An Halloween saß ich nicht an meinem PC-Bildschirm

Es sind wenige Tage im Jahr, aber es gibt sie: Tage, an denen ich nicht vor meinem PC-Bildschirm sitze. Meistens handelt es sich dabei um Tage, an denen ich krank im Bett liege. Aber auch wenn mich jetzt, mit einer Woche Verspätung, oder so, die Erkältung so richtig fies erwischt hat, war das nicht der Grund, warum ich gestern, an Halloween 2017, nicht vor meinem PC-Bildschirm gesessen habe.

Nein, gestern hatte ich das dringende Bedürfnis, mal wieder eine ausgedehnte Runde Bekanntschaft mit meinem Fernseher zu schließen. Denn in einer normalen Woche komme ich kaum dazu, mal mehr als einen Film zu sehen. Wenn ich es denn überhaupt schaffe.

Und da ich in meinen Regalen wesentlich mehr (!) Filme als Bücher stehen habe, ergibt sich so eine Prognose dahingehend, dass ich nur hoffen kann, dass die Medien dem Zahn der Zeit stand halten, bis ich irgendwann mal alt und grau und in Rente bin.

Aber gestern war folgendes Szenario gegeben:

  • Ein freier Tag wegen Feiertag/Urlaub
  • Meine Frau (weil Krankenschwester) tagsüber arbeiten
  • Das kleine Kind (wegen Halloween-Party) nicht zu Hause.

Also beste Voraussetzungen, um vor dem Fernseher zu versumpfen und, dem Tag angemessen, den einen oder anderen Horror-/Gruselstreifen in den Player zu schieben.

Wollt ihr mir kurz auf eine Reise durch das kinematische Schreckenskabinett folgen? 🙂

2 Lava 2 Lantula

Ich mag Filme mit Riesenviechern. Und ich habe eine Schwäche für Filme mit Trashappeal. Und dennoch habe ich diesen Film ganz an den Anfang gesetzt, weil es danach nur noch aufwärts gehen konnte.

Es ist an allen Ecken und Enden sichtbar, dass CineTel, die Produzenten dieses, sagen wir mal freundlich, Schwachsinns, gerne so witzig und kreativ wären wie die Macher der „Sharknado“-Reihe. So weit sind wir also schon gekommen, dass die Billigklitschen gerne so wären wie The Asylum.

Der Film punktet auf der einen Seite mit seinem Stunt-Casting, indem er mit Steve Guttenberg, Michael Winslow und Marion Ramsey drei Darsteller aus den „Police Academy“-Filmen vereint. Leider fiel den Scriptwritern zu Ramsey gar nichts ein, zu Winslow sehr wenig (zumal seine „Fähigkeiten“ als Beatboxer deutlich gelitten haben) und die Figur von Guttenberg wird durch die Synchro endgültig getötet, weil es die ganze Spielzeit hinweg so klingt, als müsse er mit Gewalt die Arschbacken zusammenpressen, weil sonst … ihr wisst schon.

Alles in allem also ein eher vergessenswerter Spinnenfilm ohne Story, ohne Schauwerte, ohne Seele. Schade eigentlich.

Shin Godzilla

Bleiben wir für einen Moment noch bei Riesenviechern.

Der arme Godzilla musste im Laufe seines Lebens viel Schabernack über sich ergehen lassen. Entstanden als Reaktion auf den Atomschock der Japaner wurde er zuerst von einer Geißel Japans zu dessen Schutzpatron, dann gar zum Freund aller Kinder, nur um in den Reboots der Achtziger und der Zweitausender-Jahre mal mehr und mal weniger Kloppe von immer anderen, neuen wie alten, Monsterfreunden zu kassieren. Zwischendurch vergewaltigte Hollywood, genauer gesagt Roland Emmerich ihn, bevor wieder Hollywood ihn nun als Dreh- und Angelpunkt des sogenannten „MonsterVerse“ eingeplant hat.

Die Toho, das heimische japanische Filmstudio, hat sich dennoch nicht lumpen lassen und mit „Shin Godzilla“ ebenfalls einen reinrassigen Reboot der Monstersaga auf die Beine gestellt, der in beinahe jeder Beziehung punkten kann.

Sicher, bei seinem ersten Auftauchen sieht Godzilla aus wie eine Puppe der Augsburger Puppenkiste auf Randaletour (was der Trailer gnädig verschweigt). Und man muss schon einen Sinn für den passenden Humor haben, wenn sicher über eine halbe Stunde hinweg die Vertreter der Regierung in immer neuen Debatten über Zuständigkeiten, Wahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten gezeigt werden.

Aber gerade da spielt „Shin Godzilla“ seine besondere Stärke aus: Er zeigt, dass das Auftauchen einer solchen Bedrohung eben mehr ist als Popcorn und Cola, sondern dass es eine Nation, eine ganze Welt, wirklich an das Äußerste treiben würde. Spätestens wenn die Vereinten Nationen zustimmen, dass die Amerikaner eine Atombombe auf den Stadtkern Tokios abwerfen, wird das mehr als deutlich.

Alles in allem ein etwas anderer „Godzilla“-Film, aber einer aus dem oberen Drittel und mit der coolsten Variante von Godzillas Todesstrahl, die ich je gesehen habe!

The Fog – Nebel des Grauens

Der Film, dessen Schicksal es bei aller Klasse ist, doch immer nur der stetige Zweite im Schaffen von John Carpenter zu sein. Eine hervorragende Bildsprache kombiniert mit atmosphärischen Tönen und Musikstücken. Schauspieler wie Tom Atkins und Jamie Lee Curtis, die auf der Höhe ihrer Zeit agieren. Das alles ist „The Fog“.

Ich weiß nicht, wie oft ich den Film schon gesehen habe, aber da kürzlich das neue Album von John Carpenter mit einer Sammlung seiner Filmthemen erschienen ist, bekam ich Lust darauf, diesen Film wieder einmal anzuschauen. Und man kann festhalten: Die diffusen Gestalten der Rachegeister im Nebel nehmen es auch heute noch mit jedem Zombie auf. Mit jedem einzelnen!

Halloween H20 – 20 Jahre danach

Wenn man, so wie ich, in den Achtzigern für den Horrorfilm sozialisiert wurde, dann war man entweder im Team Freddy, im Team Jason oder eben im Team Michael.

Pizzagesicht Freddy Krüger („Nightmare on Elm Street“), Hockeymaskenträger Jason Vorhees („Freitag der 13.“) und Maskenmann Michael Myers („Halloween“) brachten alle eigene Aspekte und Stärken in die Welt des Slasherfilms ein. Mal bunt und komisch, mal zynisch und brutal und mal atmosphärisch und unaufhaltsam.

Ich war immer schon im Team Michael. Für mich gehört es zur Tradition an Halloween, mindestens einen Film der gleichnamigen Reihe anzusehen. Und da wir das Jahr 2017 schreiben und die Filmreihe (inklusive der beiden Rob Zombie-Remakes) praktischer Weise genau zehn Filme umfasst, war gestern Teil 7 an der Reihe, der in der Serienkontinuität eigentlich gerne Teil 3 wäre, weil er die ursprünglichen Teile 3 bis 6 für ungeschehen erklärt.

