Mein Traum vom eigenen Buch: Ein Rundgang durch die Vergangenheit

Vergangenheit. Eine Zeit, mit der wir uns permanent auseinander zu setzen haben, sei es im Guten, sei es im Bösen. Die Gegenwart hat es an sich, dass sie sich quasi im Sekundentakt in Vergangenheit verwandelt und damit Dinge aus unserer Reichweite nimmt, sie unserer Kontrolle und unserem Einfluss entzieht. Ein falsches Wort gesagt, einen falschen Handgriff getan – und die Katastrophe kann da sein.

Wie gut haben es dann doch wir Autoren, die – in sehr vielen Fällen jedenfalls – in unseren Geschichten die Vergangenheit beschreiben, sie aber auch umschreiben. Und wenn uns etwas an ihr nicht mehr passt, dann können wir sie auch einfach mit einem Federstrich oder dem Druck auf die Delete-Taste ausradieren.

Das Schreiben eines Blogs ist in dieser Hinsicht noch eine Besonderheit. Ich schreibe einen Eintrag und veröffentliche diesen – und damit ist er in die Welt gesetzt. Da ich in meinen Blogeinstellungen eingestellt habe, dass ich sofort den vollständigen Text als E-Mail an meine Follower sende, könnte ich nicht einmal mehr, wenn ich es wollte, seine Verbreitung verhindern.

Aber auch der Blog selbst hat seine Vergangenheit. Bald zweieinhalb Jahre gibt es ihn nun und ich kann, wenn ich mich mit ihm und seiner Vergangenheit beschäftige, die Entwicklung sehen, die er und ich genommen haben.

Gerade in den letzten Tagen habe ich einmal einen solchen Rundgang durch das Archiv unternommen. Der Hintergrund hierzu ist, dass demnächst die Website der BartBroAuthors, des Autorenvereins, dem ich angehöre, relauncht wird und die Mitglieder dazu eingeladen sind, sich für den angeschlossenen Blog mit Beiträgen zu beteiligen. Ich habe angeboten, einige meine älteren Beiträge noch einmal zu überarbeiten und für die Nutzung frei zu geben.

Dafür habe ich mir eine Vielzahl der über 780 Beiträge, die bis jetzt hier veröffentlicht wurden, im Schnelldurchlauf noch einmal angesehen. Und ich fand es bemerkenswert – und auch ein wenig unheimlich, wie sehr an manchen Stellen die Veränderungen greifbar sind.

Ich stieß auf Texte, in denen ich mit meiner Arbeit hadere. Ich sah Momentaufnahmen, in denen ich nicht wusste, wie es denn jetzt weitergehen soll. Allzu oft bin ich mal nach links gegangen, dann nach rechts getaumelt und schien, aus heutiger Sicht betrachtet, den passenden Weg verloren zu haben.

Ich weiß jetzt wieder: Auch wenn ich heute manchmal glaube, ziellos unterwegs zu sein, im Vergleich zu früher ist es geradezu ein Musterbeispiel an Stringenz.

Aber ich habe auch Augenblicke noch einmal erlebt, die einfach schön waren! Da war natürlich die Fertigstellung der Romane, die in dieser Zeit entstanden sind. „Der Redner“, „Der Beobachter und der Turm“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ sind auch Kinder dieses Blogs und ja, auch des Austauschs, der über diesen Blog zu Lesern und Autoren zustande gekommen ist.

Ich habe noch einmal die Momente passiert, an denen ich beschlossen habe, aus der Anonymität heraus zu gehen und mich mit allem, was dazu gehört, als Autor zu präsentieren. An einige der Artikel konnte ich mich noch erinnern, als seien sie gestern erst geschrieben worden. Andere waren dafür so gut wie vergessen und es war spannend, sie noch einmal zu lesen.

Und ich habe wieder einmal gelernt, dass wir zwar nicht in der Vergangenheit leben sollten, aber dass wir ohne unsere Vergangenheit nicht das wären, was wir heute sind. Kein Mensch, kein Autor, niemand.

