eingesetzt werden können. Wie schlecht und absolut hirnverbrannt, dass der Kasten, in dem die Festplatten verbaut werden sollen, keinerlei vernünftige Zugänge für ausreichend Strom- und Datenkabel bot. Eine große Herausforderung für Freunde des Zauberwürfels: Das alles hinzubiegen und nicht den PC vor Frust vom Tisch zu fegen!

Aber gut, irgendwann war dann alles verkabelt und ich konnte ans Betriebssystem gehen. Oh, well …

Der erste Blick geht natürlich ins BIOS. Wo die SSD nicht angezeigt wird. Sehr gut! Also Windows durchbooten und mal nachschauen, was da los sein könnte. Oh, die SSD ist nicht formatiert. Wieso auch!? Also schnell nachholen. Dann wieder ins BIOS: Ja, sie wird angezeigt! Aber ich kann sie nicht als Bootplatte einstellen. Okay, das geht vielleicht im Lauf der Installation. Also vom USB-Stick gebootet, wo das Setup drauf war und ja, da ist sie!

Aber was soll die Fehlermeldung, dass ich Windows hier nicht installieren kann? Im Setup noch einmal neu formatiert und es ändert sich … nichts.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon eine leicht pochende Halsschlagader, wie ich zugeben muss. Das Studium diverser Googletreffer brachte mich dann irgendwann darauf, dass die Neuinstallation von Windows zickt, wenn das Setup auf irgendeiner der angeschlossenen Festplatten einen schon vorhandenen Bootloader findet. Und von der Sorte hatte ich ja schon zwei verbaut.

Also alles wieder aufgeschraubt und mit Fingerspitzengefühl die Datenkabel aus den Festplatten gezogen. Dann wieder ins Setup und Juchhu! ich kann Windows installieren!

Und dass die Neuinstallation des Betriebssystems und aller benötigten Programme (bei meiner Tochter zumeist nur Spiele und das geht dank Steam ja recht einfach) auch eine Menge Zeit frisst, das dürfte klar sein. Ich hatte zwischendurch mit einer Software zur Fernwartung experimentiert, aber da riss die Verbindung dauernd ab, weil der WLAN-Stick am Rechner des Kindes Mucken macht.

Und, ach ja, erwähnte ich, dass mein Rechner im Keller steht und der PC meiner Tochter in der zweiten Etage (lauf, kletter).

Okay, ich merke gerade, dass ich mich da wohl ein wenig in Rage geschrieben habe 😉 . Soll nicht wieder vorkommen, zumal jetzt „nur noch“ Restarbeiten zu erledigen sind. Aber wenn man noch ins Kalkül zieht, dass wir das halbe Wochenende zusätzlich (!) noch auf Achse waren, um vielleicht irgendwo mal drei neue Stühle für unser Esszimmer zu finden, wird noch deutlicher, wo die Zeit eigentlich geblieben ist.

Jedenfalls ist es jetzt schon wieder fast eine halbe Stunde her, dass ich mit diesem Beitrag angefangen habe, aber das rechne ich jetzt mal nicht. Auch nicht, dass ich eigentlich noch eine Mail beantworten wollte und dass hier auf dem Blog Kommentare darauf warten, dass ich sie beantworte. Und mein Mailpostfach quillt auch schon wieder über und

UAAAAAAAAAH!!!!!

Wisst ihr, was mich als einziges ein bisschen aufrichtet? In drei Wochen habe ich zwei Wochen Urlaub und auch wenn sich da genügend Zeit finden wird – und auch soll – sinnvollere Dinge zu machen, als an irgendwelchen Computern zu sitzen, werde ich mich doch mit dem einen oder anderen wieder auf den laufenden Stand bringen können.

Oh – und meine Medikamente für die nächsten zwei Wochen muss ich mir auch noch zurecht sortieren!

Ihr merkt schon, dieser Beitrag hier wird nichts mehr und vor allem nicht mehr strukturiert oder etwas anderes als eine Folge von „ich müsste, ich musste und ich hätte zu“.

Und im Hintergrund singt Nena gerade: „Ich bleib‘ heut‘ zu Hause, ich bleibe im Bett“. Der Zufall will es so und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Wir sehen uns morgen in alter Frische, wenn ich ich bis dahin nicht hyperventilierend abgehoben habe und durch die Decke gegangen bin 😉 .

