Der Druck hinter den Augen

Kennt ihr auch dieses Gefühl von Druck hinter den Augen?
Den Kopfschmerz, der kein Kopfschmerz ist?
Das Bohren in den Schädelknochen hinein?

Manchmal überfallen mich diese und andere Schmerzen, die ich darauf zurückführe, dass meine Schreibseele nicht ausgeglichen ist. Im Moment hänge ich irgendwie zwischen den Seilen, schiebe es auf Medikamente, die umgestellt werden, schiebe es auf mich selbst. Can’t blame it on the weather.

Ausgeglichenheit könnte ich erreichen, indem ich das, was ich tue, und das, was ich nicht tue, neu gewichte und gegeneinander verschiebe. Es ist, wie immer, nicht so, dass mir die Ideen fehlen würden. Da sind zu viele. Da ist ein zu viel an Möglichkeiten, ein Übermaß an Energie. Soviel Energie, dass sie sich nicht nach außen richten kann, sondern dass sie nach innen implodiert.

Die Implosion fühlt sich an wie der Ausbruch einer Supernova. Ein Stern, der explodiert, um dann in sich zusammen zu fallen und als Schwarzes Loch alles aufzusaugen, was um ihn herum existiert.

So viel, bis es nicht mehr existiert.
Nichts mehr existiert.
Schwärze sich im Kopf ausbreitet.
Eine Schwärze, die wohl tut, ebenso, wie sie Angst macht.

Doch die Hauptsache ist, dass der Druck nachlässt.
Dass die Schmerzen aufhören.
Nichts mehr bohrt und nichts mehr schmerzt.
Weil nichts mehr wichtig ist. Und doch alles gleichzeitig.

Kennt ihr auch dieses Gefühl?

Reblog: Der Social-Media-Knigge (und ein paar Gedanken dazu)

Heute möchte ich euch einen sehr lesenswerten Artikel meiner geschätzten Autorenkollegin und BartSis Babsi a.k.a. TheBlueSiren ans Herz legen. Dies tue ich aber, trotz der Überschrift, nicht als ganz normalen Reblog, wie ich ihn über WordPress auf Knopfdruck haben könnte, sondern in Form eines ergänzenden Artikels. Weil ich denke, dass Ergänzungen nötig sind.

Also: Ein Social-Media-Knigge. Wieso das?

Nun, wer oder was ein Knigge ist, das dürften wir alle wissen, auch wenn die meisten von uns (ich eingeschlossen) niemals einen Blick hineingeworfen haben. Es geht darum, die Verhaltensweisen zwischen Menschen auf ein für alle Beteiligten angenehmen Niveau zu bringen. Und ja, wenn ich mir, zum Beispiel, bei Tisch in der Nase popel, dann kann ich davon ausgehen, dass 99% meiner Tischnachbarn das eher eklig finden.

Das Problem ist, dass wir einander sehr selten sehen, wenn wir in den sozialen Medien unterwegs sind. Da haben wir Facebook, wir haben Twitter, wir haben Pinterest, Snapchat, Instagram, YouTube, vielleicht noch XING oder LinkedIn. Die Älteren unter uns haben vielleicht noch MySpace oder StudiVZ. Und die ganz besonders aufgeschlossenen treiben sich auf Plattformen wie Tinder herum.

Ganz egal, wo wir uns im Netz bewegen, wir bewegen uns in unserem eigenen Kosmos. Andere lassen wir über unsere Äußerungen und unsere Informationen, die wir von uns preisgeben, daran teilhaben. Manchmal sogar gegen deren Willen, ganz einfach, weil sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten.

Okay, bevor ich mich noch ganz ins Unkonkrete rede, komme ich zu Babsis Artikel zurück.

Babsi hatte einen konkreten Anlass, aus dem sie diesen Artikel geschrieben hat. Ich werde diesen hier nicht benennen, weil ich zum einen nicht involviert war, und weil ich zum anderen auch keine Lust habe, mich involvieren zu lassen.

Aber das, was sie da schreibt, das sind Phänomene und Antworten darauf, die ich schon kenne, seit ich mich Anno 1996 oder ’97 das erste Mal in eine Mailingliste gewagt habe. Damals gab es nämlich schon dieselben Verhaltensweisen und auch dieselben – teilweise – Missverständnisse. Ja, ich behaupte, dass auch Missverständnisse dabei sind. Denn nur die wenigsten Menschen gehen bewusst hin und verstoßen gegen die Regeln des einträchtigen Miteinanders. Und die, die es tun, die sollte man nicht füttern. Das berühmte „Don’t feed the Trolls“ halt.

Als Kernsatz möchte ich den auch bei Babsi fett gedruckten Satz Für ein liebevolleres Miteinander! aufgreifen.

Denn was oft vergessen wird: Gleiches mit Gleichem zu vergelten macht denjenigen, der reagiert, nicht unbedingt besser als den, auf den er reagiert.

Wieder auf mein Beispiel bezogen wäre es etwa keine geeignete Reaktion, dem Nasenpopler das eigene Wasserglas ins Gesicht zu schütten – und es ihm danach auf dem Kopf zu zertrümmern.

Leider musste ich gerade in den letzten Wochen und Tagen feststellen, dass sich diese Einsicht nicht bei allen Beteiligten an den Vorkommnissen, die es gegeben hat, und auf die sich auch Babsi bezieht, durchgesetzt hat. Und das finde ich, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder mir nicht zustehender Moralkeule, sehr, sehr schade.

Ich gehe nämlich davon aus, dass wir, die Autorinnen und Autoren im Netz, vom Grundsatz her erst einmal alle das Gleiche wollen. Wir wollen schreiben, Wege zum Erfolg ausloten, gemeinsam mit anderen diese Wege erkunden und dann irgendwann den Erfolg erringen. Ich gehöre zu denen, die glauben, dass man das wirklich besser gemeinsam tun kann. Jedes Gegeneinander schadet uns. Und wenn man ganz, ganz schwarz sieht, dann nicht nur den direkt Beteiligten, sondern auch allen anderen.

