AWDML (11) Wie ich selbst einmal ein Hörspiel schrieb

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Kommen wir noch einmal auf das Thema Hörspiele zurück, mit dem wir uns ja gerade erst beschäftigt hatten. Wie ich euch ja schon berichtete, füllte das Thema so rund um die Jahrtausendwende ein Großteil meiner Zeit aus.

Aber schon früher, weit, weit früher, beschäftigte ich mich damit. Und das sogar in der Art und Weise, dass ich selber Hörspiele schrieb.

Wie sollte es auch anders sein, schließlich waren die Geschichten vom Band oder von der runden Scheibe für mich ein beinahe ebenso großer Einfluss, wie es gedruckte Bücher waren. In Hinblick auf meine Liebe für manche Genres wahrscheinlich sogar ein größerer. So hörte ich, lange bevor ich sie las oder einen der Filme sah, die Geschichte des Grafen Dracula. Buchreihen wie die der „Fünf Freunde“, die als Jugendbuch sehr erfolgreich waren, gab es für mich nur in Form ihrer Hörspielumsetzung. Und auch meine Affinität zum gepflegten Trash wurde sicherlich durch Hörspiele wie die zu den Groschenromanserien „John Sinclair“, „Larry Brent“ oder „Macabros“ mitgeprägt.

Da lag es nahe, dass irgendwann der Wunsch aufkam, so etwas auch selbst zu machen. Und weil sich damals in einem durchschnittlichen Kinderzimmer immer ein Kassettenrecorder mit Aufnahmefunktion fand (sucht den mal in den Zimmern von heute) und auch die eine oder andere Leer-MC aufgetrieben werden konnte, war es gar kein Problem, sich seine eigenen Geschichten auf Band aufzuzeichnen.

Einen sehr großen Einfluss hatte damals die Toyline „Masters of the Universe“ auf meinen besten Freund aus Jugendtagen und mich. Eigentlich nicht mehr als testosterongeschwängerte Fantasy-Ausgaben der Barbie-Puppe, waren sie doch hinreichend beeindruckend in ihrer Formen- und Farbenvielfalt, dass uns die ganzen Diskussionen, die in der Welt der Erwachsenen über „Monster im Kinderzimmer“ geführt wurden, absolut egal waren.

Meine Eltern waren, was dieses Thema anging, zum Glück ausnehmend entspannt. Und so konnte ich bald auf einen großen Fundus an Masters-Figuren zurückgreifen, die alle ihren eigenen Charakter, ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Abenteuer versprachen.

Diese Versprechungen wurden genährt durch die Abenteuer, die es in Kassettenform vom damals wie heute omnipräsenten Hörspiellabel Europa gab. Insgesamt 37 Folgen erschienen damals und regten die Phantasie selbst dann an, wenn erkennbar war, dass der jeweilige Inhalt der Geschichte mehr als alles andere dazu dienen sollte, das zugehörige Spielzeug zu verkaufen.

Aber nichtsdestotrotz waren die Hörspiele absolut professionell gemacht und warteten mit Sprechern auf, die man schon damals zur Topriege ihrer Zunft rechnen durfte. Die Hauptrollen wurden etwa von Norbert Langer und Peter Pasetti gesprochen, die man damals vor allem als Synchronsprecher und als Schauspieler kannte.

Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann kamen wir auf die Idee, selber Masters-Hörspiele zu machen. Die meisten dieser Kurzfolgen entstanden vollkommen spontan und ohne „Drehbuch“. Aber ich kann mich erinnern, mindestens in einem Fall auch ein Script geschrieben zu haben, das allerdings nicht wirklich mehr war als ein Sammelsurium zusammengeklauter Szenen aus der Hörspielserie.

Erst einige Jahre später, als ich ernsthaft zu schreiben begann, sollte das Thema Hörspiel für mich wieder wichtig werden.

Ich habe 1987 damit begonnen, meinen Romanerstling „Silverstar: Angst im Perseus-Spiralnebel“ zu schreiben. Abgeschlossen habe ich ihn 1993. In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa immer wieder ewig lange Pausen eingeschoben (okay, die gab es auch), sondern ich habe immer wieder neu angesetzt, die mir so wichtige Geschichte zu einem Ende zu führen. De facto dürfte dieser Roman derjenige sein, den ich bis heute am meisten überarbeitet habe – und der dennoch, Erstling eben, zurecht ein Dasein in der Schublade fristet.

Ich habe wirklich alles probiert. Zuerst machte ich aus einem Roman drei Romane, weil ich dachte, dass ich vielleicht zu viel in ein Buch reinquetschen wollte – was sich im Nachgang auch als richtig erwies. Dann setzte ich gefühlte hundert Mal wieder von vorne an, änderte einiges im Ablauf und versuchte, mich über den Punkt hinweg zu schreiben, an dem es mir nicht mehr gelang, der Geschichte zu folgen.

Und irgendwann kam mir dann die Idee, das Ganze als Hörspiel zu schreiben.

Ich hatte nie die Ambition oder die Absicht, aus „Angst“ wirklich ein Hörspiel zu machen. Es ging mir einfach um den neuen Ansatz und darum, dass ein Hörspiel unbestreitbare Vorteile bietet, wenn es nur darum geht, eine Handlung möglichst schnell voran zu treiben.

In einem Hörspiel gibt es per Definition (Ausnahmen bestätigen die Regel) keine Erzählerpassagen, die sich über mehrere Seiten hinweg ziehen. Bei einem Hörspiel sollen und müssen die Charaktere sich auf den Punkt und rasch äußern. Es muss praktisch immer irgendwas interessantes passieren, weil ansonsten die Aufmerksamkeit des Hörers – für mich waren das noch Kinder und Jugendliche wie ich selbst – nachlassen würde.

Und so wurde dann aus dem kompletten ersten Band meiner „Silverstar“-Serie, der später einmal runde 79.000 Wörter umfassen sollte, ein Hörspielmanuskript auf etwa 70 Seiten. Nachsehen kann ich leider nicht, weil auch dieser Entwurf, wie so vieles andere, wegen eines nicht mehr unterstützten Dateiformats für mich verloren ist.

Irgendwann merkte ich dann aber, dass ich nicht zum Hörspielautor geschaffen war. Genau das, was ich vorher als Vorteil ausgemacht hatte, fehlte mir schließlich. Ich wollte genauere Beschreibungen haben. Ich wollte auch in die Gedankenwelt meiner Charaktere eintauchen. Ich wollte die zusätzliche Ebene, die eben nur ein Buch liefern kann.

Also setzte ich alles wieder auf Anfang und begann, den verdammten Roman wieder von vorne zu schreiben. Aber diesmal kam ich über die Stellen hinweg, bei denen es mir vorher immer schwer gefallen war. Weil ich schon wusste, in welche Richtung ich schreiben wollte und was dort passieren sollte. Die Hörspielfassung hat mir also auf jeden Fall gute Dienste geleistet und ich bereue die Zeit keinen Moment, die ich auf sie verwendet habe.

