Die Stunden danach

So, das wäre geschafft! Nein, das klingt jetzt nach etwas negativem, als hätte ich einen Besuch beim Zahnarzt hinter mir, oder beim Anwalt meines geringsten Misstrauens. Dabei hatte ich doch heute nur ein Gespräch bei meinem Verlag (es schreibt sich immer noch ein wenig seltsam).

Leider, leider, leider kann, darf und will ich euch nicht zu viel verraten, weil wir hart am Inhalt diskutiert haben. Es gibt einige Vorstellungen, wie man noch an der Aussage des Romans Verbesserungen vornehmen könnte und dazu wollte man meine Meinung hören. Denn, so die wiederholte Versicherung, ohne meine Zustimmung als Autor geht das alles nicht.

(Dass in dem phasenweise lustigen Gespräch angedeutet wurde, dass es auch Mittel und Wege gäbe, einen Autor gefügig zu machen, nehme ich jetzt mal nicht so bierernst. Oder!?)

So ganz genau in die Details haben wir jetzt noch nicht geschaut. Es ging halt darum, dass ich mich mit den Anmerkungen anfreunden kann.

Die beiden Lektorinnen gehen jetzt noch einmal in medias res und dann setzen wir uns im Mai zusammen und sprechen die ersten konkreten Änderungen durch. Bis dahin kann ich auch schon mal an den Dialogen feilen und mir Stellen im Skript markieren, die ich auf keinen Fall geändert haben möchte. Mir obliegt das letzte Wort, wurde jedenfalls so betont.

Und dann gibt es auch schon einen sehr vorsichtigen Zeitplan bis zur Veröffentlichung des Romans. Aber der ist so vorsichtig, dass ich auch hier ungern einen genauen Termin nennen würde. Der ja sowieso nur grob einen Monat benennen könnte. Viel hängt ja auch davon ab, wie schnell ich die Änderungen, die sich im Lektorat ergeben werden, umsetzen kann.

Außerdem stehen noch zwei Entscheidungen an, die sehr weitreichend sind und die wir heute nur einmal als notwendig auf die Agenda geschrieben haben, auch wenn sie noch weiter weg sind. Das eine ist, dass für den Roman ein Cover gefunden werden muss. Hier darf ich mich gerne künstlerisch austoben, wenn mir irgendwas vorschweben sollte. Die Worte lauteten so ähnlich wie »immer her damit!«

In der Tat habe ich schon eine vage Idee, wie das Cover aussehen könnte. Aber die muss noch reifen.

Wesentlich schwerer wird es werden, einen Veröffentlichungstitel zu finden. Denn beim Arbeitstitel „Der Morgen danach“ kann und wird es nicht bleiben. Den gibt es nämlich schon bei einem anderen Roman. Tja, schade, aber bei einem so generischen Titel nicht anders zu erwarten. Auch hier kann ich mir Gedanken machen und mich inspirieren lassen. In der gemeinsamen Hoffnung, dass dabei vielleicht schon etwas Nutzbares herauskommt.

Also, lange Worte, gar kein Sinn: Ich bin mit einem sehr guten Gefühl aus Refrath nach Hause gefahren. Alleine schon, weil mir ganz oft gesagt wurde, wie gut das Manuskript, die Idee und die Entwicklung sind. Wer hört so etwas nicht gerne? Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit meinem Verlag und den tollen Menschen dort!

„Darkride“: Der Anfang wäre gemacht

Anfang der Woche hatte ich noch darüber geschrieben, wie schwer ich mich getan habe, um meinen Hintern hoch zu bekommen und endlich mit dem anzufangen, was ich mir für diesen Urlaub im schriftstellerischen Sinn ganz fest vorgenommen hatte. Ich wollte und will die (mögliche) Veröffentlichung von „Darkride“ vorantreiben. Und dazu gehört, dass die nötigen Grundvoraussetzungen geschaffen sind.

Ich fasse diese noch einmal kurz zusammen:

  1. Ich brauche eine aussagefähige Leseprobe des Romans
  2. Ich benötige ein vollständiges und formell korrektes Exposé
  3. Dann kommt noch der „Kleinkram“ wie Anschreiben und Vita hinzu.

Wie ihr ja wisst, möchte ich „Darkride“ bei Bastei Entertainments eBook-Label be einreichen, die seinerzeit schon meinen Roman „Der Beobachter und der Turm“ zur Prüfung auf dem Tisch hatten. Dieser fand zwar anhand des Exposés kein Gefallen, aber meine Schreibe sagte dem Lektor zu, der meine Anfrage geprüft hatte und deswegen ermutigte er mich, mich wieder mit einem neuen Projekt an ihn zu wenden.

Es hat lange gedauert, bis ich mich durchgerungen habe, aber egal: Here we go!

Der Vorteil, der sich durch diesen vorangegangenen Kontakt ergibt, liegt auf der Hand: Erstens habe ich schon einen konkreten Ansprechpartner im Verlag, zweitens kenne ich schon genau die Charakteristika, welche die einzureichenden Unterlagen haben sollten, damit ich nicht sofort aussortiert werde.

Ich hoffe, dass mir das die Arbeit an den Punkten zwei und drei vereinfachen wird.

Den Anfang stellte aber, wie bei solchen Aufzählungen meistens, der erste Punkt dar. Und der war gar nicht so leicht. Dazu muss man wissen, dass mein Roman, selbstverständlich, mit einer Leiche beginnt. Diese taucht allerdings nicht schon auf den ersten paar Seiten auf, sondern ich baue erst die Stimmung des Freizeitparks auf, in dem die Handlung spielt. Dann kommt die Entdeckung der Leiche und dann wird meine Hauptfigur, Kriminaloberkommissar Jakob Dillken, in Gang gesetzt.

