Offline sein hat auch seine Vorteile

Wie ihr wisst, habe ich ja in dieser Woche Urlaub. Eine Menge Zeit, um Dinge zu machen, zu denen man sonst nicht kommt um Zeit zu verplempern. Insbesondere in Bezug auf das Schreiben habe ich in dieser Woche mal wieder so gut wie nichts auf die Reihe bekommen. Wenn ich dafür einen Grund benennen müsste, dann wäre es vielleicht der fehlende Fokus, den ich zurzeit auf ein Projekt lenken kann. Soll ich mich erst weiter an meinem aktuellen Roman versuchen? Die Agenturbewerbungen für „Der Beobachter und der Turm“ vorantreiben? Und wie steht das überhaupt mit dem Lektorat von „Der Morgen danach“?

Hierfür hatte ich mir ja einige Notizen gemacht, die ich gestern alle mit meinem Lektor, soweit es uns möglich war, durchgegangen bin, so dass feststand, dass ich ab sofort keine Ausrede mehr hatte loslegen konnte.

Mit ein wenig gemischten Gefühlen habe ich mich also heute Mittag an meinen Rechner gesetzt, eine neue Fassung des Dokuments erstellt und angefangen, die gewünschten Änderungen zu sichten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, falls ihr schon einmal in ähnlicher Lage wart, aber mir kommt es beim ersten Durchblättern immer so vor, als ob ich Stunden über Stunden mit Umschreiben, Abändern und neu verfassen verbringen müsste.

Und das ist nicht gerade eben motivierend.

Trotzdem habe ich mich also an die Arbeit gemacht, weil ich mir hinterher nicht selber nachsagen wollte, ich hätte in meinem Urlaub überhaupt nichts sinnvolles angestellt.

Der Anfang gestaltete sich ein wenig zäh, weil gerade auf den ersten paar Seiten viel Arbeit auf mich wartete. Wir setzen alles mit vereinten Kräften daran, diesen Einstieg so packend (und plausibel) für den Leser hinzukriegen, wie es nur irgendwie geht. Entsprechend umfangreich sind die Eingriffe, die ich vorzunehmen hatte und auch der Zeitaufwand war erheblich.

Irgendwann, so ungefähr um 14 Uhr, hatte ich dann die ersten 10, 12 Seiten soweit im Kasten. Und eigentlich hatte ich an der Stelle vor, es für den Moment heute gut sein zu lassen. Ganz nach dem Motto: Da ist Zeit, die sinnlos verplempert werden will!

Dann allerdings fiel mein Blick auf ein blinkendes Licht im Regal zu meiner Linken. Und wenn es da blinkt, dann meint das für unsere Internetverbindung nichts Gutes, denn dann meldet der Router eine Störung. Und so war es dann auch. Ein Anruf bei der Telekom brachte heraus, dass es eine großangelegte Störung im Duisburger Raum gab, von der auch wir betroffen waren.

Nun, es hätte ja auch noch genügend andere Möglichkeiten gegeben, Zeit totzuschlagen. Aber ich hatte mich gedanklich eben aufs Internet versteift. Zielloses Surfen und abarbeiten von Feeds und Mails voraus! Ging jetzt nicht.

Also bin ich an meinem Text dran geblieben. Und als circa drei Stunden später das Internet wieder funktionierte, hatte ich, alles in allem, dreißig Seiten des lektorierten Texts abgearbeitet. Damit fehlen mir nur noch sechzehn weitere Seiten, bis ich die ersten fünf Kapitel wieder an den Verlag zurückschicken kann. Sechzehn Seiten in drei Tagen – klingt doch soweit erst einmal machbar, findet ihr nicht auch?

Ich kann also nur bestätigen und unterschreiben, was sowieso schon als Binsenweisheit die Runde macht: Wenn man zwischendurch mal die Verbindung zum Internet kappt, dann kann man gleich viel produktiver arbeiten. Gut, mit Ausnahme des einen Moments, wo ich dringend etwas nachschlagen wollte und mich erst nach etwa einer Minute daran erinnerte, dass ja immer noch das Lämpchen blinkte 😉 .

Jetzt schwanke ich, ob ich morgen einfach mal bewusst den Stecker ziehen sollte. Aber dann bekomme ich wahrscheinlich Ärger mit meiner Frau, die auf ihre ganz eigene Weise Zeit verplempern im Internet verbringen wollte.

Das Autorenleben ist schon eines der Härtesten, findet ihr nicht?

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Ich fühle mich beobachtet

Auf Twitter hatte ich es schon vor ein paar Tagen geschrieben: Angespornt von der Tatsache, dass ich meine Autorennase in absehbarer Zeit einem Live-Publikum präsentieren werde, habe ich mich dazu durchgerungen, zumindest einmal die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um das in Zukunft auch von Zuhause aus tun zu können. Etwa in Form von kurzen Videos oder dergleichen.