Man merkt dem Film natürlich zu jeder Zeit an, dass er im Fahrwasser der damals grassierenden „Scream“-Welle entstanden ist. Auch das trug dazu bei, dass dieser Streifen vom Jugendschutz mit einer FSK 16 durchgewunken wurde, was damals (1998) noch recht außergewöhnlich war. Schade, dass hiernach nicht auch Schluss mit der Serie war, denn sowohl den achten Teil als auch das Reboot kann man meiner Meinung nach getrost vergessen.

Die toten Augen des Dr. Dracula

Oh Mann, man muss sie einfach lieben, die deutschen Titel der sechziger Jahre! In diesem italienischen Gruselfilm (Regie: Mario Bava) sucht man einen Dracula natürlich vollkommen vergeblich und der einzige Doktor ist unser Held, ein zu einem geheimnisvollen Mordfall hinzugezogener Leichenbeschauer. Aber da ungefähr zur selben Zeit auch Freund Frankenstein der Drahtzieher hinter den „Godzilla“-Monstren war, wollte man den alten Blutsauger wohl nicht zurückstehen lassen.

Den ganzen nicht vorhandenen Vampirbezug mal beiseite gelassen (der im Film, bzw. der Synchro, dankenswerter Weise auch erst in den letzten vier Minuten hergestellt wird), befinden wir uns hier auf einer Geisterbahnfahrt der plüschigen Sorte. Man kann jederzeit erkennen, dass die meisten Sets im Studio gebaut sind. Die Darsteller neigen zum Overacting de luxe und gruselig ist das, trotz sehr gelungener Musikuntermalung, natürlich zu keinem Moment.

Trotzdem kann man diesem Film, ebenso wie den Kollegen der britischen Hammer-Studios, seine Wirkung nicht absprechen. Man muss sich eben darauf einlassen, dann macht die Geistergeschichte rund um ein siebenjähriges Mädchen einen Heidenspaß!

Ein Jammer, dass die, zugegeben sehr opulenten, Veröffentlichungen dieser Klassiker nur für teures Geld zu haben sind.

Hostel Part III

Was soll man zur „Hostel“-Filmreihe schreiben, was nicht schon geschrieben wurde? Ja, es ist Gewalt um der Gewalt Willen. Ja, es wird der Tabubruch zelebriert. Und ja, eigentlich ist das alles ziemlich kranker Scheiß.

Aber wo Teil 1 und Teil 2 wenigstens nur gut gemachter kranker Scheiß waren (wie die besseren Teile von „Saw“), ist Teil 3 derjenige aus dem Trio, dem man vor allem anmerkt, dass er keinen Arsch in der Hose hat. Und das, obwohl er jede Menge Ärsche (in anatomischer wie übertragener Sicht) auf den Bildschirm bringt.

Die Geschichte ist immer die selbe: Die Mitglieder eines Clubs von reichen Perverslingen zahlen dafür, dass sie einen Menschen foltern und umbringen dürfen. Das war es, mehr gibt es nicht zu sehen. Mehr braucht es auch nicht. Das hat in Teil 1 und 2 gut funktioniert.

Teil 3 allerdings meint, er müsse noch eine Geschichte drumherum stricken und das Ganze in die Vereinigten Staaten verlegen. Nach Las Vegas, was auch sonst. Und damit schießt er sich, meines Erachtens, selber ins Knie. Auch wenn es ein Klischee ist: Im Osteuropa der Wendeverlierer konnte man sich noch vorstellen, dass es Menschen gibt, die alles tun und organisieren, um an Geld zu kommen.

Aber ein Horrorkabinett, das beinahe inszeniert wird wie eine Varietévorstellung mit applaudierenden Zuschauern? Nein, das ist aufgesetzt und nicht mehr glaubwürdig. Mal davon abgesehen, dass der Film sich, wie gesagt, nicht traut, konsequent zu sein. Und wenn es eines gibt, was Filme des sogenannten Subgenres des Torture Porns brauchen, dann ist es Konsequenz. Frag nach bei „Saw“, frag nach bei „Hostel 1“, frag nach bei „Martyrs“.

Aber gut, einen positiven Aspekt hatte das Ganze: Nach diesem Film war ich endlich müde genug, um ins Bett zu gehen 😉 .


Und, wie habt ihr Halloween so gefeiert oder begangen? Habt ihr auch hin und wieder das Bedürfnis auf so einen Filmmarathon? Wenn ihr wollt, dann verratet es mir 🙂 .

Advertisements

Stephen King/Richard Chizmar „Gwendys Wunschkasten“ – Eine Meinung

Nachdem ich mein Lese-Dilemma dadurch beendete, dass ich tatsächlich erst brav „Relic“ ausgelesen (und dazu demnächst noch was zu sagen) habe, war dann endlich „Gwendys Wunschkasten“ von Stephen King und Richard Chizmar an der Reihe. Und in netto zwei Stunden ausgelesen.

Gut, dass es sich hierbei „nur“ um eine Kurzgeschichte handelte, das war mir ja vorher bewusst. Und das will ich dem schmalen Bändchen auch nicht zum Vorwurf machen, zumal es wirklich gut in der Hand liegt und auch recht schmuck aussieht:

Klingt das so, als ob ich andere Vorwürfe hätte? Nun ja, dieses Wort ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich muss schon sagen, dass ich ein wenig enttäuscht zurückgeblieben bin.

Aber zunächst ein paar Worte dazu, worum es eigentlich geht. Die zwölfjährige Gwendy steht auf der Schwelle zur Mittelschule und versucht verzweifelt mithilfe von Anstrengungsläufen, bis dahin ihren Bauchumfang ein wenig zu reduzieren. Nun, eher ein wenig viel. Denn sie leidet massiv unter den Hänseleien, die einige ihrer Mitschüler auf sie loslassen. Nach einem dieser Läufe wird sie von einem ihr unbekannten Mann angesprochen, der ihr einen geheimnisvollen Kasten schenkt. Dieser Kasten hat Hebel, von denen einer eine geradezu himmlische Schokolade auswirft, von der ein Stück reicht, um nicht nur satt, sondern auch irgendwie besser zu werden, der andere aber lupenreine Silberdollars ausspuckt.

Aber da sind auch noch die Knöpfe und die haben es wirklich in sich, wie der Mann verrät. Jeder Knopf steht für einen Kontinent. Und dann gibt es noch einen roten Knopf, der einem einen Wunsch erfüllen kann. Nur den schwarzen, den sollte man besser ganz schnell wieder vergessen …

Die Geschichte wird auf dem Buchrücken groß angekündigt als „Wiedersehen mit Castle Rock“. Ein Name, der King-Fans elektrisiert wie nur wenige andere Städtenamen aus seinem umfangreichen Werk. Nachdem ich mit dem Buch durch bin muss ich allerdings sagen, dass es vollkommen egal ist, wo die Geschichte spielt. Sie könnte genauso gut auch in Shitty Place, North Dakota spielen und es würde keinen Unterschied machen. Lokalkolorit wird hier mehr behauptet als erzeugt.