In meinem ersten Entwurf brauchte das alles runde 50 Seiten. Viel, viel zu lang – nicht nur für den fertigen Roman, sondern vor allem auch für die Leseprobe. Diese sollte nicht länger als 30 Normseiten sein. Es galt also, 20 Seiten in irgendeiner Form loszuwerden.

Und ich muss sagen, ich bin überrascht davon, wie gut es mir mittlerweile gelingt, meine Texte zu filetieren. Ich schneide ab, wo zu viel Füllstoff ist und trenne heraus, wo die Handlung sehnig wird. Man wächst wirklich an und mit seinen Erfahrungen, nehme ich an. Denn diejenigen von euch, die schon länger hier mitlesen, werden sich sicher erinnern, was für Probleme mir genau diese Disziplin anfänglich gemacht hat. Und jetzt, nach drei Tagen konzentrierter Arbeit (die ich natürlich nicht durchgearbeitet habe, bewahre!) habe ich die Leseprobe fertig. Es ist alles drin, was drin sein soll und sie ist auch nicht eine Seite zu lang.

Das macht Mut!

In den kommenden zwei Tagen werde ich sehr wahrscheinlich nicht viel zum Arbeiten kommen, wegen österlicher und geburtstaglicher Verpflichtungen. Aber im Laufe der kommenden Woche, die ich ja noch frei habe, sollte es mir gelingen, das Exposé auch noch in die Tastatur zu hauen.

Und dann geht mal wieder ein Entwurf von mir auf die Reise. Ich würde nicht sagen, dass ich mich daran gewöhnt habe. Wahrscheinlich gewöhnt man sich niemals daran. Aber es verursacht bei mir auch kein Gefühl des Erschreckens oder der Panik mehr.

Alles entwickelt sich weiter. Selbst der Autor.

Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wie es mit „Darkride“ und allem drumherum weitergeht! Falls wir uns nicht mehr lesen sollten, wünsche ich euch aber jetzt erst einmal ein paar schöne Ostertage!

„Darkride“: Vom Fügen und Auseinandernehmen

Ich glaube, inzwischen kennt ihr meinen Romanentwurf „Darkride“ schon ein wenig, oder? Dabei weiß ich gar nicht so genau, was ich euch bis jetzt vom Inhalt erzählt habe und was nicht. Es kann also sein, dass die folgenden vier Absätze euch fürchterlich redundant vorkommen, dann möchte ich euch bitten, sie einfach zu überspringen. Ansonsten seid gerne eingeladen, eine kleine Beschreibung der Ausgangslage zu lesen:

Das „Dreamland“ ist der größte Freizeitpark Deutschlands. Vor wenigen Jahren in der Nachbarschaft eines kleinen Ortes mit immensen Mitteln aus dem Boden gestampft ist es ein Mekka der Freizeitparkfans geworden. In diesem Sommer steht die Veröffentlichung des neuesten Themenbereichs, der sogenannten „Ghost World“ an. Parallel hierzu veranstaltet das „Dreamland“ einen Kongress der Freizeitparkforen, die sich im Internet etabliert haben.

Der unbestrittene Stargast kommt allerdings von weither. Ein japanischer Edelfan hat sich angesagt. Peinlicher Weise wird ausgerechnet dieser Japaner ermordet in einer der Themenfahrten des Parks aufgefunden.

Oberkommissar Jakob Dillken erhält den Auftrag, unter Wahrung größter Diskretion den Mord aufzuklären. Hinter dem „Dreamland“ stehen oberste politische Kreise, die einen Skandal abwenden wollen. Das Schlimme: Dillken hasst Freizeitparks und er fürchtet Achterbahnen.

Während er versucht, zwischen verrückten Fans, genervten Anwohnern und unnachgiebigen Bossen seinem Job nachzugehen, scheint ihm der Darkride-Killer immer mindestens einen Schritt voraus zu sein.

Ich hatte „Darkride“ ja schon als potentiellen Titel ins Gespräch gebracht, mit dem ich mich ggf. bei dem einen oder anderen Verlag bewerben würde. Konkret geht es dabei ja um das Label be des Bastei-Verlags, denen zwar meine Schreibe, nicht aber mein Konzept zu „Der Beobachter und der Turm“ gefallen hatte.

Da ich im Augenblick ein paar Tage Leerlauf habe, bis es mit „Der Morgen danach“ weitergeht, dachte ich mir, ich könnte mich ein wenig mit Textprobe und Exposé für „Darkride“ beschäftigen.

Der erste Schritt bestand allerdings darin, das Manuskript noch einmal zu lesen. „Darkride“ war der letzte Roman meines Schreibrauschs, der zwischen Oktober 2011 und Mai 2013 anhielt und in dessen Rahmen fünf Romane mit ungefähr 2.500 Seiten entstanden. Allerdings hatte ich auch nach ihm direkt mit einem weiteren Manuskript angefangen, bevor ich die Reißleine zog, weil ich Angst hatte, in einen schriftstellerischen Burnout zu geraten.

Das bedeutet, dass ich den Roman in seiner Gesamtheit bis heute nicht wieder gelesen hatte. Es ergab sich einfach nie die Zeit oder der Anlass dazu – und noch seltener der Punkt, an dem beide Dinge mal übereinstimmend vorhanden gewesen wären.