Mit dem Gedanken gespielt habe ich schon eine ganze Weile, aber erst jetzt waren die Stimmung und auch das preisliche Angebot kompatibel miteinander. Und so habe ich mir für einen (vergleichsweise) Schnäppchenpreis eine True-HD-Webcam von Logitech geleistet, die dahingehend angepriesen wurde, auch bei eher schwierigen Lichtverhältnissen, wie sie in meinem Arbeitskeller zweifelsohne herrschen, für gute Aufnahmen zu sorgen.

Da mich die Erkältung nun wirklich erwischt hat und ich daher meinem Job nicht nachkommen kann, habe ich eine der Phasen genutzt, in denen ich nicht damit beschäftigt bin, meine Nase unter Kontrolle zu bringen, um das gute Stück einmal anzuschließen.

Sowohl die Montage am Monitor als auch die Installation verliefen dabei völlig reibungslos und so konnte ich schon bald mein eigenes Bild bewundern und mir selber zuwinken.

Und was soll ich sagen: Das Bild ist wirklich sehr gut, auch bei diesem künstlichen Licht. Im Gegenteil, ich habe sogar leichte Lichtreflexe drin, die von der Zimmerdecke herrühren. Hier werde ich mir noch etwas einfallen lassen müssen, bevor ich euch mit ersten Autorenvideos beglücken kann. Zum Visifonieren (um einen uralten Begriff aus der Science-Fiction zu benutzen) würde es aber jetzt schon reichen.

Jetzt schaut mich aber die ganze Zeit über so ein starres und leeres Auge von der Oberkante meines Monitors an. Ich muss zugeben, dass das gewöhnungsbedürftig ist. Um bei den Zukunftsvisionen zu bleiben: Ich komme mir vor, als sei ich einer der Astronauten an Bord der „Discovery“, die es mit einem in einem Dilemma gefangenen Bordcomputer zu tun bekommen. Fehlt nur noch, dass das Ding mich auf einmal mit „Dave“ anredet …

Man hört ja immer wieder, dass es sogar eine reale „Gefahr“ gibt, dass man ohne sein Wissen von einer Kamera gefilmt wird. Big Brother is watching you. Oder der Geheimdienst. Oder Donald Trump. Viele gehen deswegen ja schon hin und kleben die Kameras an ihren Smartphones oder Notebooks ab.

Ich habe es mir da einfacher gemacht und einfach das USB-Kabel rausgezogen. Es dürfte schwer werden, mich damit in Unterwäsche zu filmen. Zumal ich nie in Unterwäsche vor dem PC sitze. Aber ich fürchte, das bekäme Donald Trump auch noch irgendwie hin.

Wie dem auch sei, wenn mich die Live-Lesung nicht in alle Zeiten von dem Wunsch kuriert, euch unter die Augen zu treten, wird es in nicht allzu ferner Zukunft also mal was von mir zu sehen und zu hören geben.

Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! 😉

Technik, die es (nicht) braucht. Oder doch. Oder nicht. Oder …

Sicherlich habt ihr im Laufe der Zeit schon mitbekommen, dass ich grundsätzlich jemand bin, der Technik gegenüber eher aufgeschlossen ist. Zwar bin ich nicht derjenige, der immer wieder die neuesten Geräte besitzen muss, aber wenn einmal der Gedanke geweckt wurde, dass ich dieses oder jenes vielleicht brauchen könnte, dann setzt der sich schon einigermaßen fest. Und macht mir Probleme.

Urheber des Gedanken ist, wie könnte es auch anders sein, mal wieder die Leipziger Buchmesse. Ich werde wieder mit dem Zug anreisen, was je Strecke ungefähr fünf bis sechs Stunden Reisezeit bedeutet. Die Plätze sind lange reserviert, die erste Klasse habe ich mir wieder gegönnt. Das bedeutet, ich habe Freiheit.

Unter anderem hätte ich die Freiheit, mir irgendeinen schreibbaren Untersatz mitzunehmen.

Moment, wird jetzt der eine oder die andere Langzeitleser/in sagen: Hast du dir nicht vorletztes Jahr irgend so ein Ding aus China bestellt, das unter anderem genau dafür vorgesehen war?

Ja, habe ich. Und es war, wie ich inzwischen zähneknirschend eingestehen muss, ein Fehlkauf.

Nicht, weil es nicht das tun würde, was es sollte. Das macht es. Mit Abstrichen macht es das sogar ziemlich gut. Es ist halt ein Hybrid aus Android und Windows und damit in beiden Welten nicht richtig zu Hause.

Womit ich nicht gerechnet hatte, obwohl ich es hätte tun müssen, war der enorme Speicherbedarf, den sowohl ein Android-Betriebssystem als auch ein Windows-Betriebssystem auf dem insgesamt eher mickrig bemessenen Speicher einnehmen. Bereits die letzten Updates für Windows 10 waren mehr oder weniger ein Glücksspiel. Und der Support für die aufgespielte Androidversion ist seitens des Herstellers auch ausgelaufen. Womit Teclast allerdings in guter Gesellschaft ist, wenn man sich die anderen Anbieter von Androidgeräten ansieht. Update-Diaspora allerorten. Und das in Zeiten von Meltdown, Spectre und KRACK.