Ob es mich heute noch einmal reizen würde, ein Hörspiel zu schreiben? Nein, eigentlich nicht. Das sollen die machen, die sich besser darauf verstehen. Und in der Zwischenzeit sind einige Menschen, die ich damals als Teil der Fanszene kennengelernt habe, auf die andere Seite gewechselt und machen heute ihr eigenes Ding. Mit überwiegend sehr guten Ergebnissen, wie ich feststellen kann.

Aber ich werde bei meinen Romanen bleiben. Auch wenn ich dem ganzen Hörspielding mit „Der Rezensent“ ja einen eigenen Thriller gewidmet habe. Irgendwann wird auch dieser Roman in irgendeiner Form das Licht der Welt erblicken. Da bin ich fast sicher.

Bis dahin höre ich weiter Hörspiele, auch die von damals, und erinnere mich daran, wie es war, als ich noch einfach so Geschichten und Geschichtchen in purer Dialogform erzählte.

Let’s take a walk down memory lane!

Wie viele Protagonisten gibt es in meinen Romanen?

Hallo zusammen!

Jede Woche veröffentlicht der Autor Richard Norden interessante Artikel rund um das Schreiben auf seinem Blog. Vergangenen Samstag ging es bei ihm um ein Thema, das den kleinen Statistiker (hört sich irgendwie pervers an, findet ihr nicht auch?) in mir angesprochen hat.

Es geht darum, wie viele Protagonisten ein Roman vertragen kann. Um nicht Nordens kompletten Artikel hier zu zitieren, den ihr euch dringend selbst durchlesen solltet, gebe ich nur eine Kernaussage wieder:

Derzufolge kommt es bestenfalls nicht, oder nur in klar umrissenen Ausnahmefällen, vor, dass ein Roman mehr als einen Protagonisten besitzt. Und das ist derjenige, der die größte Veränderung, den größten Konflikt, den größten Einsatz zu verzeichnen hat. Auch in Geschichten, die man als Film im „Buddy-Sektor“ verorten würde, oder selbst bei Liebesgeschichten, gibt es immer die eine Figur, die der zentrale Mittelpunkt der Handlung ist. Auch bei den meisten Heldenteams ist dies der Fall.

Die anderen Charaktere sind dann Sidekicks, Wegbegleiter oder manchmal auch simple Stichwortgeber.

Eine klare Ausnahme lässt Richard Norden nur für wirklich epische Geschichten gelten. Er nennt hier „Das Lied von Eis und Feuer“ als Beispiel, der Mehrheit inzwischen eher unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt. Ich würde sagen, dass generell bei Romanserien, die sich um eine Heldengruppe (wobei die Helden ja keine Helden sein müssen) drehen, in verschiedenen Einzelromanen die Gewichtung stärker auf verschiedenen Protagonisten liegen kann.

Wie gesagt, die Vorteile und Nachteile zu beschreiben, das kann Richard Norden besser als ich. Ich nutze die Gelegenheit dazu, einen meiner gefürchteten Blicke auf mein eigenes kleines Bücherregal zu werfen, in dem die von mir geschriebenen Romane stehen.

Aber keine Sorge, ich versuche, mich kurz zu fassen ;-)!


Silverstar I: Angst im Perseus-Spiralnebel
Mit diesem Band werden die meisten der Protagonisten eingeführt, die mich durch meine vielbändige Science-Fiction-Serie führen sollten. Es gibt eine klare Hauptfigur, die man übergreifend über alle Bände auch als Serienprotagonistin bezeichnen könnte. Wobei sie in einigen Bänden in den Hintergrund tritt/getreten wäre.

Silverstar II: Expedition durchs All
Wie das so ist in Serien, kommen hier noch zwei weitere Protagonisten hinzu. Am Fokus auf die eine zentrale Protagonistin ändert das allerdings zunächst nichts.

Silverstar III: Final Star
Dies ist der erste Roman der Serie (und gleichzeitig auch der letzte), in dem eine der anderen Figuren stärker in die Rolle des Protagonisten rückt. Man merkt der Geschichte allerdings auch an, dass sie dadurch zwar rasanter wird, aber eben jenen Fokus ein wenig verliert.

Lichter
Der Roman ist komplett aus der Sicht des Protagonisten geschrieben – mit kleinen Ausnahmen gen Ende, die aber nichts daran ändern, dass es immer um den einen zentralen Charakter geht.

Different Stories
Die Novellensammlung hat in allen drei Geschichten eine klare Hauptfigur, auf deren Schulter die Handlung liegt.

Es zwingt einen dazu
Die Handlung folgt vollständig einer Person, es gibt keine Szenen ohne sie. Auch ein deutliches Signal im übrigen dafür, dass diese Person der absolute Protagonist sein muss und, sozusagen, niemanden neben sich stehen hat.

Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis
Dem Namen nach sind hier zwar drei Kinder gleichberechtigt, es gibt aber eine deutliche Wortführerin – womit die Geschichte im Übrigen ganz in der Tradition so ziemlich jeder anderen Jugendserie (die daraus vielleicht mal geworden wäre) steht, wie mir gerade auffällt.

Der Morgen danach
Es gibt einen deutlichen Handlungsträger, der sogar über weite Strecken der Handlung ganz auf sich gestellt agiert. Vielleicht der deutlichste unter all meinen Protagonisten.

Der Rezensent
Die Handlung dieses Thrillers wird maßgeblich zwar durch andere Charaktere vorangetrieben, nicht zuletzt natürlich durch den Antagonisten, wie es sich für einen Thriller gehört, aber der Fokus liegt klar auf einer Hauptfigur, der später ein Sidekick beiseite gestellt wird.

Das Haus am See
Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, bietet allerdings durch sein enormes Personal eine ganze Menge an anderen Personen mit, welche die Handlung beeinflussen und welche auch den Protagonisten beeinflussen.

Der Ruf des Hafens
Auch diese Horrorgeschichte hat einen klaren Protagonisten – mit einer starken Frau an seiner Seite, aber eben „nur“ an seiner Seite.

Darkride
Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es hier natürlich den Ermittler als einzigen echten Protagonisten zu verzeichnen. Zu ihm gehören, ebenfalls wie in den meisten guten Krimis, ein Sidekick, eine starke Partnerin und ein nervender Chef. Die einen nennen es Klischees, die anderen notwendige Zutaten ;-).

Der Redner
Das ist in der Tat ein Sonderfall, bei dem ich mich schwer tue, den einen Protagonisten zu benennen. Ich habe drei Figuren, die über weite Strecken des Romans alleine agieren und sich erst später zusammentun. Allerdings, bei strenger Auslegung von Richard Nordens „Regeln“, komme ich zu dem Schluss, dass der Reporter Kevin Ryason der Protagonist sein muss. Er macht die ersten seltsamen Beobachtungen und hält später in der Handlung die Fäden zusammen.