Dieses Manko teilt die Geschichte leider auch mit einigen Punkten in der Erzählweise. Dieses Wort drückt nämlich schon ganz schön aus, was ich meine: Viele Dinge werden im Text mehr erzählt, als dass sie gezeigt werden. Das macht es stellenweise alles andere als leicht, sich in Gwendy oder das, was sie erlebt, hinein zu versetzen. Vor allem aber der zweiten Buchhälfte rauschen so viele Geschehnisse wie in einem Zeitstrahl an einem vorbei, ohne dass sie wirklichen Eindruck hinterlassen. Der Bruch mit der besten Freundin? Ist halt so. Das Kennenlernen ihres ersten echten Freundes? Ja, kann halt passieren. Und der große dramatische Moment am Ende ist praktisch vorbei, bevor er wirklich begonnen hat.

Abgesehen von ihrem Kasten, der je nachdem mal Segen und mal Fluch zu sein scheint, ist Gwendys Leben eigentlich ein ziemlich normales. Und da spielt King natürlich seine volle Erfahrung als jemand aus, der es gewohnt ist, uns das Leben von normalen Menschen so zu erzählen, dass wir mit Interesse bei der Sache bleiben.

Dass der große Knalleffekt für mich am Ende ausgeblieben ist, mag für andere Leser anders sein. Es ist immer auch eine Frage der Erwartungshaltung. Und da hatte ich mir von „Gwendys Wunschkasten“ anhand der im Text gemachten Andeutungen (man denke an den ominösen schwarzen Knopf) einfach mehr versprochen.

Es gibt ja Stimmen, die King schon seit langem ein, wie soll ich sagen, sehr aufgeschlossenes Verhältnis gegenüber dem Generieren neuer Einnahmequellen unterstellen. Und die werden sich jetzt wahrscheinlich wieder alle melden und die Frage stellen, wieso es unbedingt eine Soloveröffentlichung dieser Geschichte gebraucht hat, wieso sie nicht auch in den sicher irgendwann kommenden neuen Kurzgeschichtenband integriert werden konnte.

Ich kann diese Stimmen leider nicht verstummen lassen, denn die Frage ist legitim. „Gwendys Wunschkasten“ hat bis auf die, für mich als Leser der Übersetzung sowieso kaum erkennbar nachvollziehbare, Beteiligung von Richard Chizmar, kein Alleinstellungsmerkmal, das sie von den zuletzt veröffentlichten Kurzgeschichten unterscheidet. Aber nun gut, es wird ja niemand zum Kauf gezwungen, wie es so schön heißt.

Bedauert habe ich den Erwerb des kleinen Bandes nicht. Aber ich werde ihn sicherlich auch nicht so bald wieder in die Hand nehmen, um ihn erneut zu lesen, weil es einfach nicht viel in ihm zu entdecken gibt. Das kann man schade finden, muss es aber nicht.

Ich stelle „Gwendys Wunschkasten“ jetzt ins Regal und freue mich auf den November. Da erscheint mit „Sleeping Beauties“ schon der nächste große Roman von Stephen King, dieses Mal zusammen mit seinem Sohn Owen verfasst.

Vom Streicheln und gestreichelt werden bei Rezensionen

Irgendwie schreibe ich im Moment mehr über Rezensionen, als dass ich wirklich rezensiere. Aber das zeigt ja nur, dass es ein Interesse an dem Thema sowohl bei mir, als auch bei meinen Lesern gibt. Und das ist ja erst einmal was Positives.

Über meiner Besprechung zu dem Roman „Zarin Saltan“ bzw. dem anschließenden Beitrag über meinen Spaß am rezensieren, kam es zu einem kleinen Gedankenaustausch, den ich auch in Form eines eigenen Beitrags noch einmal kurz aufgreifen möchte, weil mir bewusst ist, dass nicht jeder hier auch die Kommentare liest.

Kommentator NNIN, der sich in den vergangenen Monaten immer mal wieder mit durchaus kritischen Worten zu meiner Art zu rezensieren zu Wort gemeldet hat, hinterließ mir folgenden Kommentar:

Ich lese die Rezensionen hier auch gerne, wirklich, und finde sie bemerkenswert.
Denn das sind ja gar keine Rezensionen im herkömmlichen Sinne, sondern Streicheleinheiten. 5 Sterne = 5mal übers Fell gestreichelt, 3 Sterne = 3mal usw. Es tut den Autoren sicherlich gut, mal keine gehässige Schmähkritik zu lesen, aber auch keine unglaubwürdige Hochjubelarie zu hören. Und dem Leser wird zur Augen geführt, dass jenseits der Verwertbarkeit auch andere Dinge (Idealismus, Bemühtheit) bei einem Buch zählen können.
Allerdings würde ich mit dem 5maligen Streicheln eher geizig umgehen, denn es ist doch wie beim Abitur in SPD-Bundesländern: wenn von einem Jahrgang 50% einen Einserdurchschnitt kriegen und der Rest eine 2,xx, was ist das wert? Ergo: Wenn richtig Gutes ins Haus kommt, was bleibt? 6 Sterne? 7 Sterne? Nein, nein, der Durchschnitt sollte bei 3 Streicheleinheiten liegen – und wir alle drücken die Daumen, dass hier mal ein wirklicher Rohrkrepierer kommt, der sich das Gestreicheltwerden abschminken kann.

Und, was soll ich sagen, der Mann hat natürlich nicht ganz Unrecht. Wenn ich einen Autor/eine Autorin kenne, vielleicht sogar noch persönlich, dann gehe ich natürlich mit einem ganz anderen Blickwinkel heran, als wenn es sich um einen mir vollkommen fremden Menschen handelt. Das gebietet aus meiner Sicht schon die Höflichkeit. Und ja, es ist auch ein Ausdruck dessen, wie ich selber gerne behandelt werden möchte.

Allerdings ändert es nichts an meinem Anspruch, wie ich ihn auch bei jeder Rezension im Disclaimer formuliere: Ich mache keine Gefälligkeitsbesprechungen, weil ich glaube, dass damit am Ende allen Beteiligten, nämlich dem Autor, dem Roman, dem Leser und mir selbst, geschadet würde.

Eigentlich wäre damit vielleicht sogar alles gesagt, aber der zweite Absatz von NNINs Kommentar hat mich nachdenklich gemacht. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich in der Tat in einem SPD-Bundesland mein Abitur gemacht habe 😉 .

Die Frage ist ganz einfach, inwiefern es mit einem starren Bewertungssystem möglich ist, eine wirkliche Gerechtigkeit hinzubekommen, ohne dass man einseitig zu gut oder zu schlecht bewertet. Dabei ist es vollkommen egal, ob dieses System auf Schulnoten beruht, oder auf Prozentzahlen, oder eben auf Sternen.