Wieder mein Beispiel: Links und rechts der Tafel sitzen Autoren, vor Kopf Vertreter von Verlagen, des Feuilletons, Literaturagenten. Und die sehen nun mit an, wie sich die Autoren gegenseitig nicht zu benehmen wissen, wie sie sich an die Gurgel gehen und wie sie einander das Geschirr um die Ohren hauen. Soll es uns da verwundern, dass manch einer vor Kopf aufsteht und sich sagt, dass er mit „so welchen“ eigentlich nichts zu tun haben will und dass „die“ gerne wiederkommen können, wenn sie gelernt haben, sich zu benehmen?

Mag sein, dass ich das zu global sehe, mag auch sein, dass ich es zu schwarz sehe. Aber genau deswegen schreibe ich es hier separat und nicht als klassischen Reblog, weil ich es nicht so aussehen lassen möchte, als ob Babsi die gleichen Gedankengänge hat, wie sie sich mir nun aufdrängen.

Ich finde den Knigge fürs Social-Media gut. Und ich kann nur jeden bitten, ihn sich durchzulesen und dann genau zu überlegen, inwiefern er oder sie sich daran halten mag. Oder sich zu überlegen, wieso es für ihn oder sie nicht infrage kommt.

Ob es schade ist, dass so ein Knigge geschrieben werden musste? Keine Ahnung. Vielleicht leben wir einfach in einer Zeit, in der man es gewohnt ist, sich schnell die Frequently Asked Questions durchzulesen und dann alles zu wissen, was man wissen muss. Auch in dieser Hinsicht funktioniert Babsis Knigge sehr gut.

Auf jeden Fall kann ich jeden ihrer Punkte nur unterschreiben, packe mir da, wo es nötig ist, auch an die eigene Nase und gehe dann frisch und mutig wieder an mein Werk. Denn auch dieser Blog ist in in seinen Kommentaren ein Soziales Medium. Und ich glaube nicht, dass einer von euch mich beim Popeln erwischen möchte.

Ih-Bäh!

Kurz und schmerzlos (26) Eigenlob stinkt!

Man soll sich ja nicht selber loben. Deswegen tue ich das auch nicht (na ja, selten 😉 ). Aber heute habe ich von meinem Leser Sebastian ein ganz, ganz tolles Lob bekommen, das ich nicht einsam und alleine bei den Kommentaren zu diesem Beitrag stehen lassen wollte, sondern das ich jetzt ans Tageslicht zerre:

Dein Blog motiviert mich, an meinem eigenen Projekt weiterzuarbeiten.

Wenn das, was ich mir hier zusammen kritzle, diese Wirkung auf Menschen, auf kreative Menschen ausüben kann, dann habe ich mehr damit erreicht, als ich mir jemals zu wünschen gewagt hätte!

Vielen Dank für dieses tolle Kompliment, das mich wiederum motiviert, weiter zu machen.

Entspannst du noch, oder prokrastinierst du schon?

Ich bekomme immer mal wieder die Rückmeldung, dass ich durch meine Erzählungen hier im Blog als jemand wahrgenommen werde, der unheimlich viel und hart an seinen Dingen arbeitet, die er erreichen möchte. Mir ist das immer unheimlich unangenehm, denn so sehe ich mich – leider – überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil nehme ich mich selbst als einen Menschen wahr, der unheimlich viel seiner Zeit mehr oder weniger nutzlos vertrödelt, in der er doch so viele wichtige Dinge erledigen könnte.

Nehmen wir nur die Aktivitäten rund um „Darkride“ und „Der Beobachter und der Turm“. Zu beiden habe ich fertige Exposés und Leseproben. Beide könnte ich längst in der Weltgeschichte herumreichen und darauf hoffen, dass sie irgendwo Anklang finden. Alleine, ich tue es nicht. Weil ich irgendwie das Gefühl habe, nie den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.

Der Punkt ist, dass ich, wenn ich von der Arbeit komme, oftmals einfach nicht mehr so viel geregelt bekomme. Ich sitze dann häufig zwar an meinem Rechner, aber ich vertreibe mir die Zeit im Netz, lese sehr viel und speichere viel an Informationen ab. Es ist also durchaus sogar irgendwie sinnvoll, was ich mache.

Nun kam für mich aber die Frage auf, ob das, was ich da tue, eigentlich noch Entspannung nach getanem Tageswerk ist, oder ob ich schon ernsthaft prokrastiniere.

Entspannung

Gemäß Wiktionary ist Entspannung die „Befreiung bzw. Beendigung von Anspannung“. Ich müsste mir also die Frage stellen, ob ich denn Anspannungen ausgesetzt bin, die mich davon abhalten, produktiver zu sein, als ich mich wahrnehme.

Mein Arbeitsplatz ist für mich nicht ganz frei von, sagen wir mal, inneren Konflikten. Das mag den einen oder anderen Kollegen überraschen, falls er das hier lesen sollte, aber es gibt Gründe dafür. Gründe, die ich nicht weiter ausbreiten möchte, weil sie an dieser Stelle auch nichts zur Sache tun.

Körperlich habe ich natürlich, als Schreibtischtäter und Bürohengst, keinerlei Anspannung, die längere Entspannungsphasen rechtfertigen würde. Aber, wie ich irgendwann schon einmal irgendwo bemerkte, es ist auch nicht immer leicht, vom einen Schreibtisch aufzustehen und sich nahtlos an einen anderen zu setzen. Und dabei dann auch noch produktiv sein zu wollen.

Es würde also einiges dafür sprechen, dass ich einfach, zumindest im Moment, ausgedehnte Entspannungsphasen brauche.

Prokrastination

Ich muss gestehen, dass mir bis gerade, als ich den Eintrag bei Wikipedia gelesen habe, nicht wirklich bewusst darüber war, dass Prokrastination als eine ernsthafte und durchaus komplexe Arbeitsstörung angesehen wird, die ganz kurz davor ist, sogar als eigene Erkrankung in den ICD-Code aufgenommen zu werden.