Jedenfalls taugt das Gerät inzwischen höchstens noch, um damit im Internet zu surfen. Richtiges Arbeiten macht keinen wirklichen Spaß. Und da ich, das kommt noch dazu, eigentlich ein Mensch bin, der am liebsten an seinem stationären Desktop arbeitet und für das mobile Surfen/Lesen/Multimedia ein Kindle Fire besitzt, setzt das Teil mehr oder weniger nur noch Staub an.

Damit könnte die Geschichte jetzt auch zu Ende sein. Eigentlich müsste sie damit zu Ende sein. Aber dann hat meine Frau irgendwann einmal die harmlose Frage gestellt, ob ich nicht vielleicht doch noch mal eine mobile Schreibmaschine brauche.

Und auf solche Fragen springt der Technik-Freak in mir an wie der Bluthund auf die Blutwurst.

Wenn ich mit Realitätssinn und Sachverstand an die Frage herangehe, dann gibt es nur eine mögliche Antwort: Nein, brauche ich nicht. Ich habe Daheim meinen hochgerüsteten PC stehen, samt mechanischer Tastatur und allem drum und dran. Und so oft bin ich nicht unterwegs, dass ich eine mobile Schreibmaschine wirklich ausreizen würde.

Selbst dann, wenn wir in den Urlaub fahren, gibt es da noch das Notebook meiner Frau, das mehr oder weniger das Schicksals meines Hybriden teilt, seit sie sich ein leistungsstarkes Tablet geleistet hat.

Jetzt könnte man ja meinen, dass ich dann einfach das Notebook mitnehmen kann, um im Zug damit zu schreiben. Da muss ich aber ehrlich sagen, dass mir das Ding einfach zu schwer ist. Denn es handelt sich, wie kann es anders sein, um ein zwar inzwischen betagtes, aber dennoch multimedia- und auch spielefähiges Gerät. Und die Leistung beansprucht neben Strom vor allem Gewicht.

Nein, was mir ganz gut zu Gesicht stehen würde, wäre im Prinzip ein Gerät wie das, das ich schon besitze. Allerdings mit ein paar anderen Anforderungen, die ich nach dem einen Fehlschlag klarer formulieren kann:

  • Das Gerät soll ausschließlich unter Windows 10 laufen
  • Es muss eine Bildschirmdiagonale von mindestens 10, eher 12 Zoll haben
  • Eine (deutsche) Tastatur ist ebenso Pflicht wie ein vernünftiges Touchpad
  • Falls ich doch mal mit externer Tastatur unterwegs bin, braucht es natürlich entsprechende Anschlüsse
  • Ein 64-Gigabyte-Winzlingspeicher reicht nicht aus, um bei Windows und den Anwendungen (Office, PapyrusAutor) zukunftssicher genügend Platz zu bieten
  • Ein Flashspeicher (egal ob SSD oder SD) ist zwingend nötig, damit man nicht stundenlang auf die Ausführung von Befehlen warten muss
  • Optimal wäre, wenn sich die Tastatur trennen ließe und das Gerät dann im Tabletmodus funktioniert
  • Ein Arbeitsspeicher von mindestens 4 Gigabyte ist Pflicht, darunter macht Windows keinen Spaß

Und das sind jetzt nur die Anforderungen, die mir spontan in den Sinn gekommen sind.

Wer Spaß daran hat, kann ja mal bei den einschlägigen Händlern auf die Suche gehen, was Geräte kosten, die wenigstens die meisten dieser Ansprüche erfüllen. Da landet man dann schnell bei Gerätepreisen von 800 Euro aufwärts.

Dazu kommt noch, dass heute ja jeder Hersteller mindestens fünf verschiedene Varianten desselben Gerätes fertigt. Da blickt man dann endgültig nicht mehr durch.

Wenn ich in diese Preissegmente schaue, kühlt mein Enthusiasmus doch immer recht schnell ab. Denn, wie schon gesagt, eigentlich brauche ich das Gerät nicht, oder viel zu selten, um eine solche Ausgabe zu rechtfertigen. Ich bin armer Schriftsteller, ich muss mein Budget zusammenhalten! 😉

Mein Kopf, der alte Besserwisser, baut sich dann Hilfsszenarien auf. So nach dem Motto, ich könne das Gerät, so es leicht genug ist, ja mit zur Arbeit nehmen und dann in der Pause direkt in meinem Dokument arbeiten, um nicht darauf angewiesen zu sein, mir selber Dateien hin und her zu schicken.

Oder er führt ins Feld, dass mein Arbeitszimmer ja in absehbarer Zeit renoviert werden muss und ich dann vielleicht lieber auf ein kleineres Notebook ausweichen möchte, anstatt mir irgendwo einen Platz für das Desktopgerät aus den Rippen zu schneiden.

Doch das sind alles Rückzugsgefechte, denn eigentlich weiß ich, weiß mein Kopf, weiß so gut wie jeder, der mich kennt, dass ein solches mobiles Gerät im Prinzip Geldverschwendung wäre. Und wer verschwendet schon gerne Geld!?