Tatsächlich ist es ein Problem von Rezensionen als solches, das sich quer durch sämtliche Medien zieht, die sich jemals mit der Besprechung von Dingen auseinandergesetzt haben. Ich kenne die Diskussion seit den 80er-Jahren, als zwischen den Anhängern der Computerzeitschriften „ASM – Aktueller Software Markt“ und „Powerplay“ eine Art Grabenkampf herrschte, ob das 12-Punkte-Bewertungssystem der einen Publikation besser oder schlechter sei als das Prozentsystem der anderen.

Und so wenig auf den ersten Blick beinahe antike Computerspiele mit modernen Romanen gemeinsam haben, so ähnlich sind sich die Probleme, wenn man einmal darüber nachdenkt. Es geht schon mit dem Genre los. Kann man einen Liebesroman wirklich exakt so beurteilen wie einen Horrorroman? Ich denke, dass es nicht möglich ist, weil man sich in einem ganz anderen Ökosystem der Literatur bewegt. Beide haben ihre Wurzeln in vollkommen anderen Richtungen und funktionieren auf unterschiedliche Weise. Was bei dem einen Roman ein Mittel der Wahl sein kann, ist bei dem anderen ein absolutes No-Go.

Aber am Ende des Tages muss ich sie beide in ein 5-Sterne-System quetschen, weil Amazon sich halt in unserer digitalen Bücherwelt als das Maß aller (Rezensions-)Dinge etabliert hat und ich den Autoren, die ich hier bespreche, nur zu gerne ein wenig Aufmerksamkeit in Form einer Amazon-Rezension zukommen lassen möchte.

Ein anderer Faktor, auf den auch bereits seit langem immer wieder hingewiesen wurde, ist die Tatsache, dass ein Werk, gleich welcher Art, immer nur zum Zeitpunkt seines Erscheinens bewertet werden kann – jedenfalls schließe ich mich dieser Ansicht an.

In meiner Entgegnung zu NNINs Kommentar habe ich es schon geschrieben: Kann ich wirklich einem Schüler, der eigentlich eine noch heutigem (!) Stand gute Note verdient hätte, diese verwehren, weil es da einmal einen besseren Schüler gegeben hat, gegen den er dann doch abfällt? Oder muss ich vorsichtig handeln, weil es könnte ja auch mal ein deutlich besserer Schüler kommen.

Ich habe (auch) solche Lehrer gehabt und es war verdammt frustrierend, sich abzuarbeiten und am Ende dann doch nur mit der Silbermedaille, also einer zwei, da zu stehen. In unserer Abi-Zeitung hat das ein Mitschüler über unseren Sportlehrer gut auf den Punkt gebracht: „Auch Leichtathletik war dabei, für Weltrekord, da gab’s ’ne zwei.“

In Bezug auf Romane muss es zwangsläufig noch frustrierender sein, wenn die Autorin einer Liebesgeschichte immer in Bezug auf „Romeo und Julia“ bewertet wird, oder der Autor des Horrorromans sich sagen lassen muss, dass Stephen King das alles schon mal geschrieben hat – nur besser.

Ich schreibe diesen Beitrag, der als Antwort auf einen Kommentar begann, auch deswegen, weil mir hierfür keine Lösung einfällt und ich mir auch nicht sicher bin, ob es überhaupt eine gibt. Oder ob es wünschenswert wäre, dass es eine gäbe.

Deswegen möchte ich die Frage gerne zur Diskussion stellen und würde mich über Meinungen – vielleicht auch von den bis jetzt hier rezensierten Autoren – sehr freuen!

PS: Ja, ich weiß, Katzenfoto als Aufhänger. Aber wären euch ein Wellensittich, ein Pferd oder gar eine Maus wirklich lieber gewesen? 😀

Rezensionen und ich

Vor beinahe genau eineinhalb Jahren habe ich einen Beitrag geschrieben, in dem ich erklärte, wieso ich eigentlich kaum noch Rezensionen verfasse. Ihr findet ihn hier.

In Kurzform gesagt ging es mir damals darum, dass ich mich in einer Art moralischen Dilemma sah, wenn ich die Werke von anderen Autoren, mit denen ich zu tun habe, schlecht bewerte oder im Zweifel davor zurückschreckte, sie überhaupt zu bewerten, wenn es keine gute Rezension werden würde.

In gewisser Weise treiben mich solche Gefühle heute noch um und am liebsten würde ich jeder Rezension, die ich über „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche, fünf Sterne mit auf den Weg geben. Weil ich genau weiß, wie viel Herzblut jeder von ihnen in das veröffentlichte Werk gesteckt hat und wie seltsam es aussehen mag, dass ich, ebenfalls Autor, ebenfalls Bestandteil der gleichen Blase, mir ein Urteil darüber anmaße.

Aber ich habe früh erkannt, dass ich damit niemandem einen Gefallen tue. Mir nicht, den besprochenen Autoren nicht und vor allem auch meinen Lesern nicht – denen gegenüber ich ja am Ende die meiste Verantwortung trage.

Also gibt es unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ nur solche Rezensionen, die wirklich ehrlich sind und die Dinge ansprechen, die ich für ansprechenswert halte.

Dabei richte ich den größtmöglichen Fokus auf die inhaltlichen Aspekte. Das bedeutet nicht, dass ich eine Myriade von Druckfehlern oder Grammatikschnitzern einfach durchwinken würde, aber im Vordergrund steht die Geschichte, die tatsächliche kreative Leistung.

Manchmal überlege ich, ob ich auch andere Dinge mit einbringen soll, wie zum Beispiel das Coverartwork oder dergleichen. Teilweise gibt es zu den hier besprochenen Romanen wirklich tolle Cover – gerade das zum zuletzt besprochenen „Zarin Saltan“ könnte ich da nennen. Aber für mich gehört es eben nur zu den sekundär wichtigen Begleiterscheinungen der Veröffentlichung und ein Lob wäre für mich eher ein Verdienst des Designers als des Autors bzw. der Autorin.

Nun gibt es ja genug Leser, die immer noch darauf warten, dass ich mal den ersten richtigen Verriss schreibe. Und es ist ja auch nicht so, dass ich immer nur gute Romane lesen würde. Das „Problem“ ist nur, dass diese im Allgemeinen nicht in die Rubrik „Das Schreiben der Anderen“ hinein passen. Denn das Konzept – Besprechungen zu Werken von Autoren, über die ich irgendwie direkt über Social Media, meinen Autorenverein oder sonstiges verbunden bin – ist da nun einmal relativ streng.

Und es kommt noch dazu, dass ich längst nicht alle diese Romane lese. Zum Beispiel bin ich kein besonders großer Freund von reinrassigen Fantasyromanen, wie ihr vielleicht schon gemerkt habt. Dem gegenüber stehen aber sehr viele Autoren, die genau diese schreiben. Es wäre nun aber höchst unfair, wenn ich einen Roman lesen und rezensieren würde, von dem ich schon vorher weiß, dass er es schwer haben wird, mich abzuholen und mitzureißen. Das wäre sozusagen ein Verriss mit Ansage.