Ich habe eine Reihe von Texten ausgesucht, die ich mir nun noch einmal vornehmen werde. Dabei geht es vor allem auch darum, sie ein Stück weit zu „neutralisieren“. Denn ich habe gesehen, dass ich quasi von Beginn an versucht habe, diesen Tonfall zu finden, der die persönliche Ansprache meiner Leser möglich macht. Es war mir wichtig, euch als Personen wahrzunehmen und euch als Person gegenüber zu treten. Nicht umsonst habe ich euch gleich zu Beginn auf die Veranda meines Hauses eingeladen.

Individualität ist für einen Gemeinschaftsblog von vielen Autorinnen und Autoren zwar auch wichtig, aber ich zumindest finde, dass erkennbar sein muss, dass da ein Jemand im Namen von Vielen schreibt. Außerdem sichert es auch die Individualität des eigenen Blogs, dieses Blogs hier. Denn der soll das bleiben, was er ist: Mein Sprachrohr, meine ganz eigene Sicht auf die Dinge und mein Reisebegleiter.

Der erste Schritt ist getan und viele weitere sollen noch folgen. Aus der Vergangenheit, in die Zukunft hinein. Immer weiter.

Danke, dass ihr den Weg mit mir geht!

#Inspirationsfeuer – Der Tanz um die kleinen Flammen

Im April war es, dass Eva-Maria Obermann für die Rechargers eine Aktion ankündigte, in der es um das Thema Inspiration gehen sollte. Über den Hashtag #Inspirationsfeuer waren die, die mitmachen wollten, dazu aufgerufen, von ihrer Inspiration zu berichten, von Dingen, die sie inspirieren, von Inspirationen, die sie anderen geben können. Da ich meine Hand bei so etwas ja immer nur schwer still halten kann, habe ich mich zur Teilnahme gemeldet.

Als die Aktion dann startete, schlugen neben netten Worten von Eva-Maria auch zwei Grafiken bei mir auf, welche die unglaublich talentierte Elenor Avelle erstellt hat. Zu früheren Gelegenheiten hatte ich bereits bewundert, was für lebensnahe Abbilder von Künstlerkollegen sie erstellt. Und nun gab es da auf einmal auch ein Bild von mir, einmal in groß und solo und einmal als Linksaußen einer ganzen Schar kreativer Geister:

Ich muss gestehen, ich war beeindruckt. Und beeindruckt. Und in dritter Konsequenz immer noch beeindruckt.

Auf einmal war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich etwas Bedeutsames zum Thema Inspiration zu sagen habe. Ich meine, wer bin ich denn schon!? Ich bin kein bedeutender Autor mit einer Fülle von Veröffentlichungen, die es bis ins Feuilleton der Zeitungen geschafft hat. Ich bin ja gerade mal froh, dass ich das Wort Feuilleton unfallfrei schreiben kann. An der Aussprache übe ich noch.

Ich bin auch kein großer Impulsgeber für irgendjemanden. Ich gebe keine Schreibtipps, ich verfasse keine Ratgeber, ich halte keine Workshops ab und mich selbst auch eigentlich ganz gerne im Hintergrund.

Niemand kann von sich behaupten, dass er oder sie schon einmal den Ratschlag bekommen hätte, der seine oder ihre Kunst auf das nächsthöhere Level gehoben hätte. Gut, es kann immerhin auch niemand behaupten, dass ich das Gegenteil zu verantworten gehabt hätte. Kleine Dinge, nicht wahr?

Also – was hatte ich denn über Inspiration zu sagen?

Ich überlegte und überlegte und sah auf dem Kalender, dass die Tage im Juni immer weniger wurden. Aber ich fand immer noch nicht den großen Punkt, auf den ich eingehen, die große Erkenntnis, die ich vermitteln, oder die gewaltige Erfahrung, auch die ich verweisen konnte.

Das #Inspirationsfeuer schien bei mir an einem Ende angelangt zu sein, an dem ihm der Brennstoff ausging, an dem es verlöschen musste.

Und dabei wäre es wohl auch geblieben, wenn mir nicht der Zufall zur Hilfe gekommen wäre. Dieser Zufall lief mir in Gestalt einer E-Mail über den Weg, die meine Lektorin mir schickte. Darin teilte sie mir mit, dass sie noch ein wenig Zeit benötigen würde, um mir Rückmeldung über den aktuellen Stand der Dinge zu geben, weil sie sich gedanklich noch einmal reinfuchsen wolle. Es könne durchaus sein, dass wir noch einmal intensiv an eine gewisse Passage heran müssen.