Aber dennoch: Ich werde wohl noch eine ganze Weile bei den Angeboten der einschlägigen Elektronikmärkte on- und offline genauer hinsehen. Mindestens mal, bis die Leipziger Buchmesse vorbei ist.

Und, wer weiß … seufz

Seine Figuren von der Leine lassen

Am heutigen Donnerstag, den 08.02.2018, ist es wieder so weit: Überall in der Republik, am meisten aber hier im äußersten Westen, werden wieder die Pappnasen aufgezogen, vereinzelt tatsächlich noch Krawatten abgeschnitten und unsägliche Stimmungshits von alkoholisierten Menschen zur Vorstellung gebracht. Mit anderen Worten hat die Hochphase des Straßenkarnevals begonnen.

Ich selber habe zu diesem Brauchtum so gar keinen Bezug aufbauen können. Ich weiß, dass ich als Kind mal auf den Rosenmontagsumzügen und auch ein- oder zweimal bei Kinderkarnevalsfeiern dabei war, aber im Großen und Ganzen habe ich immer leicht skeptisch auf die Leute geschaut, die glaubten, dass am Altweibertag die Regeln für die kommenden paar Tage aus den Angeln gehoben werden und mehr oder weniger alles erlaubt ist.

Das hat sich im Laufe der Jahre noch mehr verfestigt. Ich muss gestehen, dass ich es schon schwer zu tolerieren finde, dass ich, wenn ich morgens mit dem Zug zur Arbeit fahre, den Wagen mit teils schon erheblich alkoholisierten Menschen teilen muss, die teilweise auch vor körperlichen Übergriffen nicht zurückschrecken.

Aber wie gesagt, manche glauben, dass sie an Karneval mal so richtig aus der Rolle fallen können.

Wobei das, wenn man darüber nachdenkt, eine nette Idee ist, die uns Autoren dabei helfen könnte, noch mehr über unsere Figuren zu erfahren.

Die meisten Autoren haben ziemlich klare Vorstellungen davon, wer ihre Figuren sind, wie sie sich verhalten, was sie denken und was sie so tun. Das liegt in der Natur der Sache, definiert sich ihr gesamtes Auftreten schließlich über uns und das, was wir mit ihnen vorhaben.

Diese Vorgehensweise kann sich aber auch dahingehend rächen, dass unser Protagonist oder auch der Antagonist (wobei der interessanter Weise meistens eher dagegen gefeit ist) sich nach einem bestimmten Schema bewegen, äußern und allgemein verhalten.

Das können harmlose Dinge sein wie bestimmte Floskeln, die eine Person immer wieder verwendet. Es können aber auch größere Sachen wie der Umgang mit anderen Figuren sein, vielleicht sogar handlungsbestimmende Aspekte der Herangehensweise an eine Problemstellung. Manchmal hat eine Figur auf diese Weise sogar ein mittelschweres Brett vor dem Kopf, das sie einfach nicht herunterreißen kann, weil sie so in ihren normalen Mustern festgefahren ist, dass man es als Autor oft erst im Rahmen der Überarbeitung feststellt. Und dann ist es mühselig, diesen Umstand wieder zu heilen.

Ich möchte daher dafür plädieren, die eigenen Figuren einfach mal von der Leine zu lassen.

Wie stelle ich mir das vor? Natürlich muss es nicht so sein, dass euer Protagonist sich zu Karneval ordentlich einen auf die Lampe gießt. Im Wein liegt zwar Wahrheit, wie man so schön sagt, aber vielleicht ist dies nicht immer die Wahrheit, die man herauskitzeln möchte. Andererseits: Was gibt es Schöneres zu schreiben als einen langen und bierseligen Dialog, der sich quer durch alle möglichen Emotionen von Rührseligkeit über Aggression hin zum Weinerlichen bewegt?

Bei anderen Figuren kann es dagegen interessant sein, sie einmal in ein vollkommen anderes Umfeld zu versetzen. Wie schlägt sich ein katholischer Pfarrer in einem Swingerclub? Wie Graf Dracula im Sonnenstudio? Und dann ist da diese Clique von Collegemädchen, die statt beim Spring Break in einem Nonnenkloster samt Schweigegelübde gelandet ist.

Der Reiz entsteht aus dem Kontrast, der zwischen den eigentlichen Erwartungen und der Notwendigkeit zur Anpassung besteht. Vielleicht führt der Pfarrer ein höchst erhellendes Gespräch über das Zölibat mit der Frau an der Bar. Oder Dracula stellt fest, dass er mit einem entsprechend hohen Lichtschutzfaktor endlich etwas gegen seinen blassen Teint tun kann.

In jedem Fall erlangt man neue Ansichten seiner Charaktere, die man in einer vorgezeichneten Geschichte auf diese Weise vielleicht nicht hätte gewinnen können.