Aber was bot sich besser an als die Fahrt mit dem Zug nach Leipzig und von Leipzig zurück!? Ganz klare Antwort: Das war die Gelegenheit. Und so lud ich mir das Manuskript auf mein Convertible und habe mich die gut 11 Stunden, die ich insgesamt unterwegs war, damit beschäftigt.

Und ich muss sagen, ich bin gleich in mehrfacher Hinsicht überrascht. Negativ überrascht, um damit zu beginnen, bin ich davon, wie viele offensichtliche Tippfehler, Schreibfehler und Grammatikfehler in dem Manuskript sind. Da sah die Rohfassung von „Der Morgen danach“ vollkommen anders aus. Aber ich denke, daran kann man ablesen, dass es eine gute Entscheidung war, bald nach „Darkride“ das Schreiben erst einmal wieder für eine Weile auszusetzen. Ich war einfach übertaktet.

Die positiven Überraschungen überwiegen allerdings. Ich habe ja nun schon zwei aufwändigere Überarbeitungsrunden hinter mir und kann allmählich auf etwas wie einen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Und aus diesem heraus kann ich nur feststellen, dass der Plot des Romans Sinn macht, die Figuren in ihren Perspektiven (ich habe drei Perspektivträger) glaubwürdig sind und dass es nur wenige Füllszenen gibt. Klar, Kürzungen tun jedem Roman gut (und das aus meinem Munde …), aber mich haben jetzt keine Passagen angeschrieen, die so öde und die Handlung ausbremsend sind, dass sie unmittelbar herausgerissen gehörten.

Die positivste Überraschung, nein, eigentlich mehr Bestätigung, war dann aber der Umstand, dass sich die Geschichte wirklich von vorne bis hinten wie geplant liest – obwohl sie nicht geplant war.

Nein, nicht falsch verstehen, ich hatte, als ich begann, grobe Ideen. Der Ausgangspunkt war der tote Japaner. Ich wusste einiges über meinen Kommissar und auch über einige der Leute, mit denen er es im „Dreamland“ zu tun bekommen würde.

Was ich zum Zeitpunkt des Arbeitsbeginns nicht wusste war, wer der Täter ist, was sein Motiv darstellt und wie ich es in die Handlung einbauen kann.

Und das bei einem Krimi.

Doch auch wenn ich das nicht wusste, so haben sich die einzelnen Teile doch passend zusammengefügt. Ja, es scheint wie eine Fügung, dass am Ende ein in sich stimmiger und stringenter Kriminalfall entstanden ist, den ich für logisch aufgebaut und ansprechend präsentiert halte. „Darkride“ ist mein größtes Plädoyer dafür, dass es funktionieren kann, auf der Basis einer Idee in ein Manuskript zu starten und dann als Discovery Writer weiter zu machen.

Tja – jetzt muss ich dieses gefügte Manuskript nur auseinanderreißen, um ein anständiges Exposé daraus zu machen. Und ich muss mir überlegen, ob die berühmten ersten dreißig Seiten wirklich passend sind, wie sie sind, um den Stoff auch interessant zu machen. Dabei wissen wir doch sowieso alle, was da passiert: Eine Leiche wird gefunden. Nicht die originellste Eröffnung für einen Krimi, aber hey, es hat schon seinen Grund, dass das immer wieder so gemacht wird.

Im Moment bekomme ich noch nicht den richtigen Dreh, wirklich mit der Arbeit anzufangen. Aber die kommenden zwei Wochen habe ich Urlaub (Osterferien), da sollte sich vielleicht die Zeit und die Motivation finden lassen.

Ansonsten tretet mir gerne beizeiten in den Hintern! 😉

Romanüberarbeitung: Wann ist „fertig“ wirklich fertig?

Die Ausgangslage

Die ersten gut drei Monate des Jahres 2017 waren stark vom Thema Überarbeitung geprägt. Mein Roman „Der Morgen danach“ soll, so steht es im geschlossenen Vertrag, nach Möglichkeit in diesem Jahr noch erscheinen und dazu muss natürlich von vielen Seiten Hand in Hand gearbeitet werden. Ich als Autor bin dabei derjenige, der zuerst einmal „liefern“ muss.

Sicherlich ist die Situation, die ich bei und mit diesem Manuskript gehabt habe, nicht stellvertretend für alle Manuskripte anwendbar. Die Umstellung der Erzählperspektive war eine Aufgabe, die mich mehr gefordert hat, als ich es dachte. Und es war eine Aufgabe, die ich in dieser Weise vorher noch nie zu bewältigen hatte.

Bisher schrieb ich alle meine Romanentwürfe für die berühmte Schublade. Es war egal, ob sie perfekt waren, es war auch egal, ob sie sich stringent lasen. Aber dieser Roman hier, der wird zu einer Art Visitenkarte für mich werden. Bestenfalls wird er für den Verlag und für mich zu einem Erfolg, der sich für beide Parteien am Ende auszahlt. Und für den Leser natürlich.

Die verschiedenen Phasen der Überarbeitung

Interessant war, dass ich bei dieser Überarbeitungsrunde einen ganz anderen Arbeitsweg ausprobieren konnte, als es z.B. letztes Jahr bei der Überarbeitung meines Romans „Der Beobachter und der Turm“ war. Damals habe ich überarbeitet, dann den Roman an Testleser geschickt, und hinterher deren Feedback eingearbeitet – wobei sich auch Dinge herauskristallisierten, die ich grundsätzlich bei einer Überarbeitung beachten sollte, und die auch jetzt wieder ihre Rolle gespielt haben.