Ich konnte spüren, wie sich rechts von mir der Erdboden ein wenig erhitzte. Zum Glück tat er das nur im übertragenen Sinn, denn ansonsten wäre wohl mein Kellerbüro abgebrannt, aber der Ursprung war klar: Da war ein kleines orangenes Flämmchen entstanden. Nicht die Riesenflamme, nach der ich die ganze Zeit gesucht hatte, aber ein kleines Feuerchen, das eine angenehme Hitze abstrahlte.

Ich sah mich in meinem Raum um, sah mir auch meine Arbeitsmaterialien, im Wesentlichen also den PC und das ihn umgebende Chaos, mit neuen Augen an. Und ich merkte, wie in meinem Kopf eine gewisse Leichtigkeit Einzug hielt.

Ohne es zu bemerken, hatte ich über die ganze Zeit hinweg, seit ich meinen letzten Schwung Seiten ins Lektorat geschickt hatte, darauf gewartet, dass von dieser Seite aus der Hammer fallen und mich mit neuer Arbeit versorgen würde, die meine ganze Aufmerksamkeit blockieren würde. Gleichzeitig hatte mein Kopf aber alle möglichen andere Projekte immer und immer wieder gewälzt. Allerdings nur für sich, in sich selbst – und damit nicht in einer Art und Weise, die mich glücklich hätte machen können.

Ja, ich glaube, dass ich durch diese Blockade sogar die Freude daran verloren hatte, mir selbst auszumalen, wie es mit dem Schreiben weitergehen könnte. Und Zack: Da war wieder ein kleines Flämmchen.

Und dann kamen sie auf einmal wie ein Funkenregen hervorgesprudelt: All die kleinen und großen Projekte und Möglichkeiten. All das, was noch vor mir liegt oder was ich tun könnte. Einfach das Gefühl von Freiheit, in dieser Sekunde wirklich der Inspiration Folge zu leisten und ihr Angebot anzunehmen.

Und ich erkannte, dass ich die ganze Zeit auf ein Feuer gewartet hatte, dass es in dieser Form überhaupt nicht gab. Für mich ist Inspiration keine Riesenflamme, kein Waldbrand, kein Feuermeer. Für mich sind es die kleinen Flammen hier und da, das Zulassen von Ideen und das Spielen mit Möglichkeiten.

Zwei Dinge habe ich also gelernt und kann sie, ganz ohne dir etwas beibringen oder vorbeten zu wollen, an dich weitergeben:

Erstens ist es immer gut, wenn man versucht herauszufinden, ob die eigene Kreativität gerade durch irgendetwas gehemmt wird. Es ist nicht immer leicht, diese Gründe zu identifizieren, vor allem deshalb, weil sie sich oft als etwas Gutes tarnen. Ich will ja nicht im Traum behaupten, dass meine Lektorin mir was Schlechtes tun wollte. Meine Reaktion war allerdings eine ziemlich uninspirierte und damit auch für meine Kreativität ungesunde.

Und zweitens braucht es nicht immer das Feuerwerk. Klar, es wäre schön, wenn wir nur die inneren Fenster weit öffnen müssten und über uns würde ein immerwährendes Höhenfeuer aus Inspiration und Kreativität abgefeuert. Aber das ist nicht die Realität und es ist auch kein realistischer Anspruch.

Sich von diesem Denken frei zu machen und viel mehr auf die kleinen Dinge, die kleinen Flämmchen zu achten, das ist ein Weg, der einiges für uns kreative Menschen erleichtern könnte, wenn wir bereit sind, ihn zu gehen. Schritt für Schritt. Von Flamme zu Flamme. Von Idee zu Idee. Und irgendwann auch zum Erfolg. Wie immer jeder von uns den auch für sich selbst definiert.

Und damit möchte ich meinen kleinen Beitrag zum #Inspirationsfeuer auch beschließen. Links von mir ist gerade eine neue kleine Flamme entstanden und ich bin sehr gespannt, wohin sie mich führen will. Wohin auch immer: Ich bin mir sehr sicher, einige von euch dort zu treffen!

Der Druck hinter den Augen

Kennt ihr auch dieses Gefühl von Druck hinter den Augen?
Den Kopfschmerz, der kein Kopfschmerz ist?
Das Bohren in den Schädelknochen hinein?