Wichtig ist es aus meiner Sicht nur, dass man trotz aller Möglichkeiten, seine Figuren mal out of character beschreiben zu können, den Respekt vor ihnen nicht verliert. Sie werden nicht zur Schießbudenfigur, nur weil wir neue Seiten an ihnen ausloten.

Das unterscheidet sie im Übrigen auch von dem Karnevalisten, der morgens um halb acht schon so viel Alkohol getankt hat, dass er es vielleicht gar nicht mehr bis elf Uhr elf durchhält, ohne mit einer Vergiftung ins Krankenhaus eingewiesen werden zu müssen.

Ich schlage also vor, dass ihr, wenn ihr das nächste Mal das Gefühl habt, mit einer eindimensionalen Figur kämpfen zu müssen, einfach einen kleinen Text schreibt und diese Figur in eine vollkommen andere Situation versetzt. Welche das ist, das könnt ihr, als die Herren über euren Stoff, selbst am besten beurteilen.

Aber vielleicht habt ihr so etwas ja auch schon einmal gemacht? Dann würde ich mich über entsprechende Erfahrungsberichte in den Kommentaren freuen!

Und wenn ihr heute und in nächster Zeit nicht ansprechbar seid, weil ihr jeck und auf den Straßen unterwegs seid, dann sende ich euch ein dreifaches „Helau“ und bin im Stillen erleichtert, dass Aschermittwoch ja gar nicht mehr so lange hin ist …

Thema Sicherheit: Und dann macht es KRACK

Heute wird es ein wenig technisch auf diesem Blog, aber wirklich nur ein wenig, weil ich einfach schamlos die relevantesten Infos verlinken werden, sofern sie jetzt schon vorliegen. Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, wenn ich versuche, Sachverhalte in umschreibende Worte zu kleiden, für die Experten in diesen Dingen schon passende Worte gefunden haben.

Seit gestern geistert ein Begriff durch das Internet, der sich so liest, als sei er aus der Übersetzung eines Donald-Duck-Comics entsprungen: KRACK. Ich hatte das zuerst allerdings gar nicht mitbekommen, weil ich gestern direkt nach dem Job schon wieder unterwegs war, um mir mit den „Female Voices 2017“ ein Rock-/Metal-Minifestival in Bochum anzuhören. Deswegen trafen mich die alarmierenden Neuigkeiten unvorbereitet.

KRACK steht für „Key Reinstallation Attack“, also in etwa „Attacke durch Neuinstallation des Schlüssels“. Es bezieht sich auf das (bis jetzt?) sicherste Verfahren zur Verschlüsselung von WLAN-Funknetzen, den sogenannten WPA2-Standard, der in eigentlich allen moderneren Servern und Clients Verwendung findet, die drahtlos miteinander kommunizieren.

Bis jetzt hatte man geglaubt, dass WPA2 de facto nicht zu kompromittieren sei, auch wenn es immer mal wieder gegenläufige Aussagen gab. Jedenfalls galt das hinterlegte Passwort als sicher und aufgrund der Verschlüsselung für nicht knackbar.

Und das ist das „komische“ an dieser neuen Art der Attacke: Das Passwort ist wohl nach wie vor sicher, denn der potentielle Angreifer setzt an einer ganz anderen Stelle an. Dazu muss ich doch ein wenig technisch werden, fürchte ich.

Das WLAN-Signal wird durch einen Server, in den meisten Fällen einen Router (etwa die Speedport-Modelle der Telekom oder die Fritz!Boxen von AVM) ausgestrahlt. Der Client, also das Gerät, welches das Signal auffängt und sich gerne verbinden möchte, sendet nun seinerseits, dass er da ist und Kontakt haben will. In Folge beginnen die beiden Geräte eine Art Austausch miteinander darüber, ob sie kompatibel sind, ob der Client das Kennwort kennt, usw.

Unter anderem tauschen die beiden Geräte auch eine Session-ID miteinander aus, die nichts anderes bedeutet, als dass die Geräte für die Dauer dieser Sitzung miteinander verbunden bleiben können. Und hier setzt nun der Designfehler in WPA2 an, der es möglich macht, die weiteren sicherheitsrelevanten Schritte zu umgehen: Der Angreifer kann sich einklinken und kann die übermittelte Session-ID ein weiteres Mal verwenden. Dies öffnet ihm Tür und Tor auf den Datenaustausch zwischen dem Client und dem Server – ganz ohne Kenntnis des Passwortes.

Besonders betroffen von dem Problem sind, nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge, Geräte, die auf Linux- oder Android-Basis arbeiten. Hier soll es teilweise sogar möglich sein, die Session-ID mit Nullwerten auszuhebeln.

Eine positive Nachricht gibt es allerdings auch: Verschlüsselter Datenaustausch, im Browser erkennbar an dem Präfix https:// bzw. auch, je nachdem, an einem geschlossenen Sicherheitsschloss, kann nicht mitgehört werden. Dementsprechend braucht sich also wohl niemand Sorgen um seine Geschäfte im Online-Banking zu machen.