Bei „Der Morgen danach“ war es so, dass ich bis zuletzt im eigenen Saft schwamm. Abgesehen von der Textprobe, die mir den Vertrag mit dem Scylla Verlag eingebracht hat, hat niemand dieses Manuskript gelesen und mir belastbare Änderungsvorschläge dazu gegeben. Ich war also auf mich allein gestellt.

In der ersten Phase der Überarbeitung bin ich das gesamte Manuskript durchgegangen und habe die Erzählperspektive umgestellt. Parallel dazu habe ich eifrig Kürzungen vorgenommen, wo sie mir angeraten erschienen.

Ein zweiter Durchlauf durch den Gesamttext war eigentlich dafür vorgesehen, nur noch Erwähnungen in der falschen Perspektive aufzustöbern, die mir zunächst entgangen waren. Es stellte sich aber heraus, dass ich diesen Durchlauf auch benötigte, um einige Logikbrüche zu kitten, die durch die vorangegangenen Kürzungen entstanden waren.

Am arbeitsintensivsten stellte sich aber die dritte Phase heraus. Und das überraschte mich wirklich. In dieser Phase nahm ich mir meine Lieblingswörter und -floskeln vor und arbeitete sie akribisch ab. Das bedeutet, wie auch in einem separaten Artikel geschildert, dass ich das Wort in die Suchhilfe eingab und dann zu jedem einzelnen Verwendungsort sprang, wo ich dann versuchte, umzuformulieren, umzustellen oder auch einfach zu löschen, wo es ging.

Diese Methode hat sich als sehr effektiv im Sinne der Textbearbeitung erwiesen, mich allerdings in gewisser Weise auch an die Grenzen des Machbaren geführt. Denn zwangsläufig bekommt man so die meisten Textpassagen immer und immer wieder zu Gesicht, bis man sie irgendwann nicht mehr sehen mag. Und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Kann man einen Roman zu sehr überarbeiten?

Ich denke, dass ich diese Frage ohne Umschweife mit einem „Ja“ beantworten kann. Allerdings nicht, ohne ihr ein kleines „Aber“ hinterher zu schicken.

Die Erfahrung, die ich mit „Der Morgen danach“ gemacht habe, hat mir gezeigt, dass es für einen Autor nicht gut ist, wenn er zu sehr auf sich alleine angewiesen ist. Deswegen kann ich nur allen angehenden, abgehenden und sonstwie in die Welt gehenden Kolleginnen und Kollegen immer wieder raten, dass sie sich Unterstützung suchen. Sei es, dass sie Testleser finden, oder dass sie einen Lektor beauftragen.

Ich habe mir im Rahmen der Überarbeitung, besonders zu ihrem Ende hin, als der Spaß am Manuskript exponentiell abnahm, sehr oft die Frage gestellt, ob man es mit der Überarbeitung so sehr übertreiben kann, dass man irgendwann den richtigen Zeitpunkt verpasst, um diesen noch in die Welt zu entlassen.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Manuskripte einen langsamen und qualvollen Tod in der Überarbeitungshölle sterben, weil ihren Urhebern genau das passiert, was mir auch gut hätte passieren können, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es da diese Verlagsmenschen gibt, die darauf warten, mein Manuskript zu bekommen.

Es hilft auch, die Verantwortung ein Stück weit abgeben zu können. Nicht die Verantwortung dafür, dass die Arbeit, die man abliefert, eine gute ist. Aber zumindest die dafür, alles alleine entscheiden zu müssen

Und wie läuft es bei Selfpublishern?

Hier könnte und kann ich nur in den Kanon derer einstimmen, die immer wieder darauf hinweisen, dass man sich auch als Selfpublisher keinen Gefallen damit tut, wenn man sein eigenes Süppchen kocht und nur auf sich selber hört.

Ich habe mit „Der Beobachter und der Turm“ so viele Fortschritte gemacht, weil es die Testleser gab, die mich teilweise mit sensationell hilfreichem Feedback versorgt haben. Es gibt Schreibforen, in denen man sich engagieren und seine Texte auch vorstellen kann. Auch aus Schreibratgebern kann man lernen, wenn man der Typ dafür ist.

Und dann gibt es natürlich die Dienstleister, die Lektorat, Korrektorat, Cover, Satz, alles, was so anfällt im Zusammenhang mit einer Buchveröffentlichung, abnehmen.

Aber das alles entbindet einen Autor nicht davon, zu einem Zeitpunkt X eine Entscheidung zu treffen, eine Frage zu beantworten. Und diese lautet ganz schlicht:

Bin ich wirklich fertig mit meinem Roman?

Es ist wichtig, sich dieser Aufgabe zu stellen. Umso wichtiger, je mehr man in der Eigenverantwortung steht. Am Anfang steht das Wort, alles andere kommt danach.

Wann ist denn jetzt „fertig“?

Um also die Frage vom Anfang zu beantworten, so gut ich sie mit meiner bescheidenen Erfahrung beantworten kann: „Fertig“ ist ein Roman im Wortsinne niemals. Es gibt immer noch den einen Satz, den man umstellen, das eine Wort, das man ändern könnte. Und es wird immer unterschiedliche Meinungen darüber geben. Das Feedback meiner Testleser war teilweise höchst widersprüchlich und auch bei meiner Überarbeitung vom „Morgen danach“ hatte ich Situationen, in denen ich zuerst einen Satz rausnahm, um ihn fünf Minuten später wieder reinzutun, weil ich merkte, dass ich ihn doch noch brauche.