Manchmal überfallen mich diese und andere Schmerzen, die ich darauf zurückführe, dass meine Schreibseele nicht ausgeglichen ist. Im Moment hänge ich irgendwie zwischen den Seilen, schiebe es auf Medikamente, die umgestellt werden, schiebe es auf mich selbst. Can’t blame it on the weather.

Ausgeglichenheit könnte ich erreichen, indem ich das, was ich tue, und das, was ich nicht tue, neu gewichte und gegeneinander verschiebe. Es ist, wie immer, nicht so, dass mir die Ideen fehlen würden. Da sind zu viele. Da ist ein zu viel an Möglichkeiten, ein Übermaß an Energie. Soviel Energie, dass sie sich nicht nach außen richten kann, sondern dass sie nach innen implodiert.

Die Implosion fühlt sich an wie der Ausbruch einer Supernova. Ein Stern, der explodiert, um dann in sich zusammen zu fallen und als Schwarzes Loch alles aufzusaugen, was um ihn herum existiert.

So viel, bis es nicht mehr existiert.
Nichts mehr existiert.
Schwärze sich im Kopf ausbreitet.
Eine Schwärze, die wohl tut, ebenso, wie sie Angst macht.

Doch die Hauptsache ist, dass der Druck nachlässt.
Dass die Schmerzen aufhören.
Nichts mehr bohrt und nichts mehr schmerzt.
Weil nichts mehr wichtig ist. Und doch alles gleichzeitig.

Kennt ihr auch dieses Gefühl?

Reblog: Der Social-Media-Knigge (und ein paar Gedanken dazu)

Heute möchte ich euch einen sehr lesenswerten Artikel meiner geschätzten Autorenkollegin und BartSis Babsi a.k.a. TheBlueSiren ans Herz legen. Dies tue ich aber, trotz der Überschrift, nicht als ganz normalen Reblog, wie ich ihn über WordPress auf Knopfdruck haben könnte, sondern in Form eines ergänzenden Artikels. Weil ich denke, dass Ergänzungen nötig sind.

Also: Ein Social-Media-Knigge. Wieso das?

Nun, wer oder was ein Knigge ist, das dürften wir alle wissen, auch wenn die meisten von uns (ich eingeschlossen) niemals einen Blick hineingeworfen haben. Es geht darum, die Verhaltensweisen zwischen Menschen auf ein für alle Beteiligten angenehmen Niveau zu bringen. Und ja, wenn ich mir, zum Beispiel, bei Tisch in der Nase popel, dann kann ich davon ausgehen, dass 99% meiner Tischnachbarn das eher eklig finden.

Das Problem ist, dass wir einander sehr selten sehen, wenn wir in den sozialen Medien unterwegs sind. Da haben wir Facebook, wir haben Twitter, wir haben Pinterest, Snapchat, Instagram, YouTube, vielleicht noch XING oder LinkedIn. Die Älteren unter uns haben vielleicht noch MySpace oder StudiVZ. Und die ganz besonders aufgeschlossenen treiben sich auf Plattformen wie Tinder herum.

Ganz egal, wo wir uns im Netz bewegen, wir bewegen uns in unserem eigenen Kosmos. Andere lassen wir über unsere Äußerungen und unsere Informationen, die wir von uns preisgeben, daran teilhaben. Manchmal sogar gegen deren Willen, ganz einfach, weil sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten.

Okay, bevor ich mich noch ganz ins Unkonkrete rede, komme ich zu Babsis Artikel zurück.

Babsi hatte einen konkreten Anlass, aus dem sie diesen Artikel geschrieben hat. Ich werde diesen hier nicht benennen, weil ich zum einen nicht involviert war, und weil ich zum anderen auch keine Lust habe, mich involvieren zu lassen.

Aber das, was sie da schreibt, das sind Phänomene und Antworten darauf, die ich schon kenne, seit ich mich Anno 1996 oder ’97 das erste Mal in eine Mailingliste gewagt habe. Damals gab es nämlich schon dieselben Verhaltensweisen und auch dieselben – teilweise – Missverständnisse. Ja, ich behaupte, dass auch Missverständnisse dabei sind. Denn nur die wenigsten Menschen gehen bewusst hin und verstoßen gegen die Regeln des einträchtigen Miteinanders. Und die, die es tun, die sollte man nicht füttern. Das berühmte „Don’t feed the Trolls“ halt.