Prokrastination ist, kurz gesagt, das extreme Aufschieben von Arbeiten und kommt häufig bei selbstgesteuerten oder auch bei besonders arbeitsintensiv empfundenen Aufgaben vor. Eigentlich immer geht damit auch ein enormer Leidensdruck einher, weil die Betroffenen selber merken, wie sie Gelegenheit um Gelegenheit verstreichen lassen, eine Aufgabe zu erledigen und diese einfach nicht, oder erst nach einem eventuell gesetzten Termin, fertig wird.

Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, wie ähnlich sich Symptome der Prokrastination und der Depression sind. Ein Bereich, von dem ich ja auch ein Liedchen zwitschern kann.

Nun, sagen wir es so: Ich kenne von mir durchaus, dass ich Aufgaben, die für mich schwierig sind, „gerne“ so lange liegen lasse, bis es gar nicht anders geht. Ich möchte dafür ein Beispiel bringen:

Aufgrund gewisser Vorkommnisse war und ist es für mich schwierig, Telefonate zu führen, um Menschen und insbesondere Angehörige zu meinem Geburtstag einzuladen. Ganz ehrlich, ich bin froh gewesen, als so gut wie jeder irgendwann eine E-Mail-Adresse hatte. Wenn ich diese Anrufe tätigen musste, wurde ich schon Tage vorher nervös. Ich habe Ende Juli Geburtstag und fing an, nervös zu werden, wenn die Tour de France gestartet wird. Das ist immer so Anfang Juli. Ihr könnt also den Zeitraum ungefähr abschätzen.

Wenn dann die Woche gekommen war, in der ich definitiv anrufen musste, dauerte es meistens noch so zwei bis drei Tage, bis ich mich wirklich durchringen konnte. Ich schlich den ganzen Tag lang um das Telefon herum und fand immer wieder Gründe, genau jetzt nicht den Hörer zu nehmen und meinen Job zu machen. Mal saßen die Leute bestimmt beim Abendbrot, dann wollte ich nicht ins abendliche Fernsehprogramm fallen. Und früher waren sie bestimmt noch nicht zu Hause.

Und die ganze Zeit über ging es mir dreckig damit, bis ich irgendwann meine paar Anrufe zusammen hatte.

Beim Schreiben ist es nicht ganz so extrem. Wäre ja auch schlimm, wenn es so wäre, nicht wahr? Aber in Grundzügen ist es ähnlich: Ich weiß, dass ich Aufgaben habe, die ich erledigen möchte (so wie ich ja auch Menschen zu meinem Geburtstag einladen wollte). Es gibt Zeitfenster, in denen ich diese Aufgaben erledigen könnte. Ich lasse die Zeitfenster verstreichen und fühle mich hinterher faul und unproduktiv. Und ja, da entsteht ein gewisser Leidensdruck. Kein besonders großer, aber ein kleiner.

Prokrastination ist außerdem noch davon geprägt, dass man rationelle Gründe dafür sucht, dass man dieses Verhalten an den Tag legt, also Dinge nicht erledigt, die eigentlich anstehen. In meinem Fall wäre ein solcher Grund, dass ich mir, zusätzlich zu der Arbeit, die ich ab kommenden Montag (Lektorat) wieder mit „Der Morgen danach“ haben werde, nicht noch mehr Baustellen aufmachen möchte.

Das ist sogar ein einleuchtender Grund – oder könnte es sein, wenn vorher nicht die eine oder andere unproduktive Woche verstrichen wäre, in der ich dennoch etwas hätte erledigen können.

Und dann ist da noch der Punkt, dass man statt der Aufgabe, die eigentlich ansteht, etwas anderes macht, das als angenehmer empfunden wird. Bei mir ist das unter anderem, fürchte ich, das Schreiben von Blog-Artikeln …

Also – entspanne ich noch, oder prokrastiniere ich schon?

Ich glaube, ich muss für mich scharf aufpassen, wie ich die kommenden Arbeiten erledige. Auch wenn es sicher keinen Sinn macht, mich jetzt selbst gewaltig unter Druck zu setzen, sind doch Ansätze erkennbar, dass ich ein kleines bisschen zur Prokrastination neige.

Die Fachwelt weiß noch nicht genau, wie man dem am sinnvollsten begegnen soll. Das liegt vor allem daran, dass die Prokrastination als etwas angesehen wird, das häufig huckepack mit anderen Schwierigkeiten oder Problematiken in das System Mensch hineingetragen wird. So wird es wohl auch bei mir sein.

Mit diesem Artikel ging es mir nicht darum, mich zu outen. Eigentlich wollte ich auch gar keine große Selbstdiagnose machen. Das passierte eher so nebenbei. Es ging mir darum, die Unterschiede aufzuzeigen aber auch zu erläutern, wie nahe Entspannung und Prokrastination beieinander liegen können.

Entscheidend dürfte am Ende die eine Frage sein: Fühle ich mich gut damit, am Ende eines Tages nichts getan zu haben, oder könnte ich mir selber in den Hintern beißen, weil wieder ein Tag verplempert wurde.

Im Moment beiße ich mich häufiger, als mir selber lieb ist.

Ich hoffe, dass es bei euch anders ist oder habt ihr auch schon Zahnabdrücke am Gesäß?

»Schmerzlos« – Ein paar Details

So, nachdem ich euch gestern die Neuigkeit ja nur ganz kurz vor den Latz geknallt habe, möchte ich heute noch mal ein paar genauere Details zu »Schmerzlos« schreiben. Hierbei handelt es sich, wie ihr euch sicher noch erinnern werdet, um eine Anthologie, die aus dem Literaturwettbewerb der Seite cluewriting.de hervorgegangen ist. Ich hatte hier sowohl über die Entstehung der Geschichte, als auch über meine Freude berichtet, als ich feststellen durfte, dass sie es in die Anthologie geschafft hat. Und das sogar als eine der fünf Besten!

In einer E-Mail hatten die beiden Clue-Writerinnen schon angekündigt, dass der 21.05. als Termin für die Veröffentlichung der Anthologie angepeilt war. Aber ich gebe zu, dass ich bis gestern Abend eigentlich nicht mehr daran geglaubt hatte.

Aber ich wollte euch ja mit ein paar Details versorgen und sollte das dann wohl auch einfach mal tun, findet ihr nicht?