Es wünscht euch einen guten und möglichst entspannten Start in die neue Woche

euer Michael

Rezensionen und ich

Vor beinahe genau eineinhalb Jahren habe ich einen Beitrag geschrieben, in dem ich erklärte, wieso ich eigentlich kaum noch Rezensionen verfasse. Ihr findet ihn hier.

In Kurzform gesagt ging es mir damals darum, dass ich mich in einer Art moralischen Dilemma sah, wenn ich die Werke von anderen Autoren, mit denen ich zu tun habe, schlecht bewerte oder im Zweifel davor zurückschreckte, sie überhaupt zu bewerten, wenn es keine gute Rezension werden würde.

In gewisser Weise treiben mich solche Gefühle heute noch um und am liebsten würde ich jeder Rezension, die ich über „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche, fünf Sterne mit auf den Weg geben. Weil ich genau weiß, wie viel Herzblut jeder von ihnen in das veröffentlichte Werk gesteckt hat und wie seltsam es aussehen mag, dass ich, ebenfalls Autor, ebenfalls Bestandteil der gleichen Blase, mir ein Urteil darüber anmaße.

Aber ich habe früh erkannt, dass ich damit niemandem einen Gefallen tue. Mir nicht, den besprochenen Autoren nicht und vor allem auch meinen Lesern nicht – denen gegenüber ich ja am Ende die meiste Verantwortung trage.

Also gibt es unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ nur solche Rezensionen, die wirklich ehrlich sind und die Dinge ansprechen, die ich für ansprechenswert halte.

Dabei richte ich den größtmöglichen Fokus auf die inhaltlichen Aspekte. Das bedeutet nicht, dass ich eine Myriade von Druckfehlern oder Grammatikschnitzern einfach durchwinken würde, aber im Vordergrund steht die Geschichte, die tatsächliche kreative Leistung.

Manchmal überlege ich, ob ich auch andere Dinge mit einbringen soll, wie zum Beispiel das Coverartwork oder dergleichen. Teilweise gibt es zu den hier besprochenen Romanen wirklich tolle Cover – gerade das zum zuletzt besprochenen „Zarin Saltan“ könnte ich da nennen. Aber für mich gehört es eben nur zu den sekundär wichtigen Begleiterscheinungen der Veröffentlichung und ein Lob wäre für mich eher ein Verdienst des Designers als des Autors bzw. der Autorin.

Nun gibt es ja genug Leser, die immer noch darauf warten, dass ich mal den ersten richtigen Verriss schreibe. Und es ist ja auch nicht so, dass ich immer nur gute Romane lesen würde. Das „Problem“ ist nur, dass diese im Allgemeinen nicht in die Rubrik „Das Schreiben der Anderen“ hinein passen. Denn das Konzept – Besprechungen zu Werken von Autoren, über die ich irgendwie direkt über Social Media, meinen Autorenverein oder sonstiges verbunden bin – ist da nun einmal relativ streng.

Und es kommt noch dazu, dass ich längst nicht alle diese Romane lese. Zum Beispiel bin ich kein besonders großer Freund von reinrassigen Fantasyromanen, wie ihr vielleicht schon gemerkt habt. Dem gegenüber stehen aber sehr viele Autoren, die genau diese schreiben. Es wäre nun aber höchst unfair, wenn ich einen Roman lesen und rezensieren würde, von dem ich schon vorher weiß, dass er es schwer haben wird, mich abzuholen und mitzureißen. Das wäre sozusagen ein Verriss mit Ansage.

Dabei hätte ich durchaus Lust darauf, mal wieder einen knackigen Verriss zu schreiben. Wenn man einmal Gefallen an der Kunstform (ja, das meine ich ernst) Rezension gefunden hat, wird man schnell feststellen, dass es manchmal Spaß macht, so richtig vom Leder zu ziehen. Zündet eine Kerze an, fasst euch an den Händen und fragt nach bei Herrn Reich-Ranicki, der wird euch das gerne bestätigen.