Als Kernsatz möchte ich den auch bei Babsi fett gedruckten Satz Für ein liebevolleres Miteinander! aufgreifen.

Denn was oft vergessen wird: Gleiches mit Gleichem zu vergelten macht denjenigen, der reagiert, nicht unbedingt besser als den, auf den er reagiert.

Wieder auf mein Beispiel bezogen wäre es etwa keine geeignete Reaktion, dem Nasenpopler das eigene Wasserglas ins Gesicht zu schütten – und es ihm danach auf dem Kopf zu zertrümmern.

Leider musste ich gerade in den letzten Wochen und Tagen feststellen, dass sich diese Einsicht nicht bei allen Beteiligten an den Vorkommnissen, die es gegeben hat, und auf die sich auch Babsi bezieht, durchgesetzt hat. Und das finde ich, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder mir nicht zustehender Moralkeule, sehr, sehr schade.

Ich gehe nämlich davon aus, dass wir, die Autorinnen und Autoren im Netz, vom Grundsatz her erst einmal alle das Gleiche wollen. Wir wollen schreiben, Wege zum Erfolg ausloten, gemeinsam mit anderen diese Wege erkunden und dann irgendwann den Erfolg erringen. Ich gehöre zu denen, die glauben, dass man das wirklich besser gemeinsam tun kann. Jedes Gegeneinander schadet uns. Und wenn man ganz, ganz schwarz sieht, dann nicht nur den direkt Beteiligten, sondern auch allen anderen.

Wieder mein Beispiel: Links und rechts der Tafel sitzen Autoren, vor Kopf Vertreter von Verlagen, des Feuilletons, Literaturagenten. Und die sehen nun mit an, wie sich die Autoren gegenseitig nicht zu benehmen wissen, wie sie sich an die Gurgel gehen und wie sie einander das Geschirr um die Ohren hauen. Soll es uns da verwundern, dass manch einer vor Kopf aufsteht und sich sagt, dass er mit „so welchen“ eigentlich nichts zu tun haben will und dass „die“ gerne wiederkommen können, wenn sie gelernt haben, sich zu benehmen?

Mag sein, dass ich das zu global sehe, mag auch sein, dass ich es zu schwarz sehe. Aber genau deswegen schreibe ich es hier separat und nicht als klassischen Reblog, weil ich es nicht so aussehen lassen möchte, als ob Babsi die gleichen Gedankengänge hat, wie sie sich mir nun aufdrängen.

Ich finde den Knigge fürs Social-Media gut. Und ich kann nur jeden bitten, ihn sich durchzulesen und dann genau zu überlegen, inwiefern er oder sie sich daran halten mag. Oder sich zu überlegen, wieso es für ihn oder sie nicht infrage kommt.

Ob es schade ist, dass so ein Knigge geschrieben werden musste? Keine Ahnung. Vielleicht leben wir einfach in einer Zeit, in der man es gewohnt ist, sich schnell die Frequently Asked Questions durchzulesen und dann alles zu wissen, was man wissen muss. Auch in dieser Hinsicht funktioniert Babsis Knigge sehr gut.

Auf jeden Fall kann ich jeden ihrer Punkte nur unterschreiben, packe mir da, wo es nötig ist, auch an die eigene Nase und gehe dann frisch und mutig wieder an mein Werk. Denn auch dieser Blog ist in in seinen Kommentaren ein Soziales Medium. Und ich glaube nicht, dass einer von euch mich beim Popeln erwischen möchte.

Ih-Bäh!

Kurz und schmerzlos (26) Eigenlob stinkt!

Man soll sich ja nicht selber loben. Deswegen tue ich das auch nicht (na ja, selten 😉 ). Aber heute habe ich von meinem Leser Sebastian ein ganz, ganz tolles Lob bekommen, das ich nicht einsam und alleine bei den Kommentaren zu diesem Beitrag stehen lassen wollte, sondern das ich jetzt ans Tageslicht zerre:

Dein Blog motiviert mich, an meinem eigenen Projekt weiterzuarbeiten.