Also, der vollständige Name der Anthologie lautet »Schmerzlos – Literatur in kleinen Happen«, wie es auch auf diesem wunderschönen Coverbild zu erkennen ist:

Enthalten sind, je nach Ausgabe, 20 oder 45 Geschichten. Der Unterschied liegt am Format. Während die gedruckte Ausgabe „nur“ die 20 besten Geschichten enthält, haben die Cluwriterinnen Rahel und Sarah für die eBook-Version weitere 25 Geschichten ausgewählt.

Ebenfalls enthalten ist ein Link zu einer Website, auf welcher die fünf Gewinnergeschichten als Podcast von erfahrenen Hörbuchsprechern eingesprochen wurden. Meine ist auch dabei 🙂 .

Falls ihr noch nicht genug von meiner Selbstdarstellung auf diesem Blog habt, gibt es noch mehr davon auf meiner Autorenseite.

Beide Ausgaben sind in Kürze ganz regulär über den Buchhandel zu bekommen, da mit dem Verlag 3.0 ein Partner gefunden wurde, der sich hier um die Abwicklung kümmert. Der Preis für das eBook liegt bei 9.99 EUR, das gedruckte Buch kostet 15.00 EUR.

Soviel zu den harten Fakten. Wie ich gestern schon sagte, bin ich an den Einnahmen aus diesem Buch nicht beteiligt. Aber das hindert mich natürlich nicht daran, trotzdem eine Empfehlung für diese Anthologie auszusprechen, die von allen Beteiligten mit viel, viel Herzblut erstellt wurde.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ausdrücklich bei Rahel und Sarah bedanken, die wirklich einen tollen und, um ein Lieblingswort der beiden zu bemühen, megalotastischen Job gemacht haben. Ich kann nur erahnen, wie viele Stunden Arbeit in diesem Projekt stecken und kann es daher verstehen, dass sie weiteren Wettbewerben dieses Ausmaßes erst einmal eine Absage erteilt haben. Umso schöner finde ich es, dass ich dieses Mal dabei sein durfte.

Meinem Nachnamen habe ich es außerdem zu verdanken, dass ich den bunten Reigen der ausgewählten Geschichten (nach dem obligatorischen Vorwort) eröffnen darf. Das bedeutet, dass meine Geschichte „Aus Eiseskälte aufgewacht“ das Erste ist, was Leser von dieser Anthologie lesen.

Ich kann nur hoffen, dass nicht zu viele von ihnen danach kopfschüttelnd das Buch zuklappen und sich fragen, ob sie wohl ihr Geld noch zurückbekommen können. Da kann ich dann nur sagen: Wenn meine Geschichte euch nicht gefällt, sind noch viele andere drin, die euch vielleicht besser gefallen. Ich werde jetzt aber auch erst einmal in Ruhe alles durchlesen.

Tja, das ist sie nun, meine erste „richtige“ Veröffentlichung. Fühlt sich seltsam an, das kann ich euch sagen. Und weckt absolut die Vorfreude auf das, was da noch kommen soll.

Kommen wird!

 

Noch ein paar Gedanken zum Autoren-Altenheim

Meine Idee vom netten kleinen Altenteil, auf das sich alle meine Autorenkolleginnen und -kollegen zum (hoffentlich noch weit entfernten) Ende ihres Lebens hin zurückziehen können, ist ja ganz gut angekommen.

Immer wieder wurde gesagt, dass es eine schöne Fiktion oder auch Vision sei. Das hat mich dazu gebracht, noch einmal darüber nachzudenken. Also konkret darüber, ob sich so eine Idee nicht wirklich verwirklichen lassen würde.

Also erst einmal die ernüchternden Fakten: Natürlich sind wir Autoren alle unterschiedlich alt. Wenn ich in den Spiegel (oder noch schlimmer: in den Personalausweis) schaue, dann muss ich mir gestehen, dass auch ich inzwischen in einem Alter bin, in dem ich durchaus als Papa unserer jüngeren Mit-Autorinnen infrage käme, wenn ich mich früh genug um Nachwuchs bemüht hätte. Dementsprechend komme ich auch viel schneller aufs Altenteil.

Der zweite Aspekt ist die räumliche Entfernung. Schon jetzt ist es ja schwierig, sich mal im echten Leben über den Weg zu laufen. Dafür sind wir einfach zu sehr in ganz Deutschland bzw. dem benachbarten Ausland verteilt.

Aber das sind Punkte, die doch eigentlich, streng genommen, nur die konkreten Personen aus meiner kleinen faktischen Fiktion betreffen.

Nehmen wir an, dass sich die Idee vom Autoren-Altenheim auf einer breiteren Front realisieren ließe. Es gibt heute schon Künstlerkolonien, wie unter anderem Wikipedia zu berichten weiß. Einige von denen auch ausdrücklich für Künstler, die sich ihrem Lebensabend nähern. Und auch, wenn diese zumeist von bildenden Künstlern genutzt werden, steht doch letztlich einer auf Autoren ausgerichteten Kolonie nichts im Wege.

So eine Kolonie könnte durchaus vergleichbar zu einem Altenheim geführt werden. Zugegeben, es wäre ein exklusives Altenheim. Aber es könnte Einrichtungen in verschiedenen Preisklassen geben, ganz so, wie es auch heute schon der Fall ist.

Was sich aber nicht unterscheiden dürfte, wären die Betreuungs- und Erbauungsinhalte, die in diesen Einrichtungen angeboten würden. Das ist jetzt auch nichts Besonderes, sondern ein Anspruch, den ich auch heute schon an Alten- und Pflegeheime hätte, nämlich dass dort auch unabhängig von der Größe des jeweiligen Geldbeutels gute Arbeit geleistet wird, die dem Bewohner zugewandt ist.

Auf diese Weise wäre alles möglich: Vom kleinen Heim in der Innenstadtlage bis hin zur ausgewachsenen Künstlerkolonie an der Nordsee oder im Schwarzwald. Ich stelle mir eine Kooperation vor zwischen einem gesundheitlichen Träger und einem Verband, der über die inhaltliche Ausrichtung für ein auf Schriftsteller zugeschnittenes Programm wacht. Bestandteile dieses Programms wären etwa Lesungen, wie ich sie in meiner Fiktion beschrieb, aber es wären auch viele andere Dinge möglich.