Die negative Nachricht ist allerdings, dass durch die Art des Fehlers ein Update der Software des Servers, also des Routers, nicht ausreichen wird. Vielmehr müssen alle Clients einzeln versorgt werden. Und das ist Aufgabe des Herstellers.

Für die großen PC-Betriebssysteme liegen wohl bereits entsprechende Patches vor, wenn man den Meldungen Glauben schenken kann. Schwieriger wird die Lage bei den 1397 verschiedenen Smartphone-Varianten, die dort draußen im Umlauf sind. Viele werden von ihren Herstellern gar nicht mehr gepatcht oder wenn doch, dann vielleicht erst in Monaten.

Aber weswegen ich den Fall überhaupt hier, auf einer dem Schreiben und dem Lesen gewidmeten Seite, in epischer Breite auswalze, ist das: Denkt nur einmal an all die eReader, die ihr zum Lesen benutzt. Denkt an WLAN-Drucker, auf denen ihr eure Manuskripte ausdruckt. Denkt an das obskure China-Netbook, auf dem ihr eure Texte schreibt.

Ob alle diese Geräte ein Update erhalten werden? Ich fürchte, dass nicht. Zumindest kann ich es mir für mein China-Netbook nicht vorstellen (wobei, bevor das Argument wieder kommt, die Lage bei einem Aldi-Netbook wahrscheinlich nicht rosiger aussähe). Und auch Amazon wird mich wohl eher zum Kauf eines neuen Kindle-Fire auffordern, als noch einen Patch für mein Tablet der dritten Generation nachzuschieben. Wie sich Brother als Hersteller meines Druckers stellen wird, wage ich noch gar nicht einzuschätzen.

Und das sind nur die Geräte, die unmittelbar mit dem Schreiben zu tun haben! Was ist etwa mit dem Amazon-Fire-TV oder dem Smart-TV, auf dem ihr eure bevorzugte Serie schaut, um euch inspirieren zu lassen? Was ist mit der Spielkonsole, auf der ihr zur Entspannung ein wenig zockt? In einigen Ecken des Internets diskutieren sie bereits über die Folgen, die KRACK für die Steuerung eines Smart-Home, also etwa eure Heizung, haben könnte.

Bis jetzt ist das alles bewiesene Theorie, nur ein Proof of Concept in einem belgischen Labor. Und es ist ein es dieser typischen Probleme der Sorte „mit Geld kann man alles lösen“. Aber dennoch ist es alles andere als trivial. Nicht zuletzt für meinen Etat.

Jetzt habe ich doch versucht, in meinen Worten zu erklären, was da eigentlich passiert ist. Trotzdem verlinke ich euch noch die Übersichtsseite von Heise Security, die ich in den nächsten Tagen etwas intensiver im Auge behalten werde. Ebenso wie die Internetseiten des einen oder anderen Hardwareherstellers. Vielleicht überrascht mich ja eine Firma wie Amazon, eine wie Teclast oder eine wie Vernee doch noch positiv.

Wenn man eines als Autor frühzeitig lernt, dann ist es, dass man die Hoffnung niemals aufgeben sollte.

Trick 17 ohne Selbstverarschung

Bei mir auf der Arbeit haben sie das Serversystem umgestellt. Das ist jetzt eine Tatsache, die für euch nicht unbedingt wichtig ist, aber für mich ist sie sogar sehr wichtig, weil man mir ja schon vor langer Zeit meinen kleinen, alten, absolut in die Jahre gekommenen Stand-Alone-PC geklaut und durch eine von diesen neumodischen Client-/Server-Lösungen ersetzt. Das bedeutet, dass alles, was ich hier so in meine Tastatur tippe, auf irgendeinem Netzwerklaufwerk gespeichert wird.

Bestenfalls lassen sich diese Dateien dann zielgerichtet auf diesen Laufwerken lokalisieren. Das ist im Normalfall sogar so. Wenn man sich nicht mit Trick 17 selber verarscht.

Dazu muss man wissen, dass ich zwar ein „eigenes Laufwerk“ besitze (also einen geschützten Bereich auf dem Server, auf den nur ich zugreifen kann), dieser aber vor kurzem, wegen der erwähnten Umstellung, einmal auf Links gekrempelt wurde. Praktischer Weise in der Zeit, in der ich mit meiner komischen Spätsommerviruserkrankung zu Hause war.

Als ich gestern in der Mittagspause an „Die Behüter des Wahren“ weiterschreiben wollte, fand ich, oh weh, nur eine uralte Version meiner Arbeitsdatei vor. Ich schreibe auf der Arbeit in Word und kopiere abends daheim alles nach Papyrus rüber. Aber, Trick 17, ich wusste ja, dass ich mir meinen letzten Arbeitsstand auf dem Mailweg zugeschickt hatte.

Dementsprechend fand sich die Datei bei den gesendeten Mails und ich konnte loslegen. Und zwischendurch immer wieder schön abspeichern, das Ganze. Wie es sich gehört.

Am Nachmittag, als ich mir die Datei nach Hause schicken wollte, bin ich dann irgendwie ins falsche Verzeichnis geraten … denn als ich abends wie immer den Fortschritt umkopieren wollte, war da nur der alte Text!