Damit kämpfen zwei Seelen in meiner Brust, denn ich würde mich unwohl fühlen, wenn ich jetzt wahllos irgendwelche Romane hier besprechen würde, zu denen ich eben die oben geschilderte Verbindung nicht habe. Es würde das ganze Konzept über den Haufen werfen, das ich hier verfolge.

Deswegen habe ich angefangen, gedanklich ein wenig herumzuspinnen.

Wie ich in dem oben verlinkten Beitrag erzählt habe, besaß ich einmal eine eigene Rezensionsseite im Internet. Zunächst ganz althergebracht und später dann auf einem eigenen WordPressblog geführt. Zum Schluss schrieb ich dort zwar weitgehend abseits der öffentlichen Wahrnehmung, aber das war mir egal, weil es eben Spaß gemacht hat, meine Meinung zu Dingen zu schreiben, die ich las, die ich sah und die ich hörte.

Nun weiß ich aber auch, dass ich eigentlich jetzt schon zu wenig Zeit habe, um mich um die Dinge zu kümmern, um die sich gekümmert werden muss. Das sagt der Kopf.

Das Herz hat dafür gesorgt, dass ich mir in der letzten Woche die Domain http://www.hoerviews.de wieder gesichert habe, nachdem ich sie vor rund zehn Jahren freigegeben hatte. Ich war sehr überrascht, dass sie tatsächlich noch verfügbar war.

Ob und was ich nun damit mache, das weiß ich noch nicht. Vielleicht verläuft das ja alles im Sande. Aber vielleicht nutze ich diese andere Plattform, wenn ich sie mir erst einmal leidlich schick gemacht habe (alle meine Dateien/Grafiken sind ja noch da), um doch wieder meine hin und wieder schmerzlich vermissten Verrisse schreiben zu können – oder zu loben, wo es angebracht ist, auch wenn ich mit dem betreffenden Autor nicht näher verbunden bin.

Schauen wir mal, ob ich die Zeit dazu finden und sie mir auch nehmen werde. Ich weiß es, ganz ehrlich, noch nicht.

…und um das zu kämpfen, was man liebt

Die letzten Tage ging es mir nicht besonders gut. Nein, das ist sogar noch geschönt. In den letzten Tagen gab es einige Momente, in denen es mir gar nicht gut ging. Das hat man, denke ich, auch gemerkt. Irgendwie war alles zu viel, zu wenig, zu laut, zu leise, zu anstrengend, zu fordernd, zu egal, zu uninteressant, zu unnötig, zu bla.

Das erste, was bei mir immer unter diesen Zuständen leidet, ist das Schreiben. Wenn ich mich nicht gut fühle, dann kann ich einfach nicht „einfach“ meine Gedanken in Kreativität umsetzen.

Es soll ja eine Legion von Schriftstellern geben, die besonders dann produktiv waren, wenn sie gerade eine Phase tiefen Weltschmerzes oder ausgewachsene Depressionen hatten. Menschen, die sich in diesen Zuständen suhlten und getrieben von ihren eigenen Dämonen die beste Prosa fabrizierten, zu der sie fähig waren.

Ich bin nicht so.

Wenn es mir auf diese bestimme Weise nicht gut geht, dann hat das Schreiben für mich nicht nur jeden Sinn verloren, dann scheint es auch niemals wieder einen Sinn zu bekommen. Wer interessiert sich schon dafür, ob ich irgendwelche mittelmäßigen Geschichten erzähle? Es interessiert ja mich selbst schon nicht, also, bitte.

Mit solchen Problemen habe ich immer mal wieder zu kämpfen gehabt. Teilweise hielten sie über Jahre hinweg an. Das waren die Jahre, in denen ich mir vielleicht ein, zwei Mal im Jahr eins meiner Manuskripte auf den Bildschirm geladen habe, ein wenig darin herum scrollte und schließlich seufzend feststellte, dass ich früher mal schreiben konnte, aber jetzt nicht mehr.

Im Laufe der Zeit habe ich mir Strategien dagegen erarbeitet. Oder habe es zumindest versucht. Ich habe gelernt, dass auch eine einzige Seite, im Zweifel sogar eine einzige Zeile, ein Faustpfand sein kann um mich und den kleinen Dämon in mir davon zu überzeugen, dass ich doch noch schreiben kann.