Der Beobachter und der Turm
Ganz klarer Fall: es gibt nur einen Protagonisten und der heißt Richard Lenhard. Auch wenn im zweiten Handlungsabschnitt die hier bereits einmal erwähnten Polizisten in den Fokus rücken, bleiben diese – wichtige – Nebenfiguren.

Die Welt der stillen Schiffe
Wieder ein Ensemblestück, bei dem aber alleine durch die Ich-Perspektive absolut unstrittig ist, wen man als die Hauptperson anzusehen hat.


Fazit:

Nicht nur, dass ich Richard Norden in seiner These generell zustimmen möchte, rein intutiv habe ich mich in den meisten Fällen auch an sie gehalten. In den meisten meiner Romane gibt es genau einen wirklichen Protagonisten, mit dem sich der Leser, wenn es gut läuft, identifizieren kann.

Wobei wir natürlich alle wissen, dass es auch gute Nebenfiguren sein können, die uns besonders ans Herz wachsen und wichtig für uns werden. Aber das ist dann wiederum eine andere Geschichte, für einen anderen Tag.

Meine Mitschreiber von gestern: Where are they now?

Ich habe ja schon früher in diesem Blog erwähnt, dass ich trotz meiner Probleme, zu meinem Schreiben zu stehen, während meiner Jugend irgendwie immer einen Menschen an meiner Seite hatte, der ebenfalls geschrieben hat. Diese Tatsache ist als solche nicht wirklich bemerkenswert, denn ich glaube, das gerade viele Jugendliche den Traum vom Schreiben haben und wenig Skrupel, es einfach auszuleben. Später verlor sich das, genauso wie sich die Schreibpartner von früher verloren.

Und jetzt stelle ich mir die Frage, was sie wohl heute so treiben – ob sie immer noch schreiben, oder ob sie diesen Traum aufgegeben haben. Von einem meiner Freunde, mit denen ich mich neulich auf Facebook austauschte, weiß ich, dass bei ihm nichts daraus geworden ist. Zu den beiden anderen habe ich den Kontakt verloren.

Bleiben wir für einen Moment bei S., wie ich ihn nennen möchte. Er war für mich der beste Freund meiner Kindheit und live dabei, als ich mit dem Schreiben der ersten Geschichte rund um das Raumschiff Silverstar begann. Ich habe diese Begebenheit in einem Nachwort zu diesem Roman wie folgt beschrieben:

Jetzt sah ich den Zeitpunkt für gekommen und noch ehe S. überhaupt gegangen war, begann ich mit der Arbeit am ersten Kapitel eines Buches, das ich Expedition zur Erde nannte und in dem jene Figuren, die ich mir ausgedacht hatte, vorkamen. Der einzige Gedanke, den ich zu diesem Zeitpunkt als Leitfaden hatte war dieser : Die fünf hatten das langweilige Leben auf ihrer Heimatwelt Tantoo satt und wollten nach Arcturian fliegen, um zum Militär zu gehen.

Bei ihm handelt es sich auch um jenen Freund, mit dem ich mich immer abgewechselt habe, als es darum ging, später am PC unsere jeweiligen Geschichten zu schreiben. Darüber habe ich mal einen eigenen Blogeintrag verfasst, den ich an dieser Stelle gerne noch einmal verlinken möchte.

Wie gesagt, dieser Freund schreibt nicht mehr, jedenfalls nicht literarisch. Aber bei ihm war das Schreiben, wenn ich es so sagen darf, nie ganz weit vorne im Fokus. Er hat gut geschrieben, er hat gern geschrieben. Aber es war für ihn nie ein Ziel, das irgendwann mal auf einer anderen Ebene als der des Zeitvertreibs zu betreiben, Oder wenn es so war, dann hat er es mir nie erzählt.

Ganz anders sah die Sache da schon bei meinem zweiten guten Schreibfreund, T. mit Namen, aus. Der träumte davon, mit seinen Büchern reich und berühmt zu werden – und ich habe ihn damals dafür beneidet, wie viel Konsequenz er an den Tag gelegt hat, um sich zu verbessern. Leider hat er denselben Fehler gemacht wie ich und einfach zu wenig originell geschrieben. Er verstand es, mit Sprache und Ausdruck umzugehen, aber es fehlte ein wenig die eigene Stimme, die eigene Geschichte.

Der Roman, den er zum Film „Die Goonies“ geschrieben hatte, war besser als der eigentliche Roman zum Film. Aber für eine Veröffentlichung war das natürlich nicht geeignet.

Aber so war T. eben: wenn er etwas machte, dann konnte er sich ganz akribisch in Details verlieren. Ich erinnere mich an eine fiktive Welt, die wir für unser damaliges Pen & Paper-Rollenspiel erfanden. Da ging es sehr auch detailverliebt zur Sache!

Der Kontakt mit T. ist komplett abgebrochen und auch wenn es mir fern liegt, irgendwelche Schuldzuweisungen abzugeben, muss ich mir doch immer wieder sagen, dass er es war, der einfach die Haustür nicht mehr geöffnet hat! Aber das ist neunzehn Jahre her und damit verjährt.

Seltsam ist es nur, weil T. derjenige war, der von uns beiden ganz locker mit dem Schreiben umging. Ansonsten wäre unsere Schreibfreundschaft wohl auch nicht zustande gekommen.

In meinem Roman „Lichter“, der einige autobiographische Züge trägt, habe ich die entsprechende Szene beschrieben:

T. grinste auf eine Art, die ich in den nächsten Jahren noch allzu häufig sehen sollte. „Na ja, für den Augenblick reicht ’s mir schon, wenn du mir sagst, was du da schreibst!“
Wie oft hatte ich geleugnet? Keine Ahnung. Wie oft gelogen? Ebenfalls keinen Schimmer. Warum ich es dieses Mal nicht tat, konnte ich auch nicht sagen. Vielleicht hatte ich einfach keine Lust mehr auf Unwahrheiten.
„Ich schreibe an einem Buch“, sagte ich und wartete auf Hohn und Spott.
T. sah mich mit großen Augen an und setzte sich dann neben mich an den Tisch. Mit Verwunderung in der Stimme und gleichzeitig stark gefaßt, als wäre es das normalste von der Welt sagte er: „So ein Zufall, das tue ich auch!“

Die geringste „gemeinsame“ Zeit, was das Schreiben angeht, verbrachte ich mit N. Sie war ebenfalls über das Rollenspiel in mein Leben gekommen und hatte überhaupt keine Probleme damit, auch darüber zu sprechen, dass sie kurze Geschichten und Gedichte schrieb. Vielleicht ist das bei Frauen noch einmal etwas anderes als bei Männern, aber das kann ich nur mutmaßen.