Hektik, Panik, Weltuntergangsstimmung.

Denn ich musste ja davon ausgehen, dass der Text sich jetzt in irgendeinem obskuren temporären Ordner befand, in den ich zwar speichern, den ich aber gar nicht selber aufrufen durfte. Na, da hätte ich aber Freude gehabt.

Gut, ihr seht schon am Konjunktiv, dass ich noch einmal Glück im Unglück hatte. Zwar war die Datei tatsächlich an einem Ort, wo ich sie nie vermutet hätte, aber ich konnte sie aufrufen, ordentlich abspeichern und in der Mittagspause weiterschreiben.

Trick 17 ohne Selbstverarschung.

Und weil ich mich so über die Tatsache, dass die Datei noch da und ich in der Lage war, meinen Faden weiter zu spinnen, mag ich euch ein kleines Zitat aus dem Text da lassen, das mir eigentlich ganz gut gefällt:

Orion zog den Hebelschalter nach unten und machte im gleichen Atemzug einen Satz nach hinten. Seine immer noch auf Hochtouren laufende Fantasie gaukelte ihm eine Schar von kleinen, quirligen Wesen mit großen Zähnen vor, die sich aus dem Treppenaufgang ergoss.

Aber nicht nur, dass durch die sich öffnende Tür keine Angreifer kamen, die Tür öffnete sich auch nicht so, wie man es von ihr hätte erwarten sollen. Statt zur Seite oder nach oben zu gleiten, oder wenigstens wie eine ganz normale, wenn auch altmodische Tür aufzuschwingen, fiel sie einfach nach vorne in den Raum – wo sie in zahlreiche Bruchstücke zerfiel.

Na, was es wohl damit auf sich hat? 😉

Format-Wirrwarr – Wieso wir den Leser nicht überfordern

Gestern klingelte bei mir mal wieder der Postbote und brachte mir, nein, kein neues Buch, sondern zur Abwechslung mal wieder einen neuen Film. „Shin Godzilla“ heißt das Machwerk und markiert die Rückkehr der Japaner zur Umsetzung ihres Königs der Monster nach etwas um die 13 Jahren – und parallel zu den Bestrebungen von Warner, sich ein eigenes „MonsterVerse“ rund um die Gigantoechse und den Riesenaffen King Kong aufzubauen.

(Hatte ich eigentlich hier eigentlich schon mal erwähnt, dass ich eines Tages, wenn ich so berühmt bin, dass ich mir schlichtweg alles erlauben kann, auch einen „gigantische Monster machen alles platt, was ihnen in den Weg kommt“-Roman schreiben möchte?)

Da unsereins ja leider unterhalb der Woche kaum noch dazu kommt, sich wirklich auch mal einen Film anzusehen, wanderte auch dieser erst einmal ins entsprechende Regal. Aber vorher wollte ich mir doch einmal ansehen, was es denn mit dieser Digitalkopie auf sich hat, die bei immer mehr Filmen inzwischen der Scheibe beiliegt.

Wir wissen es ja nicht erst seit der Erfindung des eBooks: Die Medienwelt um uns herum wird zunehmend eine digitale. Früher war das anders. Wenn man Musik hören wollte, legte man eine CD, eine LP oder eine Kassette in den Player. Sollte es ein Film sein, dann war die Videokassette, die DVD oder die Blu-ray das Format der Wahl. Und um zu lesen ging man einfach an den Bücherschrank und las, genau, ein Buch.

Heute haben wir unseren eReader, wir haben Gigabyte von Musik auf unseren Smartphones, wenn wir sie nicht sowieso schon genauso streamen, wie anderenorts unser Fernseh- und Filmprogramm. Dabei sind die unterschiedlichen Lösungen natürlich im Normalfall extrem voneinander abgeschottet.

Im Buchsektor haben sich, zumindest in Deutschland, die Formate von Amazon und das wesentlich offenere .epub, verwendet von der Tolino-Allianz, durchgesetzt. Andere Formate, wie zum Beispiel das aus der Dokumentenverwaltung bekannte PDF, spielen nur eine Rolle am Rande.

Ich habe schon Diskussionen zwischen Autorinnen und Autoren mitverfolgt, in denen es darum ging, ob es nicht für den Leser verwirrend sein könnte, wenn er sich mit diesen Formaten auseinander setzen muss. Diese Diskussionen kommen immer dann auf, wenn sich die Frage stellt, ob man sich zum Beispiel für eine gewisse Zeit exklusiv an Amazon und seine Publishing-Plattform binden kann, soll oder sogar muss.

Dann heißt es häufig, dass damit viele Benutzer ausgesperrt würden, was rein technisch nicht ganz stimmt, wenn man weiß, wie es gemacht wird, aber dann doch so umständlich ist, dass es den berühmten „Oma-Test“ nicht bestehen würde.