Dabei hätte ich durchaus Lust darauf, mal wieder einen knackigen Verriss zu schreiben. Wenn man einmal Gefallen an der Kunstform (ja, das meine ich ernst) Rezension gefunden hat, wird man schnell feststellen, dass es manchmal Spaß macht, so richtig vom Leder zu ziehen. Zündet eine Kerze an, fasst euch an den Händen und fragt nach bei Herrn Reich-Ranicki, der wird euch das gerne bestätigen.

Damit kämpfen zwei Seelen in meiner Brust, denn ich würde mich unwohl fühlen, wenn ich jetzt wahllos irgendwelche Romane hier besprechen würde, zu denen ich eben die oben geschilderte Verbindung nicht habe. Es würde das ganze Konzept über den Haufen werfen, das ich hier verfolge.

Deswegen habe ich angefangen, gedanklich ein wenig herumzuspinnen.

Wie ich in dem oben verlinkten Beitrag erzählt habe, besaß ich einmal eine eigene Rezensionsseite im Internet. Zunächst ganz althergebracht und später dann auf einem eigenen WordPressblog geführt. Zum Schluss schrieb ich dort zwar weitgehend abseits der öffentlichen Wahrnehmung, aber das war mir egal, weil es eben Spaß gemacht hat, meine Meinung zu Dingen zu schreiben, die ich las, die ich sah und die ich hörte.

Nun weiß ich aber auch, dass ich eigentlich jetzt schon zu wenig Zeit habe, um mich um die Dinge zu kümmern, um die sich gekümmert werden muss. Das sagt der Kopf.

Das Herz hat dafür gesorgt, dass ich mir in der letzten Woche die Domain http://www.hoerviews.de wieder gesichert habe, nachdem ich sie vor rund zehn Jahren freigegeben hatte. Ich war sehr überrascht, dass sie tatsächlich noch verfügbar war.

Ob und was ich nun damit mache, das weiß ich noch nicht. Vielleicht verläuft das ja alles im Sande. Aber vielleicht nutze ich diese andere Plattform, wenn ich sie mir erst einmal leidlich schick gemacht habe (alle meine Dateien/Grafiken sind ja noch da), um doch wieder meine hin und wieder schmerzlich vermissten Verrisse schreiben zu können – oder zu loben, wo es angebracht ist, auch wenn ich mit dem betreffenden Autor nicht näher verbunden bin.

Schauen wir mal, ob ich die Zeit dazu finden und sie mir auch nehmen werde. Ich weiß es, ganz ehrlich, noch nicht.

Das Schreiben der Anderen: „Zarin Saltan“ von Katherina Ushachov

Märchen, bzw. die Adaption von Märchenstoffen, boomen in den letzten Wochen und Monaten. Immer öfter trifft man auf alte Bekannte aus der Kindheit, etwa auf das Rotkäppchen, Schneewittchen war auch schon vertreten und eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis uns der Froschkönig als genetische Mutation vor die lesefreudigen Augen hüpft. Aber Spaß beiseite: Eine ganze Reihe Autoren haben festgestellt, dass die alten Märchenstoffe sich, mit ein wenig Aufwand, in fantastische Geschichten umdeuten lassen, in denen, dem Genre entsprechend, mal mehr und mal weniger deutliche Fantasy-Elemente verwoben sind.

Mit dem Kurzroman „Zarin Saltan“ von Katherina Ushachov liegt nunmehr bereits der achte Teil aus der sogenannten „Märchenspinnerei“-Reihe vor, die sich genau das soeben geschilderte Prinzip zu eigen gemacht hat. Und da Katherina zu den treuesten unter meinen Leserinnen und Kommentatorinnen zählt, war eine Rezension für mich Ehrensache.

Wenn auch eine, die mich doch vor Probleme gestellt hat …


Mit „Zarin Saltan“ aus der Feder von Katherina Ushachov erscheint der achte und (vorerst?) letzte Band aus der Reihe der „Märchenspinnerei“. In dieser Reihe werden mehr oder weniger bekannte Märchen umgedeutet, oder -interpretiert, und dadurch für unsere modernen Lesegewohnheiten erschlossen.

Nachdem in anderen Romanen ähnlicher Natur gerne auf die Volksmärchen der Brüder Grimm zurückgegriffen wurde und wird, mit denen mehr oder weniger jeder deutschsprachige Mensch aufgewachsen sein dürfte, macht es „Zarin Saltan“ dem Leser nicht ganz so leicht, handelt es sich doch um die Umsetzung des klassischen russischen Märchens „Zar Saltan“ – von dem ich, zu meiner Schande, vorher noch nie etwas gehört hatte.

Das stellt mich für diese Rezension vor das Problem, dass ich einige der Kritikpunkte, die ich anbringen möchte, vielleicht an die falsche Adresse richte, weil die Autorin hier einfach den Plot des Ursprungswerks übernommen hat. Dennoch halte ich die Kritik für gerechtfertigt, denn im Zweifel muss dieses Werk, wie bei mir, eben auch für sich ganz alleine stehen können.

Zu Beginn dachte ich, ich wäre in einem falschen Roman gelandet, denn anhand der bisherigen und vor allem der in Vorbereitung befindlichen Vita von Katherina Ushachov hatte ich nicht damit gerechnet, mich plötzlich in einer russischen Dating-Show wieder zu finden.

Dort treffen die beiden Hauptpersonen der Geschichte, Großfabrikant Viktor und Studentin Anna, aufeinander, nachdem sie beide sich schon zuvor bei einer flüchtigen Begegnung in der Lokalität, in der Anna kellnert, sofort und unsterblich ineinander verliebt haben.

Das Schicksal scheint den beiden auch treu und gewogen zu bleiben. Auf das erste Beschnuppern folgt eine tiefe und starke Beziehung, die in einem Heiratsantrag nach wenigen Wochen gipfelt. Das junge Glück scheint perfekt zu sein, wenn es da nicht leise Misstöne von Seiten der Freundinnen Annas gäbe.

Denn diese beiden, die Anna überhaupt erst zur Teilnahme in der Kuppel-Show überredet haben, hatten ebenfalls ein oder zwei Augen auf den stattlichen Viktor geworfen, der noch dazu mit seinem Reichtum eine extrem gute Partie abgibt.

Und so kommt es dazu, dass während einer berufsbedingten Abwesenheit Viktors die Dinge einen Lauf nehmen, der geradewegs in eine Katastrophe zu münden scheinen.

Der folgende Absatz enthält SPOILER und sollte daher im Zweifel übersprungen werden!

Tanja und Sabrina, die beiden Freundinnen, erschleichen sich über ein Hilfsangebot Zugang in den Haushalt Annas und schieben ihr einen Drogencocktail unter, der sie auf massive Weise halluzinieren lässt und schließlich dazu führt, dass sie im Drogenwahn in eine Klinik eingeliefert und dort mit einer Zwangsjacke fixiert wird. In diesem Zustand wird sie jedoch von Irina, einer guten Fee in Gestalt eines Eichhörnchens, aufgesucht, die in Anna die letzte Chance sieht, noch einmal in ihre alte, menschliche Gestalt zurückverwandelt werden zu können. Deswegen versetzt sie Anna in die Gestalt einer Hummel und fliegt mit ihr gen Russland, wo es zu einer Zusammenführung mit Viktor und zur Aufklärung aller Geschehnisse kommt.