Doch auch das klappt nicht, wenn ich mich so gar nicht gut fühle. Und das Schlimmste ist, dass es mir vollauf bewusst ist, was ich eigentlich zu tun hätte – und es eben nicht auf die Reihe bringe. Kenne ich, gehört zum Krankheitsbild.

Ja, es ist ein Dilemma, denn einerseits weiß ich, dass mir das Schreiben unendlich gut tut und andererseits ist es das, zu dem ich mich am wenigsten in der Lage sehe. Es ist einfach schwer, den ersten Schritt zu tun.

Und im Kopf werden aus Tagen wieder Wochen und aus Wochen wieder Monate und aus Monaten werden Jahre. Dabei sind in der Realität wirklich gerade ein paar Tage vergangen.

Heute, auf der Arbeit, als ich gerade in irgendeiner anderen, erschütternd unkreativen Arbeit steckte, bekam ich auf einmal ein Signal von irgendwo her. Vielleicht aus meinem Herzen, vielleicht aus dem, was man die Seele nennt. Ich weiß es nicht. Dieses Signal sagte: Heute – versuch‘ es!

Also habe ich mich mit klopfendem Herzen zum Beginn der Mittagspause an meinen Text „Die Behüter des Wahren“ gesetzt. Ich wusste nicht, ob ich es schaffen würde, den Anschluss zu finden. Meine letzten Zeilen an dieser Geschichte lagen über drei Wochen zurück.

Dann fing ich an zu schreiben. Und hörte erst nach über 2.500 Worten wieder damit auf.

Ich habe zu viel erlebt, um daraus zu schließen, dass jetzt alles wieder gut ist oder wird. So naiv bin ich nicht mehr. Aber ich habe (wieder) festgestellt, dass ich es kann! Und auch wenn es da diese Stimme in mir gibt, die mir das Gegenteil einreden will, es ist für mich möglich, zu schreiben.

Denn Schreiben ist das, was mir gut tut. Auch dann, wenn es wirklich niemanden außer mir interessieren sollte, was dabei heraus kommt. Schreiben ist auch gut für die Seele!

Und darum ist es gut, für das zu kämpfen, was man liebt.

Die Sümpfe der Traurigkeit

Denjenigen, denen beim Lesen der Überschrift sofort ein Kerzenlicht aufgegangen ist, muss ich nicht lange erzählen, worum es heute geht. Allen anderen muss ich wohl zumindest ein ganz klein wenig auf die Sprünge helfen – wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass sich viele Leser auf meinen Blog verirren, die noch nie von Michael Endes vielleicht schönstem Buch (was man allerdings über fast jedes seiner Bücher sagen kann) „Die unendliche Geschichte“ gehört haben.

„Die unendliche Geschichte“ berichtet von zwei Jungen von etwa zehn Jahren, die viele Gefahren auf sich nehmen, sich selbst und einander gegenübertreten müssen, um am Ende über sich selbst hinauszuwachsen. Einer von ihnen ist eine Figur aus einer Geschichte, der andere ein ganz normaler Junge aus der Menschenwelt.

Eben dieser Junge, der dicke, unsportliche und unbeliebte Bastian Balthasar Bux, raubt einem Antiquar das Buch „Die unendliche Geschichte“, weil er genau auf so eine Geschichte immer schon gewartet hat – eine Geschichte, die niemals zu Ende geht. In ihr liest er von dem gewaltigen Reich Phantásien, das von einem unheimlichen Nichts bedroht wird und sich in Auflösung befindet. Die Herrscherin dieses Reiches, die Kindliche Kaiserin, ist krank und es scheint, dass diese Krankheit der Grund für das Verderben ist, das sich über Phantásien ausbreitet.

Als alle ärztliche Heilkunde versagt hat, wird der weiseste aller Ärzte, der alte Cairon, ausgeschickt, um Atréju aufzusuchen und ihn auf die Große Suche nach einem Heilmittel zu schicken. Atréju ist der andere der beiden Jungen.