Deswegen vielleicht noch ein praktischer Tipp: Legt euch zu jedem wichtigen Zwischenschritt eine Manuskriptkopie an. Speicherplatz kostet heute nur noch Erdnüsse. Keiner muss mehr mit Disketten jonglieren, auf denen nur 1,44 Megabyte Platz fanden. Auch wiederbeschreibbare CDs sind in Vergessenheit geraten. Auf einen USB-Stick für 8 Euro passen heute 16 oder gar 32 Gigabyte an Speicher und die meisten von euch werden garantiert nicht auswendig wissen, wie viel Festplattenspeicher der Rechner hat, an dem ihr schreibt.

Ich habe von „Der Morgen danach“ bestimmt fünfzehn verschiedene Fassungen, die es mir zu jedem Zeitpunkt ermöglichen, eine bestimmte Passage zu rekonstruieren oder wieder ins Manuskript zu holen.

Weil ein Roman eben niemals „fertig“ ist. Irgendwann wird er halt veröffentlicht, was eine Zäsur darstellt. Aber in Zeiten des eBooks hat nicht einmal diese Tatsache noch etwas Definitives.

Goldene Zeiten für Autoren, findet ihr nicht auch?

„Der Morgen danach“ – Ich habe fertig

Puh, Leute, das war eine anstrengende Geschichte heute. Deswegen auch nur ganz kurz und sozusagen als Vorankündigung: Ich habe soeben die Überarbeitung von „Der Morgen danach“ beendet und werde, nachdem ich noch einmal darüber geschlafen habe, die Datei morgen an den Verlag geben. Von dieser Seite aus startet dann das Lektorat, in dessen Rahmen ich mich dann wieder an den Text begeben werde.

Jetzt bin ich aber, ganz ehrlich, froh, dass ich ein paar Wochen Pause vom Manuskript bekommen werde. Ich bin es jetzt so oft auf der Suche nach einzelnen Wörtern und Formulierungen durchgegangen, dass ich es a) fast auswendig und b) kaum mehr sehen kann.

Und nun wünsche ich euch eine gute Nacht, mir brummt der Schädel.

Eindimensionaler Wortschatz

Gestern habe ich euch darüber berichtet, dass ich noch ein ganz klein wenig länger brauchen werde, um die Fassung von „Der Morgen danach“, die an den Verlag gehen soll, unter Dach und Fach zu bringen.

Das Hauptproblem ist mein eindimensionaler Wortschatz. Ihr würdet nicht glauben, wie oft ich mich manchmal wiederhole. Ihr würdet nicht glauben, wie oft ich mich manchmal wiederhole.

Aber lassen wir die Albernheiten, denn es handelt sich dabei um ein ernstzunehmendes Problem. Vor allem aus dem Grund, weil es mir in weiten Teilen beinahe unter dem Radarschirm durchgerutscht wäre. Nun, jetzt könnte ich mich in meinem Autorensessel zurücklehnen und sagen: »Soll doch das Lektorat auch noch ein wenig Arbeit haben!«

Aber diese Einstellung behagt mir nicht. Denn ich will die Überarbeitung ja nicht nur dazu nutzen, den aktuellen Text zu verbessern, sondern nach Möglichkeit auch dazu, mich für alle zukünftigen Texte zu verbessern.

Sprechen wir also über meinen limitierten Wortschatz. Dabei empfinde ich den gar nicht als so limitiert. Bei jedem neuen Satz und jeder neuen Seite finde ich ganz im Gegenteil, dass ich die Worte in einer Weise aneinander reihe, die durchaus mit dem Schreiben anderer Autoren mithalten kann.

Das Problem liegt mehr in meiner Arbeitsweise begründet. Ich habe euch ja schon häufiger berichtet, dass ich gerne in kleinen Arbeitsintervallen schreibe. Da kann es schon mal sein, dass ich eine Seite schreibe, eine Viertelstunde oder so etwas anderes mache, und dann wieder eine Seite schreibe.

Und bei allem guten Gedächtnis, das ich ohnehin schon nicht habe, kann ich mich dann nicht mehr genau erinnern, was ich eigentlich auf der Seite davor genau für Wörter und Formulierungen verwendet habe.

Das führt dann zum Beispiel dazu, dass innerhalb von zwei Seiten die Floskel „mit Sicherheit“ auftaucht. Für sich allein genommen finde ich diese gar nicht so schlecht, weil sie so schön griffig ist. Aber wenn man sie überstrapaziert, dann liest es sich einfach wie schlechter Stil.

Diesem konkreten Problem bin ich wirklich nur durch Zufall auf die Schliche gekommen. Wie ihr wisst, musste ich ja das ganze Manuskript in der Erzählperspektive umschreiben. Und ich wollte sichergehen, dass ich nach zwei Lesedurchgängen alle Überbleibsel der dritten Person erwischt hatte. Deswegen startete ich eine Suche nach dem einfachen kleinen Wort „sich“.

Und fiel fast in Ohnmacht.

Ich sage euch jetzt nicht, wie oft konkret dieses Wort im Manuskript enthalten war. Und ich rechtfertige mich jetzt auch nicht damit, dass es ja Bestandteil von „sicher“, „sicherlich“, „Sicherheit“ oder „Sichtweise“ ist. Ich sage euch einfach nur, dass ich einige Hundert (!) der kleinen Ungeziefer losgeworden bin.

Bei anderen Worten und Floskeln wusste ich vorher schon, dass ich eine Vorliebe für sie habe. Ich bin ein ganz großer Freund des Relativierens, was wahrscheinlich auch viel über meine gefestigte Verfassung aussagt. Worte wie „scheinbar“, „anscheinend“, „einigermaßen“, „wahrscheinlich“ oder „ziemlich“ fließen mir durchweg leicht in die Tastatur.