Der Grund dafür, dass wir nur wenig, dafür aber intensiv über unsere Texte im miteinander im Austausch sein konnten, liegt darin, dass N. nach dem Schulabschluss nach Rostock zum Studieren gegangen ist. Wir haben den Kontakt noch eine Weile halten können, aber dann brach auch dieser ab. Bei ihr kann ich mir gut vorstellen, dass sie auch weiterhin aktiv geblieben ist. Sie war irgendwie der Typ dafür.

Ich hoffe, sie wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich einen ihrer Texte namens „Traurige Tage“ hier veröffentliche, zumal ich ihren Namen nicht nenne. Ich habe ihn damals dem dritten Teil meines Romans „Lichter“ vorangestellt.

Nich so sehr die Tränen,
nicht so sehr die Tatsachen,
nicht so sehr das Unveränderliche;
triste Tage, traurige Stimmung und depressives Gefühl
– gefangen in den eigenen Gedanken.

Manchmal frage ich mich wirklich, was aus diesen Personen schreiberisch geworden ist. Wie gesagt, ein Drittel der Frage konnte ich klären. Ob es mir bei den beiden anderen gelingen wird?

Die Vergangenheit ist vorbei und nicht mehr zurückholbar. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Ich werde versuchen, sie auch in Zukunft am Leben zu erhalten.

 

Zitat: Zerbrochenes

Nach längerer Zeit findet mal wieder ein Zitat aus dem zenart-Blog seinen Weg zu mir, weil ich mit der darin enthaltenen Botschaft etwas anfangen kann:

In der Furcht, dem Selbstzweifel, der Ablehnung oder der Verzweiflung gibt es etwas, das so intakt ist, dass ich es verpasse, weil mein Fokus auf dem Zerbrochenen liegt.

Danna Faulds

Ich weiß nicht, wie oft ich schon an dem Punkt gestanden habe, der hier beschrieben ist. An dem Punkt, an dem ich das Intakte nicht mehr sehen konnte – oder es vielleicht auch nicht mehr sehen wollte. Es ist sicherlich schon einige Male so gewesen, öfter als ein Halbdutzend, vielleicht weniger als ein Dutzend.

In Bezug auf das Schreiben habe ich lange voller Furcht gesteckt. Der Furcht, niemals etwas verfassen zu können, das auch nur im Entferntesten eine Veröffentlichung rechtfertigen könnte. Die Selbstzweifel waren riesig, die (innere) Abwehrhaltung kaum zu überwinden.

Und dann all die Gelegenheiten, in denen ich felsenfest davon überzeugt war, ich würde nie wieder einen Roman schreiben können. So ging es mir nach dem dritten „Silverstar“-Band, als der vierte mir unter den Händen wegstarb. So ging es mir, als ich mit „Lichter“ über einen Zeitraum von zwei Jahren kämpfte. Als „Der Beobachter und der Turm“ in seiner ersten Inkarnation nicht zu seinem Ende fand, war es ganz schlimm. Und die Unfähigkeit, den Roman „Darkride“ schreiben zu können, war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

Und in all der Zeit habe ich immer mehr darauf geschaut, was gerade nicht ging, anstatt Dinge zu suchen und zu versuchen, die vielleicht gehen könnten. Dafür brauchte es in der Tat erst eine deutliche Intervention von außen, um mich zurück auf diesen Weg zu bringen.

Heute versuche ich, vornehmlich das zu sehen, was gut ist in meinem Schreiben. Manchmal klappt es nicht, wie meine Stammleser wissen. Aber jeder Tag, an dem ich es versuche ist ein guter Tag. Und jeder Tag, an dem es mir gelingt, ist ein gewonnener Tag.

Ich wünsche euch, dass ihr den heutigen Tag für euch gewinnen könnt!

Herrenüberschuss – Wieso so deutlich?

Als Reaktion auf meinen gestrigen Beitrag schrieb mir die Devote Romantikerin folgenden Kommentar:

Ich vermisse einen Referenzrahmen. Müsstest du nicht eine Bilanz betreffend der Männer daneben stellen? Damit man – vielleicht – sich dann ein klareres Bild machen kann?

Darauf möchte ich gerne kurz eingehen. Wobei ich eines direkt sagen kann: eine detaillierte Bilanz wird es nicht geben, denn die würde geradezu frappierend aufdecken, wie groß der Männerüberschuss in meinen Romanen ist.

Von den 14 Romanen, die ich geschrieben habe, bietet ja nur einer eine absolute Hauptfigur auf. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in den anderen die Männer das Heft des Handelns fest in der Hand halten. Ich denke da an Charaktere wie Markus Heldt aus „Der Morgen danach“, Richard Lehnhard aus „Der Beobachter und der Turm“, aber auch an das Triumvirat Anton Lechleitner, Kevin Ryason und David Berg aus „Der Redner“.

In einigen Romanen sind Männer und Frauen in den Hauptrollen einigermaßen gleichgestellt. Emery Lindsay aus „Es zwingt einen dazu“ wäre ohne die kesse Chie Qwan Lu ebenso aufgeschmissen, wie Stephan König aus „Der Ruf des Hafens“ ohne seine Rieke Thomsen.

Während ich also im Bereich der wichtigeren Figuren durchaus im Regelfall auf eine Frau verweisen kann, die eine wichtige Rolle spielt, sieht es bei den Nebencharakteren eher mau aus. Den Vogel schießt dabei in negativer Hinsicht der Roman „Darkride“ ab, wo tatsächlich, sofern ich mich nicht falsch erinnere, keine Frau vorkommt, die neben der im Nachbarartikel erwähnten Sandra Jung einen längeren Auftritt hätte.

Aber woran liegt das? Lässt sich das alles alleine damit plausibel erklären, dass ich eben ein Mann bin und mir deswegen männliche Rollen mehr liegen? Küchenpsychologie, wenn ihr mich fragt. Aber in Küchen wurden ja durchaus auch schon wahre Worte gesprochen.

Ich glaube, dass es in den meisten Fällen daran liegt, dass ich mir eine Schreibweise antrainiert habe, die sehr stark auf eine kleinere Gruppe von Handlungs- oder Perspektivträgern fokussiert. Die Ensembles in meinen Romanen sind, von Ausnahmen wie „Das Haus am See“ und der Silverstar-Reihe abgesehen, eher klein. Und jetzt gehen wir noch einmal in die Küche: wenn ich eine von wenigen Rollen besetzen muss, dann ist diese in meinem Kopf wahrscheinlich wirklich eher männlich angelegt.

Für einige Beispiele kann ich aber auch richtige Gründe angeben. Wenn Markus Heldt mit Rechtsradikalen in Berührung kommt, dann sehe ich vor meinen Augen keine schmalen Frauen als Nazi-Amazonen, dann sehe ich bullige Kleiderschränke. Wenn Richard Lenhard ein Bordell betritt, wird der Besitzer eher ein Mann als eine Frau sein. Und – leider ist es immer noch so – wenn irgendwo ein ranghoher Polizist auftaucht, ist dieser mit enormer Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Mann.