Aber wenn man einmal davon absieht, dass es Gründe aus dem Bereich des Marketings gibt, die dafür sprechen, entweder die eine oder die andere Plattform zumindest für eine gewisse Zeit zu bevorzugen, ist es doch ganz überwiegend so, dass die meisten Bücher früher oder später in beiden Formaten zur Verfügung stehen. Oder halt ganz auf die althergebrachte Art als gedrucktes Buch.

Aus diesem Grund war ich so naiv anzunehmen, dass es auch bei der sogenannten Ultraviolet-Kopie meiner Blu-ray so einfach sein könnte. Die Benutzung des Wortes „naiv“ macht schon deutlich, dass ich mich ein wenig geirrt hatte.

Auf der Scheibe ist ein Code aufgedruckt, der nichts anderes als ein Gutschein für ein Filmportal ist. Wie ich dieses Filmportal erreiche, stand im beiliegenden Flyer. Eine Website war aufzurufen und eine Anmeldung beim Portal von UltraViolet vorzunehmen. So weit, so erwartbar.

Der nächste Schritt sah vor, alles dahingehend zu untersuchen, ob ich überhaupt in der Lage war, den erworbenen Film abzuspielen. Nein, war ich nicht, weil ich dafür einen Browser benötige, der Microsofts Silverlight (eine mittlerweile ziemlich tote Alternative zu Adobes Flash, das ja ebenfalls schon angefangen hat, zu müffeln) abspielen kann. Googles Chrome kann das nicht. Und zu meiner Verwunderung auch Microsofts Edge nicht. Der Internet Explorer, der als Scheintoter ja auch noch in Windows 10 vorhanden ist, der kann Silverlight spielen (und Firefox, worauf ich aber jetzt nicht gekommen wäre, nachdem Chrome streikte).

Wunderbar, damit hätte ich mir meinen Film anschauen können. Jetzt wollte es der Zufall so, dass mir beim Einsortieren ein weiterer UltraViolet-Film in die Hände gefallen war. „Storm Hunters“ aus dem Hause Warner. Gut, dachte ich mir, fügst du den eben schnell der Bibliothek hinzu.

Schon wieder naiv.

Denn den Film gab es nicht direkt bei UltraViolet, den gab es nur beim Portal Videociety, für das eine erneute Anmeldung und eine erneute Prüfung des Rechnerumfelds nötig wurde. Immerhin konnten die beiden Benutzerkonten miteinander verbunden werden, so dass beide Filme auf beiden Plattformen abgespielt werden können.

Und dann war da noch der dritte Film, „Suicide Squad“, mit dem ich jetzt aber endlich schauen wollte, wie einfach das doch alles ist mit dieser wunderschönen neuen … ihr ahnt es.

Nein, „Suicide Squad“ gibt es weder bei UltraViolet noch bei Videociety. Dafür muss ich mich bei Flixster anmelden, aber immerhin wird alles in die gleiche Videothek übernommen. Ach so, mit der Ausnahme, dass sich „Shin Godzilla“ nicht über Flixster abspielen lässt, wieso auch immer. Aber ansonsten ist das alles eine Geschichte und ein digitales Format. Ja, wirklich!

Das war der Moment, in dem ich mich fragte, ob wir Autoren es uns mit den Formaten bei den Readern und eBooks nicht schwieriger machen, als es eigentlich ist. Ich meine, wir haben zwei große Formate, die wir bedienen müssen. Gerade für die Selfpublisher unter uns stehen da ja auch alle Wege offen (zumindest, wenn man die Vorteile, die Amazon zum Start durch eine exklusive Bindung bietet, mitgenommen hat).

Vor allem aber zeigt dieses Vorgehen im Bereich der Filme, dass man mit dem Konsumenten anscheinend wesentlich mehr machen kann, als man glaubt, bevor er entnervt sein digitales Abspielgerät in die Ecke pfeffert. Wer diesen ganzen Aufwand betreibt, nur um hinterher auf seinem Tablet von unterwegs einen Film sehen zu können, den er vorher ja schon als Datenträger gekauft hat, der kommt auch damit klar, im Zweifel zwischen zwei eBook-Formaten umzuschalten. Auf dem Tablet sind das ja nur zwei separate Apps.

Im Gegenzug möchte ich mir nicht ausmalen, wie abenteuerlich es wird, wenn ich jetzt versuchen würde, mir auf meinem Smartphone von unterwegs „Shin Godzilla“ anzusehen. Mal davon abgesehen, dass ich auf dem Winzformat nicht einmal lese, geschweige denn Filme schaue.

Mein Fazit: Die Technik hat in Sachen Verfügbarkeit und intuitiver Verwendung noch einiges nachzuholen. Nicht nur bei den eBooks. Das bedeutet nicht, dass wir uns als Autoren nicht anstrengen sollten, es unseren Lesern so einfach wie möglich zu machen. Aber es zeigt deutlich auf, dass andere, größere Medienanbieter mit weitaus schlimmeren, einengenderen und weniger durchdachten Konstrukten durchkommen.

Schöne neue Medienwelt!? Oder doch nur, na ja, naiv eben …