Ich weiß, dass das alles Formulierungen sind, die verhindern, dass man sich festlegt. Im realen Leben können sie einem schon mal hilfreich sein (»wahrscheinlich hat die Falschbuchung keine negativen Auswirkungen, Chef«), in einem Roman darf man dem Leser und den Figuren aber durchaus zugestehen, dass das, was passiert, auch wirklich Bestand hat. Da wird nicht wahrscheinlich auf den Protagonisten geschossen, da muss der sich im Kugelhagel wegducken!

Für mich bedeutet das Ganze jetzt jedenfalls einen punktuellen Mehraufwand, der auch zu einer weiteren Verzögerung führt. Aber gut, es ist so, wie es ist. Und es wird im eigentlichen Lektorat zu Zeitersparnissen führen, weil die Lektorinnen jetzt nur noch die Hälfte meiner wiederholten Wiederholungen wiederholt anstreichen müssen.

Aber man kann sich ja, ich glaube, ich erwähnte es gestern, auch durch massive Überarbeitung vor einem Ergebnis drücken. Und deswegen kann ich sagen, dass ich nur noch auf zwei Begriffe prüfen will, wie oft sie im Text sind. Danach mache ich den Deckel drauf.

Wird ja irgendwann auch mal Zeit.

Der, der sich mit Texten auskennt

Viel mitteleuropäischer als jemand, dessen Familie immer schon in und rund um Deutschland gelebt hat, kann man ja eigentlich gar nicht sein. Aber wenn ich ein Indianer wäre, dann wäre mein Indianername „Der, der sich mit Texten auskennt“. Und verliehen worden wäre mir dieser Name auf meiner Arbeitsstelle. Wie bei den meisten Indianern, die ja auch jagen gehen, also einen Beruf ausüben mussten, um einen Namen zu erlangen.

Bei uns auf der Arbeit bin ich der, der sich mit Texten und Worten auskennt. Und das war ich schon, bevor ich mich irgendwann als Autor geoutet habe. Immer dann, wenn es darum geht, ein verzwicktes Schreiben aufzusetzen, eine Richtlinie Korrektur zu lesen oder ein wenig Hirnschmalz in Formulierungen zu stecken, dann bin ich ein Mann, an den man sich gerne wendet. Natürlich beschränkt auf mein eigenes kleines Dorf (= Sachgebiet) innerhalb des großen Reservats (= Amt).

Das führt dann schon mal dazu, dass sich meine beruflichen und meine privaten Tätigkeiten auf geradezu schmerzhafte Weise aneinander angleichen.

Ich arbeite, wie ich hin und wieder schon mal habe durchblicken lassen, bei der Stadt im Bereich der Finanzbuchhaltung. Und wie jeder, der ein wenig Ahnung von Buchhaltung hat weiß, muss am Ende des Jahres immer der berühmt-berüchtigte Jahresabschluss erstellt werden. Und dazu gehört dann, neben einem umfangreichen Zahlenwerk, auch ein sogenannter „Anhang“, in dem auf die wesentlichen Veränderungen und Entwicklungen des abgelaufenen Geschäftsjahres eingegangen werden muss.

Diesen Anhang schreibt die oberste Squaw meines Dorfes (= meine Chefin). Aber wenn irgendwo etwas hakt, oder wenn noch mal über die Zeichensetzung geschaut werden muss, dann schlägt die große Stunde von „Dem, der sich mit Texten auskennt“.

Und so kam es, dass ich die ganze bisherige Woche damit verbracht habe, diesen Anhang von vorne nach hinten, von hinten nach vorne, von oben nach unten und von rechts nach links auf den Kopf zu stellen, abzuklopfen, noch einmal abzuklopfen und am Ende ein weiteres Mal auf Links zu drehen, um nach Möglichkeit alle Stilblüten, Rechtschreibfehler und grammatische Schnitzer rauszuholen, die sich bei der Arbeit an einem solchen Schriftwerk nun einmal fast zwangsläufig einstellen.

Und, ihr kennt das, irgendwann fängt man dann an, seine eigenen Fehler zu korrigieren, zu suchen, sich die Frage zu stellen, was man sich eigentlich bei dieser oder jener Korrektur gedacht hat und alles wieder auf Anfang zu stellen.

Das ähnelt in gewisser Weise sehr dem, was ich zu Hause und für „Der Morgen danach“ getan habe und immer noch tue. Der Unterschied ist, dass ich in diesem Dokument keine Tabellen kontrollieren und keine Zahlen zusammenaddieren muss. Aber ansonsten ist die Arbeitsweise sehr ähnlich.

Das führte dazu, dass ich in den letzten Tagen kaum noch Elan hatte, mich um mein eigenes Geschreibe zu kümmern, wenn ich nach Hause kam.

Aber jetzt sieht es so aus, als ob der Anhang fertig wäre und „Der, der sich mit Texten auskennt“ sich wieder mit anderen Facetten seines Jobs beschäftigen kann. Und damit steigt dann zwangsläufig auch wieder die Motivation und die Bereitschaft, sich mit dem eigenen Text zu befassen.

Schließlich will ich den jetzt endlich unter Dach und Fach kriegen und auf die Reise zum Verlag schicken. Damit ich irgendwann aufsteige zu „Der, der einen Roman veröffentlicht hat“.

Was jetzt so ansteht – Eine (fast) unwillkommene To-Do-Liste

Ich bin eigentlich kein besonders großer Freund von To-Do-Listen. Das hat was damit zu tun, dass ich dazu neige, die Punkte entweder durcheinander zu schmeißen, oder sie einfach unter den Tisch fallen zu lassen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich sie nicht oder nur mit sehr großem Aufwand erreichen kann.