Das Gehirn eines Schriftstellers lebt in der Kreativität und von der Kreativität. Ich gehe davon aus, dass die meisten „von uns“ bis ins hohe Alter hinein diese Kreativität behalten und pflegen wollen. Das kann man fördern. Die Wissenschaft ist dabei, die Formeln der Kreativität zu erkunden (da gab es gerade neulich einige interessante Artikel im „Focus“ zu).

Diese Erkenntnisse könnten alle in ein gesamtheitliches Konzept einfließen, das von Autoren für Autoren gemacht wird und uns allen zugute kommt.

Sicher, das Konzept hat seine Haken und Ösen. Weil es eben kein richtiges Konzept ist, sondern nur eine kleine Spinnerei. Ein Gedankenspiel. Allerdings eines, das sich auch ohne zu viel Aufwand an Phantasterei in die Realität umsetzen ließe. Wenn man denn wollte.

Oder in einen netten kleinen Roman, fällt mir an der Stelle ein. Seht ihr: Alleine schon der Gedanke an ein fiktives Paradies für alternde Autoren hat in mir kreative Energien geweckt. Was wohl erst die reale Umsetzung bewirken könnte!?

Vielleicht sollte mal jemand bei den entsprechenden Autorenverbänden vorfühlen. Freiwillige vor! 😉

Fakt und Fiktion (18) Schriftsteller-Altenteil

Auch wenn man es sich bei dem heutigen Wetter eher schlecht vorstellen kann, war es vorgestern richtig schön. Die Sonne schien, der Himmel war blau, die Temperaturen kletterten bereits am Morgen auf Werte, wie wir sie ansonsten nur in den Sommermonaten erreichen.

Ich hatte einen Termin bei meinem Hautarzt, der sich sehr über die Erfolge an den Problemzonen an meinen Händen freute, die eingetreten waren, nachdem wir die Medikamente abgesetzt haben, die mehrere tausend Euro teuer waren. Manchmal, so sagte er im Scherz, ist es besser, einfach mal nicht zu behandeln und auf die Kraft der heilenden Hände zu vertrauen.

Aber gut, was will ich mich beklagen, wenn nur die Probleme in den Griff zu kriegen sind.

Auf dem Rückweg zu meinem Arbeitsplatz kam ich an dem Krankenhaus vorbei, das direkt hinter meiner Dienststelle liegt und in dem es mehrere psychiatrische und geriatrische Stationen gibt. Hier hat unter anderem mein Opa eine ganze Weile gelegen, aber auch ich habe schon die Leistungen des Hauses in Anspruch nehmen dürfen.

Als ich das Gebäude passierte, fiel mir eine Gruppe von Menschen auf, die, zumeist in Rollstühlen sitzend, in einem Kreis beieinander waren. Die meisten von ihnen waren alt, aber es waren auch einige jüngere anwesend. Ein oder zwei von ihnen waren klar als Pfleger oder Krankenschwester zu erkennen.

Ein junger Mann hatte eine Gitarre in der Hand und spielte. Es war eine deutsche Version des wunderschönen Liedes „Auld Lang Syne“. Einige der Rollstuhlfahrer hielten Textbögen in der Hand, vereinzelt wurde mitgesungen oder -gesummt. Andere ließen nur den Blick in die Runde oder die Entfernung schweifen und es war nicht ersichtlich, ob sie sich gerade darüber bewusst waren, wo sie sich befanden und was sie taten. Aber ich denke, dass es ihnen auch gut getan haben wird, die Musik zu hören.

Ich konnte mich nicht lange aufhalten und hätte es auch unhöflich gefunden, wenn ich gaffend bei der Gruppe stehen geblieben wäre. Aber dieses Bild hat mich beschäftigt.

Kaum um die Straßenecke herumgegangen stellte ich mir vor, wie es wohl wäre …

Warm scheint die Haut auf mein Gesicht, das hilflos in die Sonne blinzelt. Dann entdeckt Schwester Frieda meine Situation und schützt meine Augen mit der Sonnenbrille, die ich selber wegen meiner klapprigen Hände nicht mehr auf meine Nase bugsieren kann.

Wir sind heute zu früh, scheint mir, denn es ist noch niemand außer uns da. Vielleicht wussten die Krankenhausmitarbeiter auch nicht, dass wir uns heute draußen treffen. Aber bei diesem schönen Wetter wäre es eine Sünde, in dem stickigen Saal zu sitzen.

Ah ja, da kommen sie ja schon, meine werten Kolleginnen und Kollegen. Ganz vorne weg, wie eigentlich immer, die Michaela. Stets zwei Schritte vor dem Pfleger, der sie eigentlich stützen soll. Aber sie war ja immer schon so stürmisch, wenn ich mich richtig erinnere. Das mit dem Erinnern klappt in letzter Zeit nicht mehr so gut.

So geht es auch dem Simon, der sich nicht mehr an seinen richtigen Namen erinnern kann. Deswegen habe ich es auch aufgegeben, ihm immer und immer wieder die Cover seiner alten Bücher zu zeigen, wo der Name drauf steht. Aber ansonsten ist er geistig beweglich wie eh und je, was sich in mancher Diskussion zeigt. Ja, manchmal diskutieren wir. Fast wie früher.

Weitere wohlbekannte und erwartete Gesichter erscheinen nach und nach, alleine, oder in Gruppen. Da ist Kia, unser Nesthäkchen, die bis ins hohe Alter herumgereist ist und uns auch heute noch mit ausgefallenen Tee-Ideen versorgt. Den ewigen Kamillentee kann doch kein Schwein – mit Verlaub – mehr sehen!

Ach, und Margaux treibt gerade mal wieder ihren Pfleger zur Verzweiflung, weil sie sich von ihm gar nichts sagen lässt. Ich kann mich noch erinnern, wie überrascht der arme Kerl war, als er erstens erfuhr, dass Margaux sich selbst als submissiv bezeichnet, und wie frustriert, als sie ihm einbläute, dass das nichts mit ihm zu tun hat und niemals haben wird. Kann einem fast leid tun, der Mann.