Wenn das, was ich mir hier zusammen kritzle, diese Wirkung auf Menschen, auf kreative Menschen ausüben kann, dann habe ich mehr damit erreicht, als ich mir jemals zu wünschen gewagt hätte!

Vielen Dank für dieses tolle Kompliment, das mich wiederum motiviert, weiter zu machen.

Entspannst du noch, oder prokrastinierst du schon?

Ich bekomme immer mal wieder die Rückmeldung, dass ich durch meine Erzählungen hier im Blog als jemand wahrgenommen werde, der unheimlich viel und hart an seinen Dingen arbeitet, die er erreichen möchte. Mir ist das immer unheimlich unangenehm, denn so sehe ich mich – leider – überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil nehme ich mich selbst als einen Menschen wahr, der unheimlich viel seiner Zeit mehr oder weniger nutzlos vertrödelt, in der er doch so viele wichtige Dinge erledigen könnte.

Nehmen wir nur die Aktivitäten rund um „Darkride“ und „Der Beobachter und der Turm“. Zu beiden habe ich fertige Exposés und Leseproben. Beide könnte ich längst in der Weltgeschichte herumreichen und darauf hoffen, dass sie irgendwo Anklang finden. Alleine, ich tue es nicht. Weil ich irgendwie das Gefühl habe, nie den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.

Der Punkt ist, dass ich, wenn ich von der Arbeit komme, oftmals einfach nicht mehr so viel geregelt bekomme. Ich sitze dann häufig zwar an meinem Rechner, aber ich vertreibe mir die Zeit im Netz, lese sehr viel und speichere viel an Informationen ab. Es ist also durchaus sogar irgendwie sinnvoll, was ich mache.

Nun kam für mich aber die Frage auf, ob das, was ich da tue, eigentlich noch Entspannung nach getanem Tageswerk ist, oder ob ich schon ernsthaft prokrastiniere.

Entspannung

Gemäß Wiktionary ist Entspannung die „Befreiung bzw. Beendigung von Anspannung“. Ich müsste mir also die Frage stellen, ob ich denn Anspannungen ausgesetzt bin, die mich davon abhalten, produktiver zu sein, als ich mich wahrnehme.

Mein Arbeitsplatz ist für mich nicht ganz frei von, sagen wir mal, inneren Konflikten. Das mag den einen oder anderen Kollegen überraschen, falls er das hier lesen sollte, aber es gibt Gründe dafür. Gründe, die ich nicht weiter ausbreiten möchte, weil sie an dieser Stelle auch nichts zur Sache tun.

Körperlich habe ich natürlich, als Schreibtischtäter und Bürohengst, keinerlei Anspannung, die längere Entspannungsphasen rechtfertigen würde. Aber, wie ich irgendwann schon einmal irgendwo bemerkte, es ist auch nicht immer leicht, vom einen Schreibtisch aufzustehen und sich nahtlos an einen anderen zu setzen. Und dabei dann auch noch produktiv sein zu wollen.

Es würde also einiges dafür sprechen, dass ich einfach, zumindest im Moment, ausgedehnte Entspannungsphasen brauche.

Prokrastination

Ich muss gestehen, dass mir bis gerade, als ich den Eintrag bei Wikipedia gelesen habe, nicht wirklich bewusst darüber war, dass Prokrastination als eine ernsthafte und durchaus komplexe Arbeitsstörung angesehen wird, die ganz kurz davor ist, sogar als eigene Erkrankung in den ICD-Code aufgenommen zu werden.

Prokrastination ist, kurz gesagt, das extreme Aufschieben von Arbeiten und kommt häufig bei selbstgesteuerten oder auch bei besonders arbeitsintensiv empfundenen Aufgaben vor. Eigentlich immer geht damit auch ein enormer Leidensdruck einher, weil die Betroffenen selber merken, wie sie Gelegenheit um Gelegenheit verstreichen lassen, eine Aufgabe zu erledigen und diese einfach nicht, oder erst nach einem eventuell gesetzten Termin, fertig wird.

Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, wie ähnlich sich Symptome der Prokrastination und der Depression sind. Ein Bereich, von dem ich ja auch ein Liedchen zwitschern kann.