Und trotzdem kann mein Kopf anscheinend nicht anders, als sich immer mal wieder so eine Liste aus den Gehirnzellen zu leiern. Da ich im Moment sowieso ein wenig ausgebremst bin, bot sich das irgendwie wahrscheinlich auch an.

Ich dachte, ich lasse euch einfach mal daran teilhaben, was jetzt so ansteht.

Top 1: Zweiter Überarbeitungsdurchgang „Der Morgen danach“

Wie bereits geschrieben, möchte ich das Manuskript, das nun ja in einer völlig anderen Personalform als vorher vorliegt, noch einmal auf Schnitzer abklopfen und auf notwendige/sich anbietende Erweiterungen auf der Gefühlsebene. Ich hatte im letzten Sonntagsreport angedeutet, dass das ein Feld ist, auf dem auch Gefahren lauern. Aber ich muss mich von meinem inneren Kritiker an dieser Stelle ein Stück weit frei machen. Was ich jetzt an den Verlag schicken werde, ist eine Arbeitsgrundlage. Alles Weitere werden wir gemeinsam erarbeiten und überarbeiten.

Top 2: Sichtung, Exposéerstellung und Überarbeitung Einstieg „Darkride“

Auch über „Darkride“ habe ich euch schon erzählt. Sowohl darüber, dass ich plane, das Projekt einmal bei be anzubieten, als auch, vor grauer Blogvorzeit, woher eigentlich die Idee zu der Story kam. Sichtung bedeutet dabei für mich, dass ich das ganze Manuskript noch einmal lesen will. Am besten so, wie man ein ganz fremdes Buch liest. Und nachdem ich ja, wie erzählt, schon einmal reingelesen habe, weiß ich wieder, dass es solche Passagen auch gibt, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Das wird spannend! Die Luft für die Erstellung eines Exposés und die Überarbeitung der Leseprobe werde ich hoffentlich haben, während man bei Scylla an der ersten Lektoratsrunde sitzt. „Darkride“ reizt mich einfach, weil ich von der Story immer noch überzeugt bin, von den verschiedenen Versatzstücken des Krimis, als auch von der Hauptperson. So sehr überzeugt, dass ich mir sogar schon Gedanken über einen zweiten Teil mit meinem Kommissar gemacht habe. Kein guter Krimi ohne Serienambitionen, nicht wahr? 😉

Top 3: Weiterarbeit an „Der goldene Tod“

Und nach all diesen Arbeiten wird es Zeit, endlich mal wieder einfach nur zu schreiben! „Der goldene Tod“ soll nicht das Schicksal vieler früher Entwürfe teilen und einfach so im Sande verlaufen. Dafür gefallen mir hier die bisher geschriebenen Szenen und Personen viel zu gut.

Die Liste ist nicht abschließend, aber bis hierhin sollte ich es erst einmal bewenden lassen. Denn je höher die Nummer wird, desto unwahrscheinlicher wird ihre zeitnahe Realisation. Wenn ich all das bis, sagen wir, Ostern auf die Reihe bekomme, dann freue ich mich schon.

Habt ihr auch To-Do-Listen, die sich immer wieder aufdrängen?

„Mal eben“ die ganze Prämisse über den Haufen werfen

Inzwischen bin ich bei meiner Überarbeitung von „Der Morgen danach“ am letzten Kapitel angekommen. Bei mir, wie auch bei vielen anderen Autoren, ist dies die Stelle an, der sich der Schleier über vielen Geheimnissen lüftet. Und Geheimnisse birgt der Roman ja genug – wenn man sich vor Augen hält, dass das Leben meines Protagonisten für ihn selbst aufgrund seiner Amnesie ein großes Geheimnis ist.

Mit der Aufdeckung seiner Vergangenheit erreicht „Der Morgen danach“ seinen Höhepunkt. Ich finde nicht, dass ich damit das Ende spoilere, denn es wäre meines Erachtens unfair, wenn ich den Leser ohne zumindest rudimentäre Erklärungen aus dem Lesespaß entlassen würde – den er hoffentlich haben wird.

Nun ist es so, dass ich vom Verlag nicht nur die Maßgabe bekommen habe, die Perspektive des Romans zu ändern. Es gibt auch eine Vorgabe bezüglich des Finales. Und hier muss ich leider vage bleiben, weil ich ansonsten eine ganze Menge Käufer verlieren würde, die doch bitte gespannt sein sollen, wie das Ende aussieht ;-).

Ich stelle jedenfalls gerade fest, dass es noch einmal eine ganz andere Sache ist, die Prämisse eines Romans umzuschreiben, als nur die Perspektive umzuwandeln. Das ging mir, nachdem ich mich einmal darauf eingestellt hatte, sehr gut von der Hand. Und das andere … nun, es wird auch funktionieren, da bin ich mir sicher. Aber es ist nun eben nicht damit getan, einfach aus „Markus ging“ ein „Ich ging“ zu machen.

Im Moment merke ich vor allem zeitlich, dass es mir schwer fällt, mich auf diese Änderungen einzulassen. Ich will es ja auch richtig machen und eben nicht „mal eben“. Mit diesen Änderungen steht und fällt zwar nicht der ganze Roman, aber schon ein wenig seine Basis. Alle Geschehnisse, die ich schildere, gehen auf diese Änderung zurück. Und da sollte ich wohl nichts übers Knie brechen.