Das soll alles nicht in eine Rechtfertigung ausarten, denn es gibt nichts, wofür ich mich rechtfertigen müsste. Schließlich gibt es Autoren, die schreiben und schrieben Frauen höchstens als Love Interests in ihre Romane, was ich bisher, glaube ich, erfolgreich vermieden habe. Bei mir bekommen am Ende des Tages nicht immer der Held das Mädchen. Weil ich, bei allem Ungleichgewicht, das rein numerisch herrschen mag, Wert darauf lege, das Geschlechterbild differenziert darzustellen.

So, wie es eben auch im richtigen Leben sein sollte!

Ich verspreche aber hiermit, zukünftig vielleicht wieder stärker darauf zu achten und zu hinterfragen, wo es sich anbietet, eine starke Frauenrolle auch einmal in den Nebenrollen zu verwenden!

Frauen in meinen Romanen – Eine Bilanz zum Internationalen Frauentag

Heute ist der Internationale Frauentag und ich tue gar nicht so, als ob ich das gewusst hätte, bevor Wikipedia mich darauf stieß. Aber tröstet euch, liebe Leserinnen, wenn es einen Männertag geben sollte (gibt es sowas?), dann wüsste ich auch nicht, wann der ist. Dafür wird euch meine Frau bestätigen, dass ich noch nie den Valentinstag, unseren Hochzeitstag oder (für unsere Kinder wichtig) den Muttertag vergessen habe ;-).

Also – der Internationale Frauentag. Ein Tag, der vollkommen den Rechten der Frau gewidmet ist. In Deutschland in den letzten Jahren ein wenig zwiespältig gesehen, da der westliche Teil der ehemaligen Bundesrepublik diesen Tag nicht so hoch hielt, wie es die Mitmenschen im Osten, in der Deutschen Demokratischen Republik taten. Das hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass es sich beim Internationalen Frauentag ursprünglich um eine sozialistische Erfindung gehandelt hat.

Aber solche ideologischen Grenzlinien sind mir hier vollkommen fremd, weswegen ich auch den politischen wie den gesellschaftlichen Teil hinter mir lasse und zu meiner Arbeit als Autor komme.

Ausgehend davon, dass heute der Internationale Tag der Frau ist, habe ich mir einmal angeschaut, welche Rolle Frauen eigentlich in meinen Romanen spielen. Und ich gebe zu, dass ich ein wenig überrascht wurde.

Ich gehöre zu den Menschen, die gerne starke Frauenfiguren in Romanen lesen. Aber ich tue mich manchmal mit weiblichen Hauptfiguren schwer, weil ich sie häufig als, wie soll ich sagen, bemüht empfinde. Insbesondere dann, wenn Männer über diese Frauen schreiben. Wahrscheinlich habe ich mich deswegen, mit einer prominenten Ausnahme, auch nie daran gewagt, Frauen wirklich ganz in den Fokus zu rücken. Aber immerhin kann ich behaupten, nicht dem typischen Klischee entsprochen und Frauen komplett ausgebootet zu haben. Auch hier mit einer kleinen Ausnahme.

Zu den Romanen im Einzelnen:


In der Silverstar-Trilogie ist Leya Kuvan eine mehr als gleichberechtigte Hauptfigur. Streng genommen müsste man sagen, dass sie der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Jedenfalls wenn man die Anteile dessen als Maßstab nimmt, was sie tut und was sie bewirkt. Abseits von ihr gibt es eher wenige weibliche Figuren. Mit Teil 2 werden einige eingeführt, die im Laufe der Zeit größeren Anteil hätten haben sollen, aber dann habe ich ja die Arbeit an der Serie eingestellt.

Der Roman Lichter hat mit Mel eine weibliche Mit-Hauptfigur, die durch ihre zurückhaltende Art oftmals durch die mitwirkenden Kerle in den Hintergrund gedrängt wird. Sie kann aber in einzelnen Szenen zeigen, dass sie nicht nur eine starke Meinung hat, sondern auch großes Durchsetzungsvermögen. Daneben gibt es keine weitere weibliche Rolle.

In Es zwingt einen dazu ist die Chinesin Chie Qwan Lu eine echte Hauptfigur, die der männlichen Hauptfigur wichtige Impulse für die Handlung gibt. Weitere weibliche Personen handeln eher im Hintergrund.

Mein Kinderbuch Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis hat einen Frauenüberschuss von zwei zu eins. Dabei ist Britta eindeutig die Anführerin und Hauptperspektivträgerin. Wenn man so will, bin ich also ausgerechnet in meinem für mich ungewöhnlichsten Buch von meiner sonstigen Linie abgewichen. Für mich überraschend.

Im Thriller Der Morgen danach spielen Frauen nur in Nebenrollen mit, auch wenn insbesondere einer von ihnen eine große Bedeutung zukommt. Die Sichtweise bleibt aber durchweg männlich in einem von Männern dominierten Umfeld. Auch eine Überraschung, dass ausgerechnet in dem Roman, den ich mit am rasantesten von meinen Büchern finde, keine starke Frauenrolle vorkommt.

Im danach geschriebenen Der Rezensent änderte sich das wieder. Nathalie kann man durchaus als gleichberechtigte Frauenfigur sehen, ihr zur Seite steht mit Julia eine etwas schwächere, aber in der Handlung sehr präsente Figur. Die Hauptperspektive liegt allerdings auch hier wieder bei einem Mann.

Das Ensemblestück Das Haus am See bietet Platz für jede Menge Frauenfiguren, von denen sich, alleine schon durch die Ich-Perspektive des Erzählers, kaum eine hervortun kann. Mit Linda gibt es eine gravierende Ausnahme, die aber dennoch nicht mehr als eine führende Nebenrolle einnimmt.

In Der Ruf des Hafens ist die junge Rieke als streitbare, ortsansässige und intelligente Frau die absolut gleichberechtigte Hauptfigur neben dem neuen Inselautor Stephan. In Nebenrollen tauchen auch weitere Frauen auf.

Beim Krimi Darkride besetzt Sandra Jung als Marketingleiterin des Freizeitparks, in dem der Roman spielt, eine sehr starke Frauenrolle, die nicht ganz groß genug ist, um von einer Hauptrolle sprechen zu können. Weitere Frauen agieren nur am Rand.

Der Horror-Roman Der Redner bietet mit Sarah, der Freundin eines der drei Protagonisten, eine sehr wichtige Nebenrolle auf. Sie ist damit aber auch schon die einzige wirklich wichtige Frau.

Ohne Frauen würde die gesamte Handlung von Der Beobachter und der Turm in sich zusammenbrechen. Sie handeln nie als Hauptfigur, sind aber mehr als wichtige Impulsgeberinnen. Allen voran natürlich Richards Ehefrau.