Im Laufe der Geschichte erlebt Atréju viele Abenteuer, an denen Bastian immer mehr Anteil nimmt, bis schließlich die Grenzen zwischen der Realität und dem Buch aufbrechen und Bastian selbst nach Phantásien reist, wo er gleichfalls viel erlebt um am Ende doch festzustellen, dass er die ganze Zeit über auf einer Reise zu sich selbst gewesen ist.

Ich kann nicht sagen, wie oft ich diesen Roman gelesen habe. Mit Sicherheit öfter als zehn Mal. Und noch viel häufiger habe ich das gleichnamige Hörspiel gehört, das in den 80ern vom Label Karussell auf drei Kassetten vertrieben wurde. Auch den Film habe ich gesehen, wenn der auch mit dem Buch nicht ganz so viel zu tun hat.

„Die unendliche Geschichte“ hat also immer schon einen gewissen Eindruck auf mich gemacht, kann man sagen. Es ist eines von wenigen Büchern, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene funktionieren – auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Das habe ich gestern Abend wieder einmal festgestellt.

Im Augenblick lese ich nämlich „Die unendliche Geschichte“ meiner jüngeren Tochter vor. Das kam eher zufällig, weil sie eigentlich bislang kein großes Interesse daran hatte, dass man ihr vorliest. Und so lange Bücher schon gar nicht. Aber gut, jetzt sind wir seit vier Tagen dabei und sie freut sich jeden Abend auf die halbe Stunde, die wir uns so vor dem Schlafengehen abknapsen können.

Gestern nun erreichten wir in der Geschichte zusammen mit Atréju die Sümpfe der Traurigkeit, die diesem Beitrag ihren Namen gaben. Atréju sucht diese Sümpfe auf, weil in ihnen das älteste Geschöpf Phantásiens leben soll, die Uralte Morla. Zusammen mit seinem treuen Pferdchen Artax betritt er die Sümpfe, doch Artax wird bald immer langsamer und bewegt sich irgendwann gar nicht mehr.

Das Pferd bleibt einfach stehen und lässt geschehen, dass es immer weiter in den Morast einsinkt. Atréju, der durch ein Kleinod der Kindlichen Kaiserin geschützt wird, versucht, Artax zu helfen, aber das Pferd sagt ihm, dass es die Traurigkeit einfach nicht mehr aushalten kann und dass es die Traurigkeit ist, die es so schwer gemacht hat, dass es untergeht. Es ist so traurig, dass es nur noch sterben möchte.

Während ich die Szene las, bildete sich in meinem Hals ein Kloß. Denn ich stieß hier, vollkommen unerwartet, auf die vielleicht beste literarische Darstellung des Zustands einer schweren Depression, die ich je gelesen habe. Auf jeden Fall ist es die beste kindgerechte Darstellung dieses Zustands.

Jetzt kann man fragen, wieso es wichtig sein könnte, dass Kinder sich mit solchen Dingen auseinander setzen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum einen gibt es Kinder, die mittelbar betroffen sind, weil ihnen nahe stehende Bezugspersonen an Depressionen erkranken. Für diese ist es manchmal sehr schwer zu begreifen, was da gerade passiert und wieso Mama, Papa oder sonst jemand auf einmal ganz anders ist als noch zuvor.

Aber es gibt auch genügend Kinder, die, leider, unmittelbar betroffen sind. Denn Depression ist keine Erkrankung, die nur Erwachsene betrifft. Bei manchen Kindern fängt sie leider schon im Grundschulalter an. Sie wird oft nur nicht erkannt, weil sie sich hinter Begleiterkrankungen wie ADHS oder ähnlichem versteckt.

Ich habe mir ein wenig Zeit genommen, um zu recherchieren und bin dabei darauf gestoßen, dass ich vermutlich der Letzte bin, dem diese Zusammenhänge noch nicht klar geworden waren. Aber auch das kann ich erklären. Als ich „Die unendliche Geschichte“ das letzte Mal las, muss das so 2009 gewesen sein. Ich las das Buch damals nämlich meiner älteren Tochter vor.

Und 2009 war das Thema Depression für mich noch keins. Damals lagen diese ganzen Schübe von Traurigkeit, von Selbstzweifeln und allem anderen (ersparen wir uns die Details) wahlweise in einer lange weg geschobenen und vergessenen Vergangenheit, oder in einer viel zu nahen Zukunft.