SPOILER ENDE

Es ist wahnsinnig schwer, die Geschichte eines Märchens zu erzählen, ohne sofort alles Mögliche über die Handlung zu verraten. Bei einem der oben erwähnten klassischen „deutschen“ Märchen hätte ich hier deutlich weniger Skrupel gehabt. Wir alle wissen, was mit Hänsel und Gretel passiert. Ich muss niemandem verheimlichen, dass Dornröschen nach vielen, vielen Jahren von ihrem Prinzen gerettet wird und auch die Tatsache, dass beim Wolf und den sieben Geißlein am Ende alle, nur nicht der Wolf, aus der Geschichte gut herauskommen, ist allgemein bekannt.

Hier aber stehe ich vor dem Problem der Deutung, was wohl klassisches Märchengut und was neue Dichtung ist.

Auf mich wirkte die Handlung an einigen Stellen etwas zerrissen, was vielleicht genau diesem Problem in der Deutung geschuldet ist. Ich hatte das Gefühl, mich mehr in einzelnen Episoden oder „Akten“ zu befinden, von denen man den ersten vielleicht „Das glückliche Paar“, den zweiten „Dunkle Schatten und wilde Tiere“ und den dritten „Eichhörnchen und Hummel“ überschreiben könnte.

Grundsätzlich gefällt mir der hiermit einher gehende Genremix. Nach dem sehr prosaischen, um nicht zu sagen an der Grenze zum Kitsch vorbei schrammenden, Start kommen durchaus Elemente des Spannungs- und schließlich des Fantasy-Romans in die Geschichte, was ihr sehr gut tut und keine Langeweile aufkommen lässt.

Aber die Übergänge zwischen den Akten holpern ein wenig, sie brauchen jeder für sich eine gewisse Anlaufzeit. Stellenweise fühlen sie sich auch an, als ob sie gar nichts mit dem bisher Gelesenen zu tun hätten. Das betrifft vor allem den dritten Akt.

Dazu passt auch, dass Anna mir über die gesamte Geschichte hinweg als sehr passiv erscheint. Zuerst wird sie von ihren Freundinnen zur Teilnahme an der Dating-Show gezwungen. Dann überlässt sie scheinbar Viktor das alleinige Vorantreiben der Beziehung. Und zum Schluss begibt sie sich voll und ganz in die Hände von Irina. Das macht es leider schwer, mit Anna wirklich mitzufiebern.

Die Perspektive von Viktor ist dagegen schon deutlich griffiger und packender geschildert. Viktor ist für mich eine wirklich dreidimensionale Figur, die zwar auch ihre schwachen Momente hat (Liebe auf den ersten Blick), aber andererseits selbst im Vollrausch noch versucht, die Dinge entweder selbst zu kontrollieren, oder sich zumindest der Hilfe seines Assistenten zu versichern. Im übrigen eine Dynamik, die mir sehr gut gefallen hat.

Dagegen bleibt die Beziehung zwischen Anna und ihren angeblich besten Freundinnen Tanja und Sabrina eher blass. Ja, wir erfahren, dass natürlich auch diese beiden sich sehr gut eine Beziehung mit dem russischen Magnaten hätten vorstellen können, aber die Art und Weise und die Mittel, zu denen sie schließlich greifen, um das Glück von Anna und Viktor zu (zer-)stören hätten aus meiner Sicht eine bessere Unterfütterung benötigt. Immerhin haben wir es hier mit erwachsenen Frauen zu tun, die wissen müssten, dass Liebe sich nicht erzwingen lässt.

Ähnliches gilt für die Märchenleidenschaft von Anna, die Grundvoraussetzung dafür ist, dass sie die Ereignisse im dritten Akt hinnimmt, wie sie es tut, aber über den Text hinweg mehr behauptet denn richtig aufgebaut wird.

Vielleicht wäre es für die Geschichte besser gewesen, wenn die Autorin sich an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Erzählzeit gegönnt hätte, um die beschriebenen Kritikpunkte auszumerzen. Ich bin mir sicher, dass sich das Endergebnis dadurch runder angefühlt hätte. Zumal man an vielen Stellen ganz genau merkt, dass Katherina Ushachov durch ihre eigenen ukrainischen Wurzeln dem Stoff eine ausgewogene Authentizität verleihen kann.

Mein Fazit fällt daher insgesamt etwas zwiespältig aus, denn auf der einen Seite steht mit Viktor eine Erzählperspektive, die mir gut gefallen hat, dafür auf der anderen Seite mit Anna eine, die mir stellenweise einfach zu blass bleibt. Die Einbettung klassischer Märchen-/Fantasymotive ist ein belebendes Element, kommt im Rahmen der Geschichte aber einfach ein wenig spät und plötzlich.

Wo man Katherina Ushachov keinerlei Vorwürfe machen kann, ist die formale Präsentation des Romans. Die verwendete Sprache passt sehr gut zu den Figuren und ist auch in den drei Akten in sich stimmig. Der Roman lässt sich sehr gut lesen.

Wie bereits Eingangs gesagt, vielleicht tue ich der Autorin in gewisser Hinsicht Unrecht, weil ich die Vorlage nicht kenne und die Schwächen, die ich benenne, auf diese zurückzuführen sind. Dann täte es mir leid. Aber in der vorliegenden und für sich stehenden Form wiegen mir die Brüche und die Passivität einer der wichtigen Erzählperspektiven zu schwer, so dass ich hier leider nur drei (sehr starke) Sterne vergeben kann.


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

Das Schreiben der Anderen: „Einmal im Jahr für immer“ von Sarah Ricchizzi

Man könnte glauben, dass im Moment Depressions-Festspiele auf „Mein Traum vom eigenen Buch“ ausgebrochen sind. Aber ich schwöre, dass ich von ganz, ganz anderen Dingen ausgegangen war, als ich mich an den Roman „Einmal im Jahr für immer“ von Sarah Ricchizzi begeben habe. Mehr dazu könnt ihr in der folgenden Rezension lesen.


Im Normalfall gehöre ich zu den Menschen, die sich nicht gerne von Klappentexten dazu animieren lassen, einen Roman zu kaufen. Viel zu oft habe ich schon erlebt, dass das Blaue vom Himmel herunter versprochen wurde und am Ende dann doch in der Hauptsache ein Ballon mit heißer Luft daraus wurde.

„Ballons“ sind ein gutes Stichwort für diesen Roman, denn ausnahmsweise war es eben doch der Klappentext, der die Kaufentscheidung zu 100% angeregt hat.

Da ist also eine Frau, eine trauernde Witwe, die sich in sich selbst vergräbt. Bis eines Tages ein Clown bei ihr erscheint, eine Hüpfburg aufbläst und auch sonst allen möglichen und unmöglichen Schabernack anstellt. Ich gebe zu, als ich das gelesen hatte, war ich auf einen möglicherweise witzigen Fantasyroman eingestellt. Ich meine: Ein Clown? Hüpfburg im Wohnzimmer? Regenbogen?