Und da sind Katherina, Nike und Nora, die sich schon jetzt und wahrscheinlich auch schon den ganzen Morgen austauschen über Welten voller fantastischer Wesen, Vampire und Märchengestalten. Ich weiß, dass die Ärzte ganz verzweifelt sind, weil sie nicht herausfinden, was davon jetzt romantische Auseinandersetzung ist und an was davon die drei wirklich glauben.

Aber ich, ich weiß es. Denn ich kenne sie. Ich kenne sie alle, die vielen Männer und Frauen. Auch die, die heute nicht bei uns sind. Einige, weil sie bei ihren Familien zu Besuch sind oder, die etwas fitteren unter uns, sogar berufliche Termine haben.

Ein günstiger Wind des Schicksals hat uns hier zusammengeführt, herbeigeweht aus allen Teilen der Welt, teils sogar Ländergrenzen überschreitend.

Inzwischen haben wir, die wir heute zur Stunde zusammengekommen sind, einen Kreis gebildet. Frau Hofmann hat sich auch eingefunden und strahlt mit einem Lächeln jeden von uns an, dass es mich alten Mann richtig aufblühen lässt. Dann greift sie zu den Unterlagen, die sie mitgebracht hat.

»Heute lesen wir, wie letzte Woche angekündigt, einige Passagen aus dem Roman sechsuhrsieben von Frau Kalcher. Ist die heute gar nicht da?«

»Nein«, antworte ich. »Mea hat heute im Verlag zu tun, wo sie hin und wieder noch aushilft.«

»Nun gut, dann werden wir eben das nächste Mal mit ihr darüber sprechen, wie es war, als sie den Roman geschrieben hat.«

Dann räuspert Frau Hofmann sich und beginnt, mit ihrer glockenhellen Stimme zu lesen. Ich schließe die Augen, spüre die Sonnenwärme auf meinem Gesicht und erinnere mich an die Zeit, als ich selber noch geschrieben habe. Bevor die Hände nicht mehr wollten, wie ich will.

Aber ich bin im Kreise von Menschen, denen es so geht wie mir, die nie aufgehört haben, das Schreiben und alles, was damit zu tun hat, zu lieben.

Ja, ich kann sagen, ich bin glücklich!

Der Gedanke ließ mich lächeln, auch wenn ich wusste, dass es so eine Gruppe, so eine Zusammenkunft in der Realität niemals geben würde. Dafür sind wir zu sehr verstreut, auch das unterschiedliche Alter spielt eine Rolle. Und überhaupt: Wem gönnt man schon, bei aller Romantik, den Lebensabend in einem solchen Heim? Da soll doch lieber jeder in seinem vertrauten Umfeld und – vor allem – mit den geliebten Menschen alt werden. Ganz individuell, wie er und sie es möchte.

Deswegen schob ich die Vorstellung auch schnell mit einem Grinsen beiseite, nicht jedoch ohne mir zu sagen, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, sie hier aufzuschreiben.

In der Hoffnung, dass meine werten Kolleginnen und Kollegen, sofern sie dies denn lesen, ebenfalls ein wenig grinsen oder doch wenigstens schmunzeln müssen.

Der Sonntagsreport vom 14.05.2017: Völlig unpolitisch und trotzdem haben wir die Wahl

Heute hat Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag gewählt. Aber das hat für „Mein Traum vom Buch“ erst einmal überhaupt keine Auswirkungen. Ich bin in keiner Partei aktiv, war heute in keinem Wahllokal unterwegs und muss auch keine Tränen oder Partyhüte auf irgendeiner Wahlparty aufwischen.

Und dennoch halte ich Tage wie diesen für wichtig. Wieso? Weil sie uns im großen Maßstab daran erinnern, dass wir immer eine Wahl haben. Jeden Tag haben wir die Wahl in so vielen Bereichen unseres Lebens. Gut, jetzt kann man argumentieren, dass ich aufstehen muss um zur Arbeit zu gehen, weil ich sonst kein Geld bekomme. Oder dass ich mich an die Gesetze halten muss, weil ich sonst Ärger mit der Polizei bekomme.

Aber das sind für mich, mit Verlaub, Spitzfindigkeiten. Bei vielen Dingen auf der Ebene des persönlichen Geschmacks, des ganz persönlichen Lebens, haben wir die Wahl. Egal ob arm oder reich. Egal ob schwarz oder weiß.

Unser Leben verläuft nicht in geraden Bahnen, nicht zwangsläufig. Es verläuft in den Bahnen, in die wir es lenken. Wir geben den Ton an. Selbst die Entscheidung, uns einfach treiben zu lassen, ist eine Entscheidung, die wir bewusst treffen.

Wieder kann man argumentieren, dass es Umstände gibt, die wir nicht beeinflussen können. Man kann krank sein und deswegen keinen Sport treiben oder nicht einmal laufen können. Wir können von Dingen, Substanzen oder Menschen abhängig sein. Alles möglich, alles richtig, ja! Aber die Art, wie wir damit umgehen, die obliegt jedem von uns selbst. Ausnahmen, wie zum Beispiel Alzheimererkrankungen, sind die traurige Bestätigung der Regel.

Speziell wir hier, die wir uns hin und wieder in diesem kleinen Blog zusammenfinden, haben in vielen – nicht in allen – Dingen die Wahl. Ihr könnt wählen, ob wir uns das hier durchlesen oder nicht. Und ich kann wählen, ob ich es für so wichtig erachte, dass ich es aufschreibe.

Wie gesagt: Ich propagiere nicht, dass wir jederzeit alle Dinge frei entscheiden können. Wenn ich Verpflichtungen eingegangen bin, sei es Arbeit, sei es Familie, sei es Pflege, dann muss ich mich diesen Verpflichtungen stellen. Aber ich habe mir in all diesen Dingen irgendwann gesagt: Ja, das mache ich jetzt!