Mir ist es schlicht und ergreifend nicht aufgefallen. Die Szene in den Sümpfen war für mich eine traurige Szene in einem Kinderbuch, wie es auch anderswo traurige Szenen gab. Sie gehörte eben dazu. Einen tieferen Sinn dahinter habe ich nicht gesucht und entsprechend auch nicht gefunden.

Gestern dann also der Kloß und die plötzliche Erkenntnis. Mir muss niemand sagen, dass gerade die Romane von Michael Ende immer nur so von mehreren Ebenen der Handlungsdeutung wimmeln. Auch nicht, dass es immer einen Subtext gibt. Dass er diese mit einer mitreißenden Handlung verknüpfen konnte, die eben auch „nur“ als Abenteuergeschichte funktioniert, das ist die große Kunst seiner Erzählweise.

Wisst ihr, was meiner Meinung nach dennoch die große Kunst von uns als denen sein muss, die solche Bücher lesen? Wir müssen uns davon frei machen, jetzt nur noch nach Bedeutung zu forschen. Es darf nicht sein, dass wir kollektiv in das Verhalten von Deutsch-LK-Schülern verfallen, die hinter einer großartigen Erzählung immer auf der Suche nach dem sind, was der Autor uns eigentlich sagen wollte.

Michael Ende war jemand, der stets Abstand davon genommen hat, einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Das hat er gesagt und das kaufe ich ihm ab. Dass wir dennoch in seinen Romanen eine Moral, eine Bedeutung, einen Subtext, eine zweite und dritte Handlungsebene finden können, das zeigt die Größe seiner Erzählkunst und es zeigt, dass es sich manchmal lohnt, die Sichtweise für einen Moment von den gedruckten Worten aufzuziehen – um dann schnell wieder den Fokus umzuswitchen und einfach ein gutes Buch zu lesen.

So wie meine Tochter gestern im einen Moment traurig war über Artax‘ Tod, um im nächsten Moment über die Redeweise der Uralten Morla zu lachen und dann ein ganz klein wenig Angst zu haben, weil Gmork, der Werwolf, sich auf Atréjus Spur gesetzt hat.

Aber wer weiß, was sie eines Tages in diesem Roman finden wird, wenn sie ihn vielleicht ihren eigenen Kindern vorliest?

Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden 🙂 .


PS: Wer ganz viel Langeweile Zeit hat und sich richtig in die Deutungsvielfalt der „Unendlichen Geschichte“ eingraben will, dem empfehle ich als Startpunkt diesen Wikipedia-Eintrag.

Der Sonntagsreport vom 17.09.2017 – Noch ein wenig Prokrastination

Hallo zusammen!

Na, habt ihr ein schönes Wochenende gehabt? Das würde mich freuen, denn mit meinem eigenen bin ich nur so halbwegs zufrieden. Nein, streng genommen bin ich mit den vergangenen zwei Wochen nur so halbwegs zufrieden. Wobei – eigentlich ist es totaler Bullshit (entschuldigt mein Französisch), so zu empfinden. Aber was man auch immer mit Empfindungen anfangen kann: Steuern oder gar abschalten kann man sie nur sehr schlecht.

Was also ist passiert?

Eine sehr profane Sache und noch dazu eine, in die ich sehenden Auges und mit bestem Wissen, was geschehen würde, hinein getappt bin.

In der Autorenblase bei Twitter kursiert in den letzten zwei Tagen ein Selbsttest zum Thema Prokrastination, der von einer wissenschaftlichen Ambulanz der Uni Münster entwickelt wurde. Dieser Test soll es ermöglichen, einen Aufschluss darüber zu geben, wie sehr man von verschiedenen, zumeist psychisch bedingten, Charakteristika betroffen ist. Dabei geht es neben der klassischen Prokrastination, von der ich ja hier schon einmal berichtet hatte, auch um Werte wie Depressivität oder Aufmerksamkeitsdefizit.

Also alles Themen, die dazu geeignet sind, einem so richtig den Tag zu vermiesen, wenn die falschen Ergebnisse bei diesem Test herauskommen.