Ich habe, zum Glück, noch ein ausreichend großes Zeitfenster, um diesen Entwurf von „Der Morgen danach“ beim Verlag abzugeben. Aber ganz so spielerisch, wie ich zunächst glaubte, werde ich es wohl nicht einhalten können.

Dafür handelt es sich bei dieser Änderung auch gleich um die am schwierigsten zu knackende Nuss. Der Rest des Romans ist dagegen, zumindest aus meiner Sicht, die Meinung meiner Lektorin könnte abweichen, ein relativ stringentes Stück Text.

„Mal eben“ funktioniert nicht. Muss es aber ja auch nicht. Man ändert die Prämisse eines Romans nicht innerhalb von zwei Sekunden. Das tue ich nicht und das tut wohl kein Autor. Insofern: Eigentlich alles im grünen Bereich. Ich bin gespannt, wie die Änderungen sich anfühlen werden.

Ich halte euch auf dem Laufenden!

Musik zum Schreiben: „Oxygene 3“ von Jean Michel Jarre

Eigentlich hätte ich diesen Text ja eher „Musik zum Überarbeiten“ betiteln müssen, weil ich im Moment ja kaum zu Schreiben komme (abgesehen vom Blog). Aber wir wollen ja nicht mit liebgewonnenen Traditionen brechen.

Jean Michel Jarre also. Oder auch Jean-Michel, je nach Tagesform. Muss ich viel über diesen Pionier der elektronischen Musik erzählen, der in den siebziger Jahren seine Weltkarriere startete, regelmäßig Konzerte vor Rekordkulissen gibt und, nach einigen stilistischen Problemchen in den Nuller-Jahren dieses Jahrtausends, inzwischen wieder voll auf der Höhe seiner Kunst ist?

Ich glaube, das erspare ich mir und euch. Merkt euch einfach: Jarre ist ein Ausnahmekünstler und sein Debütalbum „Oxygene“ bis heute eine Referenz für instrumentale Elektronik. Entsprechend unwillig reagierten weite Teile der Presse und des Publikums, als er zwanzig Jahre später, 1996, mit „Oxygene 2“ eine Fortsetzung vorlegte, die vielen zu sehr an den momentanen Zeitgeist angelehnt war.

Und nun, erneut zwanzig Jahre danach, ist 2016 das abschließende „Oxygene 3“ erschienen. Und hat sich mit seinen Melodien und seiner Instrumentierung sofort einen Platz in meinem Herzen gesichert.

Wie gewohnt teilt Jarre das Album in verschiedene Stücke auf, die mehr oder weniger ineinanderfließen und daher auch nur als verschiedene Teile des Gesamttitels benamt sind. Logischer Weise haben wir es also hier mit den Titeln Oxygene 14 bis 20 zu tun. Und man merkt Jarre an, dass er sich darum bemüht, das Beste aus Teil 1 und 2 zu vereinen, um den Schlusspunkt zu setzen.

Oxygene 14-16 erscheinen aufgrund der Verwendung alter Sounds so, als ob sie direkt im Dunstkreis des Ursprungsalbum entstanden wären. Zu ihnen kann man auch am besten schreiben oder überarbeiten, weil ihnen die absolute mitreißende Melodik fehlt. Damit will ich nicht sagen, dass sie langweilig oder gar belanglos wären. Es ist nur so, dass die Musik ein wenig unfokussiert erscheint.

Nach meinem Gefühl baut sich hier alles in Hinblick auf den zentralen Mittel- und auch Wendepunkt des Albums auf. Oxygene 17 ist eine lupenreine Popnummer, die zurecht als Video-Single veröffentlicht worden ist. Es besitzt eine treibende Melodie, und ist für mich ein harmonischer Rausch aus Euphorie und Raumklang.

Zumindest mir geht es so, dass ich mich hier jedes Mal zügeln muss, um nicht lauthals mitzupfeifen und mich ablenken zu lassen. Ich gebe zu, dass das zum Schreiben nun eher nicht so passt.

Aber Oxygene 18-20 bauen eine komplett neue Stimmung auf, da sich jetzt moderne Stilrichtungen mit alten Sounds koppeln. Dabei bekommt man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass hier Monotonie herrschen könnte, auch wenn vordergründig vielleicht einmal nicht viel „passiert“.

Oxygene 19 beginnt mit fast schon atonalen Harmonien, die klingen, als habe eine Sci-Fi-Version des Phantoms der Oper die Kontrolle an sich gerissen. Doch auch dies ist wieder nur ein Übergang zu einem in sich kohärenten Teilstück, das sich schließlich als Konklusion des Ganzen herausstellt.

Mit langen und weichen Flächen endet schließlich ein Werk, das uns auf eine Reise mitgenommen hat. Eine Reise, die wir als Passagiere erlebt haben, im Rahmen unseres Schreibens aber auch selber mit Leben füllen konnten.

Zum Schreiben ist das Album absolut geeignet, weil man in den meisten Stücken in den Schreibfluss kommen kann. Es gibt keine störenden Interferenzen. Alleine Oxygene 17 ist ein Track, bei dem man ein wenig aufpassen muss, dass man nicht zu sehr mitgerissen wird. Aber das ist vielleicht auch eine Frage dessen, was für eine Art Geschichte man gerade schreibt. So hatten „Oxygene“ (und das stilistisch recht ähnliche Nachfolgealbum „Equinoxe“) für mich immer schon etwas science-fiction-mäßiges an sich.

Denjenigen von euch, die keine Berührungsängste zu elektronischer Musik haben, sei ein Hereinhören und Ausprobieren dringend ans Herz gelegt!