Und auch mein im Entstehen begriffener Roman Die Welt der stillen Schiffe besitzt mit der jungen Maria eine gleichberechtigte Hauptfigur, die allerdings ein wenig in den Mustern ihrer Zeit (immer dran denken, sie kommt aus dem Jahr 1941) verhaftet ist.


Ziehen wir also Bilanz:

In 14 Büchern (ich zähle jeden Silverstar-Teil einzeln) haben wir

  • 1 absolute Hauptfigur
  • 9 gleichberechtigte Hauptfiguren
  • 7 wichtige Nebenfiguren
  • 6 markante Nebenfiguren
  • und 2 Romane mit nennenswertem weiblichen Ensemble

Ist das jetzt gut oder ist das jetzt schlecht? Wer will schon darüber urteilen – wichtig ist es doch, dass es in sich und in den Geschichten stimmig ist. So würde ich das jedenfalls gerne sehen wollen. Aber wenn ihr anderer Meinung seid, dann lasst mir gerne einen Kommentar da! 🙂

Und an die Autoren und Autorinnen unter meinen Lesern mag ich die Frage richten, wie ihr mit dem jeweils anderen Geschlecht umgeht. Gibt es da irgendwelche Berührungsängste in euren Schilderungen? Oder signifikante statistische Auffälligkeiten? Ich bin gespannt!

AWDML (7) Silverstar revisited

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Damals, im Juli 2015, als ich den ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe schrieb, habe ich euch davon berichtet, wie bei mir alles angefangen hat mit der Schriftstellerei. Ich erzählte euch von den Abenteuern des Raumschiffs Silverstar und wie ein Zwölfjähriger sich aufmachte, um anhand dieser Abenteuer eine bis heute andauernde Liebesbeziehung zum Schreiben von Geschichten zu entwickeln.

Als sich gegen Ende des letzten Jahres mein PC teilweise in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hatte, verbrachte ich im Anschluss einen großen Teil von Zeit damit, vor der Kiste zu sitzen und dem Betriebssystem sowie diversen Programmen bei der Installation zuzusehen. Man fängt bei der Gelegenheit an, seine Umgebung noch einmal mit ganz anderen Augen abzuscannen.

Irgendwann war ich auf der Suche nach irgendeinem Lesestoff, mit dem ich mir die Zeit vertreiben konnte, bei dem es aber auch nicht schlimm war, wenn ich zwischendurch herausgerissen wurde.

Nun muss ich, glaube ich, erzählen, dass ich ursprünglich, als wir in unser neues Haus gezogen sind und ich mein eigenes Arbeitszimmer bekam, den Anspruch hatte – oder eher den Wunsch -, alle meine Manuskripte auszudrucken und in Ordnern neben mir ins Regal zu stellen, damit ich jederzeit Zugriff darauf hätte.

Zum Glück wurde dieses Vorhaben dadurch abgelenkt, dass ich in den kommenden Monaten so viel schrieb, dass ein Ausdrucken alter Werke keinen Sinn gemacht hätte. Was aber bereits da stand und immer noch steht, ist ein grüner Ordner, in dem alle drei geschriebenen Abenteuer der Silverstar enthalten sind.

Von einem Hauch Nostalgie befallen, nahm ich mir den Ordner zur Hand und begann, ein wenig in Band 3, „Final Star“ herumzulesen.

Dabei stellte ich fest, dass mir Teile der Handlung inzwischen vollkommen unbekannt waren. Und, noch viel schlimmer, ich stellte fest, dass mir weite Teile der Handlung gefielen!

Wieso das schlimm ist? Ganz einfach, bis jetzt hatte ich eine ganz einfache Haltung zu meinen „Silverstar“-Romanen: Jugendsünden. Schlecht geschrieben. Das Papier nicht wert, auf dem ich sie ausgedruckt habe.

Jetzt denke ich anders darüber. Ich denke intensiv darüber nach. Ich erkenne in „Final Star“ ein sehr großes Potenzial, zumindest eine annehmbare Science-Fiction-Abenteuergeschichte zu werden, wenn auch kein Stück große Literatur. Klar, in der vorliegenden Fassung atmet das einen großen Hauch „Star Wars“. Es atmet einen großen Hauch „Perry Rhodan“. Und auch einen nicht zu verhehlenden Hauch „Kampfstern Galactica“. Die grundlegenden Probleme der Reihe, nämlich dass sie nicht vor Originalität trieft, haben sich ja nicht plötzlich verändert.

Aber ich denke darüber nach, ob und wie vielleicht Elemente aus der Handlung als Grundgerüst für etwas Neues und Eigenes dienen könnten. Es muss einen Sinn haben, dass ich mich nach wie vor, fast zwanzig Jahre, seitdem ich unter Band 3 das Wort Ende geschrieben habe, für diesen Stoff erwärmen kann.

Die Figuren haben Leben in sich, das ich kaum für möglich gehalten hätte. Da ist Dynamik, die mitreisst. In einigen Abschnitten erwies sich das Manuskript sogar als richtiger Pageturner.

Ist das „nur“ Nostalgie? Ich glaube es eigentlich nicht.

Im Moment ist das Letzte, was ich brauche, noch ein neues Projekt, mit dem ich mich befassen muss. Deswegen ist der Ordner auch erst einmal wieder ins Regal gewandert. Aber hin und wieder, wenn ich so an meinem Schreibtisch sitze, ertappe ich mich dabei, wie ich nach links schaue und meine Augen das Grün suchen.

Und dann denke ich mir: vielleicht …

Vielleicht ist es irgendwann die Zeit, alte Freunde noch einmal zu besuchen.

Let’s take a walk down memory lane!

„Lassie Come Home“

Wie ihr wisst, sind bei mir schon einige Geschichten auf der Grundlage von Musik entstanden. Musik ist etwas, das meine kreative Saite definitiv zum Klingen bringt.

Vorhin habe ich, nach längerer Zeit, im Autoradio das Lied „Lassie Come Home“ der Band Alphaville gehört. Ihr wisst schon, die mit „Big In Japan“ und „Forever Young“ (und über hundert weiteren Klasse-Songs, die leider kaum einer kennt).

Dieses Sieben-Minuten-Stück ist für mich pure Magie und pures Storytelling. Ich weiß nicht, worum es geht, was eigentlich passiert, aber es sind so viele Bilder in dem Song, dass ich mir immer schon gewünscht habe, hierzu eines Tages einen Text zu schreiben. Aber ich weiß, dass ich den Bildern nie gerecht werden könnte, die durch die Wörter gemalt werden. Und streng genommen ist das ganze Album „Afternoons in Utopia“, aus dem das Lied stammt, ein in sich geschlossener Science-Fiction-Roman.