Aber was bin ich auch so bescheuert und mache diesen Test! Ich meine, ich wusste doch im Vorfeld selbst, wie ich wahrscheinlich aus der Auswertung herauskommen würde. Ich kenne mich selbst gut genug und bin es inzwischen seit Jahren gewohnt, mich selbst zu reflektieren und im Rahmen meiner vorhandenen Probleme an mir zu arbeiten. Oder eben auch zu erkennen, wenn es mal nicht ganz so gut läuft.

Und in den letzten zwei Wochen ist es nicht so gut gelaufen. Wobei es dafür einen handfesten Grund gab: Die körperliche Erschöpfung im Zuge meiner Viruserkrankung hat dazu geführt, dass ich generell nicht unbedingt immer für irgendwas zu gebrauchen war. Wie das eben so ist, wenn man sich krank fühlt. Eben aus diesem Grund wurde ich ja schließlich auch arbeitsunfähig geschrieben.

Aber diese körperliche Krankheit bekommt immer schnell eine zweite, nichtkörperliche Ebene, bei der es sich in der einfachsten Manifestation um eine Art gesteigertes schlechtes Gewissen handelt. Nach oben hin sind dann keine Grenzen gesetzt.

Und in einer solchen Situation fülle ich also einen Selbsttest aus, dessen Ergebnis mich in etwa so überrascht hat, wie es einen frisch von seiner Freundin Verlassenen überraschen dürfte, wenn er in einem Selbsttest über Liebeskummer die volle Punktzahl erreicht.

Ich will nicht in die Details gehen, aber mir sind alle meine „Sünden“ wieder eingefallen. Dass ich in den letzten zwei Wochen so gut wie gar nichts geschrieben habe, zum Beispiel. Dass ich wieder einmal nur mit großer Verspätung auf E-Mails reagiert habe, die mich erreichten, zum zweiten Beispiel. Und dass ich Aufgaben, die ich mir selbst gestellt habe, mit allen möglichen Ausflüchten vor mir her schiebe, zum dritten Beispiel.

Die Ergebnisse sind am Ende so, dass ich mir auf jeden Fall Gedanken darüber machen muss. Ich habe in den vergangenen zwei Wochen gemerkt, wie schnell es geht, in alte Verhaltensmuster zu fallen. Ja, sie sind durch die körperliche Schwäche teils gerechtfertigt. Aber teils ist es einfach auch eine Null-Bock-Stimmung, die aus einer ganz anderen Ecke kommt. Eine Ecke, die ich im Auge behalten und gegen die ich aktiv angehen muss.

Ich habe den Test gestern Abend gemacht und ich denke, es überrascht niemanden, dass ich heute in blanken Aktionismus ausgebrochen bin. Ich habe eine große Runde an „Das Kind“ geschrieben, ich habe auf meiner Festplattenpartition, wo ich alles und nichts speichere, Ordnung geschaffen, ich habe an dem Roman weiter gelesen, für den ich zugesagt habe, den Testleser zu machen.

Das alles sind Übersprungshandlungen, die jetzt in die Normalität zurück sickern müssen. Ich hoffe, dass sie das ab morgen tun werden, wenn ich wieder arbeiten gehe. Unnötig zu erwähnen, dass sich auch diese Tatsache anfühlt wie eine ganz, ganz schwer zu bewältigende Aufgabe. Ich sag’s ja: alte Verhaltensmuster.

Letztlich hat der Test mir nichts Neues offenbart. Das ist gut. Er hat mir allerdings viel vor den Latz geknallt, was, wenn auch aus Gründen, aktuell ist. Das ist schlecht.

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Panik und Gelassenheit, zwischen Aktionismus und geplantem Vorgehen.

Ich glaube, das könnte eine spannende Woche werden.

Euch jedenfalls wünsche ich, dass ihr eine entspannte Woche haben werdet. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich den erwähnten Test verlinken soll, aber letztendlich bekommt ihr ihn mit einer Minute Suchmaschinenarbeit ohnehin zu sehen. Deswegen gibt es hier den Link.

Aber denkt daran: Was bei so einem Test herauskommt, ist nicht das Amen in der Kirche. Es muss im Zweifel abgeklärt werden. Geht also verantwortungsbewusst damit um.

Habt eine gute Zeit!

Euer Michael