Nun, sagen wir es so: Ich kenne von mir durchaus, dass ich Aufgaben, die für mich schwierig sind, „gerne“ so lange liegen lasse, bis es gar nicht anders geht. Ich möchte dafür ein Beispiel bringen:

Aufgrund gewisser Vorkommnisse war und ist es für mich schwierig, Telefonate zu führen, um Menschen und insbesondere Angehörige zu meinem Geburtstag einzuladen. Ganz ehrlich, ich bin froh gewesen, als so gut wie jeder irgendwann eine E-Mail-Adresse hatte. Wenn ich diese Anrufe tätigen musste, wurde ich schon Tage vorher nervös. Ich habe Ende Juli Geburtstag und fing an, nervös zu werden, wenn die Tour de France gestartet wird. Das ist immer so Anfang Juli. Ihr könnt also den Zeitraum ungefähr abschätzen.

Wenn dann die Woche gekommen war, in der ich definitiv anrufen musste, dauerte es meistens noch so zwei bis drei Tage, bis ich mich wirklich durchringen konnte. Ich schlich den ganzen Tag lang um das Telefon herum und fand immer wieder Gründe, genau jetzt nicht den Hörer zu nehmen und meinen Job zu machen. Mal saßen die Leute bestimmt beim Abendbrot, dann wollte ich nicht ins abendliche Fernsehprogramm fallen. Und früher waren sie bestimmt noch nicht zu Hause.

Und die ganze Zeit über ging es mir dreckig damit, bis ich irgendwann meine paar Anrufe zusammen hatte.

Beim Schreiben ist es nicht ganz so extrem. Wäre ja auch schlimm, wenn es so wäre, nicht wahr? Aber in Grundzügen ist es ähnlich: Ich weiß, dass ich Aufgaben habe, die ich erledigen möchte (so wie ich ja auch Menschen zu meinem Geburtstag einladen wollte). Es gibt Zeitfenster, in denen ich diese Aufgaben erledigen könnte. Ich lasse die Zeitfenster verstreichen und fühle mich hinterher faul und unproduktiv. Und ja, da entsteht ein gewisser Leidensdruck. Kein besonders großer, aber ein kleiner.

Prokrastination ist außerdem noch davon geprägt, dass man rationelle Gründe dafür sucht, dass man dieses Verhalten an den Tag legt, also Dinge nicht erledigt, die eigentlich anstehen. In meinem Fall wäre ein solcher Grund, dass ich mir, zusätzlich zu der Arbeit, die ich ab kommenden Montag (Lektorat) wieder mit „Der Morgen danach“ haben werde, nicht noch mehr Baustellen aufmachen möchte.

Das ist sogar ein einleuchtender Grund – oder könnte es sein, wenn vorher nicht die eine oder andere unproduktive Woche verstrichen wäre, in der ich dennoch etwas hätte erledigen können.

Und dann ist da noch der Punkt, dass man statt der Aufgabe, die eigentlich ansteht, etwas anderes macht, das als angenehmer empfunden wird. Bei mir ist das unter anderem, fürchte ich, das Schreiben von Blog-Artikeln …

Also – entspanne ich noch, oder prokrastiniere ich schon?

Ich glaube, ich muss für mich scharf aufpassen, wie ich die kommenden Arbeiten erledige. Auch wenn es sicher keinen Sinn macht, mich jetzt selbst gewaltig unter Druck zu setzen, sind doch Ansätze erkennbar, dass ich ein kleines bisschen zur Prokrastination neige.

Die Fachwelt weiß noch nicht genau, wie man dem am sinnvollsten begegnen soll. Das liegt vor allem daran, dass die Prokrastination als etwas angesehen wird, das häufig huckepack mit anderen Schwierigkeiten oder Problematiken in das System Mensch hineingetragen wird. So wird es wohl auch bei mir sein.

Mit diesem Artikel ging es mir nicht darum, mich zu outen. Eigentlich wollte ich auch gar keine große Selbstdiagnose machen. Das passierte eher so nebenbei. Es ging mir darum, die Unterschiede aufzuzeigen aber auch zu erläutern, wie nahe Entspannung und Prokrastination beieinander liegen können.

Entscheidend dürfte am Ende die eine Frage sein: Fühle ich mich gut damit, am Ende eines Tages nichts getan zu haben, oder könnte ich mir selber in den Hintern beißen, weil wieder ein Tag verplempert wurde.

Im Moment beiße ich mich häufiger, als mir selber lieb ist.