Es gibt eine Stelle, die mich immer besonders anrührt

Lonely girl dancing in the music hall
Lightning struck her silver starship
and turned it into stone

Ich kann mir nicht helfen, aber das „silver starship“ und das „lonely girl“ erinnern mich immer an meine „Silverstar“-Romane und deren Protagonistin, die ich auch irgendwann, irgendwie allein gelassen habe … hach ja, manchmal ist Melancholie auch etwas Schönes!

PS: Keine Ahnung, wieso das bei diesem Video nicht mit dem Einbetten klappt …

[NaNo2015] Der NaNo läuft: und ich kann mich nicht entscheiden!

Manchmal, an Tagen, an denen man gar nicht damit rechnet, merkt man, dass die eigene Meinung auf einmal etwas wert ist. Das muss nicht sein, dass man es selbst auch so sieht, meistens tut man es nicht, aber es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, wenn man nach etwas gefragt wird, das mit dem zu tun hat, was man selbst auch gerne tut.

Gestern erreichte mich die Frage einer lieben Bloggerin, die eigentlich schon mitten in ihrer NaNo-Teilnahme stecken wollte, allerdings nun vor ihren verschiedenen Projektideen sitzt und nicht weiß, wofür sie sich entscheiden soll. Ob ich da auch schon Erfahrungen mit gemacht habe.

Am einfachsten wäre es, auf so eine Anfrage die Standardantwort zu geben: schreib das, was dir am meisten am Herzen liegt, bei dem dein Verstand und dein Gefühl dir sagen, dass es jetzt und genau jetzt „dran“ ist. Aber ich weiß selber, dass dieses Gefühl manchmal in den Helikoptermodus schaltet und wild unter der Zimmerdecke herumfliegt, nicht mehr greifbar ist und nichts als Staub aufwirbelt.

Meine Erfahrungen mit mehreren Ideen auf einmal beziehen sich auf meine missglückten Versuche, mehr als einen Roman auf einmal zu schreiben. Es hat für mich nicht funktioniert, weil ich den Fokus verlor auf die Geschichte, die ich eigentlich am dringendsten schreiben wollte – und es hat zu langen Phasen geführt, in denen ich gar nicht schreiben konnte. Konkret erinnere ich mich daran, wie die Arbeit an „Lichter“ (vollendet) durch den Versuch ausgebremst wurde, den vierten Teil meiner „Silverstar“-Serie (nicht vollendet) zu schreiben. Schätzungsweise hat mich das ein Vierteljahr gekostet.

Deswegen war es für mich immer wichtig, eine Reihenfolge aufzustellen, was ich wann schreiben wollte. Und wenn ich einen Rat geben soll, wie man das am besten für sich sortieren kann, dann rate ich dazu, tief in sich hinein zu hören, zu welchem Projekt man sich bereit fühlt.

Im Spätsommer 2011 wurde ich aus einer langen klinischen Behandlung entlassen – und ich kam mit einer Idee nach Hause. Der Idee zu einem Roman, der in eben dieser Klinik spielen sollte und in dem einige der Personen, die ich dort kennenlernte, in verfremdeter Form ihren Auftritt haben sollten.

Ich habe diesen Roman aber nicht schreiben können, weil ich innerlich noch nicht bereit dazu war. Ich hatte einen Aufhänger, ich hatte ein Figurenensemble und ich hatte auch schon fast die Auflösung. Eigentlich alles, was man braucht, um einen Roman zu schreiben – zumal einen, der groß einsortiert ein Krimi ist.

Aber ich hätte ihn nicht schreiben können. Zum einen hatte ich zu lange keinen Roman mehr beendet. Das letzte abgeschlossene Projekt war das Jugendbuch für meine Tochter aus dem Jahr 2009, davor und danach kämpfte ich mit „Darkride“, kam aber auf keinen grünen Zweig.

Was tat ich also? Ich prokrastinierte vor mich hin und schrieb gar nichts. Weil ich mich selber durch den Gedanken blockierte, dass genau dieses Buch jetzt geschrieben werden müsste.

Bis mir dann eine Freundin den „Befehl“ gab, dass mein nächster Roman so heißen müsse, wie ein Satz, den ich ihr in einer E-Mail geschrieben hatte: „Der Morgen danach“.

Diesen Roman schrieb ich in (für mich) absoluter Rekordzeit und als ich dem Ende entgegen kam, stand ich auf einmal wieder vor der Frage, was ich denn danach schreiben wolle. Zwei Kandidaten standen auf der Matte: „Darkride“, das ich nun doch endlich schreiben wollte, und das Klinikbuch „Das Haus am See“.

Geschrieben habe ich weder das Eine noch das Andere, weil mir eines Morgens, stilecht unter der Dusche, die Idee für einen Thriller kam. Es entstand „Der Rezensent“. Die Zeit war einfach noch nicht reif.

Das Jahr 2011 ging zu Ende, Anfang 2012 war „Der Rezensent“ fertig und jetzt signalisierten mir mein Verstand und vor allem mein Gefühl, dass die Klinik weit genug zurücklag, um das, was dort geschehen war, in eine Romanhandlung integrieren zu können. Und – weil ich wusste, dass es ein langes Buch werden würde – ich hatte genügend Selbstvertrauen getankt, dass ich dieses Projekt würde abschließen können. Was ich dann nach etwas über sieben Monaten auch tat.

Jetzt habe ich viel von mir erzählt, aber ich hoffe, dass daraus abgeleitet werden kann, was ich meine und für wichtig halte: Auch wenn es so aussieht, so ist nicht jedes Projekt gleich „wichtig“ wie die anderen. Oder es ist nicht gleich „leicht“ wie die anderen.

Ein plakatives Beispiel: wenn ich gerade eine unglückliche Beziehung lebe, ist nicht der Zeitpunkt, Friede, Freude und Eierkuchen zu beschreiben, weil die Gefahr besteht, dass mein eigenes Erleben der Story im Weg steht.

Wenn ich also die Frage der geschätzten Bloggerkollegin ganz konkret beantworten soll, dann sage ich ihr:

Lege deine drei bis vier Ideen als Zettel vor dir hin und schau sie dir genau an. Ist ein Projekt dabei, das du zwar toll findest, bei dem du dir aber unsicher bist, dass du es gut genug schreiben kannst, um deinen Ansprüchen gerecht zu werden? Dann lege es nach hinten. Die Antwort, dass du dir bei allen Projekten nicht sicher bist, ihnen gerecht werden zu können, lasse ich nicht gelten. Denn das wird es nicht geben, wenn du ehrlich zu dir bist!

Nun weiter: gibt es eine Idee, bei der du dir noch nicht sicher bist, wo sie dich eigentlich hinführen soll? Dann würde ich dir raten, diese auch nach hinten zu legen, denn dies ist der NaNo und da kommt es auf Quantität an. Da du noch nicht wirkliche Erfahrungen darin hast, Romane zu schreiben, ist meiner Meinung nach die Gefahr zu hoch, dass du steckenbleibst, wenn du nicht weißt, wie es zumindest grob weitergehen soll.