Vielleicht ist es das, was viele Parteien vergessen, den Leuten da draußen zu vermitteln – um doch noch einmal einen Schlenker zur Landtagswahl zu schlagen. Dass auch die „große“ Politik etwas ist, an dem man einmal alle vier Jahre etwas verändern kann. Und im Kleinen können wir es jeden Tag, indem wir unserem Landtagsabgeordneten auf die Nerven fallen.

Ich hoffe, dass ich euch mit diesen kleinen, einfach mal herunter geschriebenen Gedanken nicht zu sehr auf die Nerven gefallen bin, damit ihr auch zukünftig hier vorbei schaut.

Wie gesagt: Ihr habt die Wahl!

Aber ich würde mich sehr darüber freuen.

Habt einen guten Wochenstart!

Euer Michael

To get shit done!

Ich muss mich gerade mal für zwei oder auch drei Sekunden freuen, wenn euch das recht ist. Wenn nicht, dann empfehle ich euch, einen meiner etwas weniger fröhlichen Beiträge zu lesen. Ich bin mir sicher, dass ihr mit relativ kurzer Recherche etwas passendes finden könnt 😉 .

Aber heute muss ich einfach mal sagen, dass ich ein gutes Gefühl habe. Ich habe in den letzten Tagen die Erfahrung gemacht, wie gut es mir tut, wenn ich einfach mal Dinge in Angriff nehme und dann auch erledige.

Ja, das ist keine neue Erkenntnis – andererseits schreiben eine Menge Leute Ratgeber zu genau diesen Themen. So unwichtig kann sie dann folglich eigentlich auch nicht sein.

Aber hey, ich habe in der letzten Woche die Kurzgeschichte geschrieben und fertig gemacht, mit der ich nun irgendwie, irgendwann, irgendwas anstellen werde. Und ich habe, nachdem ich beinahe einen Monat die Sache immer wieder aufgeschoben habe, die Bewerbung für „Darkride“ geschrieben und abgeschickt.

Ich habe das Gefühl, im Moment einfach Dinge erledigt zu bekommen. Im englischen sagt man, ich finde sehr passend: To get shit done!

Es geht darum, dass man Aufgaben, die einem vielleicht für den Augenblick zu groß zu sein scheinen, nicht einfach bis St. Nimmerlein aufschiebt, sondern sie in Angriff nimmt. Man kann vielleicht scheitern, das ist legitim. Aber wichtig ist, dass man es wieder versucht und dass man an der Sache dran bleibt.

Das ist für mich deswegen wichtig, mir das auch selber ins Gedächtnis zu rufen und nach Möglichkeit dort zu verankern, weil es ja jetzt weitergehen muss: „Der Morgen danach“ steht auf dem Programm. Heute in zwei Wochen habe ich wieder einen Termin im Verlag und dann geht es „knallhart“ ins Lektorat. Darauf will ich vorbereitet sein.

Doch auch außerhalb meiner Schriftstellerblase bekomme ich gerade Dinge hin, vor allem auf der Arbeit, die mir schon länger böse in die Augen gestarrt haben.

Ist es so einfach: Man probiert sich aus, überwindet einen Widerstand und löst damit eine Blockade? Kann es wirklich so einfach sein? Und wenn es so ist, wieso baut man sich dann immer wieder so leicht neue Blockaden in den Weg?

Und was steht dann eigentlich in den ganzen Ratgebern drin, wenn das so einfach ist!?

Ich bin jetzt lange genug im Geschäft um zu wissen, dass solche Phasen kommen und gehen können. Aber ich bin auch lange genug dabei um zu wissen, dass es wichtig ist, sich vor Augen zu führen, dass man diesen Phasen nicht ausgeliefert ist. Gerade das Beispiel der vergangenen Woche zeigt, dass mit ein wenig Anstrengung ein Schritt aus eigener Veranlassung und mit eigener Kraft getan werden kann.

Und dann setzt man einen Prozess in Gang, der einen vielleicht, vielleicht auch nicht, irgendwohin führt. In meinem Fall vielleicht zu einer Verlagsveröffentlichung für „Darkride“. Oder zu einer Kurzgeschichtensammlung, irgendwann, in weiter Ferne.

Ich danke euch für die zwei, drei Sekunden eurer Aufmerksamkeit und eventuell habt ihr ja auch irgendeinen Brocken, den ihr schon so lange vor euch herschiebt, dass ihr gar nicht mehr wisst, wie ihr ihn handhaben sollt. Ich kenne das, das wisst ihr, wenn ihr hier schon länger mitlest.

Aber die Erfahrung, die ich gerade mache, die könnt auch ihr machen. Ganz ohne „du schaffst es“ oder über Glasscherben laufen!

Indem ihr es einfach ausprobiert: To get shit done!

Früher oder später müssen wir alle sterben – oder?

Früher oder später müssen wir alle sterben – oder?

Eine provokative Frage, die sich doch eigentlich vollkommen leicht beantworten lässt. Ja, nach dem momentanen Stand der Technik, der Ethik, des Menschseins als Solches müssen wir alle, die Armen, die Reichen, die Beliebten, die Unbeliebten, die Schönen und die Hässlichen irgendwann einmal sterben. Wie sagt man so schön: Vor dem Tod sind sie alle gleich.

Sogar Schriftsteller. Auch Schriftsteller?

Durch die aktuelle Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ (erschienen am 15.04.2017) bin ich auf einen Gedanken gestoßen worden. In dieser Ausgabe geht es darum, ob die Unsterblichkeit bald für alle Menschen in den Bereich des Möglichen rücken könnte. Diese Frage wird unter anderem anhand der neuesten Errungenschaften der Medizin, aber auch des Silicon Valley beleuchtet. Es fehlt auch nicht eine ethische Betrachtung durch den Vorsitzenden des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland.

Einig sind sich alle Stimmen darin, dass eine tatsächliche Unsterblichkeit noch nicht erreichen lässt. Uneinig sind sie sich darin, ob es sich dabei um etwas Erstrebenswertes handeln würde. Was sollte man schon mehrere tausend Jahre lang auf dieser Welt anstellen? Offenkundige Fragen wie die, wie alle diese Menschen ernährt, untergebracht oder entlohnt werden sollen, lassen wir einmal beiseite.