Ich hoffe, dass es bei euch anders ist oder habt ihr auch schon Zahnabdrücke am Gesäß?

»Schmerzlos« – Ein paar Details

So, nachdem ich euch gestern die Neuigkeit ja nur ganz kurz vor den Latz geknallt habe, möchte ich heute noch mal ein paar genauere Details zu »Schmerzlos« schreiben. Hierbei handelt es sich, wie ihr euch sicher noch erinnern werdet, um eine Anthologie, die aus dem Literaturwettbewerb der Seite cluewriting.de hervorgegangen ist. Ich hatte hier sowohl über die Entstehung der Geschichte, als auch über meine Freude berichtet, als ich feststellen durfte, dass sie es in die Anthologie geschafft hat. Und das sogar als eine der fünf Besten!

In einer E-Mail hatten die beiden Clue-Writerinnen schon angekündigt, dass der 21.05. als Termin für die Veröffentlichung der Anthologie angepeilt war. Aber ich gebe zu, dass ich bis gestern Abend eigentlich nicht mehr daran geglaubt hatte.

Aber ich wollte euch ja mit ein paar Details versorgen und sollte das dann wohl auch einfach mal tun, findet ihr nicht?

Also, der vollständige Name der Anthologie lautet »Schmerzlos – Literatur in kleinen Happen«, wie es auch auf diesem wunderschönen Coverbild zu erkennen ist:

Enthalten sind, je nach Ausgabe, 20 oder 45 Geschichten. Der Unterschied liegt am Format. Während die gedruckte Ausgabe „nur“ die 20 besten Geschichten enthält, haben die Cluwriterinnen Rahel und Sarah für die eBook-Version weitere 25 Geschichten ausgewählt.

Ebenfalls enthalten ist ein Link zu einer Website, auf welcher die fünf Gewinnergeschichten als Podcast von erfahrenen Hörbuchsprechern eingesprochen wurden. Meine ist auch dabei 🙂 .

Falls ihr noch nicht genug von meiner Selbstdarstellung auf diesem Blog habt, gibt es noch mehr davon auf meiner Autorenseite.

Beide Ausgaben sind in Kürze ganz regulär über den Buchhandel zu bekommen, da mit dem Verlag 3.0 ein Partner gefunden wurde, der sich hier um die Abwicklung kümmert. Der Preis für das eBook liegt bei 9.99 EUR, das gedruckte Buch kostet 15.00 EUR.

Soviel zu den harten Fakten. Wie ich gestern schon sagte, bin ich an den Einnahmen aus diesem Buch nicht beteiligt. Aber das hindert mich natürlich nicht daran, trotzdem eine Empfehlung für diese Anthologie auszusprechen, die von allen Beteiligten mit viel, viel Herzblut erstellt wurde.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ausdrücklich bei Rahel und Sarah bedanken, die wirklich einen tollen und, um ein Lieblingswort der beiden zu bemühen, megalotastischen Job gemacht haben. Ich kann nur erahnen, wie viele Stunden Arbeit in diesem Projekt stecken und kann es daher verstehen, dass sie weiteren Wettbewerben dieses Ausmaßes erst einmal eine Absage erteilt haben. Umso schöner finde ich es, dass ich dieses Mal dabei sein durfte.

Meinem Nachnamen habe ich es außerdem zu verdanken, dass ich den bunten Reigen der ausgewählten Geschichten (nach dem obligatorischen Vorwort) eröffnen darf. Das bedeutet, dass meine Geschichte „Aus Eiseskälte aufgewacht“ das Erste ist, was Leser von dieser Anthologie lesen.

Ich kann nur hoffen, dass nicht zu viele von ihnen danach kopfschüttelnd das Buch zuklappen und sich fragen, ob sie wohl ihr Geld noch zurückbekommen können. Da kann ich dann nur sagen: Wenn meine Geschichte euch nicht gefällt, sind noch viele andere drin, die euch vielleicht besser gefallen. Ich werde jetzt aber auch erst einmal in Ruhe alles durchlesen.

Tja, das ist sie nun, meine erste „richtige“ Veröffentlichung. Fühlt sich seltsam an, das kann ich euch sagen. Und weckt absolut die Vorfreude auf das, was da noch kommen soll.

Kommen wird!