Gibt es eine Geschichte, die auf Erfahrungen von dir basiert, die allerdings im Moment eher weh tun, weil diese Erfahrungen mies geendet sind? Eigentlich perfekt, um eine Story mit Gefühl zu schreiben. Wichtig ist nur, dass du es schaffst, diese Gefühle so zu kanalisieren, dass der Leser sich nicht hinterher fragt, ob er eigentlich eine Geschichte oder eine Autobiographie liest. Zumal letzteres wohl auch nicht in deinem Interesse wäre, glaube ich.

Du siehst, ich kann dir höchstens Fingerzeige geben, aber keine Entscheidung abnehmen. Denn ich kenne deine Ideen nicht und ich kenne den Punkt in deinem Leben, an dem du dich befindest, nicht.

Was ich aber tun kann ist, dir Mut zu machen! Manchmal fallen die Puzzleteile einfach ineinander, wenn man erst einmal angefangen hat, sie zu legen. Und ich traue dir zu, ein fantastisches Puzzle zu legen!

Du wirst die richtige Geschichte finden, oder sie findet dich. Lass dich darauf ein, hör ihnen zu und schau sie dir genau an. Ich würde mich freuen, wenn meine kleinen Plaudereien aus dem Nähkästchen dir vielleicht ein wenig dabei helfen konnten, einen Weg zur Wahl zu finden.

Soweit meine Antwort an die geschätzte Kollegin! Wenn es Sachen gibt, zu denen euch meine Meinung interessiert, dann schreibt mir doch einfach über das Kontakt-Formular!

Und jetzt entschuldigt mich, denn, wie gesagt, der NaNo läuft und ich habe heute noch kein Wort geschrieben. Die 1.100+ aus diesem Artikel zählen nämlich leider nicht ;-).

Ich wünsche euch noch einen schönen Mittwoch – und ganz besonders natürlich dir, werte Kollegin!

AWDML (4) Das schreibe ich, und das – und ein wenig was von dem auch noch

Als ich noch ein junger und noch unerfahrenerer Autor war als ich es heute bin, da hatte ich immer einen Wunsch. Oder man könnte auch sagen: ich hatte ein Problem. Ein Problem, das viele Schriftsteller gerade am Anfang ihres Weges haben, wie ich mittlerweile mehrfach nachlesen konnte. Ich konnte einfach nicht einsehen, dass ich nicht in der Lage bin, mehr als ein Projekt auf einmal zu verfolgen.

Ungeduld ist eine Eigenschaft, die für einen Autoren mit Sicherheit nicht wirklich erste Wahl bei den zu fördernden Talenten darstellt. Es dauert nun einmal, sich durch die Handlung eines Romans zu beißen, an manchen Tagen auch zu quälen. Man schreibt eben nicht jeden Tag 10.000 Worte. Viel häufiger sind die Tage, an denen man sich quälen muss, überhaupt vierstellig zu werden. Und die dann noch auf mehrere Projekte aufzuteilen …

Es gibt Autoren, die können das. Die schaffen es, sich in drei oder vier voneinander abgetrennte Welten zu versetzen und je nach Lust und Laune (oder dem, was auf dem Terminplan steht) mal an dieser, mal an jener Story zu schreiben. Das bewundere ich! Das bewundere ich nicht nur, da könnte ich neidisch werden!

Kommen wir zurück zu mir als jungem Autor. Damals, wir befinden uns ungefähr im Jahr 1993, träumte ich noch lange nicht den Traum, mal ein Buch zu veröffentlichen, sondern ich musste erst einmal den Traum fertig träumen, einen Roman überhaupt zu Ende zu schreiben!

Ich arbeitete seit rund sechs Jahren mal mehr, mal weniger und immer mal wieder von Vorne an „Angst im Perseus-Spiralnebel“, dem ersten Band meiner Abenteuer rund um das Raumschiff Silverstar. Nun hatte ich mir hierzu die Handlung ja schon mehr oder weniger auf die nächsten zehn Bände ausgedacht und deswegen war das Schreiben „langweilig“.

(Natürlich war es nicht langweilig, aber es fühlte sich für mein achtzehnjähriges Ich so an.)

Ich wollte etwas Neues entdecken, etwas anderes anfangen. Es gab Ideen, die unbedingt und jetzt sofort verwirklicht werden mussten! Das eine war eine Fantasy-Geschichte im Stil von „Der Herr der Ringe“ (was auch sonst) und das andere war eine Trilogie um das Leben nach dem Jüngsten Tag, deren erster Band den Untergang der Menschheit in einem Atomkrieg schildern sollte, während der Zweite das Wiedererwachen der Zivilisation und der dritte den Aufbruch zu den Sternen zum Thema hatte.

Da stand ich jetzt mit meinen drei Projekten: „Angst im Perseus-Spiralnebel“, „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ (dessen Titel ich mir bei einem Commodore 64-Spiel geborgt hatte).

Meine Idee: schreib doch alle drei gleichzeitig! Und zwar immer brav eine Seite pro Projekt und das im Wechsel. Also wirklich am ersten Tag „Angst“, am zweiten Tag „Bund“, am dritten Tag „Fort“, am vierten wieder „Angst“ …

Ich weiß bis heute nicht, ob nur die Methode totaler Humbug war, oder ob ich anderweitig überfordert wurde. Jedenfalls hielt ich, glaube ich, keinen Monat durch. Dann begann ich, in längeren Intervallen an den Geschichten zu schreiben. Die Fragmente von „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ habe ich noch, wenn auch keine Ambitionen, sie jemals wieder anzufassen.

Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt war klar, ich musste mich entscheiden, wenn ich nicht riskieren wollte, alle drei Projekte zu verlieren. So, wie ich vorher schon etliche Geschichten verloren hatte. Und auf einmal erwiesen sich die mittlerweile rund 40 geplanten Bände von Silverstar gar nicht mehr als Hemmschuh, sondern als Sicherheitsfaktor. Und so traf ich die Entscheidung zugunsten von „Angst im Perseus-Spiralnebel“, das dann auch mein erster vollendeter Roman wurde.

Nach einem weiteren missglückten Versuch, 1997 den vierten Teil der Serie parallel zu meinem neuen Projekt „Lichter“ zu schreiben, gab ich es dann endgültig (?) auf.

Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, mehrere Projekte gleichzeitig zu verfolgen. Hier und da mal eine Kurzgeschichte, so wie bei Hannas Schreibaufgaben, die ich, ohne groß darüber nachzudenken, in ein bis zwei Stunden herunterschreiben kann, das geht noch. Aber einen längeren Roman? Lieber nicht!

Und trotzdem ist es ein Traum gewesen und Träume lässt man, glaube ich, niemals so ganz los. Deshalb klingt immer noch eine Saite in mir an, wenn ich lese oder höre, dass jemand das tut, was mir nie gelungen ist …

Let’s take a walk down memory lane!