Aber nein, ich sah mich getäuscht. Zwar merkt man dem Roman von Sarah Ricchizzi an, dass sie eine große Fantasie besitzt, aber er ist zu jedem Zeitpunkt in der Realität verankert. In einer nicht ganz alltäglichen Realität.

Wir lernen Amelie Red kennen, kurz bevor der Clown in ihr Leben tritt. Ihr Mann Mathiew hat sich vor einiger Zeit das Leben genommen und dies hat sie vollkommen aus der Bahn geworfen. Sie geht nirgendwo mehr hin, sie lässt niemanden mehr zu sich ein, sie spricht mit niemandem. Und dann steht eines Tages auf einmal der Clown in ihrem Badezimmer – als sie gerade nackt ist.

Der Clown ist ein älterer Mann, der sich allerdings alle kindliche Infantilität bewahrt hat, die man sich so vorstellen kann. Er bringt Farbe in Amelies leben, indem er die Wände mit Farbeimern bespritzt. Er bläst besagte Hüpfburg auf und schläft darin. Er nutzt den Swimmingpool hinter dem Haus dafür, um die überall herumliegende dreckige Wäsche zu waschen.

Kurz: Er treibt Amelie an allen möglichen und unmöglichen Fronten an ihre Grenzen und ein gutes Stück darüber hinaus. Und im Laufe der Zeit, als sich Clown und Amelie immer besser kennen lernen, stellt sich heraus, dass eine Absicht dahinter steckt.

„Einmal im Jahr für immer“ ist kein Buch, das es seinem Leser einfach macht. Eigentlich ist es sogar ein stellenweise tieftrauriges Buch und wenn die Geschichte nicht immer wieder humoristisch gebrochen würde, wäre es keine leichte Lektüre.

Das war allerdings auch nicht das, was Sarah Ricchizzi vorgeschwebt hat, als sie es schrieb. Schon die Art, in der hier Sprache verwendet wird, deutet darauf hin. Das macht es an manchen Stellen andererseits auch etwas mühselig, der Geschichte zu folgen.

Zumal die Geschichte insgesamt keine ist, der man allzu leicht folgen kann, weil sie zwar überwiegend linear erzählt wird, allerdings etwas hoch Fragmentarisches hat. Es werden einzelne – wichtige – Streiflichter aus dem veränderten Leben Amelies und des Clowns gezeigt. Den übergeordneten Bogen über all das spielt eine gewisse Zeitspanne, die für den Roman Wichtigkeit hat.

Besonders deutlich wird dieses in sich Zerrissene, wenn ab einem gewissen Punkt in der Handlung umfangreiche Briefe Amelies an ihren verstorbenen Mann Teil der Handlung werden. Hier verschwimmen dann teilweise auch die Zeitformen und es ist nicht ganz klar, ob wir uns in einer soeben erlebten Gegenwart aufhalten, oder ob eine schon etwas länger zurückliegende Vergangenheit thematisiert wird.

Aber umso seltsamer war es für mich zu erleben, dass ich eine stringente Geschichte, die ohne Umschweife von A nach B erzählt wird, überhaupt nicht vermisst habe. Denn in „Einmal im Jahr für immer“ geht es um Gefühle, die einfach hervorragend geschildert werden. Es geht um Trauer, es geht um Liebe, es geht um Verlust. Immer wieder nimmt Ricchizzi die verschiedenen Sichtweisen auf ein Kernproblem ein, beziehungsweise lässt ihre Charaktere dies tun.

Dieses Kernproblem lautet Depression und es ist ein Thema, dem man gerade in einem Roman, der ja seiner Natur nach erst einmal unterhalten soll, sehr schwer gerecht werden kann, ohne sich in Allgemeinplätzen zu verlieren. Ganz gelingt dies der Autorin nicht, aber es sind sehr wenige Stellen an denen man gedanklich ins Stolpern gerät und sich fragt, ob das nun „richtig“ ist, was man gerade liest.

Auch dies ist eine Lehre, die man aus dem Roman ziehen kann: Es gibt kein ultimatives Richtig und es gibt kein ultimatives Falsch. Amelie Red stellt sich diesen Dämonen und macht damit im Laufe des Romans eine Entwicklung durch, die absolut nachvollziehbar und glaubhaft ist.

Und irgendwann geht es einem als Leser wie Amelies Eltern im Buch: Der Clown ist einfach anwesend und wird als solches akzeptiert. Ja, es ist geradezu schockierend, wenn an mehreren Stellen zu Tage tritt, dass der Clown eben keine Fantasygestalt sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut ist.

Alles in allem war ich lange der festen Überzeugung, dass ich diesem Roman die Höchstwertung geben würde, aber die wurde leider ganz zum Schluss noch um einen Punkt gedrückt. Denn leider konnte Sarah Ricchizzi der Versuchung nicht wiederstehen, den Beteiligten so eine Art „wrap-up“ zu geben, in dem bis weit in die Zukunft hinein ihr weiterer Lebensweg gezeichnet wird.

Dies tut sie zwar sehr kurz und knapp, aber für mich hat es einiges von der Magie des Augenblicks zerstört, den das eigentliche Ende auf mich ausgeübt hat. Die Geschichte beginnt mit dem Erscheinen und dem Einzug des Clowns und sie sollte daher auch mit seinem Auszug enden. Was danach passiert fügt der Handlung nichts mehr hinzu, es ist ein abarbeiten von Daten auf einem Kalender.

In einem anderen Roman hätte mich dies vielleicht nicht derart gestört, dass ich gleich einen ganzen Punkt abziehe, aber hier ist der emotionale Impact der Szenen, die ich als das eigentliche Ende ansehe, so groß, dass für mich ein bitterer Beigeschmack bleibt. Andere Leser wird dies vermutlich weniger stören als mich, diese können also unbedenklich auf die volle Punktzahl aufrunden.

So oder so ist „Einmal im Jahr für immer“ ein Roman, dessen Lektüre ich empfehlen möchte. Man sollte nur keine Angst vor großen Gefühlen haben!


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

Das Schreiben der Anderen: „Entfesselter Tod“ von Marcus Johanus

Nachdem Marcus Johanus mit „Tödliche Gedanken“ und „Tödliche Wahrheit“ zwei Jugendromane mit fantastischem Einschlag geschrieben hat, die allerdings auch schon an der Grenze zum Thriller balancierten, legt er nunmehr mit „Entfesselter Tod“ seinen ersten eindeutig auf ein erwachsenes Publikum zugeschnittenen Thriller vor. Gleichzeitig ist dies auch sein Romandebüt im Selfpublishing.

Ich war gespannt, wie er diese beiden Schritte hinbekommen würde.


Die Ausgangslage dieses Buches ist so einfach wie erschreckend: Eine junge Prostituierte wird in der Nachstellung eines alten Tricks eines ehedem bekannten Entfesselungskünstlers vor laufender Kamera ermordet.