Nun, für den geneigten Schriftsteller mag die Antwort noch recht einfach sein. Man schreibt einfach sein ganzes Leben lang. Und wer weiß, vielleicht gelingt einem ja das große Alterswerk im Alter von 433 Jahren? Gut, danach muss man sich vielleicht weitere 800 Jahre damit auseinandersetzen, dass man nie wieder an diesen Erfolg würde anschließen können.

Ihr merkt schon, Unsterblichkeit ist nichts für Menschen, die an Selbstwertproblemen leiden.

Dabei gibt es auch heute schon Autoren, die einfach unsterblich sind. Aber sie sind dies nicht, weil sie immer noch in persona durch die Weltgeschichte spazieren, sondern weil ihre Werke sie berühmt gemacht haben. Man denke an Schriftsteller wie Shakespeare, Goethe, Schiller, Defoe oder Twain.

Aber daran sieht man auch schon, dass selbst diese relative Unsterblichkeit für einen Schriftsteller ein zweischneidiges Schwert ist. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wenn wir auf die Straße gehen und die repräsentative Schnittmenge der Leute, die wir dort treffen, danach fragen, wie denn der Autor von „Robinson Crusoe“ hieß, oder der von „Moby Dick“, oder die Autorin von „Frankenstein“ – wie viele würden wohl alle drei Fragen richtig beantworten können?

„Frankenstein“ deutet direkt auf den interessanten Umgang hin, den Autoren in ihren Werken mit der Unsterblichkeit pflegen und gepflegt haben. Das Geschöpf, das Victor von Frankenstein erschaffen hat (immer dran denken, der Name bezeichnet den Schöpfer und nicht seine Kreatur) ist in gewisser Weise unsterblich, da es aus bereits toten Teilen erschaffen wurde. Das ermöglicht ihm seine erbarmungslose Hatz auf seinen Urheber. Und gleichzeitig enthüllt es das ganze Drama eines Wesens, das von den Menschen niemals als einer der ihren anerkannt werden wird, egal, wie sehr es sich auch anstrengen mag, die Gepflogenheiten ihrer Kultur zu erlernen oder sie durch pure Mimikry nachzuahmen.

Mary Shelley nahm hier einen Aspekt vorweg, der sich auch in der realen Unsterblichkeit zeigen würde. Denn die Unsterblichen würden ganz zwangsläufig irgendwann in ihrer kulturellen Entwicklung von den Jüngeren abgekoppelt werden. Wir beobachten das doch heute schon überall, wo Junge und Alte aufeinander treffen. Die gemeinsamen Interessen sind sehr überschaubar, ebenso wie der gemeinsame Geschmack. Hier liegt geradezu die Wurzel für kulturelle Grabenkämpfe, deren Zeuge ich zumindest lieber nicht werden möchte.

Einen anderen Umgang mit der Unsterblichkeit finden wir in der langlebigsten Heftromanserie der Welt. „Perry Rhodan“, gleichzeitig Namensgeber und Held dieses Science-Fiction-Epos, wurde durch seine Erschaffer schon recht bald mit der relativen Unsterblichkeit ausgestattet. Dies hatte einfach den Hintergrund, dass ansonsten Abenteuer zwischen den Planeten und in fernen Galaxien nur schwer möglich gewesen wären. Denn auch wenn Rhodan durch einen Zufall außerirdische Technologie anzapfen kann, dauert es doch viele Jahrzehnte, bis die Erde in der Lage ist, den nächsten Schritt zu tun. Rhodan wäre dann schon lange tot. Also musste man ihm die Möglichkeit zu altern nehmen, um die folgenden Abenteuer plausibel erzählen zu können.

Doch wurde die Unsterblichkeit hier nur einem kleinen Kreis von Personen gewährt und diese sind auch noch, später in der Serie, mehr oder weniger dauerhaft in irgendwelchen gefährlichen Einsätzen. Für die Erde spielt dies also gesellschaftlich keine große Rolle. Und da die meisten Unsterblichen sich im Rahmen ihrer Familienplanung eher genügsam gezeigt haben, sind auch die entsprechenden Stammbäume schnell gezeichnet.

Aber kehren wir zurück in die Realität und zur eigenen Unsterblichkeit. Sicherlich hat jeder von uns schon einmal davon geträumt, nicht sterben zu müssen. Ab einem gewissen Alter mag der Gedanke immer drängender werden. Aber solange noch nicht die Heilmittel gegen alle Krankheiten gefunden wurden, die z.B. für eine geistige Degenerierung sorgen … nun ja, ich weiß nicht. Die Vorstellung, ein Menschenleben lang mit Demenz zu verbringen, lässt mich nun nicht gerade vor Verzückung jubilieren.

Da könnte ich mich schon deutlicher mit dem Gedanken anfreunden, dass meine Romane mich überleben. Gut, dafür sollte ich wahrscheinlich erst einmal ein paar davon veröffentlicht haben. Aber doch, die Vorstellung hat etwas.

Ich komme also zu dem Schluss, dass wir zwar früher oder später alle sterben müssen, aber dass der Umgang der Nachwelt ein unterschiedlicher sein wird. Was lebt von uns nach? Was wird das sein, woran man sich erinnert? Jedes Buch, das einmal geschrieben und verlegt wurde, wird irgendwo, in irgendeinem Regal, in irgendeiner Kiste, in irgendeinem Antiquariat oder Archiv noch vorhanden sein. Die Digitalisierung tut ihr Übriges dazu, dass nichts verloren geht.

Und auf diese Weise gibt es dann doch eine relative Unsterblichkeit. Nur für Schriftsteller? Nein, denn auch andere Menschen leben auf diese Weise weiter. Auf Fotos. Auf Bildern. In Erzählungen. Durch ihre Taten und Worte und Gedanken.

Wir alle haben ein Stück Unsterblichkeit in uns, auch wenn unsere Körper ein Verfallsdatum in sich tragen. Ein tröstlicher Gedanke, findet ihr nicht auch?