Wenige Stunden zuvor werden wir als Leser Zeuge, wie eben dieser Entfesselungskünstler, Christopher Vanick, eine Auseinandersetzung mit seiner langjährigen Assistentin Mara Winter hat. Sie möchte endlich wieder zurück auf die Bühne, die er nach einem Unfall während einer Aufführung vor einigen Jahren, scheinbar endgültig verlassen hat, um sich ganz dem Alkohol und seinen Depressionen hinzugeben.

Ohne es Christopher zu sagen hat Mara für den heutigen Abend ein Engagement angenommen und verlässt, nach einem letzten Versuch, ihn zu einem Entgegenkommen zu bewegen, die gemeinsame Villa.

Wenig später steht die sehr junge, sehr blonde und sehr offenherzige Vicky vor Christophers Tür, die sich als Reporterin ausgibt, die über den bekannten Magier und Entfesselungskünstler schreiben will – oder zumindest eine heiße Nacht mit ihm verbringen. Die beiden nehmen gemeinsam einen Drink und bei Christopher reißt der Film. Als er wieder erwacht, kann er sich an nichts erinnern.

Nun muss er erfahren, dass er praktisch über Nacht zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall geworden ist, denn die junge Prostituierte ist niemand anderes als Vicky und alles deutet auf ihn als Täter hin. Die Art, in der sie starb, ist eine exakte Nachbildung seines beinahe tödlichen Unfalls.

Das Polizistenduo Eike Becker und Ria Stern nimmt die Ermittlungen auf. Dabei ist vor allem Becker felsenfest von der Schuld Christophers überzeugt, während Ria, die ganz nebenbei auch noch in einem persönlichen Dilemma steckt, glaubt, dass ihr Kollege sich zu sehr auf den Illusionisten einschießt und außerdem die Regeln des sauberen Ermittelns hinter sich lässt.

Christopher, der sich keine Illusionen darüber macht, dass er als Sündenbock für jemand anderen herhalten soll, nutzt eine günstige Gelegenheit, um aus der Untersuchungshaft zu fliehen. Denn das Video, das man ihm gezeigt hat, betitelte den Mord als den „Ersten Akt“. Und er weiß nur zu gut, dass jede gelungene Zaubernummer aus drei Akten besteht …

Marcus Johanus legt mit „Entfesselter Tod“ einen Roman vor, der stark im Umfeld von Zauberern, Illusionisten, Entfesselungskünstlern angesiedelt ist, auch wenn er uns weniger den Blick auf die Bühne, sondern mehr den Blick hinter die Kulissen werfen lässt. In seinem Nachwort zum Roman beschreibt er, dass er bereits seit frühester Kindheit zu diesem Milien hingezogen war und das wird beim Lesen des Romans vollkommen deutlich.

Dabei verschließt Johanus nicht die Augen davor, dass es auch Schattenseiten des Gewerbes gibt. Es gehört dazu, dass man anderen etwas vormacht. Das ist das Geheimnis einer guten Illusion. Aber es gibt, wie immer auch hier, Menschen die dies auf verantwortungsvolle Weise tun und Menschen, die die Leichtgläubgikeit anderer ausnutzen, um sich dadurch zu bereichern.

Dieses Thema wird sehr offen angeschnitten, als es für Christopher Vanick darum geht, herauszufinden, wer derjenige ist, der alles daran setzt, seine Existenz zu vernichten.

Aber auch abseits dieses Themas kann man einiges über die kleinen und großen Tricks des Entfesselns lernen. Die Recherche hierzu hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn Johanus bringt die Fakten darüber, wie und wo die Entfessler ihre Hintertürchen eingebaut haben, sehr flüssig und alles andere als ausbremsend in der Handlung unter.

Was mir sehr gut gefallen hat, war die Charakterisierung der Hauptfigur. Christopher Vanick ist ein Mensch, der einmal ganz weit oben war, es sich dort beinahe schon zu gut gehen ließ und dann umso heftiger nach seinem Unfall gefallen ist. Als der Leser ihn kennenlernt ist er ein körperliches, psychisches und seelisches Wrack, ein Alkoholiker, der seine Tage an sich vorbei ziehen lässt.

Erst im Handlungsverlauf, als er immer mehr und immer tiefer in die Machenschaften des Killers gerät, muss er aus seinem Phlegma erwachen. Und spätestens als er erkennt, dass Mara, die Frau, die er uneingestanden liebt, in großer Gefahr ist, platzt bei ihm der Knoten. Was nicht bedeutet, dass Christopher ab diesem Zeitpunkt eine Art Superman wäre. Ganz im Gegenteil fallen ihm die Versäumnisse der letzten Jahre erst jetzt so richtig behindernd vor die Füße.

Ein wenig problematisch fand ich die Rollenverteilung zwischen Eike Becker und Ria Stern, die gerade in ihren ersten Auftritten schon beinahe wie das Klischee aus „Good Cop“ und „Bad Cop“ wirkten. Das alles hat seine Begründung in der Handlung, wirkt aber schon recht plakativ.

Schade war, dass Mara Winter über recht große Strecken des Romans weitgehend unpräsent gewesen ist. Dies liegt aber eindeutig an ihrer Bedeutung für die Geschichte und ihren Verlauf.

Dieser zeigt sich im Weiteren übrigens von seiner besten Seite. Gerade auf den ersten rund 150 bis 200 Seiten ist „Entfesselter Tod“ ein echter Pageturner. Es macht einfach Spaß zu verfolgen, wie der perfide Plan des richtigen Mörders sich entfaltet und wie die Personen immer mehr und mehr in dieses Netz geraten.

Insofern macht Marcus Johanus mit seinem Thriller alles richtig. Wenn ich einen Kritikpunkt anbringen soll, dann wäre es der, dass ich persönlich die Frage nach dem Täter relativ schnell hätte beantworten können. Allerdings wäre ich nie auf die Motivation zu den Taten gekommen – ob das nun etwas Gutes oder Schlechtes ist, weiß ich selbst noch nicht so ganz. Andererseits ist es in anderen Thrillern ja durchaus üblich, dem Leser einen Wissensvorsprung vor den Protagonisten zu geben, so dass ich diesen Punkt nicht negativ auslegen möchte.

Obwohl es sich um einen Thriller handelt, watet der Roman nicht durch Gewalttaten und Blutströme. Es gibt zwar durchaus Szenen, in denen es ordentlich zur Sache geht und für zarter Besaitete ist auch eine Stelle enthalten, die ihnen sicherlich einen leichten körperlichen Schmerz verursachen wird, aber es hält sich alles im genreüblichen Rahmen.

In Sachen Sprache und Stil merkt man Marcus Johanus an, dass er weiß und liebt, worüber er schreibt und dass er inzwischen über die Erfahrung verfügt, auch kompliziertere Sachverhalte auf den Punkt bringend zu beschreiben. Es macht Spaß, diesen Roman zu lesen.

Um zu einem Fazit zu kommen: „Entfesselter Tod“ ist ein wirklich guter Thriller mit einem Einblick in eine Welt der Magie und der Illusion. Die Handlung und die Figuren sind glaubwürdig, das Tempo durchweg hoch und die Schauwerte enorm. Ich vergebe gerne die Höchstwertung und freue mich darauf, bald wieder von Marcus Johanus zu lesen.


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.